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  1. Inaktiver User

    Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Eigentlich fast ein Punkt für's Fassungslosforum:

    Eben bin ich über die mir bis dato unbekannte Bezeichnung "Gender Pension Gap" gestolpert und habe mal kurz gegooglet. Ich halte mich für durchaus informiert, was Renten- und Anlagedinge angeht, auch in Bezug auf Arbeitszeitquoten von Frauen, Gender Pay Gap, u.ä., bin ich auf dem Laufenden.

    Trotzdem haben mich die Zahlen, die ich gefunden habe, ziemlich betroffen gemacht. "Die Summe der durchschnittlichen eigenen Alterssicherungseinkommen aus den drei Säulen des Sicherungssystems beläuft sich auf 645 Euro monatlich für Frauen und auf 1.595 Euro monatlich für Männer. Die prozentuale Lücke, der Gender Pension Gap, beträgt damit 59,6 %." (Quelle: unten verlinkter BMFSFJ-Bericht). Eine Lücke von 60%! Am schlimmsten sieht es bei verheirateten Frauen aus. Ok, die haben vielleicht noch eine zusätzliche Absicherung über eine deutlich höhere Rente des Mannes, aber auch für die verwitweten Damen sieht es übel aus. Schlimmer, als ich befürchtet hatte. D.h. wenn er 1000,- Rente hat, hat sie 400,- (die Definition steht im Bmfsfj-Bericht BMFSFJ - Gender Pension Gap). Nun ist der Bericht schon ein paar Jahre alt, die Zahlen sind seitdem leicht besser geworden, gehen aber wg der Corona-Auswirkungen auch wieder zurück.

    Ich finde das gruselig. Mit einem großen Unterschied, vielleicht 30-40% hätte ich schon gerechnet, aber nicht mit 60%. Im EU-weiten Vergleich stehen wir auch unglaublich schlecht da.


    Woran liegt das? Mir fallen ad hoc Arbeitszeit, 450,- Jobs, Kinderzeiten (wobei es dafür ja sogar recht gut Punkte gibt), Schwarzarbeit, Hausfrauendasein, geringere Verdienste ein. Sonst noch etwas?

    Warum ist die Lücke bei uns so deutlich ausgeprägter als in vielen anderen EU-Staaten? Das kann ich mir gar nicht erklären.


    Sich wundernd, Pia


    PS: Es gehört nicht wirklich zur Geldanlage, im Versicherungs- oder Sparforum schien mir der Thread aber auch falsch, darf also gerne verschoben werden, wenn eine der Mods bessere Ideen hat.
    P²S: falls jemand ebenfalls Google anwirft: bei Wikipedia sind tw Zahlen vertauscht worden, nicht wundern.

  2. Inaktiver User

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    ich bin jahrgang 60. wir sind die erste frauen-generation die auch mit kindern durchgearbeitet haben.
    wie schon geschrieben wurde: 450 euro jobs., die gutschriften auf dem rentenkonto für die kinder- das ist eine lachplatte.
    den rechtsanspruch auf teilzeit gibts noch nicht so lange. also blieben viele frauen zuhause. oder haben nebenher- sozialversicherungs-frei was gemacht.
    die generation meiner eltern: bis mitte der siebziger jahre brauchte eine verheiratete frau für eine berufstätigkeit die zustimmung ihres mannes. -meine frau braucht nicht zu arbeiten- dünkel-denken hoch 4.

  3. Inaktiver User

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Ich hab jetzt leider gerade keine Zeit und Lust, die Studie zu lesen. Sehe ich das richtig, dass die sich auf Personen bezieht, die bereits in Rente sind?

    Nachtrag - OK, hab es gefunden:

    Die Untersuchung umfasst alle Personen, die eigene Alterssicherungseinkommen aus mindestens einer der drei oben genannten Säulen des Sicherungssystems beziehen und das 65. Lebensjahr erreicht haben. Einbezogen werden Frauen und Männer, die das gesetzliche Rentenalter von 65 Jahren erreicht haben, um die Fälle auszuschließen, die Alterssicherungseinkommen beziehen und gleichzeitig noch einer (teilweisen) Erwerbstätigkeit nachgehen.
    Die Studie ist von 2011, wir reden also über Geburtsjahrgänge 1946 (!) und älter. Das heißt, da sind auch nicht wenige Frauen dabei, die überhaupt keine eigenen Rentenansprüche haben. Entweder, weil sie nie oder nur ganz kurz gearbeitet haben oder weil sie sich ihre Rente haben auszahlen lassen, als das noch ging.

    Ich will das Thema aber nicht kleinreden, den Gap gibt es ja trotzdem noch.
    Geändert von Inaktiver User (30.10.2021 um 18:16 Uhr)

  4. User Info Menu

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Die Daten stammen von 2007 und sind damit wohl eindeutig überholt. Die Tendenz zu mehr Jahren mit bezahlter Erwerbstätigkeit steigt kontinuierlich an. Der erste Bericht zu diesem Thema war 1992, da lag der Gender Pension Gap bei 69,2%. Im Jahr 2007 sind es nun 59,6%, neuere Zahlen habe ich nicht gefunden. Es würde mich aber sehr wundern, wenn da noch ein Wert von 50 % erreicht wird. Je besser die Frauen ausgebildet sind umso eher kehren sie frühzeitig in den Beruf zurück. Die neuen Arbeitswelten heutzutage dürften auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter vereinfachen.

    Im Übrigen finde ich die Zahlen nicht sehr aussagekräftig. Die Frauen mit dem höchsten Gender Cap sind verheiratet. Warum diese Frauen nicht als wirtschaftliche Einheit mit ihren Männern gesehen werden, ist mir unklar. Die Miete, Lebensmittel, Versicherung usw werden doch gemeinsam bestritten. Wenn der Mann nicht mehr da ist, dann wird die eigene Rente mit der Witwenrente aufgestockt. Dann dürfte das Gender Cap aber nicht mehr so hoch ausfallen.

    Ich lese auch, dass nur Alterssicherungseinkommen wie gesetzliche Rente, betriebliche Zusatzversorgung und private Rentenversicherung für die Statistik berücksichtigt wurden. Von der individuellen Vermögenssituation ist nicht die Rede, weil diese Daten nicht erfasst wurden.

    Meine verstorbene Mutter wäre auch in diesem Gender Cap Dingens als statistische Größe mit unterdurchschnittlichem Wert gelandet wegen vieler Jahre in Teilzeit. Tatsache ist jedoch, dass sie mit meinem Vater eine wirtschaftlich sehr komfortable Einheit gebildet hat. Als mein Vater verstarb kam eine ansehnliche Witwenrente dazu, von Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung reden wir erst gar nicht. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  5. Inaktiver User

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Vielen Dank für Eure Gedanken!

    Dass die Daten älter sind, erwähnte ich ja schon. Allerdings sehen neuere auch nicht sooo viel besser aus: Gender Pension Gap bei eigenen Alterssicherungsleistungen 1992–2019 - Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut.

    Die Versorgung durchs gemeinsame Wirtschaften hatte ich ja auch schon als Einflussfaktor ausgemacht, was dabei irritiert, sind allerdings die ebenfalls schlechten Zahlen der Witwen.

    Aber Ihr habt natürlich Recht, dass heute Erwerbstätig schon anders dastehen als gerade in die Rente Eintretende.

    Merkwürdig ist da allerdings wieder, dass die Lücke im EU Vergleich so groß ist, das kann ich mir nicht erklären.

  6. Moderation

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    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Pia, unterm Strich heißt "60% weniger gesetzliche Rente" ja Pi mal Daumen, daß Erika Mustermann im Leben nur 40% von dem verdient hat, was Dieter Durchschnitt verdient hat, oder? Selbst wenn man sagt, "das ist ja nur eine Säule" ist der springende Punkt mMn das Lebenseinkommen. Denn wer wenig Geld hat, kann auch nicht viel in sonstige Vorsorgesysteme stecken.

    Ebenfalls Pi mal Daumen 1/3 davon ist der Gender Pay Gap. (Wenn ich meine Prozente richtig sortiert habe.)

    Der Rest ist ein Schweizer Käse von einer Erwebsbiographie.

    Wie alt sind Frau Mustermann und Herr Durchschnitt heute, wenn sie Rente beziehen?
    Etwa Mitte 70.
    Davon ausgehen: Frau Mustermann (West) war etwa 30, als sie das erste Mal ohne Erlaubnis ihres Mannes einer bezahlten Arbeit nachgehen durfte (1977). Sie war um Mitte 30, als "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ins BGB aufgenommen wurde (1980). Knapp 40, und dann in den 50ern, als das Bundesverfassungsgericht es zum Schutz der Familie es wiederholt für geboten hielt, Frauen in die Altersarmut zu subventionieren (1982, 1998). Sie war über 50, als ihr erstes Enkelkind geboren wurde, für das die Mutter Kindererziehungzeiten für die Rente anrechnen lassen konnte (1992).

    Und selbst, wenn sie erst 1955 geboren wurde, und wenn sie nicht das sprichwörtliche bildungsferne bayrische Mädchen vom Lande war, das in den 1960ern/70ern für Bildungsferne stand... Was du sagst: Teilzeit, Minijobs, Aussetzer für Haus und Hof und Ehemann, Kindererziehung, die nicht in drei Jahren pro Kind getan ist, wenn sie zu 90% an einem (einer) hängen bleibt. Außerdem die Erwartung, im Familienbetrieb (der Mannes oder Vaters) "mitzuhelfen", natürlich unbezahlt, eine durch die Steuergesetzgebung bestärkte Aufgabenteilung in der Familie, die Schaffung eines Prekariats und Niedriglohnsektors, der bevorzugt Frauen, die ja nach allgemeiner Ansicht das Geld nicht so brauchen, weil sie einen Mann haben, offen stand...

    Altert die Kohorte der weiblichen Opfer des deutschen Mutterbildes aus der Statistik? Hie Agenda 2010 (~2004), da Wirtschaftskrise (2007, 2021), da drüben Corona (2020/21), und es nimmt. einfach. kein. Ende.

    --

    Andere EU-Staaten haben geringere Gender Pay Gaps (die Statistiken unterscheiden sich ein wenig in ihren Korrekturfaktoren, aber EST, A und DE führen zuverlässig die EU-Statistik an, LU, BE und RO sind Schlußlichter) und schmeißen nicht so lange so viel Geld in die Förderung der Hausfrauenehe.

    Was ich mir jetzt nicht angesehen habe, und was bestimmt im internationalen Vergleich auch eine Rolle spielt, sind die Details der Rentengesetzgebung.

    ---

    Obendrein, wenn ich das, was ich hier in der BriCom lese[*], findet eine unglaubliche ent-solidarisierung in Partnerschaften statt, wo es als normal gilt, daß unabhängig vom Einkommen die Ausgaben halbe/halbe getragen werden (gnadenloser als das Finanzamt!), und mehr, wenn jemand (normalerweise die Frau) gar noch Kinder hat, die einen anderen Vater haben. Ich bin, muß ich sagen, zu früh geboren für solche Ideen...
    [*] Ich weiß. Nicht repräsentativ. Hoffentlich.

    ---

    Man kann nur mit Billie Holiday sagen, "God bless the child that got its own."
    Geändert von wildwusel (30.10.2021 um 21:59 Uhr)
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  7. User Info Menu

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Zitat Zitat von Nocturna Beitrag anzeigen
    Im Übrigen finde ich die Zahlen nicht sehr aussagekräftig. Die Frauen mit dem höchsten Gender Cap sind verheiratet. Warum diese Frauen nicht als wirtschaftliche Einheit mit ihren Männern gesehen werden, ist mir unklar. Die Miete, Lebensmittel, Versicherung usw werden doch gemeinsam bestritten. Wenn der Mann nicht mehr da ist, dann wird die eigene Rente mit der Witwenrente aufgestockt. Dann dürfte das Gender Cap aber nicht mehr so hoch ausfallen.
    Ich finde auch, dass Zahlen, die einfach so die Renten von Männern und Frauen vergleichen, überhaupt nicht aussagefähig sind. Das Altersvorsorgekonzept von verheirateten Frauen war doch meist nicht, vor allem auf die eigene Rente zu bauen. Wenn die Entscheidung war, die Ehe arbeitsteilig zu gestalten, dann hat die Frau auch wenig eigenen Rentenanspruch. Das heißt doch aber nicht automatisch, dass sie kein auskömmliches Einkommen hat, auch wenn sie verwitwet.

    (Wir haben das mit umgekehrter Rollenverteilung so entschieden - und die Rentenansprüche meines Mannes sind weniger als 40% von meinen. Er wird aber auch verwitwet nicht darben! Das haben wir schon überlegt.
    Und die kleine Rente meiner Mutter sagt auch überhaupt nichts darüber aus, wie sie finanziell gestellt ist, auch wenn sie mal verwitwet).
    Geändert von Marta-Agata (31.10.2021 um 01:08 Uhr)

  8. User Info Menu

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Vorweg: ich lebe in Österreich.

    Also erstens gehe ich davon aus, dass Frauen mit niedriger staatlicher Rente meist (nicht immer) auch darüber hinaus keine großen Vermögenswerte besitzen.

    Zweitens habe ich oft genug Frauen erlebt, die wenig gearbeitet haben (und sich der Familienarbeit/care-Arbeit gewidmet haben ohne finanziellen Ausgleich dafür) und im Falle einer Trennung dann ganz schön "blöd" aus der Wäsche schauen.

    Ja, es gibt sicherlich Frauen, die in ihren Ehen privat gut vorgesorgt haben, durch Erbschaften Vermögen besitzen usw. Aber die große Masse ist das mit Sicherheit nicht.

    Die Jahre, die ich nur Teilzeit gearbeitet habe, kann ich kaum mehr aufholen (ich war und bin AE und habe keinen Partner, der meine Finanzen stützt).

    Ich habe noch ca. 22 Jahre Erwerbsarbeit vor mir und selbst wenn ich diese 22 Jahre ganz fix in Vollzeit mit regelmäßig steigendem Gehalt weiterarbeite, bekomme ich keine besonders hohe Rente ( ca. 1500 staatliche Rente). Mein Arbeitgeber ermöglicht die Einzahlung in eine private Rentenkasse um die staatliche Pension aufzufetten. Ein bisschen mehr als die 1500 werde ich also wohl bekommen. Große Sprünge macht man da aber nicht.

    Wie soll jemand mit niedrigem Lohn/Teilzeit noch großartig privat vorsorgen?

    Ich empfehle allen jungen Frauen um mich, nicht aus dem Erwerbsprozess auszusteigen. Wenn sie das doch unbedingt tun wollen, großzügigen finanziellen Ausgleich zu regeln. Niemand weiß, ob Ehe/Beziehung ein Leben lang hält und man in der Rente immer noch zusammen ist.
    Never be afraid, never.

  9. User Info Menu

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Hier ein paar Infos aus der Schweiz: Gender Pension Gap: Frauen holen auf | Swiss Life

    Daraus:

    Momentan sind es insbesondere die geschiedenen Rentnerinnen, die finanziell schlecht abgesichert sind. Fast ein Drittel von ihnen ist auf Ergänzungsleistungen angewiesen.
    A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer

  10. Inaktiver User

    AW: Gender Pension Gap - woher kommt's?

    Veröffentlichungen von Versicherungsunternehmen pflege ich in diesem Zusammenhang mit Vorsicht zu betrachten.

    OT: Konkubinat, echt jetzt? Schmeiß mich weg.

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