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  1. Inaktiver User

    Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Hallo zusammen,

    ich bin Anfang 40, verheiratet und Mutter zweier Kinder. In unserer Ehe ist mein Mann der Großverdiener, ich war allerdings bis auf die Elternzeitunterbrechungen immer berufstätig. Wir leben in einem Haus, das in gut neun Jahren hoffentlich abbezahlt sein wird.

    Über die Jahre bin ich nachdenklicher geworden bezüglich meiner Altersvorsorge. Es gibt keine separate finanzielle Absicherung für mich, ich bin quasi von meinem Mann “abhängig”. Zwar existiert eine Lebensversicherung, sollte ihm etwas zustoßen, ansonsten bin ich aber auf mich alleine gestellt.

    Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen, mehr finanzielle Verantwortung für mich und meine Zukunft zu übernehmen. Ich habe einige Freundinnen, die nach einer Trennung kaum mehr ihre Miete bezahlen können oder damit rechnen müssen, im Alter von der Grundsicherung zu leben und daher beschlossen, dass ich niemals in so eine Situation kommen möchte.

    Der erste Schritt war der Weg zurück in eine Vollzeitberufstätigkeit, den ich in diesem Jahr gewagt habe. Zwar sind die Tage stressiger geworden, aber ich bereue es keine Sekunde und es fühlt sich gut an, notfalls eine Mietwohnung alleine bezahlen zu können und sich auch beruflich nochmal vorwärts zu entwickeln.

    Nun überlege ich also, wie die nächsten Schritte aussehen könnten, denn auf eine staatliche Altersrente sollte ich mich wohl besser nicht verlassen.
    Stichwort: Vermögensaufbau.

    Aktuell habe ich kein relevantes Sparguthaben. Es existieren 3000 Euro “Notreserve” auf einem Sparkonto und es gibt eine fondsgebundene Rentenversicherung, die ich mit einem Minibeitrag bespare. Über die letzten Jahre war die Ausbeute dort mau, es bestünde also die Möglichkeit, diese zu kündigen und den freiwerdenden Betrag (knapp 20k) anders/besser anzulegen.

    Aktuell könnte ich ohne Mühe 500 Euro monatlich beiseite legen, eher einiges mehr. Allerdings habe ich einen Autokredit, den ich gerne schneller tilgen möchte als vorgesehen und ich würde auch gerne weiterhin ein paar Euro auf das Sparkonto für kurzfristige Ausgaben umschichten, deshalb sind die 500 Euro wahrscheinlich realistisch für die langfristige Anlage.

    Habt ihr Vorschläge und Ideen, wie ich vernünftig vorgehen könnte?

    Danke schon mal

  2. User Info Menu

    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Hallo Marillenschnaps,

    ich gratuliere dir zu deinem klaren Blick auf deinen finanziellen Status und insbesondere, dass du mit dem Einstieg in die Berufstätigkeit auch gleich beherzt zur Tat geschritten bist.

    Du hast nicht geschrieben, ob dir am Haus ein Anteil gehört. Falls ja, wäre deine Vermögenslage gar nicht so schlecht. Ein halbes abgezahltes Haus in 9 Jahren ist ein beachtlicher Sachwert, wenn es zum Trennungsfall käme. Und falls ihr keinen Ehevertrag habt, dann würdest du auch vom Vermögenszuwachs deines Mannes während eurer Ehe profitieren. Trotzdem ist es richtig, wenn du deine eigene finanzielle Absicherung planst. Ein eigenes gut gefülltes Konto/Depot, auf das man nur selbst Zugriff hat, ist in turbulenten Zeiten wie einer Trennung absolut nervenberuhigend.

    Du solltest dir ein paar Zahlen besorgen. Wie hoch wird deine spätere Rente ausfallen? Wie hoch ist die Rendite deiner fondsgebundenen Rentenversicherung? Wie viel kostet der Autokredit?Wann möchtest du das Auto ersetzen und wie viel Geld brauchst du dafür? Ich halte nicht viel von kreditfinanzierten Autos oder Privatleasing, wenn das Sparkonto so schwach gefüllt ist. Ich würde also erstmal einen soliden Grundbetrag ansparen, der dir Manövrierspielraum für größere geplante Ausgaben gibt.

    Wenn die fondsgebundene Rentenversicherung mit mickriger Rendite aufwartet und das obwohl eine ganz hervorragende Börsenzeit hinter uns liegt, dann taugt das Produkt nichts. Wenn du Risiko akzeptieren kannst, wäre hier eine Anlage in Aktien-ETFs auf den MSCI das erste Mittel der Wahl. Du hast mit Anfang 40 noch einen sehr langen Anlagehorizont und genug Zeit die Märkte für dich arbeiten zu lassen. Wenn du ganz risikoscheu bist, kannst du nur der Inflation mittels der üblichen Produkte (Festgeldtreppe) hinterher sparen.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  3. Inaktiver User

    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Liebe Nocturna,

    erstmal lieben Dank für deine ausführliche und freundliche Antwort. Manchmal komme ich mir vor wie eine Idiotin, dass ich dieses Thema so lange ausgeblendet oder vielmehr verdrängt habe.

    Ich versuche mal, das ein oder andere noch etwas zu spezifizieren.
    Ja, wir haben die Immobilie gemeinsam gekauft und stehen auch beide im Grundbuch. Auf ein Vermögen würde ich da im Trennungsfall nicht hoffen (das Haus steht nicht in München oder Stuttgart - allerdings auch nicht in der Uckermark), aber es bliebe sicherlich ein kleines Polster.

    Welches Sparguthaben mein Mann ansammelt, kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht sagen. Er gibt gerne das aus, was er zur Verfügung hat und hat viele teure Hobbys. Obwohl er wirklich sehr gut verdient (jährlich gut sechsstellig plus Boni), glaube ich nicht, dass er irgendwo ein kleines Vermögen hortet.
    Da sind wir wahrscheinlich auch schon bei des Pudels Kern, denn diese Dinge werden hier nicht offen besprochen. Er ist sehr konservativ und hätte es am liebsten, wenn ich zu Hause bliebe und er mir Haushaltsgeld zuteilen könnte. Die Elternzeiten waren diesbezüglich augenöffnend, denn da musste ich mich plötzlich für Einkäufe wie "zu teures Mineralwasser" rechtfertigen.
    Auch dass ich wieder Vollzeit arbeite schmeckt ihm nicht und er sagt offen Dinge wie "für so ein Gehalt würde ich nicht mal aufstehen". Diese Entwicklung hat sicherlich ebenfalls dazu beigetragen, dass ich wieder mehr auf eigenen Beinen stehen möchte.

    Sobald es die Zeit zulässt werde ich einen Termin zur Kontenklärung beim Rentenversicherer vereinbaren. Ich hatte dort bereits nachgeschaut, aber aktuell gibt es keine Termine, die mit meiner Arbeitszeit vereinbar wären. Steht aber auf meiner ToDo-Liste!
    Überschlagen habe ich das trotzdem mal und komme so auf etwa 15 eigene Rentenpunkte (vielleicht etwas mehr, da ich während der EZ zusätzlich in TZ beschäftigt war), die ich aktuell haben müsste plus die, die ich im Falle einer Scheidung noch anteilig von meinem Mann erhalten würde. Mit meinem aktuellen Gehalt kämen dann jährlich etwa 1,2 Punkte dazu. Aber ehrlich gesagt mag ich mich auf staatliche Rente kaum verlassen.

    Das Auto ist drei Jahre alt und muss nicht in absehbarer Zeit ersetzt werden. Ich zahle dafür ca. 380 Euro im Monat, allerdings mit der Option auf Sondertilgungen, die ich definitiv nutzen werde. Ich bin auf das Fahrzeug beruflich und privat angewiesen, denn mein Mann ist beruflich viel unterwegs.
    Ob der Kauf schlau war oder nicht, lasse ich mal unbeantwortet im Raum stehen. Ich schrieb ja bereits, dass der Groschen erst im Laufe der letzten eineinhalb Jahre so richtig gefallen ist und würde mich vermutlich Stand heute anders entscheiden.

    Was die LV/RV angeht, so müsste ich mal nachsehen, ob ich irgendwo aus dem jährlichen Bescheid die Rendite herauslesen kann. Ansonsten krame ich die der letzten Jahre raus und schaue mir die Entwicklung auf dem Papier an. Hast du eine Idee, was dabei herumkommen sollte, damit man sie gegenüber ETFs und Co. noch als lohnenswert bezeichnen könnte?

    Nun habe ich mich hier aber wirklich nackt ausgezogen.

    Der Plan ist auf jeden Fall, das Auto möglichst schnell abzubezahlen und weiterhin das Sparkonto mit 300-400 Euro monatlich zu besparen, um dort ein kleines Polster aufzubauen. Nichtsdestotrotz könnte ich ja vielleicht schon überlegen, wohin ich sinnvollerweise alternativ/zusätzlich Geld sparen könnte. Dann gerne auch mit einem mittleren Risiko, das ließe sich verkraften, wenn dort nur ein Teil des Geldes läge.

  4. User Info Menu

    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    [...] denn diese Dinge werden hier nicht offen besprochen. Er ist sehr konservativ und hätte es am liebsten, wenn ich zu Hause bliebe und er mir Haushaltsgeld zuteilen könnte. Die Elternzeiten waren diesbezüglich augenöffnend, denn da musste ich mich plötzlich für Einkäufe wie "zu teures Mineralwasser" rechtfertigen.
    Auch dass ich wieder Vollzeit arbeite schmeckt ihm nicht und er sagt offen Dinge wie "für so ein Gehalt würde ich nicht mal aufstehen". [... ]
    Oh, wie "wertschätzend"...

    Mal abgesehen davon, dass ich es seltsam finde, dass es bei Euch keine Transparenz zum Verbleib des Einkommens gibt, ist die Bemerkung bezüglich Deines Gehaltes völlig daneben.

    Darf ich fragen, welche Steuerklasse Kombination Ihr gewählt habt?

    Du musst das hier nicht schreiben, aber falls es 3/5 ist, dann ist Dir hoffentlich klar, dass Du (mit der 5) überproportional viel Steuern zahlst, und er weniger als wenn Ihr die 4/4 hättet?
    Zwar ist die finale Besteuerung durch die Steuererklärung dann bei 3/5 und 4/4 inklusive Rück- oder Nachzahlung gleich, aber nur für Euch zusammen betrachtet. Wenn Ihr getrennte Konten habt und steuerlich bei 3/5 keinen Ausgleich zwischen Euch macht, dann zahlst Du einen beträchtlichen Tell seiner Steuern.

    Das ist übrigens auch die fiese Falle, die oft dazu führt, dass die Frau in die Hausfrauenrolle verfällt oder gedrängt wird.
    Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
    (Aristoteles)

  5. Moderation

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    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Habt ihr Vorschläge und Ideen, wie ich vernünftig vorgehen könnte?
    Hm, es gibt eigentlich die Situationen:
    A) Dein Mann kann aus verschiedenen Gründen (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Tod) nicht mehr für den Familienunterhalt sorgen.
    B) Ihr trennt euch, wenn die Kinder aus dem Haus sind (oder so).
    C) Ihr bleibt zusammen, aber die Beziehung leidet unter deiner finanziellen Abhängigkeit.

    Der erste Schritt ist auf jeden Fall ein Kassensturz und eine Rentenklärung. Wieviel gehört dir? Und dann: Wieviel steht dir in den einzelnen Fällen zu?

    Die Rentenversicherung fällt unter Kassensturz. Was kannst du von ihr erwarten, und unter welchen Umständen? Eine RV, die lebenslang zahlt kann ein brauchbarer Sicherheitsbaustein sein: Erstens, weil sie zahlt, und zweitens, weil du 100 werden kannst und sie dann immer noch zahlt. Sie kann aber auch komplett für die Füße sein. Lies das Kleingedruckte. Da es sich um eine sichere Anlage handelt, würde ich mich mit einer Rendite über dem Zinssatz für langjährige (5 und mehr Jahre) Zinsanlagen zufriedengeben. Das ist aber oft haarig zu berechnen. Versuche, von der Versicherung Zahlen zu kriegen. Was ist erwartet? Was ist garantiert? Ich würde die Entwicklung bis zu dem Zeitpunkt, wo die Versicherung zahlen muß, betrachten, über die Lebenserwartung zu spekulieren ist Spökenkiekerei.

    Vollzeit ist schon mal ein exzellenter Start. Achte darauf, daß du anständig bezahlt wirst und nichts steurlich verschenkt. Keine Klasse 3/5! Wenn du ohnehin eine Rentenklärung machst, laß mal ein paar Projektionen durchrechnen.

    Mehr Geld ist immer besser, aber es kann ein brauchbarer Schritt sein, zu überlegen, wie groß -- wieder abhängig von der Situation -- die Lücke ist, die du füllen mußt. Manche Fälle wirst du nicht abdecken können. Vielleicht kannst du sie versichern? Sonst geh zurück auf "mehr Geld ist immer besser" und vegiß die unlösbaren Probleme.

    500 Euro im Monat ist durchaus respektabel. Die Frage ist dann, was ist dein Anlagehorizont?
    Für den Fall "ich muß von jetzt auf gleich mit den Kindern in eine Mietwohnung und um Unterhalt prozessieren" brauchst du Geld, das schnell zur Verfügung steht.
    Für den Fall "ich will meine Rente aufbessern" ist dein Anlagehorizont um die 25 Jahre.
    Für "mein Mann könnte als Verdiener ausfallen" hat du vielleicht ein Jahr Vorlauf (Lebensversicherung, ALG, Krankengeld...) ehe du an dein Eingemachtes mußt.


    Ich würde etwa so vorgehen:

    1. Ein Limit für den Notgroschen (Geld, das vielleicht sofort zur Verfügung stehen muß) setzen. Berücksichtige dabei, daß der Familiennotgroschen ja auch von deinem Mann befüllt wird (hoffentlich!). Ich gehe mal davon aus, die 500 Eu sind frei von anderen Verplichtungen. Wenn du auf ein Auto für deine Arbeit angewiesen bist, muß aus dem Notgroschen ein brauchbares Auto bezahlt werden können! (Ich rechne die monatlichen Kosten für ein Auto, bevor auch nur 1 km gefahren ist, als 200 Eu im Monat: 100 für Steuer, Versicherung, Reparaturen; 100 zum Ansparen des nächsten. Mein Monetenfresserchen.)

    2. Die 500 Eu am Beginn jeden Monats auf ein Tagesgeldkonto werfen, um sie vorm Ausgegebenwerden zu schützen, und um zu gucken, ob der Plan realistisch ist.

    3. Solange das Tagesgeldkonto deine Notreserve nicht erreicht hat, spare 4 Monate oder ein halbes Jahr daran, dann pack die Hälfte von dem, was du in den 4 oder 6 Monaten eingezahlt hast, in einen Aktien-ETF. (Das "Hochlaufenlassen" verbessert das Polster, das "Umschieben" verbessert die Rendite.) Alle weiteren 4 bis 6 Monate das Gleiche.)

    5. Sobald der Notgroschen paßt, das Aktienkaufen auf einen Sparplan über die Hälfte deiner monatlichen Sparsumme umstellen. Die andere Hälfte geht weiter auf das Tagesgeld. Einmal im Jahr geht dann alles, was über den Notgroschen hinaus auf dem Tagesgeld ist, in eine Festgeldanlage -- vielleicht für 3 Jahre, weil die Zinsen da oft besser sind als für eine kürzere Anlage.

    6. Und so weiter. Jeden Monat die Hälfte deiner festen Rücklage in den ETF, jedes Jahr den Überschuß in dreijähriges Festgeld.

    7. Anpassen nach den eigenen Möglichkeiten. Wenn es so aussieht, daß Notgroschen und das inzwischen jedes Jahr fällig werdende Festgeld dich drei oder vier Jahre über Wasser halten können, kannst du überlegen, vielleicht den Aktienanteil zu erhöhen, wenn dir danach ist. Bis dahin hast du eine Menge Erfahrung in diesen Sachen.

    8. Hüte dich vor dem Gefühl, "das ist langweilig, es muß doch spannendere Anlagen geben" (ja, gibt es. Die sind spannender, weil sie schwerer verständlich, aufweniger in der Pflege, und schwankender/risikoreicher sind. Will man nicht) und vor "gah, die Aktien fallen, Geld woanders hin!". Aktien, die in der Ansparphase fallen, sind ein Geschenk. Du kaufst billiger ein.

    Und, nach dem, was du über eure Beziehung erzählst: Halt genauso die Klappe über deine Vermögensverhältnisse wie er.
    Wer steht für die Hypothek ein? Er? Ihr beide?

    Außerdem, von der anderen Seite: Du solltest dir klar sein, wofür du wieviel Geld ausgibst, welche Ausgaben auf dich zukommen (Kontoauszüge der letzten 3 oder 5 Jahre angucken, welche Brocken tauchen auf? Wenn zehn Sachen "nur alle 10 Jahre mal" kommen, kommt jedes Jahr eine!), und ob das Geld dahin geht, wo du am meisten davon hast.

    Dein Klumpenrisiko mit Anfang 40 ist deine Arbeitskraft. Gehe gut mit ihr (und dir) um.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  6. Inaktiver User

    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Vielen Dank euch für die erhellenden Beiträge, es sind viele brauchbare Denkanstöße und Informationen dabei.

    Die Steuerklasse habe ich gewechselt. Ich hatte versucht, mit meinem Mann darüber zu sprechen, aber er ist mir mehrfach ausgewichen. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass er mir vorher monatlich den Steuernachteil überwiesen hat, allerdings gab es da auch mal Monate, in denen er es "vergessen" hatte oder spontan den Betrag kürzte, als er meinte, ich hätte ja genug zur Verfügung. Ich denke, er genießt ein wenig das Gefühl von Kontrolle, so albern und wenig erwachsen es auch klingt. Dementsprechend stand für mich fest, dass ich mit dem neuen Job in SK IV gehen möchte und als er das Thema ewig aufschob, habe ich ihn irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt und die SK selbstständig gewechselt. Er war verärgert und fragte, wieso das ohne seine Zustimmung erlaubt sei, hat es dann aber hingenommen. Willkommen im 21 Jahrhundert.

    Daraus entbrannte eine Diskussion darüber, dass ich mich anteilig an den Fixkosten zu beteiligen habe mit einem Betrag, der mir weniger gelassen hätte als vorher mit einem Teilzeitgehalt. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich nun von dem "Mehr" um meine Altersvorsorge und um die Abzahlung des Autos kümmern werde. Das hat er zähneknirschend so hingenommen.

    So ist also die Ausgangslage.

    Bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Ja, er zahlt den Großteil unserer Fixkosten. Ich übernehme die Kosten für die Hobbys der Kinder, Kinderkleidung, Schulsachen, Fahrkarten, Kinderbetreuung, mein Auto, natürlich private Ausgaben wie Friseur, hin und wieder Einkäufe und dergleichen. Trotzdem habe ich derzeit wirklich mehr als genug Geld zur Verfügung (er übrigens auch), welches ich genau aus diesem Grund möglichst sinnvoll verwenden und nicht verplempern möchte.

    Da ich für den Autokredit natürlich Zinsen zahle, möchte ich diesen möglichst schnell abbezahlen. Andererseits ist natürlich auch eine gewissen Liquidität von Vorteil und daher möchte ich gerne parallel ein Sicherheitspolster ansparen.

    @wildwusel
    Ich werde mir deinen Sparplan wohl morgen nochmal bei Tageslicht und mit einem Kaffee durchlesen müssen, aber auf den ersten Blick sieht das nach einer guten Strategie aus.

    Ich habe eben mal durchgerechnet, wie meine Fixkosten und die Einnahmen aussehen. Realistisch könnte ich monatlich etwas 500 Euro auf das Sparkonto umschichten (gerade eine Überweisung getätigt) und weitere 500 Euro in die Sondertilgung des Autokredits stecken. Dann blieben monatlich noch etwa 400-500 Euro auf dem Konto übrig, die dort für Autoversicherung, Inspektion, Weihnachten, Ausflüge oder ungeplante Ausgaben das ganz kurzfristige Polster bildeten.

    Mir ist bewusst, das all das im Falle einer Trennung, eines Unfalls, Arbeitsplatzverlustes o.ä. Makulatur und die Situation schnell weniger luxuriös wäre. Aber genau deshalb möchte ich jetzt Ordnung und Struktur in meinen Finanzen bringen, so lange ich es kann.

    Stand heute habe ich dann also 3500 Euro auf dem Sparkonto. Bis Ende des Jahres kämen mit dem Weihnachtsgeld nochmals 2500 Euro dazu. Haltet ihr es für vernünftig, dann mit dieser Ausgangslage im Januar zu beginnen, in ETFs umzuschichten?
    Und macht ihr das "frei" über Online-Banking oder sollte ich meinen Bankberaterin mal hierzu befragen und mich beraten lassen?

    Ach, noch zu der Fonds-Rente: Garantiert ist leider sehr wenig, wie es eben bei Fonds so ist. Die letzten Jahre waren mau, dieses Jahr war besser von der Rendite.
    Dass sie besser ist als ein ETF-Sparplan, bezweifle ich stark. Zu erwarten habe ich bei angenommener 2% Rendite eine Monatsrente von 187 Euro bei einem Renteneintritt von 65. Bei 8% sähe es natürlich ganz anders aus.

    Ich habe sogar schon überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, mir die 20k auszahlen zu lassen und das Auto direkt abzulösen, als für diesen Autokredit Zinsen zu zahlen. Dann hätte ich auf einen Schlag monatlich 900 Euro zur Verfügung (Kreditrate plus geplante Sondertilgung), die ich nicht ins Auto, sondern direkt in eine vernünftige Anlage stecken könnte. Und könnte nebenbei trotzdem noch 500 Euro auf kurzfristige Sparkonto beiseite legen.

    Ganz allgemein habe ich mir vorgenommen, mehr auf mich zu achten und meine Interessen zu vertreten. Ich war immer für mich selbst verantwortlich und hatte nie finanzielle Unterstützung von irgendwem. Umso mehr muss ich mich wundern, wie sich das alles in den letzten Jahren durch die Kinder zu meinen Ungunsten verschoben hat und wie schwer es ist, dagegen zu steuern.

    Immerhin bin ich froh, dass ich bis auf kurze Auszeiten immer in meinem Beruf gearbeitet habe und mich dort auch weitergebildet habe, trotz Teilzeit. Wenn es nach meinem Mann gegangen wäre, hätte ich wie viele Frauen hier ganz aussteigen sollen oder einen 450 Euro-Job machen können. Das fand er steuerlich immer ideal. Ich denke, hier war mir mein Bauchgefühl dann doch ein guter Kompass, auch wenn ich mich manchmal fragte, warum ich mir den Stress eigentlich antue, wo doch mein Einkommen durch die Kinderbetreuungskosten fast gänzlich aufgefressen wurde und neben seinem immer gefühlt lächerlich gering war.

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    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Hallo Marillenschnaps,

    eine gute Geldanlage kann auch sein, dass Du oder ihr Deine/eure Liebesbeziehung pflegt. Sodass es erst gar nicht zur Scheidung kommen muss! Das wird ganz oft vernachlässigt.
    Hell golden ging die Sonne überm Silbermeere auf, das sich in feinstes Blau tat kleiden. Wo bunte Fischlein in dem tiefen Grunde Zier und weiße Wellenkrönlein obenauf keck reiten.

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    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Im Hinblick auf Vermögensaufbau/pesönliche finanzielle Unabhängigkeit: Von allem, was jetzt gespart wird, gehören 50% dem Ehemann, es sei denn, es gibt einen Ehevertrag mit anderer Regelung. Für einen Fall der Fälle würde ich das im Hinterkopf behalten.

    Rücklagen schaffen ist aber natürlich trotzdem kein Fehler, insbesondere wenn Mann das vielleicht selbst bisher nicht so im Blick hatte.

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    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    [...]
    Stand heute habe ich dann also 3500 Euro auf dem Sparkonto. Bis Ende des Jahres kämen mit dem Weihnachtsgeld nochmals 2500 Euro dazu. Haltet ihr es für vernünftig, dann mit dieser Ausgangslage im Januar zu beginnen, in ETFs umzuschichten?
    Und macht ihr das "frei" über Online-Banking oder sollte ich meinen Bankberaterin mal hierzu befragen und mich beraten lassen?[...]
    Warum nicht schon jetzt starten?

    Bankberaterin würde ich persönlich nicht hinzuziehen - sie dürfte wenig Interesse daran haben, dass Du in ETFs investieren möchtest und wird Dir ggf. Aktienfonds oder andere Fonds empfehlen, die lukrativer für die Bank sind.

    Ich würde Dir raten, Dich mit den Konditionen und Handling der Online- Broker zu beschäftigen. Beachte dabei, dass bei manchen nur eine kleine Anzahl von ETFs für Sparpläne angeboten werden usw.

    Ich lese gern hin und wieder die Finanztest. Dort gibt es auch hinten Listen mit Kennzahlen zu empfehlenswerten Fonds.
    Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
    (Aristoteles)

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    AW: Ziel: Finanzielle Unabhängigkeit

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Stand heute habe ich dann also 3500 Euro auf dem Sparkonto. Bis Ende des Jahres kämen mit dem Weihnachtsgeld nochmals 2500 Euro dazu. Haltet ihr es für vernünftig, dann mit dieser Ausgangslage im Januar zu beginnen, in ETFs umzuschichten?
    Das kommt auf dein Bauchgefühl an. Falls es ein realistisches Szenario sein könnte, dass du eines Tages mit den Kindern ausziehst, ist das eindeutig zu wenig Geld. Kaution und 1. Monatsmiete würden von den 6000 Euro schon einen gehörigen Batzen Geld abknabbern und da hast du noch kein Stück Möbel oder eine Lampe gekauft. Für ein Unabhängigkeitsszenario, das einigermaßen finanziell entspannt laufen soll, würde ich 10.000 Euro einplanen.

    Sind deine Überlegungen in finanzieller Unabhängigkeit eher akademischer Art, weil du auch in Zukunft mit deinem Mann eine wirtschaftliche Einheit bildest, kannst du im neuen Jahr mit den ETFs anfangen.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und macht ihr das "frei" über Online-Banking oder sollte ich meinen Bankberaterin mal hierzu befragen und mich beraten lassen?
    Bloß nicht zur Bank und zum Bankberater, die stehen absolut nicht auf ETFs (keine Marge). Du bist absolut in der Lage (!!!) selbst ein Depot zu eröffnen und einen Sparplan auf einen World MSCI-ETF anzulegen. Das ist überhaupt kein Hexenwerk, man kann nichts falsch machen und der Sparplan ist jederzeit (!) , ohne Kosten (!) wieder zu kündigen. Hier im Forum gibt es genug Anlegerinnen, die das als Börsenneulinge getan haben und gerne weiterhelfen, wenn Fragen aufkommen.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ach, noch zu der Fonds-Rente: Garantiert ist leider sehr wenig, wie es eben bei Fonds so ist. Die letzten Jahre waren mau, dieses Jahr war besser von der Rendite.
    Dass sie besser ist als ein ETF-Sparplan, bezweifle ich stark. Zu erwarten habe ich bei angenommener 2% Rendite eine Monatsrente von 187 Euro bei einem Renteneintritt von 65. Bei 8% sähe es natürlich ganz anders aus.

    Ich habe sogar schon überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, mir die 20k auszahlen zu lassen und das Auto direkt abzulösen, als für diesen Autokredit Zinsen zu zahlen. Dann hätte ich auf einen Schlag monatlich 900 Euro zur Verfügung (Kreditrate plus geplante Sondertilgung), die ich nicht ins Auto, sondern direkt in eine vernünftige Anlage stecken könnte. Und könnte nebenbei trotzdem noch 500 Euro auf kurzfristige Sparkonto beiseite legen.
    Keine Schnellschüsse, auch wenn jetzt die Lust bei dir aufgekommen ist, alles sofort in die richtigen Bahnen zu lenken. Der Abschluss des Rentenfonds hat dich Geld gekostet. Es macht Sinn, das Produkt (welcher ist es denn?) genau zu durchleuchten, ob es nicht vielleicht doch sinnvoll wäre ihn weiterzuführen, eventuell besteht auch die Möglichkeit den Vertrag stillzulegen.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

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