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    Depot im Alter

    Guten Morgen,

    ich bräuchte ein bisschen Input, wie man sinnvoll ein Depot im Alter aufstellt, das regelmäßige Entnahmen sichert.

    Ausgangssituation: Person Mitte siebzig, alleinlebend in Mietwohnung, Rente (deckt ca. 75 % der notwendigen Lebenshaltungkosten ab) und ein sechsstelliger Betrag, der schon viel zu lange auf Tagesgeldkonten liegt.

    Mit den zunehmenden Strafzinsen muss das Geld nun endlich neu verteilt werden - entweder auf mehr Tagesgeldkonten, oder vielleicht auch zum Teil anderweitig angelegt werden. Die Person bat mich dazu um Rat, weil ich meine eigenen Familienfinanzen ganz gut im Griff habe.

    Allerdings sind wir in der Phase des Vermögensaufbaus mit Geld, das wir nicht benötigen für die nächsten 30+x Jahre. Wir selbst sichern uns zurzeit nicht gegen Börsencrashs ab, sondern sind uns der Chance günstiger Nachkäufe im Falle von Korrekturen / Crashs bewusst.

    Bei einem Depot für Rentner, die auf das Geld regelmäßig angewiesen sind, ist unser Ansatz aber keine Option, daher muss ich mich da neu eindenken. Bei meinen Recherchen bin ich auf das All-Wetter-Portfolio gestoßen. Dazu aber auch gleich auf die Kritik an dem hohen Anleiheanteil, der heute so nicht mehr funktionieren würde - ob das so ist, kann ich bisher nicht beurteilen. Festgeld bringt auch so wenig, dass ich das regelmäßige Umschichten und v. a. die Anlage bei ausländischen Banken nicht überzeugend finde und zudem davon ausgehe, dass die betreffende Person das ablehnt.

    Ich tendiere jetzt dazu, zu einer Aufteilung in 1/3 Tagesgeld, 1/3 langfristig laufende europäische Staatsanleihen und 1/3 Aktienfonds (Welt-ETF/ EM-ETF) zu raten, wobei bei einem eventuellen Crash in 1-2 Jahren das Geld aus Tagesgeld und Anleihen für über 10 Jahre Entnahme reichen müsste - wenn denn die Anleihenkurse nicht allzu massiv einbrechen (>20-30%).

    Oder angesichts der Anleihenproblematik doch 50% Tagesgeld und 50 % Aktienfonds mit regelmäßigem Verkauf der Aktienanteile, damit die Aktienanteile nie mehr als 50 % ausmachen? In welchem Turnus und mit welchen Kriterien verkauft man dann sinnvoll Aktien- oder auch Anleiheanteile?

    Kurzum: Hat jemand von Euch Erfahrungen, wie man im Rentenalter sinnvoll sein Depot aufstellt, um es langsam zu entsparen und gegen Börsenturbulenzen abzusichern? Ich wäre für Gedankenanregungen oder Literaturtipps dankbar.
    Geändert von Halina (29.06.2021 um 10:49 Uhr)

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    AW: Depot im Alter

    Ich bin zwar noch keine 75 und damit auch noch eher in der "Akkumulationsphase", aber mein Tipp wäre

    - Anleihen wegzulassen, die Chance auf Kursverluste in den nächsten Jahren ist fast bei 100% und aussitzen bringt weniger als die erwartbare Inflation
    - mittelfristig 30% Tagesgeld und 70% ww-Dividenden-ETFs anzustreben, deren regelmäßige Ausschüttungen einen Inflationsausgleich bringen sollten. Dies wäre aus meiner Sicht als "Absicherung" ausreichend, alles andere ist zu teuer. Denn die Dividenden fließen hoffentlich auch in Baisse-Zeiten und wenn Deine Bekannten die Nerven haben, Krisen auszusitzen, dann gilt auch mit 75 noch ein 10-oder 20-Jahrszeitraum, in dem genug Zeit für Kurserholungen bleibt.
    - die Dividenden-ETF über einen entsprechenden Sparplan zu erwerben, also nicht einmalig, sondern bspw. über ein bis zwei Jahre verteilt, damit sie nicht gerade zum Höchstpreis gekauft werden.

    Die Überprüfung und ggf. Anpassungen des Verhältnisses einmal jährlich durch Dich ist sicher eine gute Idee.

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    AW: Depot im Alter

    Gerade wenn es um ein Depot im Alter geht, aus dem regelmäßig ausgezahlt werden soll, würde ich auch mal einen Blick auf REITs werfen. Dort sind Dividentenrendite von 5, 6 oder gar über 7% gut möglich und aufgrund des Konstruktes und der Thematik (üblicherweise vermietete Immobilien) auch relativ konstant und damit gut planbar. Wie in den USA üblich wird meist quartalsweise ausgeschüttet, durch die Kombination verschiedener REITs mit unterschiedlichen Ausschüttungszeitpunkten kann man also einfach eine monatliche Auszahlung generieren. Evtl. wäre das etwas, um die fehlenden 25% bei der Rente auszugleichen.

    Ansonsten würde ich in dem Alter ehrlich gesagt nicht mehr großartig auf Renditechancen schielen, sofern das ganze nur für die Dame sein soll. Dann lieber weiterhin viel auf dem Tagesgeldkonto haben und sich öfters mal was Nettes gönnen. Wenn vererbt werden soll, sieht die Sache natürlich anders aus, die Erben können Einbrüche dann noch gut aussitzen. Die ältere Dame nicht, für mich wäre bis 85 zu warten keine Option, wer weiß, ob man dann erstens noch lebt und zweitens wenn ja, dann überhaupt noch etwas mit dem Geld anfangen kann.

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    AW: Depot im Alter

    Wenn dein Bekannter auf das Geld angewiesen ist, dann ist der Spielraum gering. Man sagt, dass 10 Prozent Aktien immer gehen und diese Aussage unterstütze ich in diesem Fall auch. Wenn du genaueren Einblick hast, könnte man die Position eventuell auf 20 bis 30 Prozent ausbauen. Beim ETF würde ich mich nicht auf Dividendentitel beschränken, die haben im Vergleich zu einem Weltindex nur wenig Positionen und einiges, was da enthalten ist gefällt mir rein aktientechnisch nicht, selbst wenn die Dividende hoch ist. Das Mittel der Wahl bei einem einzigen ETF im Depot ist und bleibt der Index auf den MSCI World und für Umweltbewusste noch der MSCI World SR (Socially Responsible).

    Der Rest kommt in eine Festgeldtreppe. Anlagebetrag durch fünf teilen, den ersten Teil für ein Jahr anlegen, den zweiten für zwei und so weiter. In einem Jahr, wenn die erste Stufe wieder frei wird, wieder für fünf Jahre anlegen, denn das bisherige 5-Jahres-Festgeld läuft schließlich nur noch für 4 Jahre. In Tagesgeld nur das stecken, was man wirklich vorhalten muss. Keine Anleihen, Risiko wird über den ETF-Anteil abgebildet, Sicherheit über die Festgeldtreppe und übersichtlicher sind zwei Positionen zudem. REITS sind Aktiengesellschaften und gehören in die Risikoklasse Aktien, die aber schon mit dem ETF besetzt ist.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

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    AW: Depot im Alter

    Danke für Eure Gedanken!

    Traumerlebnis, eine Aktienquote von 70 % übersteigt die Risikobereitschaft der Person bei weitem. Abgesehen davon habe ich einige Aktien, die ich auch unter dem Dividendengesichtspunkt ausgewählt habe, sehe aber Dividenden-ETFs mit der Auswahl und Menge ihrer Positionen durchaus kritisch und würde da immer den MSCI World oder MSCI AC als sicherere Varianten sehen.

    Slipperman,
    danke für den Hinweis mit REITs, wobei ich da auch eher bei Nocturna bin mit kiss und Anlage via MSCI World.

    Nocturna,
    merci für Deine Einschätzung. Ich persönlich halte angesichts der vorhandenen Geldmenge und des überschaubaren Geldbedarfs eine ETF-Quote von 30 % für gut machbar, erst recht, wenn der Rest in Tagesgeld und Festgeld bleibt und nicht in Anleihen steckt, deren Risiken und Entwicklung ich persönlich nicht einschätzen kann. Unglücklich bin ich nach wie vor mit der Option Festgeld. In Deutschland sind selbst bei 5 Jahren unter 0,40% Zinsen drin; im Ausland bei besten Bonitäten deutlich unter 1%. Mmh.

    Ich lasse das noch mal ein paar Tage sacken, informiere mich über Festgelder und Sicherheit im Ausland und schaue dann, welches Feedback ich zu meinen Vorschlägen von der betreffenden Person bekomme.

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    AW: Depot im Alter

    Zitat Zitat von Halina Beitrag anzeigen
    ...Unglücklich bin ich nach wie vor mit der Option Festgeld. In Deutschland sind selbst bei 5 Jahren unter 0,40% Zinsen drin; im Ausland bei besten Bonitäten deutlich unter 1%. ...
    Das ist ja genau das Problem. Die "sicheren" Anlageformen führen momentan alle in einen (geringen) Verlust, wenn man die Inflation mit berücksichtigt, die Strafzinsen und ggf. auch noch die Abgeltungssteuer (die man als Rentner natürlich auch unter 25% drücken kann, wenn entsprechend wenig Einkommen vorhanden ist). Festgeldanlagen ausländischer Banken bieten zwar etwas höhere Zinsen und sind über Zinsportale auch leicht zugänglich, jedoch wird häufig dazu geraten, nicht mehr als 100.000 EUR, die über die europäische Einlagensicherung abgedeckt sein sollten, anzulegen. Bei Banken, deren Sitz in Ländern mit geringer Wirtschaftskraft sitzt, wird bezweifelt, ob diese im Krisenfall tatsächlich die vorgesehene Erstattung leisten können, denn zahlen müssen letztlich die Bürger dieses Landes. Bei Renditen unter 1% p.a. lässt sich das Vermögen dadurch nicht erhalten und gleichzeitig fängt man sich auch u.U. das Risiko einer Bankpleite ein. Deswegen denke ich, dass man selbst als Rentner ins Risiko von ETFs gehen muss.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass es gelingt, mit der Mischung von 70% Festgeld/Tagesgeld und 30% Risiko (Aktien-ETF) wenigstens die Inflation zu schlagen und das Vermögen zu erhalten!

  7. Moderation

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    AW: Depot im Alter

    Sich gegen Börsenturbulenzen abzusichern, ist ja kein Selbstzweck, sondern dient dazu, daß man nicht auf einmal ohne Geld dasteht, wenn man welches braucht.

    Ich würde das Problem immer von der Cash Flow Seite angehen. Wieviel Geld wird gebraucht, wann wird es gebraucht, welche Anlage gehört zu welchem Zeithorizont, und welcher Mechanismus der Umschichtung und Entnahme sichert, daß das nötige Geld da ist?

    Je nachdem, wie die Zahlen aussehen, kann man auch zu Kostolanys Spruch kommen, "Wer viel Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer (fast) kein Geld hat, muß spekulieren".
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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