Liebe Leute,
mein Lebensgefährte und ich möchten für eine große Reise, die über 1-2 Jahre gehen soll, ca. 50-80 Tsd EUR ansparen. Dafür planen wir einen Spar-Zeitraum von ca. 6-7 Jahren ein. Ausgelöst durch die aktuelle Ausgabe der Finanztest haben uns nun das ganze Wochenende in das Thema ETFs eingelesen und sind nun aber recht verunsichert, ob ein ETF-Sparplan für unsere Zwecke überhaupt das richtige ist.
Generell finden wir die Vorstellung toll, im Durchschnitt 4% Zinsen auf unseren Sparbetrag zu bekommen statt 0,1%, die wir derzeit auf unserem Tagesgeldkonto erhalten. In vielen Ratgebern und Foren lesen wir jedoch, dass man auch bei einem ETF von einem Anlagehorizont von min. 10 Jahren ausgehen sollte und generell flexibel sein sollte, wenn es an das Auszahlungs/Auflösungsdatum geht.
Unser Plan wäre, monatlich ca. 1000 EUR zu sparen und davon jeweils die eine Hälfte in ETFs anzulegen und die zweite Hälfte auf dem Tagesgeldkonto zu belassen.
Mir ist bewusst, dass ihr auch keine Glaskugel besitzt, die uns sagen kann, ob die Börsenkurse in 7 Jahren gerade auf einer Dauertalfahrt sind, aber ich bzw. wir würden uns dennoch sehr über ein paar Einschätzungen dazu freuen.
Wie dämlich ist unser Vorhaben auf einer Skala von 1-10? Sollten wir, um uns nicht dem Risiko auszusetzen, die Reise dann gar nicht antreten zu können lieber doch nur auf Tagesgeld sparen? Oder je nach Verlust diese Entscheidung treffen? Und sollte man sich bei 500 EUR monatlich sich von einem Sparplan verabschieden und alle zwei bis drei Monate in Etappen ETF kaufen?
Vielen Dank im Voraus für euren Rat,
Minta
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05.06.2017, 20:04
Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
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05.06.2017, 20:54Inaktiver User
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
Wenn ich mal ein bisschen rechne, komm' ich auf diese Zahlen:
1.) (80000EUR / 7Jahre) / 12Monate/Jahr = 952 EUR/Monat
2.) (50000EUR / 6Jahre) / 12Monate/Jahr = 694 EUR/Monat
Ihr wollt ca. 1000 EUR/Monat anlegen. Schlimmer als ein Totalausfall kann ein ETF wohl nicht werden.
Also solltet ihr im ETF monatlich 48...306 EUR anlegen, den Rest auf einem Tagesgeldkonto; dann sollte nix allzu schief gehen können.
Klar sind die Zinsen mometan mickrig, aber 6-7 Jahre sind für Börsen wirklich kurz und nachdem wir momentan schon von Rekord zu Rekord hüpfen, seh ich persönlich für die nächsten 6-7 Jahre nicht unbedingt eitel Sonnenschein im Depot...
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06.06.2017, 02:26
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
Eine Anlage in Aktien (das macht ein klassischer ETF als börsennotierter passiver Indexfonds) ist für einen Zeitraum von 6 bis 7 Jahren und relativ fixem Auszahlungstermin untauglich. Klares Nein von mir.
Begründung: Die Börsen haben eine übergeordnete Aufwärtsbewegung (sofern diese nicht abreißt), schwingen dabei aber mit einer Periode von etwa 5 bis 10 Jahren. Diese Schwingung kann den Faktor 3 bezüglich der Rendite ausmachen. Ihr solltet also bei einem fixen Ausstiegszeitpunkt etwa 6 bis 7 Jahre vorher die Schwingung abschätzen (das geht recht einfach). Dies ist aber bereits Euer Einstiegszeitpunkt der ersten Rate. Also funktioniert das nicht.
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06.06.2017, 14:04
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?

Euer Vorhaben halte ich grundsätzlich für gar nicht so dämlich. Sehe ich es richtig, dass ihr euer ETF-Depot nicht zu Beginn der Reise vollständig auflösen müsst? D. h. ihr könntet zuerst euer Tagesgeld verbrauchen und dann nach und nach Geld aus dem ETF-Depot entnehmen. So könnt ihr auch während eurer Reise noch bis zu einem gewissen Grad Verluste "aussitzen". Oder wie du selbst schreibst, könnt ihr die Reise je nach Verlust verschieben oder kleiner planen. Klar bleibt bei einer Anlage in Aktien ein gewisses Restrisiko, aber das würde ich auf mich nehmen. No risk no fun. Zumal es theoretisch auch sein könnte, dass ihr die Reise in 7 Jahren doch nicht antretet und das Geld für etwas anderes verwenden wollt und evtl. Verluste noch länger aussitzen könnt. Da freut ihr euch dann über eine höhere Rendite...
Ihr könntet das Risiko noch verkleinern, indem ihr weniger als 50 % der Sparrate in einen ETF investiert.
Das einzig sichere an einem Tagesgeldkonto ist momentan, dass man damit bei einer Inflation von 2 % und einer Verzinsung von 0,1 % auf jeden Fall Kaufkraftverluste macht. Deshalb würde ich den sicheren Anteil des Depots in eine Festgeldtreppe investieren, da gibt es je nach Bank und Laufzeit noch um die 1 % Zinsen (habe ich neulich z. B. bei Crédit Agricole gesehen).Nous sommes unis
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06.06.2017, 22:05
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
Ich muss Quirin zustimmen. Die Anlage in Wertpapiere setzt einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren voraus und natürlich sollte man dann auch nicht schlagartig im 11. Jahr das Geld dringend brauchen, wenn die Börse beschließt ausgerechnet dann in die Knie zu gehen.
Also muss es folgerichtig lauten: Anlage in Wertpapier nur dann, wenn der Zeithorizont größer 10 Jahre ist plus einem flexiblen Ausstiegszeitpunkt, wenn ungünstige Kurse eine Verlängerung der Haltedauer notwendig machen. Aus diesem Grund macht es beispielsweise wenig Sinn mit 55 Jahren Wertpapiere zu kaufen und mit 65 Jahren genau auf dieses Geld angewiesen zu sein, weil man früher zu arbeiten aufhören will. Kann man den Ausstiegszeitpunkt bis 70 ziehen, wird wiederum ein Schuh draus.
@Minta78
Ich kann verstehen, dass ihr mit ETFs liebäugelt. Ich vermute stark, dass die Kurse noch eine geraume Zeit anziehen werden, bis sich 2018 herum Draghi langsam aus dem Anleihenkauf zurückziehen wird. Was dann kommt, auch unter einem neuen Chef, der vielleicht Jens Weidmann heißt und ein Kritiker der Niedrigzinsphase ist, wird man sehen. Derzeit fließt viel Geld in den Euroraum, besonders auch in den DAX, weil die stabilen Regierungen nach den jüngsten Wahlen den ausländischen Investoren gut gefallen. Und so klettern derzeit die Kurse derzeit in den USA (wegen oder trotz Trump) und zusätzlich in Europa, neulich gab es mal wieder ein Alltime-High in meinem Depot, das x-te in Folge.
Dennoch, die Börse ist unberechenbar. Ein größeres Attentat, das die Welt schockiert, eine gravierende Umweltkatastrophe, ein irrer Kim Jong-Un mit einem die USA oder Japan provozierenden Raketentest und schon stürzen die Kurse ab. Italien ist ein immerwährender Wackelkandidat, der Brexit noch nicht ausgehandelt und in den USA nehmen die Konsumenten wieder zu hohe, ungedeckte Kredite auf. Es ist unmöglich, die Zukunft zu deuten.
Wenn ihr fest mit dem Geld planen müsst, kommt ihr um eine unattraktive Anlage auf Tages/Festgeld nicht herum. Ihr könnt euch lediglich einen kleinen Betrag als „Spielkapital“ gönnen, auf das ihr nicht zu 100 Prozent angewiesen seid und euch dann freuen, falls ihr damit mehr Rendite erwirtschaftet als mit eurem großen Anteil an sicherem Geld.
Ich habe auch schon „Wetten“ abgeschlossen. Beispielsweise habe ich einen Immobilienkredit vollfinanziert, weil ich mein Wertpapierdepot nicht auflösen wollte. Ich musste damals 5,0 Prozent Kreditzins zu schlagen, damit sich die Sache rentiert, ein durchaus ambitioniertes Ziel. Allerdings läuft ein Hauskredit normalerweise länger als 10 Jahre und so hatte ich die Ruhe weg. Die Sache hat sich zu meinen Gunsten entwickelt, aber ich hatte die Zeit auf meiner Seite. Euch rate ich von ähnlichen Überlegungen ab, euer Zeitrahmen ist zu eng um Kursdellen auszusitzen."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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07.06.2017, 08:17
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
Da es "nur" um eine Reise gehen soll, ist das Endergebnis dieser Geldanlage nicht existenziell. Ich würde deswegen dazu raten, die Finger ganz vom Tagesgeldkonto zu lassen und das gesamte Kapital in ETFs oder gleich in Aktien zu investieren. Das ist nicht nur langfristig die günstigste Anlageform, sondern meistens auch mittelfristig.
Tagesgeld lohnt sich beim heutigen Zinsniveau überhaupt nicht. Erst wenn sich das deutlich verbessert hat, würde ich einen Teil des Geldes peu à peu umschichten. So ab 3 % Guthabenzins vielleicht. Frühestens!
Aus jahrelanger Erfahrung kann ich nur sagen, dass einem solide Aktien die meiste Freude machen. Ich bin jetzt fast 30 Jahre lang investiert. Von windigen Start-us sollte man als risikoscheuer Anleger die Finger lassen, aber sonst hat sich das, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei den meisten Titeln mehr als rentiert.
Aber Tagesgeld? Bei den Erträgen kommen einem ja die Tränen! Da verfährt man mehr Sprit, um das Geld zur Bank zu fahren, als man später als Zins herauskriegt!^^
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07.06.2017, 21:54
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
Wir haben bis jetzt ein sehr gemischtes Ergebnis, was die Empfehlungen an die TE angeht
. Bisher gibt es insgesamt 6 Teilnehmer, die folgendermaßen abgestimmt haben:
- 100 Prozent auf Tages/Festgeld = 2
- 100 Prozent in ETF = 1
- Bis zu 50 Prozent ETF/Rest Festgeldtreppe = 1
- Moderate Beimischung an ETF/Rest Tagesgeld =2 (wobei die Beimischung von 15 – 30 Prozent reicht)
Weitere Teilnehmer sind erwünscht. Gerne auch von völlig Börsenunerfahrenen, weil uns diese Teilnehmergruppe in der Runde noch fehlt. Soweit ich das richtig verstanden habe, sind Minta78 und ihr Freund bisher reine Theoretiker, was die Anlage an der Börse angeht.
Ich unterscheide deswegen, weil die meisten Anleger, auch solche, die nur die Haussephase der letzten 5 Jahre kennen, nicht wissen können wie sie reagieren werden, wenn aus 25.000 Euro in einem Zeitraum von einen halben Jahr 17.500 Euro werden, also eine nette Karibikreise mal eben den Bach heruntergegangen ist.
Die Krawumm-Crashs, wo von heute auf morgen die Kurse um 20 Prozent wegsacken, meine ich dabei gar nicht. Die sieht keiner kommen, da kann man sich nicht wehren und bis man es merkt, ist das Geld schon weg. Aber das langsame Dahinsiechen eines bis dahin gut gefüllten Depots über viele Monate hinweg, DAS zehrt an den Nerven.
Bei allen Empfehlungen an die TE sollte man berücksichtigen, dass Wertpapierneulinge meistens scheue Rehe sind und sich bei Gefahr reflexmäßig aus dem Staub machen wollen. Wer diesen Instinkt nicht bekämpfen kann, wird es an der Börse zu nichts bringen, um es mal klipp und klar zu formulieren. Und der fixe Ausstiegszeitpunkt macht die Sache für Minta78 bestimmt nicht leichter.Geändert von Nocturna (08.06.2017 um 19:57 Uhr) Grund: Edit: Abstimmungsergebnis aktualisiert
"Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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07.06.2017, 22:46
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
Minta, wie schon gesagt wurde, wenn du einen Zeitpunkt hast, wo du das Geld brauchst, und der nicht um fünf oder sieben Jahre verschiebbar ist, sind Aktien keine geeignete Anlageform. Man muß imstande sein, eine Baisse auszusitzen.
Ich sehe zwei Strategien:
1. Festgeldtreppe, Prämiensparen, oder ähnliches
2. Den Zeitpunkt des langen Urlaubs auf "Wenn wir das Geld zusammen haben" festlegen
oder eine Kombi von beidem.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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09.06.2017, 09:33Inaktiver User
AW: Ist ein EFT wirkich das richtige für uns?
Ich finde wekas Argumentation gut. Wenn ihr mind. 50T € haben wollt, reichen 694,- pro Monat (die mickrigen Zinsen können vernachlässigt werden). Der Rest kann dann eben spekulativer angelegt werden. Im allerschlimmsten Fall sinkt der Wert der etf auf Null (so schlimm dann doch unwahrscheinlich), dann habt ihr eben "nur" 50T.
Geändert von Inaktiver User (09.06.2017 um 10:18 Uhr) Grund: Zeichensetzung...
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09.06.2017, 10:09


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