Liebes Forum und liebe Expertinnen,
eine langjährige Freundin hat ein (eigentlich recht) positives "Finanzproblem". Sie hat sich durch erfolgreiche Arbeit (Anwältin) schon ein recht beträchtliches Vermögen erarbeitet und zusammengespart. Allerdings hat sie mit Banken und deren sog. "Beratung" schon diverse negative Erfahrungen gemacht. Seit vielen Jahren legt sie daher sehr vorsichtig und konservativ an (überwiegend Tages- und Festgeld). Daneben hat sie eine kleine, aber feine Eigentumswohnung in Frankfurt am Main in guter Lage (2 ZKB mit Balkon, Lift, TG-Platz usw.). Die Wohnung wurde vor 14 Jahren noch sehr günstig gekauft (nach heutigen Verhältnissen) und sehr solide finanziert (30% Eigenkapital auf den Gesamtkaufpreis und 2,0 % Anfangstilgung). Bedingt durch viele (vorfälligkeitsfreie) Sondertilgungen, wird die Wohnung in bereits 6 Jahren völlig lastenfrei sein. So weit, so gut. Nun ist vor wenigen Wochen noch ein erhebliches Erbe dazugekommen (über 600.000 Euro nach Steuern). Alles immer weiter nur auf Tages- und Festgeld zu bunkern, scheint mir nicht so schlau (schon wegen dem extrem niedrigen Zinsniveau; aber auch, weil man in der Größenordnung das Geld ja besser auf mehrere Banken verteilen sollte; Stichwort: Einlagensicherung).
Nach meinem Dafürhalten ist nunmehr eine professionellere Herangehensweise angesagt z. B. auch mehr Diversifikation, sprich Streuung, in das Vermögen zu bringen. Zumal es in Sachen "Altersvorsorge" auch ganz gut aussieht (da verkammerter Beruf, ist sie in einem sog. berufsständigenVersorgungswerk mit deutlich besserem Leistungsverhältnis als die normale GRV). Problem: In Sachen Banken und Beratung ist sie ein total gebranntes Kind.
Meine Idee: Vielleicht wäre eine Beratung von "Frau zu Frau" ein Ansatz (das ist wohl teilweise sogar neutrale, also sog. Honorarberatung). Frage: Kennt jemand hier oder hat jemand hier schon mal Kontakte oder Erfahrungen mit den "FinanzFachFrauen" gemacht !? Gibt es wohl schon sehr lange (seit Anfang der 90er Jahre) und sind bundesweit gestreut vertreten, z. B. in München (Helma Sick), in Bonn (Dr. Mechthild Upgang) oder in Stuttgart (Barbara Rojahn) usw.
Bin für jeden Erfahrungsbericht dankbar ! Würde ihr gerne weiterhelfen. In Finanzsachen hat sie wenig Ahnung und - wie schon gesagt - ihr Vertrauen in Banken ist erschüttert. Wäre fatal, wenn sie nun wieder an eine falsche Adresse gerät ...Zumal es inzwischen ja um größere Summen geht.
Vielen Dank !
Kurant
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Thema: FinanzFachFrauen ...
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29.12.2016, 00:35
FinanzFachFrauen ...
Geändert von kurant (29.12.2016 um 01:27 Uhr)
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29.12.2016, 12:22
AW: FinanzFachFrauen ...
Sehr gut erkannt.
600.000 Euro in Form von Papiergeld auf Festgeld/Tagesgeldkonten herumliegen zu lassen, ist heutzutage grob fahrlässig. Das reicht von der Einlagensicherung bis zum Bail-in von Kreditinstituten, die in finanzielle Schieflagen kommen, siehe Zypern.
Bei deiner Bekannten, so sie die Diversifikation denn auch richtig umsetzen will, führt kein Weg an Wertpapieren vorbei. Die Gretchenfrage ist, kann sie sich als bisher konservative Anlegerin überhaupt mit dem Gedanken an schwankende Kurse anfreunden? Denn wenn nicht, kann sie sich jede Honorarberatung von vorne herein gleich schenken. Wenn deine Bekannte nicht in Wertpapiere investieren will, dann gibt’s bei den Honorarberatern nur noch klassische Rentenversicherungen, Riester/Rürup, BU, Pflegezusatzversicherung, Krankenversicherung, Bausparverträge und ähnlicher Versicherungskram.
Ich vermute deine Bekannte wünscht sich eine Beratung wie „was würden Sie mir empfehlen, denn ich kenne mich selber nicht aus “. Man erhofft sich dann ein Rundum-Sorglos-Paket mit etwas Wertpapieren und natürlich möglichst wenig Risiko. Leider ist das ein völlig falscher und unrealistischer Ansatz.
Wenn deine Bekannte wirklich in Wertpapiere investieren will, dann soll sie sich dringend die Grundzüge anlesen, damit sie nicht von Hinz und Kunz übers Ohr gehauen werden kann. Dafür ist ein einziges Buch von Stiftung Warentest erstmal völlig ausreichend. Das lässt man dann ein bisschen sacken und eventuell hat man dann bereits Lust sich noch ein bisschen mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Vielleicht beschließt deine Freundin dann mit 15 - 20 Prozent ihres Kapitals mal einen Selbstversuch zu wagen, auch dafür gibt Stiftung Warentest Hilfestellungen. Es ist wirklich nicht schwierig, zumal wenn sie auf die ETF-Schiene aufspringt, aber auch klassische Fonds werden von Stiftung Warentest bewertet.
Ich würde mein Kapital nicht in die Hände irgendeines Beraters legen, bevor ich nicht sehr genau verstehen würde, warum und was er damit tut. Und wenn ich erstmal verstehe, warum er was tut, dann kann ich es genauso gut selber machen."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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29.12.2016, 12:48Inaktiver User
AW: FinanzFachFrauen ...
Ich möchte fast eine Wette machen, dass demnächst ein Jubel-Beitrag gepostet wird, der die Arbeit der genannten Damen in den höchsten Tönen lobt.
Davon abgesehen würde ich mir an Stelle der TE nicht den Kopf meiner Freundin zerbrechen. Eine erfolgreiche Anwältin wird vermutlich in der Lage sein, ihre finanziellen Angelegenheiten zufriedenstellend zu regeln.
Zum guten Schluss verstehe ich nicht, warum das Geschlecht des Finanzberaters irgend eine Relevant haben sollte. Ist eine "Frau zu Frau" Beratung erfolgversprechender als eine Mann zu Frau oder Mann zu Mann oder Frau zu Mann Beratung? Und wenn ja, weshalb?
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29.12.2016, 12:58
AW: FinanzFachFrauen ...
Vielen Dank Nocturna für die Rückmeldung !
Vorab: Die Risikovorsorge ist bei ihr eigentlich schon gut geregelt, d. h. die Basics sind vorhanden (PHV, BU, Private KV, Hausratversicherung usw.). Das hatte ich vielleicht vergessen zu erwähnen. Und Schulden hat sie auch keine (bis auf die ETW, die aber in absehbarer Zeit lastenfrei sein wird).
Das ist halt genau die Crux. Du hast es auf den Punkt gebracht: Ob eine Beratung wirklich was taugt, kann ich nur beurteilen, wenn ich mich sehr gut auskenne. Nur: Dann brauche ich eigentlich auch keine Beratung mehr ! Außer vielleicht um Zeit zu sparen, also mich zu entlasten (das kostet dann eben Gebühren wie Agio, Management-Fee usw. wenn es andere für mich managen).
An die "passive" Anlage-Welt (ETFs) habe ich auch schon gedacht. Klar ist: Über 90% aller Fondsmanager schaffen langfristig ja nicht mal ihre eigene Benchmark - von den Kosten ganz zu schweigen s. o. Aber setzt dies etwas Einarbeitung und Beschäftigung mit der Thematik voraus. Befürchte, dafür fehlt ihr einfach die Zeit (jobbedingt) aber auch der Wille und das Know-How.
Einen Hauch Streuung hat sie ja schon drin: Etwas (und stetig wachsende) Ansprüche an das Versorgungswerk (Stichwort: Rente), recht viel Liquidität (zu viel für meinen Geschmack; speziell bei Nullzinsniveau), etwas in Immobilien (die ETW).
Vielleicht sollte man ihr zu einer einfachen und pflegeleichten Strategie raten, die sie selbst durchführen kann, ohne auf externe Berater angewiesen zu sein; d. h. ihr Geld nicht komplett in die Hand eines Berater zu legen. Dann bliebe sie halbwegs autark und kann auch nicht von irgendjemand über den Tisch gezogen werden.
Gegen Wertapiere und Aktien hat sie generell nichts. Mangels Wissens (und fehlender Zeit) kann sie das aber wohl unmöglich alleine managen. Un nach meinem Dafürhalten "verträgt" sie nach der Erbschaft auch ein gewisses Risiko. Sowohl von dem Vermögensvolumen her, alsauch von der möglichen Anlagedauer (bis zum Ruhestand hat sie noch über 20 Jahre).
Vielleicht wäre es ein guter Einstieg, die Anlagen (sukzessive) mit einigen guten Mischfonds (eher die defensiveren Varianten, also mit max. 30% Aktienquote) zu ergänzen ? Man könnte noch einen kleinen Teil Gold hinzunehmen (nicht als Investment, sondern als Versicherung in Zeiten der Finanz- und Eurokrise). Damit also physisch und nur max. 5-10% vom Gesamtvermögen. Wenn es beruflich weiter so gut läuft, könnte sie auch noch an eine weitere Immobilie (in dem Fall dann ETW zur Vermietung) denken. Ihre ETW ist ja in wenigen Jahren schon abgezahlt. Dann steht durch den Wegfall der Annuität noch mehr Liquidität monatlich zur Verfügung. Was meinst Du, Nocturna, das könnte doch in die Richtung gehen, oder ?
Nichtsdestotrotz: Wenn jemand noch Erfahrungen mit der besagten Finanzberatung von Frauen für Frauen hat, bitte nur her damit.
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29.12.2016, 13:15
AW: FinanzFachFrauen ...
Keine Sorge. Mit den besagten Damen habe ich nix zu tun. Null-Komma-Nichts. Kenne keine einzige von ihnen. Daher ja meine Frage !
Vorsicht: In Sachen erfolgreiche Anwälte und Finanzen kenne ich schlimme Beispiele. Fast so schlimm wie bei Zahnärzten. Der Spruch "judex non calculat" kommt nicht von ungefähr ...
Auch ich denke nicht, daß das Geschlecht eine Relevanz bei der Beratungsqualität hat. Allerdings ist meine Freundin stark vorbelastet (quasi ein gebranntes Kind), weil sie einige Male schlechte Erfahrung mit (ausnahmslos männlicher !) Bank"beratung" gemacht hat. So ist meine Idee überhaupt erst entstanden, daß sie zu einer Frau eventuell leichter wieder Vertrauen aufbauen könnte. Wenn überhaupt, dann vielleicht also so.
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29.12.2016, 13:32Inaktiver User
AW: FinanzFachFrauen ...
Ich denke, die genannten Beraterinnen sind gut, durchaus auch weil sie einen Schwerpunkt setzen, was spezielle Konstellationen bei Frauen und Finanzen angeht. Damit will ich allerdings nicht seriöse männliche Honorarberater diskreditieren, man kann da sicher genau so gute finden. Wovon ich persönlich dringend abrate, sind Bankberater. Denn machen wir uns nichts vor: da wird generell im Interesse und auf Weisung dessen beraten, der das Gehalt bezahlt. Also zum Wohle der Bank und nicht des Kunden. Sollte es Ausnahmen von der Regel geben sind sie selten wie die Stecknadel im Heuhaufen...
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29.12.2016, 14:34
AW: FinanzFachFrauen ...
Ich denke, ganz ohne ein gewisses Eigenwissen geht es nicht.Aber setzt dies etwas Einarbeitung und Beschäftigung mit der Thematik voraus. Befürchte, dafür fehlt ihr einfach die Zeit (jobbedingt) aber auch der Wille und das Know-How.
Ich mag die Bücher von Stiftung Warentest - Finanztest:
Geldanlage für Vorsichtige (veröffentlicht 2013, ist aber noch brauchbar)
Geldanlage für Faule (veröffentlicht 2015, also schön aktuell)
Die Bücher sind gut verständlich geschrieben und übersichtlich gestaltet, für ein erstes Kursivlesen genügt ein Sonntagnachmittag.
Der Anlegerschutzverein bietet auch einen Pre-Investment-Check-up. Aber klar, ein wenig Zeit muss vorab für die Auswahl investiert werden. Aber es lohnt sich ja.
Dass Deine Freundin mit Bankberatern schlechte Erfahrungen gemacht hat, tut mir leid. War sie denn bei Banken, bei denen die Beratung vermögender Privatkunden zum Kerngeschäft gehört? Das sind nämlich nicht die Banken mit der Filiale um die Ecke.
Glückauf ;-)
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29.12.2016, 15:26
AW: FinanzFachFrauen ...
Vor jeder Anlagestrategie steht, "was will ich vom Leben, und inwiefern kann das Geld mir helfen, daß ich es kriege". Da fällt es Frauen möglicherweise einfacher als Männern, die Lebensentwürfe und Prioritäten von Frauen zu akzeptieren.
Bei dem Vermögen von Kurants Freundin ist die Existenzsicherung, was so die erste oder zweite Priorität ist, bereits abgedeckt. (Ist die BU noch nötig?)
Daß Anlage in Papieren komplex ist, ist ein Märchen, das Berater erzählen, um ihr Honorar/ihre Provision zu sichern. Aktien und Rentenpapiere sind ganz einfache Dinge. Weit gespannte börsengehandelte Aktien- und Rentenindexfonds ermöglichen eine breite Risikostreuung für wenig Aufwand und Gebühren. Und dann guckt man einmal im Jahr, ob man was ausgleichen will. (Buchempfehlungen: finanztest, "Pantoffel-Portfolio", "Geldanlage für Faule")
Die Erwartung, gute Anlagen müßten undurchschauber sein, hat schon viele Leute viel Geld gekostet. Wenn man etwas nicht versteht, soll man es nachschlagen. Wenn man es dann noch nicht versteht, soll man es sich erklären lassen. Wenn man es dann noch nicht gut genug versteht, um es seinerseits zu erklären, soll man die Finger davon lassen. Eine gute Grundbildung (Wirtschaftsteil der Tageszeitung verstehen) hilft.Geändert von wildwusel (29.12.2016 um 16:03 Uhr)
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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29.12.2016, 15:31
AW: FinanzFachFrauen ...
Befürchte, "Vermögen" wird heute anders definiert. Für einen Normalbürger sind einige Hunderttausend Euro viel Geld. Für Banken ist das eher wenig. Mein Eindruck: Für eine wirklich fundierte, individuelle Beratung braucht es noch größere Einstiegssummen. Das geht praktisch erst ab siebenstelligen Beträge los. Tendenz: Besser noch mehr. Traurig, aber wohl leider war.
Negative Erfahrungen hat meine Freundin übrigens quer durch alle drei Sparten gemacht (also Sparkasse, einmal eine Volksbank also Genossenschaftsbereich und zwei Mal bei privaten Geschäftsbanken). Das war auch nicht gerade ermutigend ...
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29.12.2016, 16:10
AW: FinanzFachFrauen ...
Das ist der Grund, warum ETFs so erfolgreich sind.
Gegen die Strategie ist nichts einzuwenden. Aber, die Betonung liegt auf guter Mischfonds. Wie soll den deine Freundin finden, wenn sie keine Ahnung hat? Mischfonds hatten heuer ein durchwachsenes Jahr. Mit Anleihen ist es seit geraumer Zeit schwer eine akzeptable Rendite zu erwirtschaften, die Aktien sind Anfang 2016 vorübergehend in den Keller gerauscht. Fondsmanager, deren Bestreben es ist, die Volatilität eines Mischfonds auf einem Nerven schonenden Niveau zu halten, hatten 2016 einen schweren Stand. Die wenigstens haben den Absturz kommen sehen und wenn sie dann großflächig aus den Aktien raus sind, haben nicht wenige von ihnen den Kursanstieg Mitte des Jahres verpasst. Entsprechend gibt es heuer deutliche Gewinner und Verlierer unter den Mischfonds, von -4 bis +5 Prozent habe ich schon unter den bekanntesten Mischfonds heuer gesehen. Mit am besten haben die Fonds abgeschnitten, die eine höhere Aktienquote vorsehen.
Wenn ich nun deine Argumentation von oben aufgreife, müsste deine Empfehlung lauten: 30 Prozent auf MSCI World und 70 Prozent beispielsweise auf den iBoxx EUR Liquid Corporates Index aus europäischen Unternehmensanleihen mit Investment Grade Status. Eine Mischung der beiden Indices schlagen die meisten verwalteten Mischfonds und da muss ich mir nicht mal einen Wolf suchen, welchen ETF ich genau rausziehe, sondern es reicht einen der größeren ETFs zu wählen.
Gegen deinen Goldvorschlag ist nichts einzuwenden. Bei 600.000+ Vermögen ist eine Goldkomponente tatsächlich empfehlenswert, als Versicherung versteht sich, nicht als Geldanlage. Ein Schließfach ist dabei Pflicht mit entsprechender Inhaltsversicherung, die meisten Schließfächer sind gedeckelt und man glaubt es kaum, aber Einbrüche kommen immer wieder vor.
Eine weitere Immobilie, speziell im Großraum Frankfurt, wäre auch keine schlechte Sache. Fragt sich nur, ob deine Freundin auch Erfahrung mit der Vermietung mitbringt. Es ist 100mal leichter sich Wertpapierwissen anzueignen als bei den Tücken der Vermietung durchzusteigen. Ich weiß wovon ich rede. Würden meine Immobilien nicht ein Gegengewicht zu meinem Depot darstellen, würde ich sie allesamt verkaufen. Ein Depot ist tausendmal pflegeleichter und es kann sich auch nicht Heilig Abend aussperren …. (meine letzte Erfahrung diesbezüglich und man will ja kein Unmensch sein, wenn man schon einen Reserveschlüssel hat)."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)


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