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  1. Inaktiver User

    Frage Geschenke aufdrängen

    Guten Abend,

    ich habe mal an meine Jugend zurückdenkend festgestellt, dass ich von meinem Vater irgendwie oft Dinge geschenkt bekam, die ich definitiv nicht wollte. Häufig irgendwelche Sachen, die er selbst geschenkt bekommen hatte und die er dann an mich weitergab. Wenn ich mich zu weigern versuchte, gabs so lange Geschrei, bis ich nachgab und mit irgendwelchen Häkeldeckchen oder Plastiklöffelsets oder muffigen alten Büchern vom Hof zog. Ich durfte die Sachen selbstverständlich auch nicht heimlich wegwerfen, das wurde kontrolliert! Ich kam mir vor wie eine menschliche Müllhalde.

    Was mir immer besonders unangenehm war, war, dass ich als junge, wohlgenährte (70 kg bei 1,70 m) Frau zu Weihnachten stets so um die 5 Kilo Süßkram von meinem Vater aufgedrängt bekam, größtenteils vermutlich Waren, die er und seine Partnerin selbst geschenkt bekommen hatten und die sie nicht wollten.
    Ich habe mir das jedes Mal verbeten, es half aber nichts. Jedes Weihnachten wieder dasselbe Drama, obwohl ich immer wieder klar sagte "Bitte keine Süßigkeiten."
    Es gibt in meiner Familie mehrere Diabetesfälle, ich hatte einen normalen BMI und ich hatte "NEIN" gesagt - was war da nicht zu verstehen? Zudem war ich in jener Zeit an der Grenze zur Essstörung, weil ich unter Stress üble Fressanfälle hatte. Mein Protest wurde absolut ignoriert, es wurde solange gemotzt und gedrängelt und gestänkert, bis ich die Süßigkeiten mitnahm (für gewöhnlich 1-2 große Einkaufstüten voll...). Das hat mir jedes Mal das Weihnachtsfest verdorben. Mein Hinweis, dass ich am Rande einer Essstörung sei und mit solchen Süßigkeitenmengen nicht umgehen könne, wurde abgewiegelt mit "Du hast keine Essstörung, das bildet du dir ein."
    Ich habe das Zuckerzeug auf dem Heimweg von meinem Vater dann an irgendeiner Straßenbahnhaltestelle "vergessen", manchmal auch in einen öffentlichen Papierkorb oder daheim ins Klo entsorgt. Ich fand das sehr unmoralisch, woanders auf der Welt verhungern die Leute und ich schmeiße Nahrungsmittel weg, aber ich wusste sonst keine Möglichkeit, damit umzugehen.

    Es ist schon lange her, aber dieser Konflikt bewegt mich noch heute. Ich verstehe das irgendwie nicht. Es war doch so unnötig und hat mir solchen Kummer gemacht. Mich würde mal interessieren, wie ihr das einschätzt.

    Viele Grüße Betty

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    AW: Geschenke aufdrängen

    Für mein besseres Verständnis: es ist schon sehr lange her, aber du möchtest trotzdem noch gern wissen, wie du dich damals besser hättest abgrenzen können?

    Oder was ist deine Intention dabei?
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

  3. Inaktiver User

    AW: Geschenke aufdrängen

    Mich treibt die Frage nach dem Warum um. Ist es ein Generationenproblem? Nachkriegsgeneration bunkert Schokolade, wirft nichts weg...? Oder eher so eine Art passiv-aggressives Verhalten: jemandem, dem man keine Freude machen will, etwas schenken, was er bzw. sie ganz bestimmt nicht will und braucht?

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    AW: Geschenke aufdrängen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist schon lange her, aber dieser Konflikt bewegt mich noch heute. Ich verstehe das irgendwie nicht. Es war doch so unnötig und hat mir solchen Kummer gemacht. Mich würde mal interessieren, wie ihr das einschätzt.
    Es gibt leider immer noch Menschen, die den Willen anderer (oft von Kindern) brechen möchten - möglicherweise, um sich selber stärker zu fühlen.

    Wie ist denn heute Euer Umgang miteinander?
    Gibt es noch ähnliche Situationen?
    Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
    (Aristoteles)

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    AW: Geschenke aufdrängen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich treibt die Frage nach dem Warum um. Ist es ein Generationenproblem? Nachkriegsgeneration bunkert Schokolade, wirft nichts weg...? Oder eher so eine Art passiv-aggressives Verhalten: jemandem, dem man keine Freude machen will, etwas schenken, was er bzw. sie ganz bestimmt nicht will und braucht?
    Hmm, schwierig... auf jeden Fall fehlte das Feingefühl.
    Was Du wolltest bzw. nicht wolltest, wurde einfach übergangen.
    Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
    (Aristoteles)

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    AW: Geschenke aufdrängen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Oder eher so eine Art passiv-aggressives Verhalten: jemandem, dem man keine Freude machen will, etwas schenken, was er bzw. sie ganz bestimmt nicht will und braucht?
    Wie war denn der übrige Umgang miteinander?
    Hat er sich mit Dir beschäftigt?
    Fahrradfahren und schwimmen beigebracht, Dir bei den Hausaufgaben geholfen, mit Dir Tiere beobachtet, die Natur erklärt, Deine Erlebnisse angehört und Dir seine erzählt,...?
    Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
    (Aristoteles)

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    AW: Geschenke aufdrängen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich treibt die Frage nach dem Warum um. Ist es ein Generationenproblem? Nachkriegsgeneration bunkert Schokolade, wirft nichts weg...?
    Wenn das altersmäßig passt, dann könnte ich mir das schon ganz gut vorstellen.
    Mein Opa ist mal mit einem vermeintlichen Herzanfall per Feuerwehr ins Krankenhaus gekommen, der sich als Lebensmittelvergiftung herausstellte - er hat die vergammelte Lebenwurst lieber noch gegessen statt weggeschmissen.

    Und dann die jüngere Generation, die sollte vermutlich nach dem Motto "Geschenktem Gaul.." leben und prinzipiell für alles dankbar sein, was man ihr freiwillig gibt.

    Also eher so als dass er dich damit ärgern wollte. Oder konnte er dich ganz grundsätzlich nicht besonders leiden und wollte dich nachträglich zu Bescheidenheit erziehen?
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

  8. Moderation

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    AW: Geschenke aufdrängen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich treibt die Frage nach dem Warum um. Ist es ein Generationenproblem? Nachkriegsgeneration bunkert Schokolade, wirft nichts weg...? Oder eher so eine Art passiv-aggressives Verhalten: jemandem, dem man keine Freude machen will, etwas schenken, was er bzw. sie ganz bestimmt nicht will und braucht?
    Schwer zu beurteilen für Dritte und im Nachhinein. Dein Vater hat sich extrem rücksichtslos und dominant verhalten, und du hattest nicht die Traute, die Tüten und den Sperrmüll beim ihm zu lassen. Mit Nachkrieg hat das wenig zu tun, denke ich.

    Warum greift dich das heute noch so an, Betty? Steht der väterliche Krempel, den er loswerden wollte, für was anderes? Gibt's ähnliche Situationen in der Gegenwart? Vielleicht können wir das Problem durch Frage/Antwort einschüchtern, bis es verschwindet.
    *
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  9. Inaktiver User

    AW: Geschenke aufdrängen

    Naja, er hat Unterhalt gezahlt und an den Besuchstagen in der Kindheit gabs mal nen Zoobesuch und nen Eisbecher, und er hat mich Vokabeln abgefragt und rumgemeckert, wenn ich was nicht wusste. Mehr war da nicht, also von seiner Seite.

    Ich habe schon seit vielen, vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu dem und lebe mein eigenes Leben (und das recht glücklich). Aber das Verhalten meines Vaters kommt mir so skurril und so unangemessen vor, gerade dieses Theater um die "Geschenke".

    Edit: Ja, ich denke schon, dass er mich nicht leiden konnte.
    Geändert von Inaktiver User (28.04.2021 um 23:53 Uhr)

  10. Moderation

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    AW: Geschenke aufdrängen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist schon lange her, aber dieser Konflikt bewegt mich noch heute. Ich verstehe das irgendwie nicht. Es war doch so unnötig und hat mir solchen Kummer gemacht. Mich würde mal interessieren, wie ihr das einschätzt.
    Hm, manche Leute können selber nicht nein sagen und bringen's nicht über sich, was wegzuschmeißen: Sie kriegen ständig Zeug und müssen es weitergeben, wie besonders voluminöse Kettenbriefe. Irgendwann muß dann einer mal was der Tafel spenden, oder es einfach wegschmeißen, sonst hört das nie auf.

    Es kanna auch sein, daß dein Vater die emotionale Bedeutung von Geschenken absurd überhöht hat, daß das ein Stück von ihm war, daß du ehren solltest, oder daß es ein Symbol des "ich sorge für dich" war, dessen Zurückweisung geheißen hätte, seine Sorge zurückzuweisen, oder ein Symbol des "ich *kann* für dich sorgen", und eine Zurückweisung empfand er als eine Zuschreibung von Inkompetenz.

    Ist aber alles akademisch. Du kannst deinen Vater nicht therapieren.

    Überleg dir eine Lösung für *deine* Probleme mit dem Kram, mit der Vaterbeziehung, mit dem Neinsagen, mit deinen verkrachten Jugendjarhen, was auch immer gelöst werden sollte. Nicht für *seine* Probleme. Die kannst du nicht lösen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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