Liebe BC,
wie handhabt man das elegant. Wegen meines Berufes werde ich ab und zu gefragt, ob ich einen Brief aufsetzen könne, einen Text durchlesen. Mache ich gerne und wenn ich zum Kaffee eingeladen werde, gut, wen nicht auch gut. Ich habe auch schon Kleidungsstücke für die Tochter einer Freundin genäht und dafür ein Mittagessen mit der Familie bekommen. Hat voll gepasst. Wenn es grössere Sachen sind wie dem Sohn Aufsatzunterricht geben, dann lehne ich ab, da ich so viel nicht umsonst arbeiten kann und es mir unangenehm ist, Freunden eine Rechnung zu schicken.
Umgekehrt zeige ich mich immer erkenntlich, wenn ein Freund, eine Freundin etwas für mich macht. Und bei einer Freundin, die eine Praxis als Heilpraktikerin hat, bestehe ich darauf, den vollen Betrag zu bezahlen.
Einer meiner Bekannten ist von Haus aus studierter Jurist. Ich habe ihn schon sehr, sehr oft eingeladen (er ist finanziell knapp). Jüngst habe ich ihn wieder gefragt, ob er Zeit hätte für ein Telefonat (ca. 10 Minuten, ganz kleine Sache) und ihm genannt, worum es geht. Er hat gleich eine Antwort (1 Satz) geschickt, die man in jedem Rechtskundebuch nachlesen kann und gebeten, ich solle ihm doch EUR 35.00 auf sein Konto überweisen. Es ist klar, dass ihn niemals bitten würde, ein Schriftstück unentgeltlich aufzusetzen, aber dies hat mich schon befremdet.
Ganz generell: Wie handhabt ihr dies? Freundschaftspreis? Geschenk statt Geld? Damit keine Missverständnisse entstehen: es handelt sich um kleine Sachen, ca. 10 - 40 Minuten Aufwand.
Liebe Grüsse
Yulia
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08.04.2019, 14:32
Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
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08.04.2019, 14:44Inaktiver User
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Wie ich das handhabe? Ich kläre vorher, ob und was als Gegenleistung erwartet wird.
Wenn der Satz für diese Leistung 35,- Euro ist, befremdet mich da gar nichts. Du zahlst ja auch den vollen Betrag bei deiner Heilpraktikerfreundin. Nächstes mal sprich das vorher ab, dann kommt kein Bauchgrummeln auf.
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08.04.2019, 14:55
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Schwierig. Bin Physiotherapeutin und habe da irgendwie auch immer Probleme, entsprechend was zu verlangen, wenn ich "mal kurz" Freunde oder Verwandte behandle.
Andererseits ist es ja auch meine Zeit und meine Kraft. Bei ganz nahen Leuten (Eltern, Kinder, Partner) ist so eine Dienstleistung natürlich völlig in Ordnung.
Aber bei mir tauchte z. B. mal am Pfingstsonntag kurz vor dem Mittagessen der erwachsene Sohn unserer Nachbarn auf und meinte, seine Mutter hätte gesagt, mir würde es bestimmt nix ausmachen, ihn mal kurz von seiner Nackenblockade zu befreien.
Jetzt ist das nicht so einfach, unter Umständen brauche ich für so etwas schon mal eine halbe Stunde, was auch hier der Fall war. Er hat sich dann nett bedankt und ist wieder gegangen. Das fand ich schon unverschämt, er hat noch nicht mal gefragt, ob ich etwas dafür bekommen würde.
Die selbe Nachbarin kam auch regelmäßig zu mir zum Behandeln, ich machte ihr einen Vorzugspreis, der echt weit unter dem normalen lag. Zum Dank erzählte sie mir, dass sie nun einen Fußreflexzonentherapeutin aufgetan hätte, die sie für 10 € eine Dreiviertelstunde behandeln würde.
Super! Und dann fand sie es noch befremdlich, dass ich meinte, das würde die Preise kaputt machen und wäre eigentlich den anderen Therapeuten gegenüber nicht in Ordnung.
Daher sollte man am besten immer abklären, auch für sich selbst, was einem eine Dienstleistung wert ist. Wenn es im Austausch statt findet, ist es für mich immer o.k. Ein Freund ist KFZ-Mechaniker und repariert sehr günstig mein Auto, dafür kann er kommen, wenn er mal wieder Spannungskopfschmerzen hat.
Aber einfach so ohne Gegenleistung finde ich nicht o.k.
Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)
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08.04.2019, 15:06
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Ich beobachte die Gesamtbalance. In guten Freundschaften ist es bei mir so, daß ein so dichtes Geflecht von Geben und nehmen ist, nichts aufgerechnet wird. Wenn ich etwas gerne mache und dafür Zeit habe, mache ich's, selbst wenn es etwas ist, was Stunden dauert und sonst richtig teuer würde (aber nur einmal in mehreren Jahren kommt), oder wenn etwas jeden Monat kommt (aber nur 10 Minuten dauert).
Dafür nehme ich weder ein Geschenk noch eine Bezahlung. (OK, wenn es Stunden dauert, hätte ich's gern, wenn der Nutznießer mal eine Pizza bestellt.)
Auch umgekehrt würde ich einen Freund nur für einen Gefallen bezahlen, wenn ich ihn finanziell unterstützen möchte. Sollte jemand, auf Bezahlung bestehen, ist die Beziehung anscheinend nicht so aufrechnungsfrei verflochten, wie ich das gedacht habe, und ich berücksichtige das in Zukunft. Ich zeige mich für Gefallen symbolisch erkenntlich, aber nicht in monetären Werten.
Wenn etwas allerdings keinen Spaß macht, oder ich keine Zeit habe -- dann mache ich es nicht, bzw. liefere nur Hilfe zur Selbsthilfe. Ein weiteres K.O.-Kriterium ist, wenn etwas in ein Anbieter-Kunden-Verhältnis ausartet, es also ständig kommt, oder Rahmenbedingungen gestellt werden, die spezifische Arbeiten erfordern, oder jemand mehr als meine Zeit und meine Fähigkeiten braucht (z.B. meine Kontakte oder meinen Ruf). Dann verweise ich an Leute, die das professionell machen.
Austauschbekanntschaften, was z.B. Fels beschreibt, definieren sich oft von selber.
Da ich nicht selbständig oder Freiberuflerin bin, wäre Arbeit für Geld außerhalb meines Jobs ein rechtliches Problem oder ein bürokratischer Aufwand. Mach ich nicht. Wäre es nicht so ein Aufwand, würde ich dafür Geld nehmen, da mit Bekannten nicht dieses enge Geflecht besteht. Allerdings: Kosten und Konditionen müssen vorher angesagt werden!
Als Teenie habe ich für Bekannte Hausarbeits-Ghostwriting gemacht. Dafür mußte mir der Nutznießer ein Buch schenken, wenn die geschriebene Hausarbeit die erwünschte Note (die vorher festgelegt wurde) ergab. Wenn jemand nur eine Anleitung oder ein Korrekturlesen haben wollte, war's billiger: Eine Tafel Schokolade.
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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08.04.2019, 16:20
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Schwierig.
Gerade bei Juristen etc. ist man schnell versucht zu sagen "kannst Du hier mal bitte kurz drüber schauen?" oder "mir ist dies oder jenes passiert, was kann man da machen?".
Beim befreundeten Bäcker dagegen würde man nie sagen "bring mir doch bitte 10 Brötchen mit" und davon ausgehen, dass man dafür nichts zahlen muss.
Ich spreche das daher meist vorher ab. Es sei denn, man hat sowieso einen gesunden Ausgleich innerhalb der Freundschaft.
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08.04.2019, 21:24
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Bei deinem Bäcker-Beispiel handelt es sich ja auch um Dinge/um Material, das bezahlt werden muss.
Bei rein "geistigen"Tätigkeiten ist das schon schwieriger, da eine Balance zu finden.
Andererseits, angenommen derjenige ist Physiotherapeut wie in dem Beispiel von Fels, riecht mir das sehr schnell nach Ausnutzung der Professionalität.
Es ist wirklich ein sehr schwieriges Thema, finde ich. Denn wiederum sollte eigentlich in Freundschaften nichts aufgerechnet werden....... Interessantes Thema, aber ich finde da keine konkrete Antwort.
(Der Sohn einer Nachbarin wie bei Fels ist da allerdings eine ganz andere Hausnummer. Das hat ja auch nichts mit Freundschaft zu tun.)
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08.04.2019, 21:40
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Liebe TE,
ich schrieb ja schon, dass ich das als ein schwieriges Thema betrachte und keine Antwort habe.
Aber dein Juristen-Freund handelte für meine Begriffe vollkommen übertrieben. So eine kleine Auskunft sollte er dir nicht in Rechnung stellen.
Dass du den Aufsatz-Unterricht abgelehnt hast, finde ich gut. Normalerweise müsste sich die Familie Nachhilfestunden nehmen und sie würde dich ausnutzen, wenn da kein Preis dafür gezahlt wird. Es ist immerhin deine Zeit.
Dass du die befreundete Heilpraktikerin bezahlst, ist vollkommen ok. Ihre Zeit, ihre Fähigkeiten, eventuell noch ihr Material, was sie einsetzt.
Hm, die Briefe, die du aufsetzt oder Texte, die du durchliest - machen entsprechende Leute auch mal was für dich? Wenn sie es dir mit einer Einladung oder ähnlichem "vergüten", finde ich das in Ordnung.
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08.04.2019, 21:53Inaktiver User
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Puhh das ist immer schwierig....
Ich habe für mich persönlich eine andere Einstellung dazu gefunden. Wenn ich etwas mache, dann völlig umsonst oder ich lasse es bleiben.
manchmal komme ich trotzdem in Situationen die nicht ganz klar sind. Dann nehme ich mir aber die Zeit um drüber nachzudenken und eine für mich zufrieden stellende Antwort zu finden.
Der sohn von der Nachbarin hat sich wahrscheinlich gar nichts dabei gedacht, weil seine Mutter lapidar gesagt hat: geh mal zu xy die kann dir helfen.
Ich würde die Nachbarin aber definitiv ansprechen! Ob Du ihr die Rechnung geben sollst oder ihrem Sohn direkt...
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Dein Rechtsanwalt Freund... die Rechnung war völlig ok.
Aber da würde ich in Zukunft auch keine Kosten bei Freizeit Treffen mehr übernehmen und fertig.
Gedanklich abhaken und Konsequenz daraus ziehen.
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08.04.2019, 21:53
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
du lädst den juristen öfter mal ein, da er knapp ist und der will von dir 35,00 für einen satz?

der hätte dann aber die letzte einladung von mir gehabt.
irgendwo ist auch mal gut.
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08.04.2019, 22:43
AW: Arbeit für Freunde - Geld oder Geschenk
Seh ich auch so. Selbst wenn die gegenseitige Einschätzung, ob man noch in einer Aufrechen-Bekanntschaft oder schon in einer "geht im Rauschen unter"-Freundschaft ist, nicht deckungsgleich ist: Ohne Info über Kostenpflicht keine gültige Einwilligung ins Geschäft.
Ja, man zahlt dann doch, aus moralischer Verantwortung -- aber nur einmal.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **


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