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  1. Avatar von Horus
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    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Ich habe einen guten Bekannten, der ist nach einem Unfall vor Jahren mal haarscharf an der Tetraplegie (Körperlähmung vom Hals an abwärts, also inklusive Arme und Hände) vorbeigeschrammt, hat sich mit einer bewundernswerten Energie, Leidensfähigkeit und unglaublichem Optimismus den grössten Teil seiner Bewegungsfähigkeit zurückerkämpft, so dass er heute wieder in seinem Beruf tätig sein kann (als Skilehrer und Bergführer!!).
    Kleinere neurologische Störungen sind zurückgeblieben, insbesondere an den Händen, er neigt zu unwillkürlichen Zuckungen und hat nicht immer die Kontrolle über seine Greifkraft. Da fällt ihm ab und zu etwas ungeschickt aus der Hand.

    Wenn da jemand darüber doof lachen würde und ich bekäme das mit, der bekäme von mir ein paar Takte erzählt, dass ihm danach die Ohren klingeln. Bei einem solchen Menschen, der dermassen viel MEHR geleistet hat als die allermeisten von uns, und sein Leben mit der - minimal zurück gebliebenen - Einschränkung dermassen gut lebt, über die Auswirkungen seiner Behinderung zu lachen, ist einfach nur unverschämt.

    Ich nehme das exemplarisch dafür, wie es vielen körperlich und/oder geistig behinderten Menschen ergeht. Sie leisten sehr viel - oft mehr als wir Nichtbehinderten - und kriegen dennoch nicht den gleichen Standard hin, wie ein Nichtbehinderter. Einfach, weil die körperlichen und/oder neurologischen Voraussetzungen dafür fehlen.

    Lacht man denn auch, wenn ein dreijähriges Kind sich mit den Schnürsenkeln an den Schuhen abmüht und es einfach nicht hinkriegt, sie zuzubinden? Es KANN es einfach nicht, weil es die Voraussetzungen zu diesem Zeitpunkt nicht hat.

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.


  2. Registriert seit
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    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Ich zitiere das nur beispielhaft, aber Ahnjunst hat ja bereits geschrieben, dass sie/er das nicht schlimm finde, wenn andere ueber das eigene Verhalten lachen.
    Die Uebung, sich in die Situation hineinzuversetzen, ist bestimmt sinnvoll, aber in einem Fall wie diesem, in dem es um Befindlichkeiten geht, nur bis zu einem gewissen Grad. Entscheidend ist, dass Ahnjunst die Befindlichkeiten der Betroffenen akzeptieren muss, auch wenn die eigenen anders sind.



    Da muss ich auch nochmal nachfragen, wie Du das meinst. Es ist doch unstrittig, dass der Bezug fuer Andere erkennbar war, Du schreibst doch das ist Firmengespraech.
    Sie schrieb,dass sie es ok findet, wenn ihr was passiert. Ich finde, dass das was anderes ist.

    Hier wurde über das für die Frau ganz normale Verhalten gelacht, was vollkommen indiskutabel ist.

    Wenn ich auf einer bananenschale ausrutsche oder über meine eigenen Füße stolpere, kann das auch komisch sein und einer kann darüber lachen, der andere nicht - und das im Ergebnis egal.

  3. Moderation Avatar von Flau
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    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Hm, naja. Ich kann Dich gut verstehen, Horus. Aber ich kann auch verstehen, dass man in einem augenblicklichen Reflex, Du schreibst es treffend: dumm lachen kann. Wir sind nunmal nicht perfekt und tun manchmal unangemessene Dinge.

    Was ich bei Ahnjunst ungut finde ist, dass sie nicht einsehen kann, dass es unangemessen war. Und dass es zumindest so wirkt, als wuerde sie obendrein noch versuchen dabei moralische Ueberlegenheit (hinsichtlich "Gleichbehandlung") zu beanspruchen.
    @Ahnjunst, auch wenn dieser Eindruck truegen sollte merkst Du ja, dass Du da etwas bestimmtes vermittelst...


    @martha: Ich verstehe was Du meinst und kann das auch nachvollziehen.
    Fuer mich bleibt der springende Punkt, dass sich jemand gekraenkt fuehlte, und das man das akzeptieren und nach Kraeften wettmachen sollte. Auch wenn man selbst in der Situation vielleicht nicht verletzt waere. (Das widerspricht Deinem Punkt nicht, ist nur ein klein wenig anders.)
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung


  4. Registriert seit
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    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Ahnenjust findest du dich originell ?
    Ich finde das einfach beschämend, für dieses Verhalten jetzt noch ausreden zu suchen.
    Nein, man lacht nicht darüber wenn eine behinderte Person sich etwas ungeschickt ausdrückt.
    Diese Person kann es nicht anders.
    So, nun übernimmt die Verantwortung!
    Den Wind können wir nicht ändern, aber wir können ihm eine andere Richtung geben (Aristoteles)
    Weisst du warum dein Kopf rund ist ? Damit deine Gedanken eine andere Richtung nehmen können

  5. Avatar von Sandra71
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    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Zitat Zitat von farfalle61 Beitrag anzeigen
    Ich finde das einfach beschämend, für dieses Verhalten jetzt noch ausreden zu suchen.
    Ja, das ist wirklich der Oberknaller...

    Und sich dann auch noch mit einem behinderten Menschen zu vergleichen...da fällt einem gar nix mehr zu ein.


  6. Registriert seit
    08.07.2005
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    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Ich glaube, dass man lacht, weil etwas komisch wirkt, kann wirklich passieren. Ein kurzer Reflex. Ich kann mich erinnern, dass eine stark hörbehinderte Frau (mit Geräten aufgrund der Komplexität nur bedingtzu kompensieren) mal etwas gesagt hat, was in dem Zusammenhang mit dem Gespräch der anderen sehr komisch klang. Wir haben kurz gelacht und ihr erklärt, was gesagt wurde. Sie hat dann mitlachen können und die Situation war ganz klar: es wurde nicht über sie gelacht, sondern mit ihr zusammen über etwas wozu so einige beigetragen haben.
    Ich habe nachher noch mit ihr gesprochen und sie gefragt, ob das für sie schlimm war. Sie meinte, dadurch, dass ich es ihr "übersetzt" habe, war es für sie lustig und sie hat sich als Teil der Gruppe gefühlt. Ansonsten hätte sie nur das Lachen direkt nach ihrer Bemerkung gehört, wäre ausgeschlossen gewesen und hätte sich ausgelacht gefühlt.

  7. Inaktiver User

    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Du übersiehst etwas sehr Wesentliches: Einem gesunden Menschen passiert ein Missgeschick, ein Mensch mit Behinderung hat eine Einschränkung, die er nicht selbst und willentlich steuern kann und die gerade aufgrund von solchen Reaktionen wie deiner und der deiner Kollegin zu einem schmerzhaften wunden Punkt werden.
    Ich setze noch eins drauf: Es kann ihn oder sie mit Freude und Stolz erfüllen, etwas TUN zu können, auch wenn es für Nichtbehinderte "lustig" aussehen mag.

    Dass Menschen eine Behinderung haben, diese selbst aber gar nicht so empfinden, ist häufig der Fall.
    Z.B., wenn es um soziale Defizite wie mangelnde Empathie, fehlenden Respekt und reduzierte Fähigkeit zur Reflektion des eigenen Verhaltens geht. Die Betroffenen bekommen in solchen Fällen auch oft nicht mit, wie sie auf ihr Umfeld wirken.
    Punktlandung, Rezeptfrei - ich könnte Dich gerade umarmen!

  8. Avatar von Jedimeisterin
    Registriert seit
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    267

    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Zitat Zitat von Ahnjunst Beitrag anzeigen
    Zum Sachverhalt:

    Wir hatten auf der Arbeit eine Fortbildung (intern), bei welcher auch eine mir unbekannte Kollegin teilgenommen hat, welche sowohl eine körperliche Behinderung hat, als auch kognitiv leicht eingeschränkt ist.

    Ich saß neben meiner Arbeitskollegin und besagte behinderte Frau genau in unserem Blickfeld. Da die Frau zwischendurch einige Bewegungen und Laute von sich gab, welche in dieser Situation einfach unglaublich lustig waren, mussten wir beide lachen - was sich (leider) gegenseitig etwas hochschaukelte, sodass es nach außen ggf. den Anschein gab, dass wir uns unglaublich über die behinderte Frau lustig machen würden.

    Einige Tage nach der Fortbildung kam ein Kollege zu mir und erzählte, dass das ganze wohl Gesprächsthema im Haus ist. Die betroffene Frau hätte dies gar nicht so empfunden, bzw. Das gar nicht mitbekommen. Aber besorgte Kolleginnen/Kollegen haben das Thema groß gemacht und der behinderten Kollegin nunmehr eingeredet, was für böse Menschen meine Kollegin und ich sind.
    Nun werden wir kommende Woche zum Rapport antreten.

    Wie seht ihr das? Darf man über die Äußerungen von behinderten Menschen lachen?

    Im Grunde sehe ich es so, dass Gleichbehandlung immer gewünscht wird. Wenn nun ein „gesunder“ Mensch etwas ungeschicktes macht lache ich genauso herzlich darüber wie wenn es jemand Behindertes macht. Ich behandle die Thematik gleich - aber ist das gesellschaftlich so anerkannt? Ich lache ja auch nicht darüber, dass dieser Mensch diese Behinderung hat, sondern einfach darüber, was in der Situation zur Erheiterung meines Gemüts beigetragen hat.

    Lange Rede - kurzer Sinn: Hat jemand Erfahrungen ? Meinungen?

    Beste Grüße!

    Ganz ehrlich, was du da gemacht hast, finde ich echt unterirdisch. Vielleicht hat sie es doch mitbekommen und konnte sich aber so nicht ausdrücken. Manche Menschen mögen vielleicht geistig etwas eingeschränkt wirken, aber verstehen aber alles was um sie herum passiert. Ich sag mal, durch Spastiken (egal welcher Ursache) wirkt ein Mensch eingeschränkt durch die ganzen Verkrampfungen, ohne aber kognitiv eingeschränkt zu sein.

    Bei uns auf der Arbeit kam einer vom Autismusinstitut extra zu uns, um uns das Erkrankungsbild Autismus zu erklären. Wir haben einen Azubi mit Asperger Syndrom. Damit wir ein Grundverständnis für die ganzen Eigenarten bekommen und lernen damit umzugehen. Vielleicht nicht immer einfach, aber durchaus machbar. Inklusion wird auf meiner Arbeit sehr groß geschrieben. Dazu gehört Respekt und Wertschätzung, die eben doch etwas anders sind.


    Ich hoffe, du lernst jetzt daraus.


    LG Jedimeisterin

  9. Inaktiver User

    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Punktlandung, Rezeptfrei - ich könnte Dich gerade umarmen!
    Danke

  10. Inaktiver User

    AW: Lachen über Verhalten von Mensch mit Behinderung

    Zitat Zitat von farfalle61 Beitrag anzeigen
    Ahnenjust findest du dich originell ?
    Ich finde das einfach beschämend, für dieses Verhalten jetzt noch ausreden zu suchen.
    Nein, man lacht nicht darüber wenn eine behinderte Person sich etwas ungeschickt ausdrückt.
    Diese Person kann es nicht anders.
    So, nun übernimmt die Verantwortung!


    unglaublich....

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