Auch im Deutschen gibt es ja nicht nur "Sie" und "Du", sondern viele Zwischentöne. Als Beispiel nenne ich nur das "Verkäuferinnen-Du" ("Du, Frau Schröder!") oder das - von mir sehr geliebte - "Hamburger Sie" ("Torun, könnten Sie mir bitte die Milch reichen?"). Das Pronomen ist nicht die einzige Möglichkeit, Nähe und Distanz auszudrücken (oder was man sonst noch so damit ausdrücken kann), aber andererseits auch nicht die allerschlechteste. Im Zweifelsfall gilt für mich in Deutschland immer noch das Sie, und das finde ich auch gut so.
Das "du" in Skandinavien ist für mich übrigens nicht gleichbedeutend mit dem deutschen "Du". Wie Mary schon sagte, gibt es natürlich auch im Norwegischen Möglichkeiten, Nähe und Distanz auszudrücken. Nicht jedes "du" ist da unbedingt vertraulich gemeint. Zu sagen "Na, in Skandinavien duzen sich doch auch alle, und die Skandivanier sind ja soooo nette Leute, also lass uns das doch in Deutschland auch machen" ist m.E. ein bisschen kurz gedacht.
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Thema: Fremde Menschen duzen?
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15.10.2015, 22:12Inaktiver User
AW: Fremde Menschen duzen?
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16.10.2015, 12:56
AW: Fremde Menschen duzen?
Du und Sie...kommt immer drauf an.
Im grossen und ganzen empfinde ich es auch so, dass merhr geduzt wird, was ich nicht so sehr mag.
Ich mag mich nicht mit Gott und der Welt sofort fraternisieren.
Aber ich mache auf keinen Aufriss wenn es mir nicht total gegen den Strich geht.
letztens habe ich bei einer freundin die Katzen gesittet, waehrend meiner Anwesenheit kam die Nachbarin (kenne ich) mitsamt einer Freundin (kenne ich nicht). Sie war mir auf den ersten Blick unsympathisch neben der Frage warum sie eigentlich dort war...
Sie stellt sich vor mit "hallo ich bin die Susanne" (name geaendert) und ich sehr reserviert Spade, Mrs Spade
das Gesicht war gut
Susanne ist >70
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16.10.2015, 16:26Inaktiver User
AW: Fremde Menschen duzen?
Da bin ich tiefenentspannt: Wenn ich jemandem im privaten Rahmen treffe und er/sie duzt gleich - meinetwegen. Unsympathische Menschen bleiben unsympathisch, ob per du oder per sie. Denen geht man am besten ganz über den Weg.
Meine Umgebung sieht das ähnlich.
Es gibt allerdings eine bemerkenswerte Ausnahme: Ich bin immer mal wieder in einer Notaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge aktiv. Essensausgabe, Kleiderkammer, Behördengänge usw. Die meisten der Helfer dort sind deutlich jünger als ich. Gleich zu Beginn wurde mir gesagt, dass sich alle duzen - ob das für mich in Ordnung wäre? War es.
Unsere Schützlinge allerdings siezen wir. Sie verstehen uns zwar meistens nicht. Die wenigsten können Deutsch und wenn, dann nur ein paar Brocken. Aber das "Sie" macht einem so insgeheim immer wieder klar, dass es zwischen uns und den Menschen, die wir betreuen, kein Gefälle geben darf, sondern dass sie Anspruch auf Wertschätzung, Respekt usw. haben. Ich weiß nciht, ob ich das jetzt verständlich rüberbringen konnte..... Aber mir erscheint in dieser Situation das Sie durchaus angemessen, zumal wir ja auch von einigen mit "Madam" oder ähnlichen Bezeichnungen angesprochen werden.
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21.12.2015, 17:25
AW: Fremde Menschen duzen?
Ich habe ja schon von Leuten in meinem Alter (Mitte 40) gehört, dass sie es als Kompliment empfänden, von fremden Menschen geduzt zu werden. Von mir selber kann ich nicht behaupten, dass ich mich durch diese plumpe Vertraulichkeit geschmeichelt fühlen würde.
Im beruflichen Umfeld ist es für mich normal, da in meiner Branche das Duzen absoluter Standard ist. Im "öffentlichen" Umfeld mag ich es nicht so gerne, vor allem, da es gerne von unverschämten Leuten benutzt wird, die auf ihre Respektlosigkeit noch einen draufsetzen wollen. Beispiel: Ich bat kürzlich im Kino jemanden aus der Reihe hinter mir, seine Schuhe von der Lehne direkt neben meinen Kopf zu nehmen. Der duzte mich natürlich in seiner pampigen Antwort. Ich entgegne dann immer gerne mit erstauntem Tonfall: "Ich kann mich gar nicht erinnern, Ihnen das Du angeboten zu haben." Manche kapieren den Wink aber nicht.
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22.12.2015, 13:58
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22.12.2015, 14:29Inaktiver User
AW: Fremde Menschen duzen?
Ich glaube, es ist einfach so, dass sich die Gepflogenheiten ändern - wie sie sich dchon immer geändert haben.
In anderen Ländern (Schweden, Niederlande.....) wird schon lange liberaler mit dem Du umgegangen als in Deutschland. Bei uns scheint es sich auch in diese Richtung zu entwickeln.
Übrigens:
In Süddeutschland liegt die Schwelle, das Plural-Du (Ihr) zu gebrauchen auch deutlich niedriger als im Norden.
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23.12.2015, 19:31Inaktiver User
AW: Fremde Menschen duzen?
Das kann ich nur bestätigen, ich wohne in dieser Ecke. In Österreich wurden mein Mann und ich auch meistens mit "Ihr" angesprochen, aber wenn wir einzeln angesprochen wurden, dann mit "Sie" und "FrauKlein" bzw. "HerrKlein".
Ich sieze fremde Menschen jenseits der 18 normalerweise. Beruflich sieze ich alle, das ist in meiner Branche auch so üblich. Mit den meisten meiner Nachbarn bin ich inzwischen per Du. Die meisten habe ich zunächst gesiezt, und nach einiger Zeit gingen wir zum Du über. Mit manchen habe ich mich auch gleich auf das Du geeinigt. Lustigerweise habe ich mit der einzigen Nachbarin in meinem Haus, die ich noch sieze, das beste Verhältnis.
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23.12.2015, 21:12
AW: Fremde Menschen duzen?
Das Duzen im Geschäft gehört zu den Verkaufspraktiken und soll Vertrauen wecken , denn nur gute Freunde duzen einen , oder Blödbacken.
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26.12.2015, 15:46Inaktiver User
AW: Fremde Menschen duzen?
Hier wie anderswo ist es eine Frage des Kontextes. Bei Ikea ist mir der "Fall" noch nicht untergekommen, ich sehe offenbar für die alten Schweden alt genug aus. Dagegen war ich neulich bei LUSH, um ein GEschenk für die Schwiegertochter zu kaufen. Und ich wurde geduzt. Das hat mich insofern geärgert, als ich darauf mächtig rumgeeiert bin, um die Anrede umgekehrt zu vermeiden. "Habt Ihr" wäre hier im Rheinland noch neutral gewesen, aber es ging mir nicht von den Lippen.
Wenn mich aber im Brauhaus der Köbes duzt, habe ich damit gar kein Problem und duze zurück.
Wobei im Arbeitsleben das Duzen ja auch immer mehr Einzug hält. Das will ich aber überhaupt nicht. Und die neue Kollegin, 40 Jahre jünger als ich, hat vermutlich einfach nicht drüber nachgedacht. Da wollte ich kein Fass aufmachen und bin einfach beim Sie geblieben, und sie hats kapiert


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