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    Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Liebes Forum,

    ich schreibe hier, da ich mir Inspiration für eine "geschmeidige" Reaktion auf eine für mich etwas seltsam anmutende E-Mail erhoffe.

    Zum Hintergrund: Ich wohne in einem sehr kleinen (wirklich SEHR kleinen!) Dorf, wo jeder jeden Bewohner kennt und alle mit Namen aufzählen kann. Ich genieße sehr, daß wir alle gut miteinander klarkommen in dem Sinne: Man kennt sich und kann jederzeit überall klingeln, wenn was ist, aber der Alltag ist nicht einengend. Also man hockt nicht ständig beim Kaffee aufeinander oder fühlt sich verpflichtet, Leute, die man gerade sieht, spontan zum Grillen in den Garten hereinzuwinken. Ich fühle mich auch nicht unter ständiger Beobachtung oder Bewertung, obwohl faktisch alle mehr oder minder alles voneinander mitkriegen. Alles schön also.

    Nun zu meinem Problem:
    Vor einigen Tagen hatte ich einen Anlaß, zu dem ich das komplette Dorf eingeladen habe. Zeitgleich habe ich mitbekommen, daß wir neue Dorfbewohner bekommen haben, die ein Haus gekauft haben und jetzt nach Feierabend darin rumwerkeln, also noch nicht richtig hier wohnen. Der Anlaß meiner Einladung war jetzt nicht besonders persönlich, sondern allgemein positiv - ich hatte deshalb die Idee, die Neuen unbekannterweise auch gleich einzuladen. Einfach per nett geschriebenem Zettel im Briefkasten. Sie meldeten sich auch zurück: Etwas unsicher, wie das eben ist, wenn man von Fremden eine Einladung erhält. Wir trafen uns dann auf einen Schluck Kaffee auf der Baustelle und sie nahmen die Einladung an.

    Mein persönlicher Eindruck von ihnen: Freundliche, anständige Leute, eher "einfach gestrickt". Wir sind sicher recht verschieden: Bei ihnen geht es knapp zu, während wir sehr solide dastehen. Ich bin Akademikerin mit eigener Firma. Sie hat keine Berufsausbildung. Man merkt eine gewisse Unbeholfenheit im Sozialen, aber auch in sonstigen Alltagsdingen. Das soll jetzt nicht überheblich rüberkommen. Das ist einfach meine Einschätzung anhand von Eckdaten, die mir erzählt wurden. Ich finde es trotzdem oder gerade deshalb beachtlich, was die so "wuppen". Ich glaube, wir können - wie mit den anderen auch - gute Nachbarn sein. Aber ich halte es für unwahrscheinlich, daß wir darüber hinaus gemeinsame Interessen, Themen etc. haben, die über den Austausch von Kuchenrezepten hinausgehen. Ich lasse mich aber gerne überraschen.

    Der Anlaß hat stattgefunden, wie geplant, offenbar zu allgemeiner Zufriedenheit.

    Nun habe ich eine für mich etwas seltsame E-Mail von den "Neuen" bekommen.
    Sie bedankt sich für die Einladung, was ich sehr nett finde. Und stellt die Frage, "ob wir nicht nur Nachbarinnen, sondern Freundinnen sein können".
    Meine Assoziation waren sofort zwei Fünfjährige, die zufällig auf dem Spielplatz nett 2 Stunden miteinander gespielt haben und dann fragt eine: "Bist Du jetzt meine Freundin?"
    Ähem, so funktioniert das bei mir nicht. Ich habe auch eine eher klassisch-enge Definition von "Freund" (z.B. Bei Facebook halte ich nur meine Offline-Freunde auch für Freunde, auch wenn Facebook das so nennt.). Ich bin auch eher der Typ, der wenige, aber enge Freunde hat. Und eher introvertiert, also ich habe jetzt nicht den großen Bekanntenkreis zum Partymachen oder so.

    Was antwortet man da jetzt? Ich möchte schon was Freundliches zurückschreiben, denn ich möchte ein gutes Verhältnis wie mit den anderen auch. Also man grüßt sich freundlich, wenn es zeitlich paßt, plaudert man mal ein paar Minuten etc. Alles andere wird die Zeit zeigen.

    Ich möchte aber auch keine falschen Erwartungen wecken, die dann enttäuscht werden. Sie ist z.B. Hausfrau und sitzt hier quasi fest, weil sie nicht Auto oder was anderes fährt. Ich arbeite viel. Im Heimbüro, wenn ich nicht beim Kunden bin. Ich kann und will nicht jeden zweiten Tag Kaffee trinken. Für mich sind viele Dinge, die für sie momentan schwierig sind, recht leicht lösbar. Ich bin grundsätzlich hilfsbereit. Ich möchte aber nicht riskieren, in so eine Schiene zu kommen, wo ich dann ständig gefragt werde. Denn das ist sicher der größte Unterschied, den ich zwischen uns wahrnehme: Ich würde niemals so leben wollen. Ich hätte schon längst in Angriff genommen, mich aus dieser prekären Situation freizuschwimmen. Sie will/kann (?) das aber nicht. Ich finde grundsätzlich, jeder kann im Grunde so leben wie er will, aber muß auch die Konsequenzen tragen (Bei unverschuldeten, plötzlichen, notfallmäßigen fiesen Ereignissen helfe ich gerne.).
    Ich bin wenig optimistisch, daß wir so viel gemeinsame Basis haben, daß eine Freundschaft daraus wird.

    Wie schätzt Ihr das ein? Übersehe ich etwas? Habt Ihr ganz konkret Formulierungshilfen?

    Dankeschön!
    Alohomora

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    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Hallo Alohomora


    das ist schwierig, s hließlich willst du sie nicht vergrätzen. Auf der anderen Seite würden mir die Alarmglocken schrillen. Wer als Erwachsene so vorgeht hat wirklich soziale Defizite. Außerdem sehe ich die Gefahr, dass sie (aus purer EInsamkeit heraus) zur Klette mutiert. Ich habe einige Erlebnisse hinter mir, in denen das so endete. Immer waren es Frauen, die unbeholfen meine Freundschaft suchen, und immer habe ich mich aus Mitleid drauf eingelassen.

    Die Mischung geht auf Dauer nicht gut. Ich würde mich höflich für das Vertrauen bedanken, auf meinen übervollen Terminkalender verweisen und bedauernd ablehnen.

    Konkrete Formulierungen habe ich leider auch nicht.

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    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Hallo Alohomora,

    schwierige Situation.
    Die Anfrage ist unter Erwachsenen unpassend - woraus bei mir entstehen würde, erst recht keine Lust auf engeren Kontakt zu haben. Darüber hinaus kommt sofort das ungute Bauchgefühl auf, von der neuen Nachbarin ev. für allgemeine Lebenshilfe aller Art eingespannt zu werden.

    Vielleicht hat sie das dörfliche Miteinander missinterpretiert und dachte, deine Einladung ist ein Freundschaftsangebot.

    Schwer, geschmeidig zu reagieren. Ich würde versuchen, Abstandssignale zu senden. Zum einen würde ich einige Zeit / ein paar Tage bis zur Antwort vergehen lassen. Und mich dann freundlich, aber sehr kurz halten. Auf die Freundesfrage würde ich nicht direkt eingehen. Z.B.:

    „Hallo xyz,

    freut mich, dass es euch gefallen hat. Hier in (Dorf y) werden immer mal wieder nette Feste gefeiert, auf denen sich die Nachbarschaft begegnet. Wünsche euch ein gutes Einleben!

    Viele Grüße,
    Alohomora“
    Um ein perfektes Mitglied einer Schafherde sein zu können,
    muss man vor allem ein Schaf sein.
    (Albert Einstein)

  4. Inaktiver User

    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Zitat Zitat von holly213 Beitrag anzeigen
    Und mich dann freundlich, aber sehr kurz halten. Auf die Freundesfrage würde ich nicht direkt eingehen. Z.B.:

    „Hallo xyz,

    freut mich, dass es euch gefallen hat. Hier in (Dorf y) werden immer mal wieder nette Feste gefeiert, auf denen sich die Nachbarschaft begegnet. Wünsche euch ein gutes Einleben!
    Genauso würde ich es auch machen. Allgemein freundliches Blabla, und auf die Freundschaftsanfrage nicht eingehen.

    Das hat wirklich irgendwo Fünfjährigen-Niveau.

    Wobei ich es aus dem etwas simpel gestrickten Bekanntenkreis einer Freundin auch so kenne, das sich Paare so finden, das einer fragt, ob man ein Paar sein möchte, und der andere das bejaht. Kurz nach dem Kennenlernen. Und dann ist man zusammen.

    Ich dachte früher auch, jenseits des 16. Lebensjahres wird dieser Prozess etwas komplexer. Gilt aber wohl nur für Verkopfte.

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    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Danke tuerkisblau, holly213 und Lorelei für Eure verständnisvollen und eindeutigen Antworten!

    Zitat Zitat von tuerkisblau Beitrag anzeigen
    Außerdem sehe ich die Gefahr, dass sie (aus purer EInsamkeit heraus) zur Klette mutiert. Ich habe einige Erlebnisse hinter mir, in denen das so endete. Immer waren es Frauen, die unbeholfen meine Freundschaft suchen, und immer habe ich mich aus Mitleid drauf eingelassen. Die Mischung geht auf Dauer nicht gut.
    Genau solche Erfahrungen habe ich auch in frühester Jugend gemacht, als ich in Sachen Freundschaften noch im Übungsmodus war. Mädchen, die irgendwie zu mir aufschauten, mir hinterherliefen, taten, was ich sagte etc. Toll fand ich das nie.

    Zitat Zitat von holly213 Beitrag anzeigen
    Die Anfrage ist unter Erwachsenen unpassend - woraus bei mir entstehen würde, erst recht keine Lust auf engeren Kontakt zu haben. Darüber hinaus kommt sofort das ungute Bauchgefühl auf, von der neuen Nachbarin ev. für allgemeine Lebenshilfe aller Art eingespannt zu werden.
    Genau so geht es mir.

    Zitat Zitat von holly213 Beitrag anzeigen
    Zum einen würde ich einige Zeit / ein paar Tage bis zur Antwort vergehen lassen. Und mich dann freundlich, aber sehr kurz halten. Auf die Freundesfrage würde ich nicht direkt eingehen. Z.B.:

    „Hallo xyz,

    freut mich, dass es euch gefallen hat. Hier in (Dorf y) werden immer mal wieder nette Feste gefeiert, auf denen sich die Nachbarschaft begegnet. Wünsche euch ein gutes Einleben!

    Viele Grüße,
    Alohomora“
    Guter Tipp: Ich werde die E-Mail "gut abhängen" lassen und dann in etwa so antworten, wie Du vorschlägst. Dankeschön!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Genauso würde ich es auch machen. Allgemein freundliches Blabla, und auf die Freundschaftsanfrage nicht eingehen.
    Vielleicht sollte ich es wirklich so sehen, wie Knigge rät: Wenn jemand einen Fauxpas begeht, übersieht man den geflissentlich. Andernfalls hätte man selbst keine guten Umgangsformen.


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wobei ich es aus dem etwas simpel gestrickten Bekanntenkreis einer Freundin auch so kenne, das sich Paare so finden, das einer fragt, ob man ein Paar sein möchte, und der andere das bejaht. Kurz nach dem Kennenlernen. Und dann ist man zusammen.
    Ähem, ja. So ähnlich hörte sich ihre Kennenlern-Geschichte auch an. Noch mehr hat mich aber eben irritiert, daß sie mir in einer halben Stunde "Schwatz am Gartenzaun" das und noch andere Interna freimütig erzählt haben. Ich bin ja im Privaten grundsätzlich eher ein Fan von "aus dem Herzen keine Mördergrube machen" und freimütig Meinungen, Haltungen etc. zu äußern und nicht pc alles glatt zu schleifen. Aber das war dann eben too much und hat Alarm ausgelöst.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich dachte früher auch, jenseits des 16. Lebensjahres wird dieser Prozess etwas komplexer. Gilt aber wohl nur für Verkopfte.


    Alohomora

  6. User Info Menu

    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Zitat Zitat von Alohomora Beitrag anzeigen
    Guter Tipp: Ich werde die E-Mail "gut abhängen" lassen und dann in etwa so antworten, wie Du vorschlägst. Dankeschön!
    Gern - wünsche dir viel Erfolg!
    Um ein perfektes Mitglied einer Schafherde sein zu können,
    muss man vor allem ein Schaf sein.
    (Albert Einstein)

  7. Inaktiver User

    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Warum denn nicht einfach (angemessen) ehrlich sein?
    So z.B. "ich finde, eine Freundschaft kann man nicht so einfach beschließen, die muss wachsen. Daher: schauen wir mal, wie es sich in Zukunft entwickelt, wir werden ja sicher hin und wieder auf Festen zusammentreffen, dann sehen wir es ja"
    Aber ich bin so furchtbar ehrlich und finde, man kann auch diplomatisch rüberbringen, wenns einem zu schnell geht. Was und wie sich dann entwickelt, nun ja.

  8. Inaktiver User

    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Ich empfände diese nüchterne Email wie einen Schlag ins Gesicht, wenn ich die Nachbarin wäre.
    Was hindert dich daran, etwas mehr zu schreiben?
    "Danke für deine Freundschaftsanfrage. Ich bin eher ein introvertierter Typ, der sich nicht so schnell auf neue Leute einstellen kann. Freundschaften wachsen bei mir langsam. Da ich meistens stark eingebunden bin in berufliche und familiäre Verpflichtungen, werde ich leider nicht sehr viel Zeit haben, die für ein gutes Kennenlernen wichtig wäre...das ist nichts persönliches, ich finde euch wirklich nett, aber es fehlt mir einfach an Kapazitäten."
    ...
    und wenn du dich traust, kannst du noch dazuschreiben, ob sie trotzdem in einer Woche am Tag x für einen Plausch bei einer Tasse vorbeikommen möchte.

    Vielleicht ist es ja doch ganz nett. Wenn nicht, kannst du es doch immer noch auslaufen lassen, aber warum ihr keine Chance geben?

  9. User Info Menu

    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Ich finde ehrlich gesagt das Ignorieren der "Freundschaftsanfrage" passender, weil man sich in Bezug auf die Definition von "Freundschaft" offenbar nicht auf Augenhöhe befindet. Diese Anfrage klingt ja eher nach "jetzt bezeichnen wir uns als Freunde und das bedeutet, dass wir gegenseitige Verpflichtungen eingehen." Zu erläutern, dass man "Freunschaft" anders versteht, nicht als künstlich gesteckten Rahmen sondern ein gewachsenes Vertrauensverhältnis- hm, ich weiß nicht, ich hab das Gefühl, das ist für die Betreffenden zu kompliziert und sie würden sowieso denken "Aha, die will also nicht", ganz egal ob man ihnen eine gemeinsame Entwicklung offen hält oder direkt konsequent ablehnt. Ersteres würden sie ggfls. gar nicht erst reflektieren.

    Ich finde den Gedankengang bei einer Erwachsenen etwas "simpel" und wüsste auch absolut nicht, wie man damit umgehen soll, ohne sich in ein Missverständnis zu begeben.

    Oder du sprichst es unverbindlich an, à la "ich freue mich auf eine zukünftige Nachbarschaft mit euch und ja, vielleicht entwickelt sich eines Tages auch eine Freundschaft..." und dann meidest du Situationen, die sie glauben lassen, ihr seid auf dem Weg dorthin.

    Ja, vielleicht ist sie wirklich ganz nett, aber wenn es so ist, dann kann man ihr vielleicht auch irgendwann später mal sagen "Du, das hat mich damals etwas überrumpelt...". Und wenn es sowieso nicht passt, dann ist es besser, wenn erst gar keine Verbindlichkeit aufkommt.

  10. Inaktiver User

    AW: Angemessene Reaktion auf "Willst Du meine Freundin sein?"

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    So z.B. "ich finde, eine Freundschaft kann man nicht so einfach beschließen, die muss wachsen. Daher: schauen wir mal, wie es sich in Zukunft entwickelt, wir werden ja sicher hin und wieder auf Festen zusammentreffen, dann sehen wir es ja"
    Aber ich bin so furchtbar ehrlich und finde, man kann auch diplomatisch rüberbringen, wenns einem zu schnell geht. Was und wie sich dann entwickelt, nun ja.
    Es geht der TE aber nicht "zu schnell", sondern sie ist grundsätzlich nicht an einer Freundschaft mit der Dame interessiert. Warum sollte sie da also Hoffnungen wecken, die sie keinesfalls erfüllen will ?

    Das ist nicht ehrlich, das ist verlogen.

    Und ganz wichtig: Die Dame sitzt als gelangweilte Hausfrau im Dorf, die TE arbeitet im homeoffice. Das kann eine brisante Mischung sein

    Ich hatte auch bei meinem - durchweg intelligenten - Freundeskreis anfangs Probleme, zu vermitteln, das homeoffice nicht "Tagesfreizeit ohne Ende" heißt. Anfangs kamen dauernd "nette" Ideen, man könne sich ja tags zum Kaffee oder mittags zum essen treffen.

    Wenn sie nicht aufpaßt, sitzt ihr die Dame den ganzen Tag auf dem Schoß.
    Geändert von Inaktiver User (10.07.2015 um 13:56 Uhr)

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