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  1. Inaktiver User

    Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Eigentlich passt das auch nicht 100% hierher, ich weiß aber nichts besseres.

    Ich hab es hier schon öfter gelesen und hab es Herrn Seehofer neulich bei Kerner auch sagen hören: Seine Situation beurteilen könne nur jemand, der schon mal in der gleichen Lage gewesen wäre.

    Das sehe ich ganz und gar nicht so. Vielleicht hätten sich (im Fall Seehofer) andere eben trotz Verliebtheit dafür entschieden, nicht fremdzugehen?

    Genauso wie ich jemand negativ beurteile, der Tiere quält, auch und gerade weil ich's nicht mache. Und ich hab auch noch niemand bestohlen und lehne es dennoch ab!

    Oder das ungewollte Kinderlosigkeit ein schweres Los ist - vielleicht kann ich das grad deshalb gut verstehen, weil ich selbst Kinder wollte und habe und sehr dankbar bin dafür.

    100% in einen anderen hineinversetzen kann man sich sowieso nie. Aber bis zu einem gewissen Grad einfühlen? Oder eine Handlung nicht gut finden, auch wenn man selber noch nicht in der Lage war? Wer will einem das absprechen?

    Wie ich hier auch mal gelesen hab: Auch wenn ich noch nie die Hand in der Kreissäge hatte, weiß ich, dass es weh tut!

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    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Für mich ist das ein s. g. Totschlagargument, daß gerne benutzt wird, wenn jemand an einem Verhalten Kritik übt. "Du warst nie in der Situation, also hast Du keine Ahnung und kannst das nicht beurteilen." Punkt! Was kannst Du dann als vermeintlich "Ahnungslose" noch erwidern?
    Wenn es zutreffen sollte, dass ich nicht nur weiß, was schlimm und hässlich, sondern auch was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein.

    Erich Kästner


  3. Inaktiver User

    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Um erstmal auf Deine Frage zu antworten: Nein, natürlich kann man nicht nur das beurteilen, was man selbst erlebt hat...

    Du hast dafür ja schon viele treffende Beispiele gebracht.

    Nichtsdestotrotz bin ich aber auch oft versucht, zu anderen Menschen zu sagen (alternativ denke ich es meist nur...): "Du weisst ja gar nicht, wovon Du sprichst...". Dafür fallen mir spontan zwei Situationen ein: Entweder jemand ist wirklich nur mit einer sehr begrenzten Vorstellungskraft gesegnet (so Leute gibt's!) - oder jemand sieht eben nur Teilaspekte einer Situation und versteht einfach nicht die Tragweite.

    Aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz denke ich da z.B. an solche Sätze wie:

    "Der Richtige wird schon noch kommen. Du musst einfach mehr rausgehen. Du hast einfach zu hohe Ansprüche"

    "Als Single hat man so viele tolle Freiheiten. Und man braucht doch nicht unbedingt Kinder zum Glücklich sein. "

    "Dann nimm doch einfach ein paar Kilo ab, wenn sie Dich so stören... einfach weniger essen und mehr Sport!"

    "Denk doch einfach mal positiv!"


    Ich will die Menschen, die solche und ähnliche Sätze zu mir sagen gar nicht verurteilen - für mich ist das eher ein positives Zugeständnis meinerseits, wenn ich anderen zubillige, eine etwas naive Sicht auf bestimmte Sachverhalte zu haben. Andererseits würde ich mir oft einfach ein bißchen mehr Ehrlichkeit wünschen, derart dass Leute z.B. auch mal sagen:"Stimmt, ich kann mir schwer vorzustellen, dieses Problem zu haben und weiß nicht, wie ich damit dann umgehen würde" Oder auch "Ich denke, dass dieses Problem für mich nicht so schlimm wäre, aber ich verstehe, dass es für Dich (Deine Persönlichkeit, Deine Biographie) eine große Herausforderung ist".

    Leider ist diese Herangehensweise aber eher selten...

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    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Ich bin da etwas zwiegespalten..
    Oft ist es natürlich ein Totschlagargument, gerade bei der Seehofer Thematik..
    Aber ich habe zB. keine Kinder und glaube ich weiß deshalb nicht wie es sich wirklich anfühlt, also die Liebe zum eigenen Kind...
    Ist aber auch was anderes als die "Fremdgeh-Geschichten", schließlich weiß (fast ) jeder Erwachsene wie sich Verlieben und Begehren anfühlt, oder?
    Brombeerkatze

  5. Moderation

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    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Ich bin sicher, es gibt (zum Glueck) viele Menschen, die ein grosses Vorstellungs- oder Einfuehlungsvermoegen haben, um sich bestimmte Situationen vorzustellen oder sich in etwas einzufuehlen.
    Beurteilen waere meiner Meinung nach kein so guenstiger Ausdruck. Ausser es ist ein faires Beurteilen (Betrachten) mit Begutachten aller Aspekte. Wenn derjenige dann anderer Meinung ist, dann ist das ja auch ok, solange er sie nicht als die einzig gueltige sehen will.

    Oder es gibt Diejenigen, die durch etwas, das sie selbst erlebt haben, in anderen Situationen Rueckschluesse ziehen koennen.

    Den Spruch "das kannst du nicht beurteilen, wenn du es nicht erlebt hast" habe ich nur 2x in umgewandelter Form benutzt. Ich hab gesagt "du kannst nicht nachvollziehen, wie ich mich fuehle und warum ich so oder so handel, weil du nicht in meiner Haut steckst."
    Das eine Mal war der Grund meine Reaktion rund um Krankheit und Tod meines Bruders und das andere Mal meine Art, mit der Trennung durch meinen Partner umzugehen.

    Ich wuerde seitdem nie mehr 100% von mir behaupten, zu wissen, wie ich in bestimmten Sitautionen reagieren wuerde. Auch wenn ich in den 2 Faellen jede Menge gelernt habe, was ich sicher in Zukunft anwenden kann.

    Gerade in (unbekannten) Streßsituationen - das hab ich gelernt - reagiert man manchmal komplett anders als man es vielleicht vorher von sich gedacht hat.

    Das mit der Kreissaege passt irgendwie nicht so ganz, das sind einfach Erfahrungswerte, jeder weiss was Schmerz ist.


    lg
    frangipani
    Geändert von frangipani (10.09.2007 um 15:34 Uhr)
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  6. Inaktiver User

    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Zitat Zitat von frangipani
    Ich bin sicher, es gibt (zum Glueck) viele Menschen, die ein grosses Vorstellungs- oder Einfuehlungsvermoegen haben, um sich bestimmte Situationen vorzustellen oder sich in etwas einzufuehlen.
    Beurteilen waere meiner Meinung nach kein so guenstiger Ausdruck.
    Urteilen kann man oft viel besser wenn man gerade nicht in einer bestimmten Situation ist sondern einen gewissen Abstand hat. Die Objektivität (d.h. die persönliche Nichtbetroffenheit) eines Richters wird als Voraussetzung für ein richtiges Urteil angesehen und nicht als Hindernis.

    Was die Einfühlung eingeht: auch hier gilt: wer in einer Situation konkret ist, ist nicht zwangsläufig "im Recht". Es ist ja nicht so, dass zwei Menschen in vergleichbarer Situation unbedingt gleich denken, empfinden und entscheiden würden. Mit welchem Recht also behauptet ein Mensch, man würde zwangsläufig seinen Standpunkt einnehmen, wenn man in einer ähnlichen Situation wäre?

    Ansonsten ist das mit der Einfühlung ganz unterschiedlich. Manche Menschen haben ein besseres Einfühlungsvermögen, andere ein schlechteres. Aber zweifellos gibt es tatsächlich Grenzen der Einfühlung. Manches kann man sich wirklich nur dann vorstellen, wenn man es selber erlebt oder wenigstens von nahe mitangesehen hat.
    Geändert von Inaktiver User (10.09.2007 um 16:00 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    ich sehe es als rhetorischen Trick. Hat mit mal jemand gesagt "du kannst es erst beurteilen wenn...) als das Thema zu magic mushrooms kam und daß ch sie erst mal verzehren müßte um über Drogen mitreden zu können. Neeeeeeh danke !

  8. Inaktiver User

    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Hi ewk!
    Interessante frage, die ich mir immer mal wieder im zusammenhang mit "religion" stelle.
    Dies, da mich innerhalb der katholischen kirche hartnäckig aufregt, dass diese komplett männerdominierte domäne unberührt von aller kritik z.b. beschlüsse über abtreibung, frauenrolle, priesterstatus trifft.
    Da bin ich sehr gern geneigt, so zu argumentieren, da ich wirklich finde, dass da personen/männer über belange, von denen sie echt und nachweislich keine ahnung haben, entscheiden.
    Konkret z.b.: Wie kommt ein kardinal dazu das sakrament der ehe immer noch mit solcher anspruchshaltung und ausschließlichkeit als unauflösbar zu postulieren, wenn er nie selbst erfahren hat, was es heißt, eine partnerschaft zu führen, und wie schwierig sich diese im einzelnen gestalten kann?
    In bestimmten fällen trifft es daher m.e. tatsächlich zu, wenn gesagt wird, jemand kann ein phänomen nicht hinreichend beurteilen, weil er es nicht selbst erlebt hat.

    In anderen kontexten bin ich da mit meinem urteil schon vorsichtiger. Ich denke, wenn jemand dem gesprächspartner in anderen zusammenhängen abspricht eine situation beurteilen zu können, geht es dem sprecher oftmals um die bereits beim gegenüber vorausgesehene fehlende empathie, das fehlende vermögen sich in den sprecher hineinzuversetzen. Deshalb wird mit dem spruch "kennste nicht, kannste also nicht beurteilen" so mancher lediglich wohlmeinender, manchmal ja auch guter ratschlag eines außenstehenden bloß abgewürgt, weil sprecher gerade mal keine kritik erträgt....

    LG von Konstantina

  9. Inaktiver User

    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    ... vielleicht sollte ich mal meine Signatur überdenken ????

    Aber gerade deshalb fühle ich mich jetzt angesprochen, hier was zu schreiben!

    Als ich diese nämlich - schon vor einigen Jahren - wählte, habe ich das eigentlich ZU MIR SELBST gesagt! Ich hatte persönlich einigen Trubel hinter mir, der mich zu dieser Erkenntnis brachte ... dass ich nämlich über viele Dinge vorher anders und allgemeiner dachte ... und dann, selbst erlebt, eine ganz andere Erkenntnis gewann.

    Trotzdem bleibe ich dabei - natürlich gibt es Sachverhalte, über die niemand anderer Meinung sein kann (Beispiel Tierquäler) und über die man auch nicht diskutieren muss.

    Aber dann gibt es einfach auch Lebensituationen, die man von außen nicht wirklich einschätzen kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat! Man kann es sich vielleicht "vorstellen" ... aber wirklich wissen, wie es ist, wird man erst, wenn man es selbst durchlebt hat.

    Wer keine Kinder hat, kann zwar sagen, wie er es gut und richtig findet in der Kindererziehung - aber ihm wird doch die nötige Erfahrung fehlen ... "wie fühlt es sich an, welche Sorgen habe ich, wo sind meine Grenzen ..."

    Nur wer selbst einen geliebten Menschen verloren hat, wird wirklich wissen, was Trauer ist .... nur wer betrogen wird, wird diesen Schmerz kennen ... usw.

    Ich persönlich jedenfalls kann vieles nicht beurteilen - ich kann zwar meine Meinung sagen, aber bei vielem kann ich schwer mitreden. Manchmal tue ich es trotzdem ... sicher ... aber es schadet ja trotzdem nix, diese Erkenntnis im Hinterkopf zu haben!?

  10. User Info Menu

    AW: Kann man nur beurteilen, was man selbst erlebt hat???

    Zitat Zitat von frangipani
    Gerade in (unbekannten) Streßsituationen - das hab ich gelernt - reagiert man manchmal komplett anders als man es vielleicht vorher von sich gedacht hat.
    Die Erfahrung habe ich auch gemacht.

    Trotzdem beurteile ich Situation, die ich nicht kenne und sage, wie ich denke, wie ich mich in dieser Situation verhalten würde. Aber Theorie und Praxis klaffen halt doch oftmals weit auseinander.

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