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    Erleuchtung Verklärte Mittelalterromantik

    Mittelaltermärkte (wo man für einen einfachen Fladen mit Aufstrich ein Heidengeld bezahlen muss). Mittelalterfestivals. Mittelalterkostüme (bei ebay für ein Vermögen zu bekommen). Mittelalter in alle Mund (HdR hat seinen Anteil dazugetan).

    Erwachsene Männer laufen in Legoslaskostümen durch die Gegend.
    Letztens (nicht Karneval) lief im Zentrum ein Mann mit Nazgul-Kutte herum.

    Was mich heute interessieren würde:
    Wieso übt das Mittelalter auf die Menschen so eine Faszination aus? Ist es eine Realitätsfluch? War damals alles besser, natürlicher, echter???
    Ist es der geheime Wunsch, nach echten Werten, dem Ursprung, was uns alle ausmacht?
    Ein Leben ohne Handy und Fastfood - stattdessen mit Rauchsignalen und Haferbrei?

    Ich meine:
    Die meisten Leute damals waren total arm, kämpften ums Überleben, mit fiesen Krankheiten (die wir gar nicht mehr kennen), Raubüberfälle, Vergewaltigungen, früher Kindstod, geringe Lebenserwartung.

    Die romantischen Vorstellungen, wie eine Prinzessin auf einem Schloss zu leben, dem Minnegesang zu lauschen und Teppiche zu knüpfen bzw. als Prinz auf weißem Pferd durchs Land zu reiten und für die Freiheit zu kämpfen: Sie entsprechen wohl kaum der Realität damals. Wer hat schon so gelebt?

    Wir machen uns das heute alles hübsch zurecht....

    Und warum ist es nur das Mittelalter?
    Ich habe noch nie verkleidete Römer oder Ägypter durch die Fußgängerzone laufen sehen...

    Vielleicht weiß jemand eine Antwort auf diese Frage....

  2. Inaktiver User

    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Oh, von der Römerzeit sind doch auch viele fasziniert. Es gibt auch Römerfestspiele (z.B. in Trier), sehr viele Museen, wieder aufgebaute Villen, die man besichtigen kann. Und das ist richtig klasse und interessant, zu sehen, wie die Leute früher gelebt haben. Ich hab z. B. eine Villa besichtigt, die nach den alten Plänen mit Gärten etc. weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Echt fasziniert, wie hoch der Standart vor immerhin 2000 Jahren schon war! Die hatten richtige kleine Thermen, schon Glasflaschen etc.

    Ich kann da nichts schlimmes dran finden, wenn jemand sich für die Geschichte interessiert. Die Leute wollen doch gar nicht in dieser Zeit leben. Das ist doch eher wie in Urlaub fahren: Man bestaunt und bewundert eine andere (in dem Fall) alte Kultur.

    Und dann fährt man wieder nach Hause und ist froh, im Alltag Kühlschrank, Auto, Badewanne und Antibiotika zu haben.

  3. Inaktiver User

    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Die einen interessieren sich fürs Mittelalter, die anderen für DSDS oder Knut....

    Jedem das Seine, nicht wahr

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    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Du hast recht, das Mittelalter scheint eine außergewöhnlich starke Faszination auf viele Menschen auszüben. Eine Antwort auf Deine Frage weiß ich allerdings auch nicht. Ich glaube aber trotz einer Romantisierung, die man solchen Veranstaltungen vielleicht entnehmen mag (ist ja auch verständlich, dass dort die positiven Aspekte herausgestellt werden), machen sich die wenigsten Illusionen über die damalige Wirklichkeit. Kaum jemand hält das Mittelalter wohl für eine einladende Epoche. Die Faszination liegt nicht nur in der spielerischen, romantischen Seite sondern mindestens ebenso sehr in der gefährlichen, düsteren.
    Geändert von Anjuna (22.04.2007 um 14:14 Uhr)
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    -Chariklia Baxevanos-

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    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Ich denke, die Antwort ist sehr einfach: Weil es Spaß macht, einen Ausflug zu machen in eine Welt ohne Antibiotika und Strom, voller exotischem Aberglauben, aufregender Kostüme, Rollen, die man ausprobieren kann, eine zeitverschoben fremde und doch eigene Kultur. Und es ist ein Ausflug, denn nach ein paar Stunden/Tagen kann man wieder friedlich vor dem Fernseher hängen, der Kühlschrank brummt und die Waschmaschine rotiert, aber man weiß dann immer noch, wie Bier brauen funktioniert und wie lange es dauert, ein Schwert zu schmieden.
    In den USA sind die Mittelaltermärkte übrigens Renaissance-Fairs, also ein wenig zeitverschoben.
    In Oberammergau verkleiden sich die Leute alle Jubeljahre, um die Kreuzigung bei den Passionsspielen nach zu spielen.
    In Japan werfen sich manche bei einem Fest in alte Rüstungen auss dem Mittelalter, setzen sich auf ein Pferd und schießen dann mit dem Bogen auf Schießscheiben.
    Vermutlich einfach eine Art, mit der eigenen Vergangenheit und Kultur näheren Kontakt aufzunehmen, vielleicht aber auch nur ein Ausflug in eine Fantasiewelt, wie bei Rollenspielern oder beim Cosplay. Ich kann nichts Schlimmes daran finden, ich glaube, es ist einfach nur ein Heidenspaß

    Und wenn man aus der eigenen Realität fliehen will, ist einem die Realität des Ziels egal - wer will schon ein hungernder Bauer mit Pestbeulen sein, wenn man auch der Ritter auf dem weißen Pferd sein kann?

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    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Ich finde es amüsant, mich zu verkleiden und in eine Märchenwelt einzutauchen.
    Natürlich weiß ich, dass ein Mittelaltermarkt so gut wie gar nichts mit der Realität mittelalterlichen Lebens zu tun hat. Und ich bin auch sehr froh, heute zu leben, mit moderner Medizin, gut isolierten und geheizten Häusern, modernen Transport- und Kommunikationsmitteln und einer selbstverständlich gesicherten Versorgung mit Nahrung und was der heutigen Annehmlichkeiten mehr sind.

    Mittelaltermarkt ist Märchen, LARP-Konvents vermutlich noch viel mehr (hab ich noch nicht ausprobiert), und genauso viel Spaß hätte ich wahrscheinlich an anderen wiederkehrenden, themenorientierten Verkleidungsfesten - Fasching ist nicht meins.
    Interessant finde ich auch die Beschäftigung mit der dazugehörigen Kultur. Und dazu gehört auch die Faszination des "wie haben die das früher gemacht?", ohne Maschinen, ohne Strom, mit begrenzten Rohstoffen. Deshalb gefallen mir auch Handwerksvorführungen sehr, wo man sehen kann, wie beispielsweise Wolle gesponnen, gefärbt und gewoben wird.
    Ich habe eine Wassermelone getragen.

  7. Inaktiver User

    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Ich oute mich als Römerzeitfan. Ich finde es einfach wahnsinnig toll, in alten Kaiserthermen herumzustehen oder durch nach alten Plänen angelegte Gärten zu laufen. Und Rom fand ich sowieso unglaublich interessant. Ich würde auch mal gerne römisches Essen probieren. Es fasziniert mich einfach, was das für eine Hochkultur war.
    Allerdings wäre ich damals wohl eher eine arme germanische oder keltische Sklavin als eine Gutsherrin gewesen. Deswegen lebe ich lieber heute.

  8. User Info Menu

    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Ich finde die schlecht gemachten Mittelaltermärkte ja mittlerweile auch eine Plage, obwohl es einige wenige gute Veranstalter gibt, wo ich gerne hingehen würde.

    Aber Du wirkst, als hättest Du zu viele schlechte Mittelalterromane gelesen. So etwas wie die "gute alte Zeit" hat es sicher nie gegeben. Aber so schlimm war das Leben für die meisten im Mittelalter dann auch wieder nicht...

    Ich finde übrigens, diese Beschreibung
    Zitat Zitat von spoookie
    Die meisten Leute damals waren total arm, kämpften ums Überleben, mit fiesen Krankheiten (die wir gar nicht mehr kennen), Raubüberfälle, Vergewaltigungen, früher Kindstod, geringe Lebenserwartung.
    trifft heute noch auf verdammt viele Gegenden der Welt zu. Und neue fiese Krankheiten gibt es auch genug.

    Trotzdem gucken sich Menschen in Völkerkundemuseen "Märkte der Kulturen" an. Sie werden das wohl kaum tun, weil sie vom Leben in der malariaverseuchten Lehmhütte ohne Arzneien und Komfort träumen. Sondern weil andere Lebensformen interessant sind. Egal ob historisch oder nur weit weg.

    Übrigens: ich kenne auch Steinzeit-, Römer-, Ritter-, Piraten- und Barockmärkte. Gibt es alles. Und ich finde das gut, weil sich dadurch mehr Leute für Geschichte interessieren.

    LG
    Polarstern

  9. Moderation

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    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Was ich viel schlimmer finde, ist so etwas wie hier in Hamburg der Hamburg Dungeon. Das ist so eine Art Geisterbahn für Erwachsene. Die machten eine ganze Zeit lang Werbung mit "Die Cholera von 1864". Super, da ergötzen sich heute mit wohligem Schauern die Leute daran, wie vor 150 Jahren die Leute an einer Seuche gestorben sind.
    Das finde ich ekelhaft.
    Islabonita

    Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin

  10. Inaktiver User

    AW: Verklärte Mittelalterromantik

    Hier in Amerika haben wir die religioesen Sekten, (meist amisch), fuer die ist eine solche Lebensweise alltaeglich. Sie haben alle solide Haeuser, keinen Strom, und Alles ist handgemacht und sie leben vom Lande. Das ist fuer manche Leute ideal, aber ich koennte es dort auf die Dauer nicht aushalten.

    Texas Amerle

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