Als Entschuldigung habe ich die postnatale Depression hier nicht erkennen können. Es ist höchstens ein Erklärungsansatz und ich wiederhole mich ungerne: eine postnatale Depression ist eine psychische Erkrankung und findet als solche Eingang beispielsweise in der Strafzumessung.Zitat von mausschubser
Das gilt aber auch für einen Mann. Hat der beispielsweise Stimmen gehört, die ihm befohlen haben, das Kind umzubringen, wird dies sicher als Schizophrenie sich im Verfahren auch wiederfinden.
Schuldig sind alle diese Frauen, ich weiss nicht, wo das hier irgend jemand in Abrede gestellt hat. Trotzdem darf man doch fragen, wo das Umfeld war, genauso wie berechtigterweise die Frage gestellt wird, wo die Mutter war, wenn das Kind vom Vater oder Lebensgefährten misshandelt wird.
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Thema: Beide Babys getötet
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23.05.2007, 19:01Inaktiver User
AW: Beide Babys getötet
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23.05.2007, 19:03
AW: Beide Babys getötet
Die würde mich interessieren.
Zitat von Inaktiver User
Das die Datei nicht lesbar sei, sagte mir mein AcrobatReader (nebenbei hab ich sogar einen original AcrobatWriter hier laufen, von Adobe gekauft).
Zitat von Inaktiver User
MfG
mausschubser
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23.05.2007, 20:24Inaktiver User
AW: Beide Babys getötet
bitte, suche dir die Zahlen doch selber
Zitat von mausschubser
, wenn es dich so brennend interessiert. www.bka.de
meiner kann's lesen. Dauert nur ne Weile, die Statistik hat 137 Seiten.Das die Datei nicht lesbar sei, sagte mir mein AcrobatReaderGeändert von Inaktiver User (23.05.2007 um 20:32 Uhr)
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23.05.2007, 20:28Inaktiver User
AW: Beide Babys getötet
Diesen Satz habe ich auch schon geschrieben, aber das Interesse des Mausschubsers ist wohl nicht so gross, dass er/sie sich diese kleine Mühe machen könnte. Lieber Pöbeln heisst wohl die Devise...
Zitat von Inaktiver User
Geniess den Abend
vita
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23.05.2007, 20:52Inaktiver User
AW: Beide Babys getötet
QuelleWarum töten Mütter ihr Baby? Äußere Lebensumstände und innere Konflikte, die Frauen dazu treiben, sind in letzter Zeit stärker in den Blick von Rechtsmedizin, Psychiatrie und Sozialforschung geraten. Einige Täterinnen stammen aus verarmten, sozial schwachen Milieus, aber ein "Unterschichtenphänomen" ist Babymord nicht: "Unter den Frauen, die ihr Baby umgebracht haben, waren Schulmädchen genauso wie Krankenschwestern und Sozialpädagogik-Studentinnen", sagt die Kriminologin Professor Christine Swientek.
Gibt es einen bestimmten Typus Täterin? Zumindest fügen sich zahlreiche Fälle der vergangenen Jahre zu einem Muster. Oft sind es "junge, noch in Ausbildung befindliche oder arbeitslose Frauen mit einer erheblichen Persönlichkeitsproblematik", sagt die Psychiaterin und Psychotherapeutin Anke Rohde vom Universitätsklinikum Bonn. "Es sind unauffällige Frauen, unreif, nicht erwachsen geworden. Sie können durchaus kontaktfreudig und selbstbewusst auftreten und anderen bei Problemen helfen. Aber für sich selbst haben sie erhebliche Defizite bei Problemlösungsstrategien."
Eine Schwangerschaft kann diese Frauen in einen solchen emotionalen Strudel stürzen, dass der Zustand verheimlicht, oft auch völlig verdrängt wird. Die Geburt kann dann Panik auslösen. Jetzt ist da ein Kind. Manche Täterinnen sagten vor Gericht, sie hätten erst an Tötung gedacht, als das Kind den ersten Schrei tat, als es hätte auffallen können. Rund 40 bis 60 Fälle werden pro Jahr in Deutschland bekannt, gesicherte Zahlen sind allerdings nicht erfasst. Gesichert ist nur, dass die ersten 24 Stunden für Babys seit jeher die gefährlichsten waren. Seit dem Mittelalter sind Babymorde in Dorfchroniken, Kirchenbüchern und Gerichtsakten eine verlässliche Konstante.
Unter allen Gewalttaten zum Beispiel, die in Gerichtsbüchern von Eifel-Dörfern des 16. bis 18. Jahrhunderts aufgezählt werden, stellen Neugeborenentötungen stetig einen Anteil zwischen 1,4 und 2,9 Prozent. Die Mütter waren meist jung und unverheiratet; sie hofften, durch die Tat "bei ehren zu bleiben und zu verhuten, daß eß nit raüchbar wurde" (1632), um ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt zu retten. "Scham und übergroße Schande werden häufiger als Motiv genannt als wirtschaftliche Not", schreibt die Historikerin Eva Lacour.
Die "Schlesischen Provinzblätter" berichteten 1794 vom Fall einer 21-Jährigen, die bei Grünberg von einem Pferdeknecht vergewaltigt worden war und ihr neugeborenes Kind in einer Grube zurückließ, wo es starb. Wegen einer Reihe ähnlicher Fälle erließ die Regierung sogar ein "Edikt wider den Kindermord", das in den Kirchen verlesen wurde. Das Mädchen, das "nur einen einzigen Winter in die Schule gegangen" war, wurde mit acht Jahren Zuchthaus bestraft.
Susanna Margaretha Brandt, eine 24 Jahre alte Dienstmagd in der Frankfurter Herberge "Zum Einhorn", wurde von einem Gast mit Wein traktiert und verführt; nach der verheimlichten Schwangerschaft würgte sie ihr Neugeborenes, schlug es mit dem Kopf gegen ein Fass und versteckte es in der Scheune. Sie soll bei der Vernehmung bekannt haben, der Satan habe ihr "alles so in den Sinn gegeben". 1772 wurde sie in Frankfurt enthauptet. Goethe setzte ihr mit dem "Gretchen" im "Faust" ein Mahnmal.
Gerade das 18. Jahrhundert erlangte als "Jahrhundert des Kindesmords" traurige Berühmtheit. Allein die aufkommende Mode, ein Kind nicht selbst zu stillen, sondern einer Amme zu geben, kostete mehr Kleinkinder das Leben als je zuvor. Bürger-, Handwerker- und Bauernkinder starben bei den oft armen Ammen durch Milchmangel, Infektionskrankheiten und Vernachlässigung, schreibt die französische Soziologin Elisabeth Badinter.
Im Umgang mit Kindesmörderinnen aber gab es ein Umdenken. Während im Mittelalter die Hilflosigkeit des Neugeborenen strafverschärfend gewertet wurde, forderten Ende des 18. Jahrhunderts Aufklärer wie Immanuel Kant, die Lebensumstände lediger Mütter strafmildernd zu berücksichtigen. Sie würden durch die Geburt in Ehr- und Mittellosigkeit gestürzt. Deshalb sprach das Bürgerliche Gesetzbuch 1871 in Ý 217 der ledigen Kindsmörderin eine Sonderstellung zu: Sie sollte geringer bestraft werden als gemeine Mörder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg vermutete man den Schlüssel zum Babymord in einem psychischen Ausnahmezustand der Mutter. Dass die Mutter-Kind-Bindung keine Selbstverständlichkeit ist, erkannten Wissenschaftler schon in den 60er-Jahren. Wenn Mütter von ihren Babys unmittelbar nach der Geburt getrennt werden (z. B. nach Frühgeburten) und sie erst Wochen später mit nach Hause nehmen, haben sie häufig große Schwierigkeiten. Studien zeigten, dass solche Babys statistisch häufiger misshandelt werden als andere. Nicht zuletzt deshalb wurde auch in Deutschland das "Rooming-In" eingeführt, das heißt Babys bleiben nach der Entbindung bei ihren Müttern im selben Zimmer.
Verhaltensforscher vermuteten, dass mütterliches Verhalten durch Nachahmung weitergegeben wird, also durch das Kopieren kognitiver Erfahrungen. Menschen haben vielen Säugetierarten voraus, dass sie lernfähig sind. Sie können lernen, mit einem Neugeborenen liebevoll umzugehen, können fremde Kinder adoptieren und lieben lernen. Es gibt aber auch die andere Möglichkeit: dass eine Frau unfähig ist, eine fürsorgliche Mutter zu werden - weil ihr Gehirn darauf schlecht vorbereitet wurde.
Zwar sorgt eine genetisch bedingte, neurologische und hormonelle "Grundausstattung" jeder Frau dafür, dass sie mütterliches Verhalten entwickeln kann. Aber das bedeutet nicht, dass es bei jeder einzelnen Mutter auch ganz mechanisch geschieht. Eine enge Bindung zum Kind entwickelt sich erst durch eine intensive Interaktion zwischen Mutter und Kind ab dem Tag der Geburt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich zum Beispiel durch Studien der amerikanischen Wissenschaftler Call und Meaney gezeigt, dass Gehirnstrukturen diese Interaktion bestimmen.
Versuche mit Ratten und Affen legen nahe, dass sich die Schaltkreise für Vertrauen und Sicherheit im Gehirn eines Babys offenbar nicht ausreichend herausbilden, wenn die Mutter gleichgültig oder ablehnend agiert. In der Folge wird die Tochter dieser Mutter selbst Schwierigkeiten haben, den eigenen Nachwuchs zu umsorgen. Selbst wenn ihr Körper große Mengen der Bindungshormone Östrogen und Oxytocin produziert, ist ihre neurologische Kapazität nicht gut genug entwickelt, um sie in Verhalten umzusetzen. Forscher sprechen hier von "epigenetischer" Vererbung, das heißt, einer der Genetik übergeordneten Informationsweitergabe. Auch beim Menschen gehen Forscher heute davon aus: Die Stärke einer Mutter-Tochter-Bindung überträgt sich auf spätere Generationen und bestimmt den Grad der Fürsorglichkeit von Töchtern und Enkelinnen.
Ob die Frauen, die wegen Babymords verurteilt sind oder unter Verdacht stehen, in einer solchen "Tradition" stehen, ob frühkindliche Defizite Ursache ihrer "unreifen Persönlichkeit" sind oder ob andere Störungen die Tat beeinflussten, ist fraglich. Der Psychiaterin Anke Rohde fiel bei den von ihr untersuchten Fällen auf, dass die meisten Frauen isoliert erschienen: ohne Freundin, Verwandte oder Nachbarin, der sie sich hätten anvertrauen können und wollen. Und sogar jene, die in einer festen Beziehung lebten, schotteten sich mit ihren Ängsten und Gefühlen ab; "bei fast der Hälfte dieser Frauen (waren) ernsthafte Probleme in der Partnerschaft" festzustellen. Viele waren blind vor Verlustangst. Vielleicht, weil sie eine tragfähige Bindung nicht kennen.
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24.05.2007, 21:35
AW: Beide Babys getötet
Die Menge ist nicht das Problem (ich lade mir sowas generell auf den Rechner und schaus mir dann offline an), sondern das Format. Ich konnte heute über den Rechner eines Freundes allerdings die Dateien ansehen.
Zitat von Inaktiver User
Fakt ist: es gibt auch beim BKA keine Zahlen zum Thema Babymorden, die versacken einfach in "0-6 Jahren". "Innerfamiliäre Gewalt" wird ebenso nachlässig behandelt und schlüsselt nicht auf, wer Babymorde begeht. Also auch keine Zahlen für 2006 von offizieller Seite. Dies bestätigt auch Kriminologe Rudolf Egg (aus einem Interview im Mai 2007):
(Hervorhebung von mir)Wie sieht es bei Gewalt oder gar Mord an Kindern in den Familien aus?
Zu diesem Punkt gibt es keine aktuellen Zahlen. Aber in einer Studie aus den 80er-Jahren ergibt sich ein kriminologisches Paradox: Frauen werden deutlich seltener kriminell als Männer, doch bei der innerfamiliären Gewalt gegen Kinder ist es umgekehrt. Es gibt keinen Anlass zu glauben, dass sich dies seit damals geändert hat.
Andere Vorschläge, wo man sich einfach (wink zu Vita) mal ebenso eine offizielle Statistik zu Babymorden für das Jahr 2006 besorgen bzw. zusammenstellen kann?
@Bim: danke für deinen historischen Abriss, den ich mir aber erst ein paarmal durchlesen muss, da ich da einen neuen Trend dahinter vermute: weg vom biologischen, hin zur Unfähigkeit (mal salopp ausgedrückt). So ganz durchschaue ich die Intention der Autorin nicht.
MfG
mausschubser
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24.05.2007, 23:42Inaktiver User
AW: Beide Babys getötet
Das glaube ich dir aufs Wort.
Zitat von Mausschubser
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03.06.2007, 21:24
AW: Beide Babys getötet
Ich auch, denn ich litt bei meiner ersten Geburt daran. Wurde damals aber nicht erkannt und ich habe mir auch keine Hilfe gesucht. Warum, kann ich nicht sagen. Nach zwei Jahren habe ich mich zu einem folgenschweren Entschluss durchgerungen, aus Angst, dass ich etwas Schlimmes tue. Es war für mich damals die einzige akzeptable Lösung. Der Vater war keine Hilfe, er trank und tat keinen Schlag im Haushalt, obwohl wir beide Vollzeit berufstätig waren. Deshalb habe ich das auch alleine entschieden und ihn kurz danach verlassen, nach 5 Jahren.
Zitat von Inaktiver User
Später erst ist mir bewusst geworden, dass es Depressionen waren. Ich hatte jetzt im März richtig Angst, dass ich auch welche bekomme, war aber nicht so.
Ich führe das auch auf eine andere Lebenssituation zurück und denke heute, dass ich damals das Richtige tat. Ich weiß, dass sie in einer guten Familie aufwuchs, glücklich ist und heute studiert. Ich habe sie übrigens im Internet gefunden und das erste Mal gesehen, kurz danach bekam ich wieder Depressionen und seit der Schwangerschaft sind diese aber ganz weg und ich fühle mich wieder mit mir im Reinen, nach 19 Jahren.
Wenn Adoption nicht so ein großes Tabu wäre und man die Frauen nicht so ächten würde, wer weiß, ob es so viele Babymorde gäbe? Aber das ist nur ein Denkanstoß.Geändert von Lucy68 (05.06.2007 um 20:18 Uhr)
Kinder, die man liebt, werden Erwachsene, die lieben


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