Statt Altersarmut als Argument gegen das Lebensmodell anderer Frauen zu verwenden sehe ich deutlich mehr Sinn und Fortschritt darin zu überlegen wie das vermieden werden kann und dafür zu kämpfen, dass Kinderbetreuung und was damit in Zusammenhang steht ebenso anerkannt wird wie andere Berufstätigkeit. Oder arbeiten Kindergärtner, Lehrer usw. unsonst?
Übersetzen wir Emanzipation mit Entlassung in die Eigenständigkeit, die Befreiung aus einer Abhängigkeit.
Was machen wir denn besser, wenn wir wieder nichts anderes tun, als von Frauen die Erfüllung einer ganz bestimmten Rolle zu verlangen?
Nur, dass es jetzt eben eine andere Rolle ist.
Was daran ist Emanzipation?
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Ergebnis 11 bis 20 von 2891
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09.09.2020, 22:00
AW: Helikopter-Mutti
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09.09.2020, 22:12Inaktiver User
AW: Helikopter-Mutti
Man darf bitte nicht vergessen, dass die Frauen die heute in der Armutsfalle sitzen, in einer ganz anderen Zeit groß geworden sind und Kinderbetreuung war auch in der Zeit, als meine Kinder klein waren, ziemlich beschi.... Selbstverständlich müssen sich die Kinder abnabeln und in der Regel funktioniert dies doch auch. Das klassische Heimchen am Herd ist doch rar geworden. Im übrigen muss es auch nicht so laufen wie bei Deiner Mutter, die dann aber anscheinend vorher auch keine gescheite Ausbildung hatte. Ich habe 10 Jahre Pause gemacht, bin dann wieder in meinen Beruf eingestiegen und ernähre zur Zeit meinen Mann mit, da er Zuhause ist. Geht also auch. Mit dem Ausgleich meinte ich übrigens, dass man ja auch privat für eine Zusatzrente für den Zuhause gebliebenen abschließen kann. Wobei klar ist, dass ich hier nicht von den Paaren rede, denen überhaupt nichts anderes übrig bleibt, als dass Beide arbeiten.
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09.09.2020, 22:20
AW: Helikopter-Mutti
Nein, sie haben eine Ausbildung abgeschlossen und unterliegen einer Kontrolle.
Wenn man dich liest könnte man meinen, dass alle Mütter einen super Job als Mutter machen.
Es war sogar (zu ihrer Zeit) eine sehr gute Ausbildung, nur wenn die Kenntnisse fast zwei Jahrzehnte brachliegen, in der sich auch die Arbeit in Büros sehr verändert hat und es günstigere, jüngeres und besseres Personal gibt - was macht man dann? Richtig, Umschulen.
Von welchem Geld? Ich zahle das, was ich zusätzlich verdienen könnte, lieber ein - knappse mir das Geld ab oder ziehe es vom gemeinsamen Haushaltsbudget ab. Aha, eine großartige Idee.Mit dem Ausgleich meinte ich übrigens, dass man ja auch privat für eine Zusatzrente für den Zuhause gebliebenen abschließen kann.
Das geht sicherlich bei Großverdienerin, aber selbst dann würde ich mir die Frage stellen, ob es nicht unter meiner Würde als erwachsener, arbeitsfähiger Mensch ist, mich von meinem Partner derart abhängig zu machen.
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10.09.2020, 06:14
AW: Helikopter-Mutti
Natürlich sollte es selbstverständlich sein, dass die Frau finanziell abgesichert wird bei diesem Modell, was sonst?
Und ja, das muss man sich leisten können. Oftmals ist es nicht so und Frauen bringen sich noch immer in schwierige Lagen.
Auch dann - wenn sie etwas anderes als Geld höher gewichten, ist das ihr gutes Recht.
Ist es unter Deiner Würde, von Deinem Arbeitgeber abhängig zu sein?
Und inzwischen arbeiten manchmal sogar beide Teilzeit, um sich um ihren Nachwuchs zu kümmern - was u. a. auch eine Renteneinbuße für beide bedeutet.
Für mich war es nicht unter meiner Würde, meinen Nachwuchs selbst aufzuziehen und zu betreuen. Der ursprünglich Plan war ein anderer, doch der Kindergarten damals mies, sowohl qualitativ als auch die Zeiten. Verfügbare Großeltern gab es nicht.
Gut, ich war nicht dafür gemacht, mich nur darauf zu konzentrieren (auch wenn ich den Kindergarten sozusagen zu mir verlegte und bis zu 10 Kinder im Haus hatte - ich war zwar erledigt, vermisste aber manches)
und habe ab der Schulzeit stundenweise gearbeitet und ging erst viel später über Teilzeit wieder auf Vollzeit.
Daneben hatte ich einen Hof zu versorgen, den ich später aufgab (Umzug).
Ich würde das definitiv wieder ähnlich handhaben, müsste ich diese Entscheidung treffen.
Beruflich brachte das Nachteile, aber ich entschied mich ja bewusst dafür. Mir war und ist das nicht so wichtig.
Zwischendurch habe ich auch noch ziemlich experimentiert und verschiedene Branchen ausprobiert. Das war ein wenig verrückt, aber ich saß bald wieder im Büro, auch wenn das nach wie vor nicht mein Traum war.
Gerade entwickelt sich etwas und das ist mein Ding. Und bedeutet eine finanzielle Verschlechterung. So what? Es macht mich zufriedener. Das zählt mehr für mich.
@ikara:
Überspitzt gesagt:
Mann: "So ist es. Punkt."
Frau: "Ja, ...das ist...weil...und deshalb..."
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10.09.2020, 06:50
AW: Helikopter-Mutti
Kenne ich auch so - eine Kollegin von mir, die eine korrigierende Funktion im Unternehmen hat, packt zu jeder ihrer Anmerkungen 20 Äffchen-Emojis dazu, damit ihr Aussagen nicht als zu hart empfunden werden.
Hier im Strang vorhin "sorry, aber das triggert mich" - äh, muss man sich jetzt schon entschuldigen, wenn man hier seine Meinung schreibt?
Diese Art zu kommunizieren nervt mich mittlerweile stark.
Scheint es aber oftmals nicht zu sein, siehe weibliche Altersarmut.
Nein, da habe ich ein Gehalt verhandelt und arbeite nicht für immaterielle Werte.Ist es unter Deiner Würde, von Deinem Arbeitgeber abhängig zu sein?
Ich schlafe nicht mit ihm und verbringe meine Freizeit nicht mit ihm - er bezahlt mich für eine strikt eingegrenzte Leistung. Wenn ich krank bin oder Urlaub möchte, bin ich nicht da und falle aus.
Wenn es mir reicht, löse ich den Vertrag, was wesentlich leichter zu bewerkstelligen ist als die Auflösung einer Ehe oder Lebensgemeinschaft.
Und dann gehe ich.
Also die Art der Abhängigkeit ist eine ganz andere.
"Manchmal sogar beide" - ja danke, dass auch endlich mal "sogar" Männer erwähnt werden.Und inzwischen arbeiten manchmal sogar beide Teilzeit, um sich um ihren Nachwuchs zu kümmern - was u. a. auch eine Renteneinbuße für beide bedeutet.
Ja das ist schön für dich, dass es so gut gelaufen ist.Ich würde das definitiv wieder ähnlich handhaben, müsste ich diese Entscheidung treffen.
Beruflich brachte das Nachteile, aber ich entschied mich ja bewusst dafür. Mir war und ist das nicht so wichtig.
Zwischendurch habe ich auch noch ziemlich experimentiert und verschiedene Branchen ausprobiert. Das war ein wenig verrückt, aber ich saß bald wieder im Büro, auch wenn das nach wie vor nicht mein Traum war.
Gerade entwickelt sich etwas und das ist mein Ding. Und bedeutet eine finanzielle Verschlechterung. So what? Es macht mich zufriedener. Das zählt mehr für mich.
Diese "emanzipierte" Wahlmöglichkeit haben zB Alleinerzieherinnen nicht.
Verkauft wird dann aber: "Jede Frau soll selbst entscheiden" - tja.
Tatsache ist immer noch, dass es meisten ohne Mann im Background nicht können.
Und dass wir immer noch nicht so weit sind, dass Männer stolz verkünden, wie wenig wichtig ihnen berufliches Fortkommen ist, weil sie doch lieber zuhause bei den Kindern bleiben.
Ich finde das dermaßen schräg ... und es ist mit ein Grund, warum ich froh bin, diese Modell nicht leben zu müssen - ich würde aus dem Diskutieren mit dem Mann nicht mehr rauskommen, weil ich es einfach rückschrittlich finde, dass es doch in der Mehrzahl die Frauen sind und es als ganz natürlich angesehen wird.
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10.09.2020, 08:05Inaktiver User
AW: Helikopter-Mutti
Männer sollen irgendwas "stolz verkünden", damit Frau als emanzipiert gelten kann?
Finde den Fehler.
Tatsache ist, es gibt sie längst, die Väter, die zuhause sind, die Elternzeit nehmen und die gleichauf mit ihrer Partnerin die gemeinsamen Kinder betreuen.
Abzusprechen und zu "verkünden" ist das ganz allein zwischen den beiden, ob der Mann das stolz und gern macht oder nur (wie viele Frauen auch), weil einer halt "muss", ist mir persönlich egal, ist mir das bei Müttern ja auch.
Für mehr Selbstverständlichkeit solcher Regelungen sollten die Frauen, die sich Emanzipation wünschen, mal bei sich selbst anfangen, indem sie aufhören, so einen Mann z. B. auf dem Kinderspielplatz oder als Hausmann als Exot zu betrachten, der ja allerhöchstens ein halbwegs zufriedenstellender Ersatz für Mutti sein kann.
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10.09.2020, 08:17Inaktiver User
AW: Helikopter-Mutti
Hier im Strang vorhin "sorry, aber das triggert mich" - äh, muss man sich jetzt schon entschuldigen, wenn man hier seine Meinung schreibt?
Ich habe mich nicht für meine Meinung entschuldigt, sondern für meine evt etwas harsche Schreibweise. Zu meiner Meinung stehe ich.
Ich war auch jahrelang aus dem Beruf,habe aber den Kontakt zu meinen Kollegen gehalten und in der Zwischenzeit abends meine Computerkenntnisse aufgefrischt. So war es überhaupt kein Problem, wieder einzusteigen. Wenn Deine Mutter 5 jahrelang gearbeitet und 15 Jahre Zuhause war, dann war Sie Anfang 40, da hätte Sie sich auch wieder in Richtung ihres alten Berufs umschulen (vielleicht nennt man es annders) lassen können. Du suchst Dir bewusst die negativen Beispiele raus und ehrlich gesagt, klingst Du nicht zufrieden. Auch wenn Du Dein Lebensmodell hier so harsch verteidigst. Mir käme es nicht in den Sinn, Dich deswegen anzugehen, denn jeder soll so leben wie er möchte.
Nachtrag: ich war auch schon 40 und habe mit 5 Stunden angefangen.
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10.09.2020, 08:52
AW: Helikopter-Mutti
Na, dieses "sogar" ist eben (noch) die derzeitige Realität, nicht mehr, nicht weniger.
Hier musste ich gerade ob Deines aufgebracht wirkenden Schreibstils lachen.
Wir werden, Männer wie Frauen, nie identische Wahlmöglichkeiten haben.
Ich denke, die wenigsten Autobesitzer würden sich für einen Gebrautwagen entscheiden, wenn sie sich alternativ für einen Fuhrpark mit Bentley, Porsche, Mercedes, ... entscheiden könnten.
In ihrer Wahlmöglichkeit liegt das nicht, aber sie können zwischen verschiedenen Automarken wählen, bei denen die Mängelanfälligkeit variiert. Wie sie dieses Thema angehen, können sie auch entscheiden. Usw.
Dieses "selbst entscheiden" bezieht sich auf den Bereich der individuellen Möglichkeiten, und dieser Rahmen kann ganz unterschiedlich aussehen und genutzt werden.
Wer verheiratet ist, muss sicher kein schlechtes Gewissen haben, weil er andere Wahlmöhlichkeiten als ein Alleinerziehender hat.
Für mich liegt da ein Denkfehler vor.
Dem Mann bliebe auch mehr von seiner Kohle, wenn sie weiter berufstätig wäre.
Bei diesem Punkt geht es um den Teamgedanken. Jeder bringt sich auf seine Weise ein und gleicht für den anderen entstehende Nachteile so gut es passt aus.
Frau trifft die Entscheidung pro Kindererziehung ja nicht alleine, sondern idealerweise doch beide gemeinsam.
Sie entscheidet sich "frei", er entscheidet sich "frei". Miteinander suchen sie den für sie passenden Weg, finden einen Konsens, gehen dafür an manchen Stellen Kompromisse ein. Die sind im Leben immer wieder nötig.
Warum soll Männern und Frauen berufliches Fortkommen eigentlich immer wichtig sein?
Muss es das wirklich?
Oder ist es manchen so wichtig, weil sie perfekt in die Schablone einer Leistungsgesellschaft passen, während andere sich nicht so stark an diese Forderung anpassen?
Und weshalb sollte Männern und Frauen dieser Punkt gleichermaßen wichtig sein?
Gilt das dann auch für alles andere im Leben?
Gleichmacherei? Einheitsbrei?
Ist es nicht besser, dass es Unterschiede, Vielfalt gibt? Was nicht bedeutet, dass keine Entwicklung stattfinden sollte und kann, im Gegenteil.
Ein paar Männer gibt es schon, die sich für Kindererziehung und gegen berufliches Fortkommen entscheiden. Ich kenne ein Paar, da blieb er bei den Kindern zu Hause und sie bildet sich fort, kommt voran, ernährt die Familie überwiegend. Er arbeitet nun wieder, Teilzeit.
Ein anderer verlässt nachmittags sein Chefbüro, sammelt die Kids ein, genießt das Abendessen mit seiner Familie und bringt die Kinder ins Bett. Um danach nochmal 2-3 Bürostunden einzulegen.
Ein anderes Paar arbeitet im gemeinsamen Unternehmen und teilt sich recht flexibel je nach Bedarf die Betreuung. Fußball? Er ist zuständig, ist auch Trainer der Zwerge. Schwimmtraining? Sie ist dran. Sie sprechen sich einfach ab, manchmal läuft es hektisch und chaotisch, meist aber inzwischen sehr gechillt.
So düster sieht das Bild also gar nicht aus. Auch wenn noch vieles im Argen liegt, es tut sich was.
"Frei wählen" heißt aber immer auch Modelle anzuerkennen, für die man sich selbst nicht entscheiden würde.
Nur weil ich einen Job nicht übernehmen würde, heißt das nicht, dass der Job scheizze ist. Er würde nur nicht zu mir passen.
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10.09.2020, 08:53
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10.09.2020, 12:05



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