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    Boris Palmer und die Grünen

    Vorab, mir geht es nicht um die "coronabezogene" Deutung von Palmers Aussagen (hier Link für die Uninformierten: ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder imPUR-Abo. Sie haben die Wahl.), sondern um den Umgang mit "kritischen" Meinungen in unsrer Politiklandschaft.

    Ergänzender Link, der Palmers Aussage weniger verkürzt darstellt:

    Boris Palmer provoziert in Coronavirus-Krise: „Wir retten moglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot waren“ - Politik - Tagesspiegel Mobil


    Nach diesen (und auch anderen, man erinnere sich nur an seinen Besuch in Berlin - Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands) Äußerungen reagierten die Grünen mit einem "offenen Brief" (https://www.tagesspiegel.de/download...lmer010520.pdf), es wird ein Rücktritt gefordert und Morddrohungen bekommt Palmer auch (ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder imPUR-Abo. Sie haben die Wahl., ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder imPUR-Abo. Sie haben die Wahl.).

    Ich bin fassungslos.

    Es ist nicht so, als hätte Palmer, dessen Person ich hier nicht bewerten will, zum Genozid oder Kampf gegen Menschen aufgerufen, nein, er vertritt eine kritische Position und ist einer der wenigen streitbaren Grünen.

    Das, was Palmer selbst sagt, trifft es m.E. ganz gut

    "Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist, dass man für etwas, was man nicht gesagt hat, verurteilt wird", sagte Palmer. Die Grünen beteiligten sich daran, die Demokratie zu einer "Empörungsarena" umzugestalten.
    Quelle: ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder imPUR-Abo. Sie haben die Wahl.

    Das empfinde ich in Bezug auf diese Partei auch so. Darf man nicht mehr streiten und kritische Meinungen äußern? Ist nur als Politiker tragbar, wer brav in den Gesang der Parteilinie einstimmt? Dass die Mitglieder gemäß Satzungen ihrer Partei verpflichtet sind, deren Werte zu vertreten, ist mir bekannt. Aber wo fängt das an, wo hört die Freiheit auf?

    Was denkt ihr darüber?
    Geändert von AE90 (09.05.2020 um 08:23 Uhr)

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Diese Aussage von Palmer (aus dem ersten Link von dir), empfinde ich nicht als kritische Stimme, sondern als sozialdarwinistische Aussage:

    "Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“

    Sozialdarwinistisch ist noch freundlich ausgedrückt. Wenn man diese Aussage weiterdenkt, wie weit ist eine Gesellschaft zu gehen? Retten wir Menschen, die in einem Jahr tot wären? Etc. Deutschland ist in seiner Geschichte schon sehr weit gegangen was die Nützlichkeit und Wertigkeit von Menschen angeht. Diese Haltung möchte ich in keiner Partei haben.
    „Wo zwei Schwestern zusammen gehen, kann sie kein Tiger reißen“ koreanisches Sprichwort, gelesen in „Mama Superstar“

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Diese Aussage von Palmer (aus dem ersten Link von dir), empfinde ich nicht als kritische Stimme, sondern als sozialdarwinistische Aussage:

    Und ich finde, er hat ein gutes Stück weit recht. Gerade die Menschen, deren Lebenserwartung nicht mehr groß ist, bilden die Risikogruppe.

    Schau dir an, wer alles zu Schaden kommt und am Ende die Rechnung für alles in die Hand gedrückt bekommt. Wir reden hier nicht von Kleinigkeiten.

    Ich finde, darüber sollte man schon diskutieren dürfen, ohne gleich massiv angegangen zu werden.

    Zu unserer freiheitlichen Gesellschaft gehört nunmal auch dazu, andere Meinungen zu akzeptieren.

    Palmer für eine abweichende Meinung abzustrafen und abzuwerten, halte ich für nicht richtig.

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    So ... durchgeatmet.
    Ich sag hier besser nix (mir fällt nix AGB-konformes ein).
    Aber der Samstagmorgen ist mir verdorben.
    Road-Smell After The Rain

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Hinzu kommt, dass - wie so oft in unserer medialen und gesellschaftspolitischen Empörungskultur in bestimmten Fällen - seine Aussage bewusst verkürzt worden ist.

    Palmer hatte seine eigene Partei, die SPD und Patientenschützer gegen sich aufgebracht, indem er am Dienstag im Sat.1-Frühstücksfernsehen sagte: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einen halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“


    Der Armutsschock, der aus der weltweiten Zerstörung der Wirtschaft in der Coronavirus-Krise entstehe, bringe nach Einschätzung der Vereinten Nationen hingegen Millionen Kinder ums Leben, fügte der Grünen-Politiker hinzu.

    „Wenn Sie die Todeszahlen durch Corona anschauen, dann ist es bei vielen so, dass viele Menschen über 80 sterben - und wir wissen, über 80 sterben die meisten irgendwann“, sagte er.
    Quelle: https://m.tagesspiegel.de/politik/boris-palmer-provoziert-in-coronavirus-krise-wir-retten-moeglicherweise-menschen-die-in-einem-halben-jahr-sowieso-tot-waeren/25782926.html?utm_referrer=https%3A%2F%2Fm.tagessp iegel.de%2Fpolitik%2Faussagen-ueber-coronavirus-massnahmen-gruene-wollen-palmer-nicht-mehr-als-ob-kandidaten-aufstellen%2F25799192.html%3Futm_referrer%3Dhttps% 253A%252F%252Fwww.google.de%252F

    Er referenziert explizit auf die Konsequenzen, die neben "Rettung von Leben" Folgen des Lockdown sind. Viel weniger wirtschaftliche Ressource für andere Menschen. Er wägt also gerade ab, was sinnvoll ist, wie Schäuble es tat, nur, dass letzterer dank seines Status als Hochrisikogruppe wohl sowas sagen darf und Palmer nicht.

    Mein Punkt ist nicht, zu diskutieren, ob das Sozialdarwinismus ist oder nicht. Mein Punkt ist, was stimmt mit unserer medialen und politischen Landschaft nicht, dass strittige Äußerungen verkürzt und dazu genutzt werden, unliebsame Stimmen auszubooten? Was ist mit Pluralismus? Was ist mit Debatten? Ist eine Maulkorbkultur so wünschenswert?

    Viele scheinen zu vergessen, dass eine solche restriktive Kultur sie, wenn sie nicht mehr selbst auf der sog. guten Seite stehen, ebenfalls hart treffen wird.
    Mich macht das nachdenklich.

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Gegenfrage - Welche Vorschläge hat die Fraktion, die in der "Empörungsarena" ganz vorne steht (der Begriff trifft es sehr gut) denn für das Vorgehen der nächsten Monate, evtl ein oder zwei Jahre?

    Ausserdem - nicht Hr Palmer verhält sich hier sozialdarwinistisch, sondern das Coronavirus.

    Herr Palmer spricht nur aus, was Viele verdrängen - den Preis, den ALLE zahlen müssen.

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Zitat Zitat von AE90 Beitrag anzeigen
    ....

    Mein Punkt ist nicht, zu diskutieren, ob das Sozialdarwinismus ist oder nicht. Mein Punkt ist, was stimmt mit unserer medialen und politischen Landschaft nicht, dass strittige Äußerungen verkürzt und dazu genutzt werden, unliebsame Stimmen auszubooten? Was ist mit Pluralismus? Was ist mit Debatten? Ist eine Maulkorbkultur so wünschenswert?
    .....
    Und warum darf das nicht der Punkt sein in einer Diskussion?

    Vielleicht ist es nicht dein Punkt - meiner schon.

    Wenn du verschiedene Aspekte bei der Betrachtung ausklammerst, dann ist das für mich eine Debatte mit Maulkorb.
    Genau das, was dich ja offensichtlich fassungslos macht.

    Ab davon: Herr Palmer kann seine Meinung doch sagen, hat er ja auch. Dafür gibt's Gegenmeinungen, alles ganz normal.

    Ob die Grünen das innerhalb ihrer Partei aushalten wollen/müssen, das sollen sie - als Partei - selbst entscheiden. Das steht ihnen zu, wer wollte ihnen das verwehren?
    Auch das ist Demokratie!

    Ich persönlich denke, man sollte solche "originellen Denker" so lange wie möglich aushalten und sich mit ihnen auseinander setzen. Allerdings habe ich den Eindruck, dass Palmer selbst eher die Öffentlichkeit sucht als den innerparteilichen Diskurs.

    Dann könnte Herr Palmer jederzeit seine Meinung als Privatmann bzw. OB von Tübingen kund tun. Er lebt aber auch von dieser Spannung, dass er solche Äußerungen als Mitglied der Grünen macht. Er hat mehr zu verlieren, darum will er ja auch bleiben.
    Geändert von print (09.05.2020 um 08:48 Uhr)
    Think before you print.

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Zitat Zitat von Wolfgang11 Beitrag anzeigen
    Und ich finde, er hat ein gutes Stück weit recht. Gerade die Menschen, deren Lebenserwartung nicht mehr groß ist, bilden die Risikogruppe.
    Und? Deswegen verdienen sie keine Rettung im Sinne einer medizinischen Behandlung?

    Schau dir an, wer alles zu Schaden kommt und am Ende die Rechnung für alles in die Hand gedrückt bekommt. Wir reden hier nicht von Kleinigkeiten.
    Wir retten Firmen, die in 2 Monaten eh insolvent wären? Wir alle zahlen einen Preis.

    Ich finde, darüber sollte man schon diskutieren dürfen, ohne gleich massiv angegangen zu werden.
    Eine sachliche Diskussion ist immer möglich. Palmer war nicht sachlich.

    Zu unserer freiheitlichen Gesellschaft gehört nunmal auch dazu, andere Meinungen zu akzeptieren.

    Palmer für eine abweichende Meinung abzustrafen und abzuwerten, halte ich für nicht richtig.
    Es geht um Palmers grundlegende Haltung, die mE nicht dem Artikel 1 entspricht.
    „Wo zwei Schwestern zusammen gehen, kann sie kein Tiger reißen“ koreanisches Sprichwort, gelesen in „Mama Superstar“

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    .

    Herr Palmer spricht nur aus, was Viele verdrängen - den Preis, den ALLE zahlen müssen.
    Er geht noch einen Schritt weiter.

    Er definiert auch, WOFÜR wir den Preis zahlen ("Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot sind") und eröffnet damit eine ganz andere Diskussion.

    Dabei positioniert er sich implizit klar, man kann ihn da eigentlich nicht missverstehen.
    Auch wenn er sich dann doch nicht getraut hat, das explizit auszusprechen (es lohnt sich nicht, für diese Leben einen solchen Aufwand zu betreiben) und nun die Gelegenheit nutzt, sich darauf zurückzuziehen ("das habe ich nicht gesagt").
    Think before you print.

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    AW: Boris Palmer und die Grünen

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Und? Deswegen verdienen sie keine Rettung im Sinne einer medizinischen Behandlung?
    Die wird doch gar nicht infrage gestellt.

    Es geht doch vielmehr darum, was wir alle dafür in Kauf nehmen wollen.

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