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  1. Avatar von mainecoon2
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    Schludriger Journalismus

    "Aus der Fassung bringen" ist jetzt zuviel gesagt, aber es regt mich auf, wenn Journalisten vorschnell und offensichtlich schludrig recherchiert berichten, nur um ja die schnellsten zu sein.

    1.Beispiel: korrekte Namen (gerade habe ich den Namen des verunglückten jungen Abfahrers gelesen). Es muss doch möglich sein, die richtige Schreibweise heraus zu finden und zu verwenden. Uns kann das egal sein, aber die ihn gekannt oder gemocht haben, reagieren unter Umständen sehr empfindlich:

    2.Beispiel: Anzahl von Toten oder Verletzten bei Unglücken: Wenn nicht schnell genug recherchiert werden kann, ob es sich nun um z.b. 7 oder 8 Tote handelt, dann sollte man das entsprechend kommunizieren. Wie beim ersten Beispiel auch mag das für den nicht betroffenen Leser keine Rolle spielen, für Angehörige ist aber die 8.Person unter Umständen noch am Leben oder aber tot.

    Diese schludrige Berichterstattung findet sich naturgemäß eher online, weil es schnell gehen muss, Hauptsache raus mit den News. Ich schätze in ca 30 % aller online Berichte sind Fehler enthalten, bei denen ich mir denke, muss doch nicht sein !

    Wie denkt ihr darüber ?

  2. Avatar von mainecoon2
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    AW: Schludriger Journalismus

    Und ja, ich weiss: Glashaus und Steine werfen. Mein Beitrag enthält auch Fehler, aber ich bin kein Journalist und das Forum ist nur ein Forum :)


  3. Registriert seit
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    AW: Schludriger Journalismus

    Journalismus ist teilweise eben auch ein dreckiges Geschäft.
    Bevor ich mich jetzt aufrege,
    isses mir lieber egal.

  4. Moderation
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    AW: Schludriger Journalismus

    Zitat Zitat von mainecoon2 Beitrag anzeigen
    Ich schätze in ca 30 % aller online Berichte sind Fehler enthalten, bei denen ich mir denke, muss doch nicht sein !
    Überleg dir mal, wieviel die Leute dafür bezahlt kriegen, bei jeder Meldung die Fakten unabhängig gegenzuchecken statt die Presseinfo von Polizei/Feuerwehr/ihrem Kurzinteviewpartner ("der Kaninchenzüchterverein besteht jetzt seit 75 Jahren" -- nee, 65, du Mathelegastheniker...) skeptisch zu betrachten. Hinweis: Als die Zeitung noch um ein Uhr morgens in den Druck mußte, war es mehr!

    Auch da wird in unserer Informations- und Servicewelt immer mehr Arbeit auf den Kunden abgewälzt.

    Von Namen erwarte ich ohnehin, daß sie zum Schutz der Privatsphäre auf die ein oder andere Art unkenntlich gemacht werden. Das Hauptproblem bei einem Schreibfehler ist, daß er in einem Realnamen sein muß, um überhaupt bemerkt zu werden.

    Ob jetzt 7 oder 8 Deutsche unter den Opfern sind macht für mich nicht mal einen Unterschied, wenn ich weiß, daß jemand, den ich kenne, zur entsprechenden Zeit am entsprechenden Ort war.

    Mir wäre es lieber, die Journalisten bekämen mehr Zeit und Geld für Qualitätssicherung (außerdem hätte ich gerne ein Pony) und würden die in komplexe und kritische Themen investieren nicht in Details alltäglicher Katastrophen.
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  5. Avatar von guerteltier
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    AW: Schludriger Journalismus

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Mir wäre es lieber, die Journalisten bekämen mehr Zeit und Geld für Qualitätssicherung (außerdem hätte ich gerne ein Pony)
    Ich habe etwas "mediennahes" studiert und damals (Anfang der 2000er) wurde immer die Qualitätssicherung des Spiegels als Goldstandard beispielhaft erwähnt - zumindest was die Online-Berichterstattung angeht scheinen die das nicht hochhalten zu können .

    Worüber ich mich immer wieder auf Neue aufrege ist die Verwechslung der Wörter "vermeintlich" und "mutmaßlich" - nein, bei einer laufenden Gerichtsverhandlung steht sicher nicht der "vermeintliche" Täter vor Gericht, außer der Journalist hat brandheiße Erkenntnisse, die Polizei und Staatsanwaltschaft übersehen haben...

    Das klingt jetzt so nach früher war alles besser und die Menschen werden immer dümmer - eine Einstellung über die ich mich auch gerne aufrege .

  6. Avatar von mainecoon2
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    AW: Schludriger Journalismus

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen

    Ob jetzt 7 oder 8 Deutsche unter den Opfern sind macht für mich nicht mal einen Unterschied, wenn ich weiß, daß jemand, den ich kenne, zur entsprechenden Zeit am entsprechenden Ort war.
    Na ja, das ist Ansichtssache. Ich finde es respektlos, als ob es egal wäre.

  7. Avatar von mainecoon2
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    AW: Schludriger Journalismus

    Zitat Zitat von guerteltier Beitrag anzeigen

    Worüber ich mich immer wieder auf Neue aufrege ist die Verwechslung der Wörter "vermeintlich" und "mutmaßlich" - nein, bei einer laufenden Gerichtsverhandlung steht sicher nicht der "vermeintliche" Täter vor Gericht, außer der Journalist hat brandheiße Erkenntnisse, die Polizei und Staatsanwaltschaft übersehen haben...

    .

    Hallo Gürteltier,
    ja und man sollte auch meinen, ein Journalist kenne den Unterschied zwischen "anscheinend" und "scheinbar". Ist aber wohl zuviel verlangt.

    LG

  8. Avatar von marylin
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    AW: Schludriger Journalismus

    Bemerke ich häufig bei meinem Radiosender, dass einfach falsche Nachrichten gebracht werden bzw. der Beitrag nicht eindeutig rübergebracht wird - einfach so "hingeschmissen"...
    Bsp.: Neulich berichtete der Sender: Das BGH hat entschieden, dass Riesterverträge nicht gekündigt werden dürfen. Eine Frau wollte ihr Erspartes zur Schuldenbegleichung einsetzen, das ist aber nicht erlaubt.
    Ich recherchiert, richtig war: Der BGH hat geurteilt, dass das Riestervermögen durch den Insolvenzverwalter nicht gekündigt/aufgelöst werden kann, um damit die Schulden zu tilgen.
    Das ist ein großer Unterschied.

    Auch beim Reden geben sich die Moderatoren etc. nicht mehr richtig Mühe - was solls, ein Versprecher nach dem andern, macht ja auch sympatisch, ne?
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  9. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Schludriger Journalismus

    Bei einem schon etwas bekannteren Sportler wie dem Skifahrer, da sollte es schon möglich sein, den Namen richtig zu schreiben.

    Ich frag mich auch des Öfteren, was Wolf Schneider wohl so zum Stil bei Online Artikeln sagt, aber vielleicht darf man Online und Druck einfach nicht mehr vergleichen.

    Mich stören oft die Tippfehler, aber das scheint wohl wirklich an der fehlenden Zeit zu liegen.

    Und schlunzige Recherche bei Themen, die zB aus meiner Gegend stammen (irgendwie scheint gerade SPON da neuerdings eine Quelle zu haben). Da können schon mal Zusammenhänge falsch rüberkommen, einfach weil ein Teil der Information fehlt. Ob das nun verkürzte Agenturmeldungen sind oder halbgare Recherche - keine Ahnung.
    "Peace is not unity in similarity but unity in diversity, in the comparison and conciliation of differences." Mikhail Gorbachev

    “Misunderstanding arising from ignorance breeds fear, and fear remains the greatest enemy of peace.” Lester B. Pearson

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  10. Moderation
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    AW: Schludriger Journalismus

    Zitat Zitat von mainecoon2 Beitrag anzeigen
    Na ja, das ist Ansichtssache. Ich finde es respektlos, als ob es egal wäre.
    Nach meiner zum Glück beschränkten Erfahrung sind Katastrophen vor allem erst mal eins: Chaos.

    Beim Grenfell Tower Feuer hat es, wenn ich mich an den Zeitverlauf der Berichterstattung richtig erinnere, über eine Woche gedauert, bis sie eine Vorstellung von der Anzahl der Toten hatten, und die genaue Liste erschien (im Guardian) am 23. November. Wenn es keine so sichtbare Katastrophe gewesen wäre, hätte niemand mehr als fünf Monate nach dem Ereignis noch eine Liste publiziert. Man hätte den Erkenntnisstand vom 16. Juni gedruckt, und die Zahl der Toten wäre "möglicherweise mehr als 100" gewesen.

    Wie lange bist du bereit, auf Nachrichten zu warten, aus Respekt vor den Nahestehenden der Toten (die es ohnehin nicht aus der Zeitung erfahren sollten...)? *Respektvoll* wäre es mMn, die Klappe zu halten, aber dafür werden die Leute ja auch nicht bezahlt.

    @Gürteltier, ich sehe den Qualitätsschwund als unvermeidliche Folge des Zeitdrucks und der Billigheimerei. "Schell, gut, billig - zwei davon kannste haben", so heißt es ja.

    Obendrein: Ärzte dürfen nicht mal dem Ehepartner Informationen geben. Soll der Journalist sich eine Kittelschürze anziehen, einen Mop greifen, und vor Ort im Krankenhaus recherchieren, wer noch lebt und wer schon nicht mehr?

    Je schneller und billiger unsere Infos werden, desto mehr, habe ich den Eindruck, erwarten wir von ihnen.

    (Und, in ganz harmlosen Fällen: Wer mal vor einem Fernsehteam gestanden hat und ihnen in 90 Sekunden erklären mußte, wer wir sind, was wir hier machen, und warum, daß wir keine gemeingefährlichen Spinner sind, und ein paar sympathische Soundbites unterbringen, *ohne* daß irgendeiner der Anwsenden nach der Austrahlung der Sendung ewige Fehde schwört, gewinnt auch ein ganz neues Maß an Skepsis gegenüber den Quellen der Journalisten.)
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **
    Geändert von wildwusel (07.12.2017 um 13:38 Uhr)

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