Hallo Zusammen.
Ich muss mir mal meinen Frust von der Seele schreiben:
Mein Schwiegervater wurde gestern palliativ aus dem Krankenhaus entlassen.
Der 3. Anlauf, nachdem sich irgendjemand verrechnet hatte.
Er hat Krebs im Enddstadium und noch relativ guter Dinge.
Da gestern Mittwoch war, bin ich morgens zum Krankenhaus (35min Fahrzeit ein Weg) um die Entlasspapiere zu holen und alles weitere wie Medikamente usw.vom Hausartzt besorgen zu können.
Um 9:30 war ich da, zufällig war gerade Visite bei ihm und ich trug mein Anliegen direkt vor.Alles kein Problem; dauert aber etwas. Nach einer Stunde hieß es dann von der Krankenschwester: Er bekommt die Papiere erst nachmittags mit, ebenso wie die Medikation bis zum nächsten morgen. Freundlich war sie nicht.
Er kam nach der Strahlentherapie nach Hause.
Mittwochnachmittag.
Das Morphin fehlte. Ohne geht es nicht.
Das hieß: noch einmal ins Krankenhaus; im Feierabendverkehr.....ich war 1,5 h unterwegs
Ich war sooo wütend.
Seit heute morgen 8Uhr bin ich zugange, seine Sachen zu regeln :
Neuer Pflegedienst das erste Mal da
Arzt
Apotheke
dazwischen selber zur Krankengymnastik
Sanitätshaus
Krankenkasse
Lieferung der Hilfsmittel
diverse Telefonate
und dachte: jetzt ist alles geschafft und jetzt darf ich auch selber wieder gesund werden (Bin krank geschrieben, aber nicht bettlägerig)
Um 14:45 dann endlich wieder in meiner Wohnung.
Da liegt schon nächste Brief, was ich noch (für mich!)zu erledigen habe(aufwendig)
15:00 Anruf der onkologischen Praxis: Montag mittag Termin für Schwiegervater.
Es gibt keinen Ausweichtermin, Pat muss mit Angehörigem kommen.
Ganz ehrlich,ich frage mich, wie die Patienten das schaffen sollen.
Ich hatte nicht einmal Zeit, was anständiges zu essen.
Dabei bin ich eigentlich vom Fach und dreh hier gerade vollkommen am Rad.
Am schlimmsten habe ich die mangelnde Kooperation und Emphatie des Krankenhauspersonals empfunden.
Als durchblickte, das ich nicht ganz unerfahren bin, wurden die Antworten sehr sparsam und auch oft unfreundlich. Selbst wenn ich nach einer Mülltüte fragte.
Wir wollten Schwiegervater ein Stück Mobilität wieder geben, solange er noch kann.
Das wollte ich regeln, als er noch stationär war.
Im Gespräch mit dem geriatrischen Dienst bekam ich zum Thema E Mobil folgendes zu hören: da wird wohl nicht die Glückseligkeit von abhängen.
Er wünschte es sich wirklich sehr.
Das konnte ich nun heute dank intensiver Vorarbeit realisieren; aber das Krankenhaus hat zuvor stückchenweise jede Mithilfe abgelehnt.
Nicht offen; aber die entsprechenden Papiere wurden einfach nicht bearbeitet und dann bei Entlassung wieder ausgehändigt.
Irgendwie liest es sich gar nicht so schlimm, aber das zu erleben ist echt übel und macht echt fertig und wirklich Fassungslos...
Danke fürs lesen...ich hoffe es war verständlich....
Antworten
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21.09.2017, 15:52
Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
simplemind
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Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
George Bernhard Shaw
4.6.18

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21.09.2017, 15:58Inaktiver User
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Du hast mein volles Mitgefühl.
Ich erleb das grad bei meinen Eltern auch, ich sage dir, man kann sich das nicht vorstellen solange man nicht selbst betroffen ist.
Daher bin ich inzwischen auch auf 180 bei so Aussagen wie: Deutschland ist ein reiches Land. Ja, mag sein, aber wie hier teilweise mit alten und/oder kranken Menschen umgegangen wird ist eine Schande.
Entweder hör ich auf zu arbeiten oder mein Vater mit 91 kann schauen wie er meine demente Mutter zu den Ärzten bekommt, weil Hausbesuche gibt es nicht.
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21.09.2017, 16:01
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Ohja, ich weiß genau was du meinst. Ich bin nicht direkt betroffen, bekomme es aber im näheren Umfeld mit. Da sagt das Krankenhaus "und morgen kommt er dann nachhause", Pflegedienst kann aber frühestens am Montag kommen... über die Diagnose gibts auch ständig Streit (Hausarzt sagt dieses, Krankenhaus jenes).
Nicht schön.*lost in the woods*
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21.09.2017, 16:03
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Ich kann Euch gerade gar nichts hilfreiches schreiben. Mich macht es auch total fassungslos, was Du, simplemind, erleben musst, und Du, hilfskonstruktion, wohl auch.
Desinteresse in so einer Situation zu erleben muss wirklich teuflisch sein.
Ich wuensche Euch von Herzen, dass ihr irgendwo doch noch ein einen mitfuehlenden Menschen geratet!Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
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21.09.2017, 16:05
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Vielleicht mache ich mir falsche Vorstellungen von einem palliativ nach Hause Entlassenen, aber ist da ein E-Mobil wirklich noch angesagt?
(In unserer Familie ging es eher um ein Pflegebett)
Ansonsten hast du natürlich mein vollstes Mitgefühl für diesen Stress, den dir das emotional und organisatorisch bereitet.Geändert von Paraplumeau (21.09.2017 um 16:10 Uhr)
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21.09.2017, 16:22Inaktiver User
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Tut mir leid, dass Du mit all dem so unerfreulich konfrontiert wurdest

Ich glaube, von mir behaupten zu dürfen, mit Krankheit und Krankenhausalltag leider mit reichlich Erfahrung "gesegnet" zu sein. Gerade das Personal, mit dem man direkt zu tun hat, kann dafür am wenigsten. Oft ist scheinbar mangelnde Empathie purer Selbstschutz und Frust.
Kein angestellter Mensch im Krankenhaus, fängt an beim angelernten Pflegepersonal, über die Fachkräfte bis hin zu Ober- und Chefärzten, hat heutzutage noch Zeit. Zudem sind, Gott sei Dank allerdings, die Kompetenzen und Zuständigkeiten derart eingegrenzt, das eben teilweise Ewigkeiten dauert, bis der/diejenige, die ein bestimmtes OK geben darf, über Sachlagen informiert ist (wie z.B. das Ding mit dem Morphin)
Oder mit der elektrischen Hilfe ... dort wird schlicht sich damit beschäftigt, das Hauptanliegen über die Bühne zu kriegen, nämlich: da raus und weg, mit all dem, was nun die ersten Tage am wichtigsten zu Haus ist. Den Rest halt von dort aus regeln.
Nicht schön ... aber die Realität.
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21.09.2017, 16:23Inaktiver User
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Solange er noch aktiv und gut drauf ist muss er ja nicht im Bett rumliegen.
Trotzdem - mein Mitgefühl für dieses Theater.
Ja ich habe auch schon gemerkt, dass man besser dran ist wenn man sich dumm stellt. Sobald jemand merkt du weißt bescheid wird es schwieriger.
Denk an deine eigene Gesundheit!!
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21.09.2017, 16:37
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Simplemind, ich habe das mal am eigenen Leib erfahren. Da war es der sozialpädagogoische Dienst im Krankenhaus, der einfach nicht gearbeitet hat. Ich war bettlägrig krank und wurde dann entlassen, ohne dass das weitere Vorgehen abgesprochen und abgeklärt war. Es war zwar bei weitem nicht so dramatisch wie bei dir, aber du kommst dir vollkommen hilflos vor. Das beste war dann, dass ich überall zu hören bekommen habe "das macht der sozialpädagogische Dienst". Man könnte schreien oder irre werden.
Letztlich ist aber alles wohl der Ausbund, dass jeder, der in diesem Gesunheitssystem arbeitet, selbst krank ist. Und irgendeinen trifft es dann immer wieder mal. Und als Betroffene hast du keine Kraft, dich am System aufzuarbeiten und aufzureiben, dir geht es ja um die Sache, um eine Lösung des Problems.
Mein Mann hat mal einen Termin bekommen: Montag, 10:45 Uhr hier in xy. Wir wohnen auf dem Dorf, es fahren um diese Uhrzeit keine öffentlichen Verkehrsmittel und er war gehunfähig, weil gerade am Fuß operiert (die Diagnose war dem Termingeber bekannt). Wie sollte er das machen? Fliegen oder beamen?
Lösung und Hilfe habe ich auch keine. Bei euch ist die Angelegenheit auch wesentlich dramatischer. Ich teile aber Tomstens Einschätzung, dass die betroffenen Fachleute einfach nur überarbeitet und selbst im System aufgerieben werden. Ihre Reaktion ist eher ihrer eigenen Hilflosigkeit geschuldet, als dass sie tatsächlich gegen dich gerichtet sind.
Was du tun kannst? Ruhe bewahren, Übersicht verschaffen. Klingt so banal - und die Elektromobilität, um die kümmerst du dich, wenn du alle Medikamente hast, alle wichtigen und unaufschiebbaren Termine wahrgenommen hast. Viel Kraft!
Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
- Ich habe meinen Sport gefunden.
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21.09.2017, 17:02
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Doch, es liest sich schlimm

Das Ausmaß der eigenen Grenzen kann man nur ahnen, wenn man selbst betroffen war
Über meine Mutter wurde von Ressourcenverschwendung gesprochen, als es um ein wirksames Medikament ging
Ich wollte es selber zahlen, brauchte aber das Rezept
Ich habe auch Positives erlebt, aber über das Negative könnt`ich Bücher schreiben
Pass gut auf Dich auf
Es wird Zeit für eine neue Signatur
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21.09.2017, 17:38
AW: Als Pflegefall nach Hause entlassen; Bürokratie und Arroganz
Schön, dass das geklappt hat. Für ihn wird das viel ausmachen. Meine Hochachtung, dass Du das für den Schwiegervater machst (ganz ehrlich, ich würde dies nur für meine Familie machen). Als wir uns um meinen sterbenden Vater gekümmert haben, muss ich sagen, waren die Dienste und Ärzte alle empathisch.
Rückblickend hat mich das auch erstaunt. Einige Schwestern waren ruppig.
Bei einer Äußerung wie oben wäre ich sehr deutlich geworden und hätte ggf. nach der Vorgesetzten gefragt.
Ich wünsche euch noch viel Kraft und dem alten (?) Herrn noch einige schöne Abschnitte.



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