Hallo miteinander,
da ich Mutter zweier (Klein)Kinder bin, komme ich viel unter Leute.
Ich habe den Eindruck, dass ich in der Erziehung vieles ernster (vielleicht zu ernst) nehme als andere.
Manchmal frage ich mich, wie ich meinen Kindern Tugenden wie Rücksichtsnahme, Pünktlichkeit, ordentlicher Umgang mit fremdem Eigentum usw vermitteln soll, wenn es ihnen häufig ganz anders vorgelebt wird.
Beispiel 1 beim Arzt: ein Kind (etwa 3) reiht einen Stapel Kinderbücher (gehörten zur Praxis) aneinander, springt von einem auf das andere und ruft dabei "tutut". Die Mutter ist völlig hin und weg und erzählt ganz begeistert, dass der Kleine Züge so gerne mag und immer Eisenbahn spielen will.
Dass die Schuhe des Jungen sicherlich nicht ganz sauber waren und er da auf fremdem Eigentum
rumgetrampelt ist, war offensichtlich irrelevant.
Beispiel 2 beim Turnen: Ein Zweijähriger schubst mit voller Absicht ein Mädchen, sodass dieses hinfällt und weint. Der Vater sagt: nichts! Weder zu seinem Kind noch zu dem Mädchen. Wenig später höre ich, wie er zu einer anderen Mutter sagt, Kinder müssen sich selbst regulieren.
Stimmt ja auch! Aber mit 2?
Beispiel 3 auch beim Turnen: Regel ist, dass sich immer alle Kinder hinten anstellen und die Eltern bei ihren Kindern sind, um darauf zu achten, dass nichts passiert.
Viele 2-Jährige drängeln vor. Das ist ja auch völlig normal. Die können das einfach noch nicht. Aber ist es denn nicht die Aufgabe der Eltern, das Kind dazu zu animieren? Stattdessen höre ich immer wieder Eltern, die sich über die Anstellregel lustig machen.
Das waren jetzt nur mal drei Beispiele. Ich könnte noch viele viele mehr aufschreiben.
Ich frage mich, warum vielen Eltern solche Dinge offenbar so unwichtig sind. Oder bin ich die mit dem Denkfehler und die unentspannte Mutter??
Wie soll ich meinen Kindern erklären, wie wichtig es zB ist, Bücher oder generell fremdes Eigentum gut zu behandeln, wenn dann vor ihren Augen ein Erwachsener (!) etwas ganz anderes vorlebt?
Ich finde das oft sehr schwierig!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 65
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19.11.2016, 22:22
Das Vorleben von Regeln und Werten
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20.11.2016, 08:00
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
DU hast definitiv keinen Denkfehler!

Aber die anderen auch nicht, die denken ja nicht.
Was mich noch interessieren würde, sagt denn beim Turnen die Leiterin gar nichts dazu?Stumpfsinn, Stumpfsinn, du mein Vergnügen,
Stumpfsinn, Stumpfsinn, du meine Lust.
Gäb's keinen Stumpfsinn, gäb's kein Vergnügen,
gäb's keinen Stumpfsinn, gäb's keine Lust.
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20.11.2016, 08:27Inaktiver User
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
Für mich ein klassischer Fall von "wie man es macht, macht man es falsch".
Ja, Kinder müssen auch mal miteinander toben, ohne dass Erwachsene eingreifen. Ich bin nicht der Meinung, dass Eltern sofort springen müssen, wenn ein Zweijähriges umfällt. Wenn meine beiden (vier und knapp zwei) balgen, geht es durchaus auch mal robust zu, und beide müssen lernen, das zu regulieren, ohne dass Mama alle drei Sekunden "Vorsicht, tu ihr/ihm nicht weh!" ruft.
Bei der Büchersache hätte ich eingegriffen, weil Bücher für mich einen besonderen Wert haben. Die Betonung liegt auf "für mich". Ich würde aber akzeptieren, dass jemand anderes sagt: Kinderbuch = Kinderspielzeug, ergo darf das Kind auch damit spielen.
Die Grenzen für diese Dinge sind fließend.
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20.11.2016, 08:39Inaktiver User
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
Ich sehe übrigens ganz klar den Unterschied zwischen dem Zweijährigen und dem Vierjährigen. Das Vierjährige weiß, was weh tut und was nicht. Es kann zum Beispiel aus Ärger absichtlich schlagen - und dabei gleichzeitig den Schlag so abbremsen, dass er ganz sanft ankommt, ohne weh zu tun. Das Zweijährige kann das definitiv nicht. Manchmal beißt sie zum Spaß, definitiv absichtlich - aber eben nicht in der Absicht, jemandem weh zu tun. Weil es eben bei Erwachsenen eine bestimmte Reaktion hervorruft, die sie erkunden will.
Erziehen kann man natürlich schon - echte Rücksichtnahme ist in dem Alter aber noch nicht möglich. Die lernt sie aber eben auch dadurch, dass ein anderes Kind zu weinen anfängt und man dieses gemeinsam tröstet.
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20.11.2016, 08:42
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
Du brauchst es nicht zu erklären.
Du brauchst nur - ganz autoritär ;) - die Regeln vorgeben, an welche sich
Deine Kinder zu halten haben. In dem Alter müssen sie es nicht verstehen.
Je selbstverständlicher Werte innerhalb der Familie (vor)gelebt werden,
desto mehr werden sie von Kindern verinnerlicht. Das schließt allerdings Zeiten
der späteren (auch pubertären) Rebellion nicht aus, aber man hat als Eltern
zumindest ein tragbares Fundament gelegt.
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20.11.2016, 09:16
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
Ups. Damit spielen und sie kaputt machen sind für mich aber zwei unterschiedliche Dinge. Und sie müssen nicht unbedingt einen Wert für Dich haben, sie gehören der Praxis. Ich finde schon, dass es einen Unterschied geben sollte, wie man mit eigenem Spielzeug umgeht (was nicht heißen soll, dass Kinder das wild zerstören dürfen und rabiat behandeln dürfen) und wie mit fremden Eigentum. Hier erwarte ich besondere Sorgfalt. Immerhin möchten hier eventuell noch andere Patienten(kinder) mit den Büchern "spielen", respektive sie lesen/anschauen.
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20.11.2016, 09:39Inaktiver User
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
Naja, auch die Grenzen dafür, wie man mit Spielzeug umgeht, sind sicher fließend. Die festen Pappbilderbücher für Kleinkinder können es durchaus ab, wenn sie auf dem Boden liegen und ein Kind drüberrennt. Wie gesagt, ich hätte sicher eingegriffen. Aber ich habe Verständnis dafür, dass andere das anders sehen möchten.
Mal ein anderes Beispiel aus meinem Alltag. Ich habe selbst gelernt, dass man in einer Bibliothek leise sein muss. In der Kinderabteilung unserer Bücherei gibt es aber eine Verkleidungstruhe u. a. mit Ritterrüstung und Schwert, ein robustes Schaukelpferd und und andere Spielsachen. Mein Sohn hat sich schon zweimal eine Rüge vom Personal eingefangen, weil er damit gespielt hat und eben nicht leise war. (Und ich mir einen strafenden Blick als nicht eingreifende Mutter.) Mein Sohn fragte mich nachher, was ich mir selbst gedacht hatte: "Warum tun die da Ritterspielsachen hin, wenn man nicht damit spielen darf?"
Ich will meine Kinder gerne dazu anleiten, in der Bücherei leise zu sein. Aber ich werde ihnen bestimmt nicht beibringen, wie man leise und ohne zu rennen Ritterturnier spielt. Das halte ich nämlich auch für Quatsch.
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20.11.2016, 10:35
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
An beiden Turnbeispielen kann man sehen, dass Eltern bei der Erziehung häufig sogar hinderlich sind.
Ich kenne Turngruppen mit Elternbegleitung und da herrscht oft ein heilloses Durcheinander. Es sind viel zu viele Erwachsene dort....
Gibt man die Kinder in einer Turngruppe bei einer autoritären Trainerin oder Trainer ab, haben alle Beteiligten mehr davon. Und Erziehung findet ganz nebenher statt.
Bezüglich des Bücherbeispiels bin ich völlig schamlos und weise auch fremde Kinder auf Fehlverhalten hin. Greift häufig beim Kind besser als halbgare Erziehungsversuche der zuständigen Eltern.
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20.11.2016, 10:50Inaktiver User
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20.11.2016, 10:54
AW: Das Vorleben von Regeln und Werten
also ganz ehrlich .. ich habe gerade im ärztlichen Wartezimmer meine Kinder weder die Bilderbücher, noch das ganze Kleinkindspielzeug gerne anlangen udn nutzen lassen ... denn ich wollte, dass die nicht zusätzlich noch mit weiteren Infektionskrankheiten aus der Praxis kommen.
Alle diese Medien dort ... müssen regelmäßig abgewaschen und selbstverständlich auch öfter mal entsorgt werden...
gerade weil es sich vielfach um kranke Kinder handelt, die damit umgehen!
Und deswegen ist das dort auch eine Ausnahmesituation...
und man eigentlich froh, wenn ein Kind überhaupt spielt.
Da ist das Praxisteam nicht ums Bilderbuch besorgt, sondern steckt das selbstverständlich in den Müll.... dort herrschen andere Grundvoraussetzungen und Desinfektion und regelmäßiges entsorgen ist miteingeplant.
Also, im Wartezimmereines Arztes trifft man auf Kinder in diversen Zuständen.. die haben auch mal Fieber, Schmerzen.. Ängste ...
und dort müssen alle mit dem üblichen Quengel und nicht angepassten Verhalten rechnen ...
So ein Kind ist ja nun ganz oft nicht umsonst in der Arztpraxis...
sondern gerade weil es nicht normal und gut drauf ist.
Und ganz oft, weiß man in diesme Moment gar nicht ob und wie ernst ein Kind gerade erkrkankt ist... was genau da los ist ...
aber es steht definitiv fest, sie sind nicht alle gesund und nur zur U und nur zum Impfen da.
Deswegen ist dort besondere Rücksicht und eben auch Diskretion anegsagt..
Der Erziehungsnotstand wird schon nicht ausbrechen, wenn ein Kind im Wartezimmer des Kinderartzes nicht sofort die Erziehungskeule trifft ... sondern anderes Vorrang hat.
Da steht nicht das Buch im Vordergrund ... dort ist anderes wichtiger als der ewige Erhalt des Kleinkindkrames... denn der kann jederzeit in die Tonne und ersetzt werden und da gelten schlicht andere Maßstäbe als in der öffentlichen Bücherei oder im eigenen Kinderzimmer.
Und ansonsten würde ich denken, das hier wäre ein Strang fürs Erziehungsforum ...
Ich pers kann aber beitragen ganz egal was du deinen Kindern nun selbst an Werten und adäquaten Verhaltensweisen so vorlebst und welche angenehmen und rücksichtsvollen Umgangsformen Du nun selbst beherrscht und weiterzugeben versuchst...
Du musst damit rechnen, dass das bei Kindern im Vorschulalter und erstem Grundschulalter nicht immer perfekt klappt!
Bei allen Kindern... bei deinen eigenen genauso wie bei fremden .... sie alle sind individuell und machen nicht immer alles nur richtig!
Erziehung ist ein weites Feld ... jeder erzieht nach eigenen Prioritäten bzw dem was sein Kleinkind individuell schon kann, nicht kann .. versteht, nicht versteht ...
Und da macht es durchaus auch Sinn, wenn andere Eltern es anders halten und in der Öffentlichkeit andres mit ihren Kindern umgehen, als du ...
Es ist wohl sehr viel Toleranz gefragt...
denn auch die Einstellung, dass Kinder solche Fehler selbst machen müssen... Konflikte aushalten und selbst regulieren lernen müssen... um zu lernen.... die ist tatsächlich üblich ....
Man kann ihnen nicht das komplette Lebenim negativen Aspekt in der Theorie vordenken und zeigen möchtest .... manche Erfahrungen wollen schlicht selbst gemacht werden.
Und man lebt als Erwachsnere eben auch nur sein Erwchsenenleben und -denken vor, keine Kleinkindleben mit all den neuen Erfahrungen und Problemen!
Man hat es schlicht eben nicht mit kleinen, vernünftigen Erwachsenen zu tun ... die alle schon perfekt funktionieren.
Die meisten Kinder werden aber so erzogen, dass sie später im Leben mal klar kommen und sich benehmen können ... die wenisgten Eltern sind völlig ohne Plan und versagen komplett.Geändert von Lonamisa (20.11.2016 um 11:24 Uhr)


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