Bin gerade etwas fassungslos. Wir hatten an unserer Schule gerade Weihnachtskonzert. Die Schule (kein Waldorf, nicht privat) führt von der 1. bis zur 13. Klasse. Das Weihnachtskonzert ist gesplittet: erst ca. 1 h die Grundschüler, dann Pause, da können dann die mit den kleinen Kindern gehen, dann nochmal ca. 1 h 5.-10. Klasse.
Auftritte: bunt gemischt aus AGs, Wahlpflichtkursen, Spezialklassen (Bläser-, Chorklasse) und normalen Klassen, die gemeinsam was aufführen. Eher rockig/poppig.
So weit, so schön. Ich erlebe gerade schon im 2. Jahr, dass gerade in der 2. Hälfte sich im Laufe der Stunde die Aula nach und nach leert, weil die Eltern, deren Kinder ihren Auftritt schon hinter sich haben (wir reden jetzt von den Großen, nicht den Grundschülern) sich mit denen sofort nach dem Auftritt auf den Heimweg machen. Zu Beginn des Konzerts war die Aula überfüllt, bei der letzten Gruppe war sie noch etwa 1/3 gefüllt.
Ich finde das unmöglich. Da üben die Kinder und Jugendlichen, und sind stolz, was aufzuführen, und dann interessiert sich das Publikum nur für den Auftritt des eigenen Kindes und haut sofort danach ab. (Letztes Jahr hörte ich hinter mir eine Mutter sagen: "hoffenlich sind unsere bald dran, damit wir gehen können".)
Als ich mich darüber heute im Beisein anderer Mütter ereiferte, erntete ich nur Unverständnis. Es sei ja nun die stressige Vorweihnachtszeit, und die Kinder müssten ja auch ins Bett, und es gebe ja viele Gründe, warum man früher geht. Aha. 5.-10. Klasse muss also um 20:30 Uhr im Bett sein und kann deshalb nicht bis zum Ende des Konzerts um 20:30 Uhr bleiben. Und 2/3 der Leute die da sind haben so viele Verpflichtungen, dass sie wahlweise 45, 30 oder 15 min. vor Ende des Konzerts gehen müssen.
Vielleicht ereifere ich mich deshalb so, weil ich als Kind auch Musik gemacht habe und ich auch immer stolz war, wenn wir mit dem Orchester aufgetreten sind. Das ist doch auch wichtig, dass sich das jemand anhört. Was ist das denn für ein Bild, wenn sich die Zuhörer nur interessieren, wenn das eigene Kind auftritt?
Bin ich altmodisch, spießig, engstirnig? Oder habe ich wirklich Grund, mich über solches Verhalten aufzuregen?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 128
Thema: Nur das eigene Kind zählt?
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17.12.2015, 17:47Inaktiver User
Nur das eigene Kind zählt?
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17.12.2015, 17:52
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Nein, das sehe ich auch so wie du. Das Verhalten ist unmöglich, das Vorbild, das die Eltern abgeben, noch mehr.
Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian MorgensternIn einer Stunde ruhigen Sitzens verbrennt man 73 Kilokalorien.
- Ich habe meinen Sport gefunden.
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17.12.2015, 17:57
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Ich arbeite in einer Musikschule und kenne das Phänomen auch. Für mich ist das einfach nur unhöflich. Inzwischen wird zu Beginn der Konzerte auch ein entsprechender Hinweis gegeben, etwa: " das Konzert geht bis 20.30 Uhr und auch die letzten Künstler würden sich über einen vollbesetzten Saal freuen. Das Fussballstadion würden sie auch nicht 20 Minuten vor Ende des Spieles verlassen!". Manchmal hilft es auch, die großen Gruppen ans Ende des Programmes zu stellen.
Insgesamt ist dies aber etwas, was in den letzten Jahren verstärkt auftritt, vor 15-20 Jahren kannte ich das so nicht.Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.
Goethe
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17.12.2015, 18:02
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Ja, das sehe ich wie du auch. Das ist ein wenig wertschätzendes, gar respektloses Verhalten. Aber manche Menschen kann man leider nicht ändern
Wer immer nur tut was er schon kann,
bleibt schlussendlich das, was er schon ist.
Henry Ford
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17.12.2015, 18:11
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Das Konzert wird als Zwangstermin wahrgenommen, der einem in der stressigsten Zeit des Jahres aufs Auge gedrückt wird, obwohl es einen überhaupt nicht interessiert. Man muss dableiben, bis das eigene Kind durch ist und dann nichts wie weg! Für das Kind eine Pflichtveranstaltung, für die Eltern überflüssig.
Ich würde als Schule die ganze Aktion hinterfragen. Denn Freude macht sie anscheinend keinem.
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17.12.2015, 18:13
AW: Nur das eigene Kind zählt?
so wie du das beschreibst, würde ich auch spontan rufen: "unmööööögliches Verhalten!"
Aber ich habs auch getan, in einem anderen Umfeld, Sport. Diese grauenhaften Turniere, die sich über Stunden hinziehen. Nein, ich hab keine Lust, ungezählten unbekannten kleinen Ballkünstlern zuzuschauen. Was daran liegt, dass mir Ballsport fremd ist und mich grenzenlos langweilt.
Ich habe so ziemlich einige Schüleraufführungen begleitet, darunter durchaus nicht wenige von erstaunlichem Niveau. Aber manche Darbietungen sind wirklich schwer erträglich. Klar, auch die haben ihr Publikum verdient, aber ein bisschen verstehen kann ich die Flüchter schon (ja, sogar Aufführungen mit dem eigenen Kind können ätzend sein)
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17.12.2015, 18:21
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Bei Konzerten in der Musikschule machen das hier auch einige Familien. Ich finde das sehr daneben.
Das sind so Höflichkeitsfragen, ähnlich wie "Person A hat mich gefragt ob ich mich mit ihr treffe, jetzt fragt mich Person B für den gleichen Termin, und darauf habe ich mehr Lust" - wo ich mich an einen Satz halte, den ich sonst immer ablehne, nämlich "Das tut man einfach nicht. "
Gerade wenn man Kinder hat, sollte man extra darauf achten, was man ihnen vermittelt.
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17.12.2015, 18:21
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Genauso sehe ich das auch. Für die Kinder ist die Teilnahme Pflicht, Fehlen ist nicht erlaubt. Also bleibt man zumindest nicht länger als unbedingt nötig. Mit Grauen erinnere ich mich an die Konzerte, an denen unzählige einzelne unbekannte Kinder ziemlich schlecht irgendetwas eine gefühlte Ewigkeit lang vorspielten, gern auch noch gemeinsam mit der Mutter oder dem Vater.
Hinzu kommt, dass die angekündigten Endtermine oft nicht eingehalten werden - Überziehungen von einer Stunde oder mehr sind bei uns keine Seltenheit.
Es geht auch nicht darum, dass 10.Klässler um 20.30 im Bett sein müssten. Wenn das Konzert bis 20.30 dauert, sind die Kinder allerfrühestens um 21.00 Uhr im Bett, eher um 21.30 (je nach Dauer des Heimwegs). Das finde ich in der Tat während der Schulzeit für 5., 6. oder 7.Klässler deutlich zu spät. Außerdem haben ja oft auch die älteren Schüler Geschwister in niedrigeren Klassen, mit denen gemeinsam heim gefahren wird.
Es mag schade für die Kinder sein, deren Auftritt spät liegt, aber dann soll die Schule halt das gesamte Konzert kürzen, abschaffen oder die Teilnahme freiwillig machen, sodass nur Interessierte im Publikum sind.
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17.12.2015, 18:29
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Die sind doch alle ätzend! Und der Aufwand vorher. Da werden die Eltern eingespannt, für die Kostüme, zum Üben, evtl. auch noch Kuchennbacken etc. Und dann kommt da eine Aufführung, die man selbst von Profis dargeboten furchtbar fände. Aber es sind nur minderjährige Amateure. Es klingt schief, man schämt sich fremd, die Ohren tun weh.
Und wozu das alles? Keiner weiß es so genau.
Früher haben wir im Eislaufverein ein Weihnachtsmärchen aufgeführt. Es war stressig und aufwendig. Das Training für Wettkämpfe litt darunter. Es war schwierig, genug Zuschauer aufzutreiben, denn die Halle war kalt und die Leute froren. Am Ende wollte der Dachverband auch noch einen Teil der Einnahmen. Wir haben es abgeschafft. Den Stress braucht kein Mensch. Wir laufen Eis und es gibt eine Feier unter uns. Und gut.
Mich amüsieren ja immer diese Szenen in den verschiedensten amerikanischen Filmen. Aber sie bringen die Sache auf den Punkt: das Elter hetzt sich ab, die Aufführung ist gruselig und das Kind froh, wenn das Elter seinen Teil ansieht. Es kann ruhig den Rest verpassen.
Also leisten die Eltern genau das. Mehr ist nicht nötig und braucht kein Mensch. Hauptsache das Kind ist glücklich. Und anderer Leute Eltern interssieren doch sowieso nicht.
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17.12.2015, 18:34Inaktiver User
AW: Nur das eigene Kind zählt?
Wenn ich eine Schule für mein Kind wähle, die deutlich macht, dass sie ein deutliches musikalisches Profil hat, dann lasse ich mich doch darauf ein, dass musikalische Aufführengen definitiv zum Schulleben gehören.
Mein Viertklässler und der Nachbar-Drittklässler, die gerne alles hören wollten, waren übrigens auch erst um 21:30 Uhr im Bett - geschadet hat es ihnen augenscheinlich nicht, es ist ja nur der eine Abend in der Woche gewesen. Da finde ich, bei einem Konzert, das einmal pro Jahr stattfindet, kann man das auch mal machen.
Schön, dass hier doch einige ebenfalls finden, dass sich "das einfach nicht gehört" (auch wenn ich diesen Satz auch sehr selten sage). Und interessant zu lesen, dass es sich da um ein eher neues Phänomen zu handeln scheint.


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