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    Wird Fleiß unterschätzt?

    Hallo zusammen,

    neulich sprachen zwei meiner Kolleginnen über ihre Söhne (10 bzw. 18 Jahre alt).

    Der Grundtenor war folgender: Wenn die Kinder Abitur machen sollen, müsse man sich als Eltern einfach in der Schule einmischen. Es sei ja so viel, was den Schülern heute zugemutet wird. Die Söhne hätten zwar durchaus was auf dem Kasten, aber sie seien - nun ja - nicht so fleißig. Denn - Kichern, verschwörerisch Zu-Nicken "Es sind halt keine Mädchen".

    Ich wagte einen Einwand: Um eine Fremdsprache wirklich gut zu beherrschen, sei Fleiß unerlässlich (Der 18jährige soll in den USA studieren). Meine Kollegin meinte, nein, es gäbe auch Leute, die kämen schon ganz gut klar, wenn sie viel Kontakt zu Englischsprachigen hätten.

    Ich bin darauf nicht näher eingegangen, habe mich aber ein wenig geärgert. Ich meine, um gute und bessere Leistungen zu erbringen, braucht es mehr als Intelligenz bzw. Begabung:

    Ein Instrument oder eine Sportart beherrschen, verhandlungssicher Sprachen sprechen - geht nicht ohne üben, üben, üben. Ärzte und Juristen können auch erst praktizieren, wenn sie sich sehr viel Wissen angeeignet haben. Wozu gibt es z.B. bei den Jurastudenten die teuren Repetitorien?

    Nur wollen das manche Eltern offenbar nicht wahrhaben. Dann müsste man den Kindern ja, oh Graus, Druck machen beim Lernen. Das ist für manche so schlimm, da wird in manchen Fällen lieber ein Nachhilfelehrer nach dem anderen gebucht, gern auch mal zusammengefaltet, wenn die Ergebnisse nicht stimmen, nur das Kind ist natürlich nie verantwortlich. Ich polemisiere jetzt, gebe ich zu, aber mich nervt es (als fleißige Person :-), wenn Fleiß immer als was Biederes dargestellt wird, das halt nicht jeder nötig hat.

    Wie seht Ihr das?

    Grüße
    Nereide

  2. Inaktiver User

    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Du irrst dich.
    Tatsächlich habe ich zum Beispiel mein Englisch gelernt, ohne zu lernen. Ich bin faul. Ich schreibe Vokabeln einmal auf und weiß sie.
    In der Schule hatte ich 11 Punkte im Abi, ohne Lernen. Dazwischen habe ich gearbeitet, es ein bisschen benutzt und ohne erneutes Lernen oder Auffrischen den Einstufungstest beim Zeitstudium mit Ü40 gemacht. Im Gegensatz zu meinen jüngeren Kommilitonen konnte ich sofort mit dem Business English beginnen - C1.1 und C1.2 problemlos bestanden, letzteres mit Note 1,9.

    Das ist ungerecht, den Fleißigen gegenüber. Wäre ich fleißig, wäre es 1,0 geworden, klar. Aber es geht ja auch so.

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    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Zitat Zitat von Nereide Beitrag anzeigen
    Meine Kollegin meinte, nein, es gäbe auch Leute, die kämen schon ganz gut klar, wenn sie viel Kontakt zu Englischsprachigen hätten.

    Ich bin darauf nicht näher eingegangen, habe mich aber ein wenig geärgert. Ich meine, um gute und bessere Leistungen zu erbringen, braucht es mehr als Intelligenz bzw. Begabung:

    Ein Instrument oder eine Sportart beherrschen, verhandlungssicher Sprachen sprechen - geht nicht ohne üben, üben, üben.
    ich finde deine definition ein wenig eng. was du "fleiß" nennst, empfinden andere vielleicht eher als ausdauer.

    das lernen von fremdsprachen halte ich auch nicht für so sehr gut geeignet, denn hier ist tatsächlich zum großen teil begabung und auch musikalität im spiel. das lässt sich nicht wegdiskutieren.

    ich habe z.b. - mit einem elternhaus im hintergrund, in dem fremdsprachen nicht vorkamen - nur mit sehr wenig fleiß, wie du es nennen würdest, sehr mühelos englisch gelernt und später auch studiert. mir fiel das extrem leicht. mit weiteren sprachen ging das später leider nicht mehr ganz so einfach, das war frustrierend.

    bei toten sprachen - ja, da ist fleiß zielführend.

    wenn du aber eine sprache wirklich gut und lebendig sprechen und dich an unterhaltungen beteiligen willst, ist es die motivation zum sprechen und zur interaktion, die gefragt ist. fleiß ist was anderes.


  4. User Info Menu

    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Nereide,
    das Gespräch zwischen deinen Kolleginnen drehte sich um deren Söhne. Eltern haben den eigenen Kindern gegenüber einen blinden Fleck und beschönigen die seltsamsten Dinge (ich auch, das sei zugegeben).
    Wenn es nicht um Söhne, sondern um eine weitere, bedauerlicherweise faule Kollegin oder auch einen faulen männlichen Kollegen, Azubi... gegangen wäre, deine Kolleginnen hätten mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit eine völlig andere Meinung zum Thema gehabt.

    Du solltest lieb und still in dich `reinlächeln und dir dein Teil denken, was die Kolleginnengespräche über die Brut angeht. Das Leben wird dann schon noch dafür sorgen, dass aus der Brut ordentliche Mitglieder der Gesellschaft werden, zumindest tut es das in den allermeisten Fällen.
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

  5. Inaktiver User

    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Es gibt auch Kinder, denen das Wissen sozusagen zufliegt. Die müssen nicht fleißig sein, weil es ihnen reicht, durch das Input im Unterricht das notwendige Wissen zu erhalten.

  6. gesperrt

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    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es gibt auch Kinder, denen das Wissen sozusagen zufliegt. Die müssen nicht fleißig sein, weil es ihnen reicht, durch das Input im Unterricht das notwendige Wissen zu erhalten.
    Stimmt, die haben zwar dann üblicherweise nicht die 1,0, aber trotzdem sehr gute Noten.
    Der Unterschied: Sie konnten auch noch auf anderen Gebieten als Lernen Erfahrungen (fürs Leben) sammeln.

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    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Ja, so ein Kind war ich auch.
    Außer gelegentlich mal Vokabeln lernen hab ich nicht viel für die Schule gemacht, Hausaufgaben nur, wenn ich Lust dazu hatte.

    Hat sich dann auf der Uni gerächt, als ich dann erst mal das Lernen lernen musste.
    *lost in the woods*

  8. VIP

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    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Ich finde er wird überschätzt. Zumindest ist das meine persönliche Schul- und Lernerfahrung, die sich im aktuellen Studium als Erwachsene weiter trägt. Alles was ich spontan und ohne große Vorbereitung schreibe führt zu besseren Noten, als die Hausarbeiten wo ich mich reingehängt habe...

    Außerdem habe ich ein fleißiges und ein faules Kind - ratet mal, wer die besseren Noten hat?

    Nicht falsch verstehen, ich finde Fleiß wichtig und auch durchaus relevant für den Lernerfolg. Dennoch ist es nur ein Teil des ganzen "Lernverhaltens".
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

  9. gesperrt

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    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Die Kombination Fleiss ohne Talent ist auf Dauer sicher erfolgreicher als die Kombination Talent ohne Fleiss, nach dem Prinzip: use it or lose it. Und Spitzenleistungen gibt es nur dort, wo Fleiss UND Talent zusammenkommen.

    Bei den Schülern, gerade auch den fleissigen, ist oft das Problem, dass sie falsch lernen, und somit ihr ganzer Fleiss viel zu wenig Früchte trägt. Man kann nämlich auch sehr fleissig das Falsche tun, zB sich in endlosen Details verlieren, aber keine Übersicht übers Ganze haben.

    Die Faulen stellen sich eher die Frage: wie kann ich mit minimalem Aufwand eine genügende Note rausholen? - und die lernen dann wenig (und oft das Wenige während des Unterrichts selbst), aber das Wenige ist sehr effektiv gelernt.

    Für langfristige Sachen, wo Fleiss, Ausdauer und regelmässiges Aktiv-werden wichtig ist, hab ich mir inzwischen jede Menge Selbstüberlistungsstrategien angeeignet, die den echten Fleiss, den ich immer noch nicht habe und nie haben werde, ersetzen können.

    Oder dann gibt's Dinge, die machen mir einfach Freude und mit der Zeit kommt die Kompetenz automatisch dazu... zB lese ich Bücher fast nur noch in englisch, und das hat meinem Wortschatz sehr gut getan, der inzwischen besser ist als der von manchem native speaker. Bloss bei der Aussprache hab ich gelegentlich fröhliches Rätselraten, das wird bei Büchern ja nicht mitgeliefert.

    gruss, barbara

  10. User Info Menu

    AW: Wird Fleiß unterschätzt?

    Mir flogen das Sprachen lernen zu, da war ich absolut faul, guckte mir Vokabeln auf der Busfahrt zur Schule einmal an- und schrieb sehr gute Noten.

    Bei Mathe, Physik, Chemie- da wars deutlich anders, aber weil ich da eben auch nicht fleißig war, schrieb ich- trotz einer Armada an Nachhilfelehrern- generell schlechte Noten. Mathe zerschoß mir ziemlich die Abiturnote, wusste ich vorher, hätte ich einfach mehr gepaukt, dann wäre es vermutlich eine glatte 2 geworden und keine 2,....

    Heute ärgere mich drüber, damals wars mir wurscht.

    Eine unserer Töchter war auch so eine Überfliegerin, die segelte bis Klasse 10 ohne jegliche Anstrengung durch die Schule und hatte stets sehr gute Zeugnisse. Dafür kachelte sie in Klasse 11 im ersten Halbjahr ordentlich runter, war anfangs tödlich beleidigt, dass die Lehrer es überhaupt WAGEN, ihr eine 4 zu geben...dann wurde sie wach, lernte regelmäßig, änderte ihre "mein Block ist meine Mappe"-Einstellung und machte ein sehr gutes Abitur.

    Die Mittlere war ein Kind, was sich von Klasse 1 deutlich schwerer mit dem Lernen tat als ihre Schwestern. Heute, in Klasse 10, hat sie vergleichbare Noten wie die Große- weil sie von Anfang gelernt hat zu lernen. Sie kann sich "durchbeißen" durch einen Stoff, der ihr anfangs unverständlich erscheint.

    Die Kleinste ist eine Schülerin wie ich sie war- mit Talent im Sprachen lernen, aber weder Interesse noch Begabung für Naturwissenschaften. Allerdings fing sie sich ihren Warnschuß schon in Klasse 8 ein, sie bekam zum April diesen Jahres eine Versetzungswarnung- wegen Mathe, Physik, Chemie....klotzte ran, schaffte die Versetzung...und schreibt seit Schuljahresbeginn in Klasse 9 wirklich gute Noten in ihren "Hassfächern", weil sie selbst feststellte: "Ich hab einfach nie gelernt dafür..."

    Ich denke daher schon- mit Fleiß kann man, zumindest schulisch, eine Menge "rausreißen".

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