Mal vorweg: für eine Frau kaufe ich äußerst selten neue Kleidung. Zu wenig Zeit, zu wenig Antrieb, zu wenig Gefallen an sogenannten Trends, und schließlich lähmt mich auch die Tatsache, dass so ziemlich alles, was man in den üblichen Klamottenläden erstehen kann, unter ausbeuterischen, unwürdigen Bedingungen hergestellt wird.
Leider wird es kalt, und die beiden Mäntel, die mich die letzten zehn Jahre recht gut durch den Winter gebracht haben, haben sich inzwischen fast vollständig aufgelöst. Es muss also ein neuer Mantel her.
Ich plane nun, mir Einen schneidern zu lassen. Das kostet ein paar Hunderter, die es mir aber wert sind, wenn dadurch erstens Leute angemessen bezahlt werden und ich zweitens ein paar Jahre etwas von dem Stück habe, und die Klamotte drittens - und das ist eher ein Bonus - ein auf mich zugeschnittenes Unikat ist.
Nun habe ich auf die Anfrage noch keine Antwort erhalten, und auch wenn alles seinen Gang geht, dauert das alles sicherlich einige Wochen.
Es muss also in jedem Fall ein Mantel für die Übergangszeit her.
Also war ich gestern in der Stadt und ging in eine Filiale einer spanischen Kette, die nach einer Tropenfrucht benannt ist.
Dort gab es einen zweireihigen, taillierten Mantel, der auf den ersten Blick gut aussah. Bei näherem Hinsehen erkannte ich, dass einige der Knöpfe (die sich anfühlten, wie allerbilligstes Plastik) nur noch an den weit herausgezogenen Fäden baumelten.
Kann ja mal passieren, vor allem bei den heutigen Herstellungsbedingungen. Also nächstes Exemplar angeschaut - und mit dem gleichen Bild konfrontiert.
Beim Mantel danach fehlten ein zwei Knöpfe direkt schonmal.
Am Austellungsstück schließlich fehlten zwei Knöpfe, und der obere hing buchstäblich am seidenen Fädchen.
Kurzum, ich habe keinen einzigen Mantel dieser Art gesehen, der intakt war.
Vor einigen Jahren galt so etwas als Herstellungsfehler. Man hing so etwas gar nicht erst in den Verkaufsraum, oder man verkaufte es mit Preisnachlass. Und heute ist so etwas normal?
Mit immerhin hundert Euro war der Mantel sicherlich nicht wirklich teuer, und eigentlich halte ich die Kleidungspreise generell für zu niedrig (wir alle wissen, wie sie zustandekommen). Andererseits, darf man heute (für ein dreistellige Summe, für die man ja selbst auch gewissenhaft gearbeitet hat) kein ansehnliches, funktionstüchtiges Kleidungsstück jenseits des Takko-/KiK-Niveaus mehr erwarten?
Das Traurige ist, dass die Näherinnen in Vietnam von diesen 100 Euro nur einen Bruchteil sehen werden, und das wäre bei 80 Euro weniger und hundert Euro mehr genauso der Fall. Das ist ein anderes Thema, welches sich dennoch leider wohl nicht von diesem hier trennen lässt.
Aber die eigentliche Frage ist: wie kommen die Vertreiber auf die Idee, man könne so etwas den Kunden zumuten? Fehlt es da nicht irgendwo auch einfach völlig an Schamgefühl?
Antworten
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09.10.2013, 07:45Inaktiver User
Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard?
Geändert von Inaktiver User (09.10.2013 um 17:58 Uhr) Grund: satzzeichen vergessen ;-)
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09.10.2013, 08:02
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
Weil es funktioniert. Mango ist nun nicht der Anbieter für einen Mantel, der bei uns 2-3 Winter halten soll. Die Mädels kaufen die Dinger für den Moment, nächsten Monat wollen sie schon wieder etwas anderes haben. Einen Blick für schiefe Nähte, lockere Knöpfe etc. haben sie nicht bzw. wollen sie nicht haben. Ist Mango gerade hipp, ist es hipp und wird gekauft.
Da sie zudem weit davon entfernt sind, sich über Arbeitsbedingungen im Allgemeinen und Vietnam im Besonderen Gedanken zu machen, ihre Eltern anscheinend in der Erziehung auch nicht mit ihnen darüber reden (so meine Erfahrung, wie, Brand in einer Fabrik? Nie gehört ...), wird das weiter funktionieren. Irgendwie bedeutet Kette doch fast immer schlechte Qualität. Spanische Ketten sind mir auch nicht anders bekannt. Da ich aus den Ländern durchaus andere Waren kenne, denke ich, es ist wie mit den Lebensmitteln. Die schlechtere Ware geht nach Deutschland. Die werden schon wissen warum.
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09.10.2013, 09:51Inaktiver User
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
Was habe ich denn davon, mir über die Arbeitsbedingungen in Vietnam Gedanken zu machen? Effektiv ist es völlig egal, ob ich mir einen Mantel für 100, 300 oder 600 Euro anschaffe: Das Zeug wird in denselben Sweatshops produziert wie die Ware für C&A oder KIK.
Und selbst wenn auf dem Etikett "Made in Italy" steht: Man kann sich sicher sein, dass die Baumwolle unter völlig unmöglichen Bedingungen in der dritten Welt angebaut worden ist und dass die Arbeiter in den Färbereien in Indien oder Pakistan barfuß durch die Giftbrühe waten.
Unterschiede gibt es bei der Qualität. Und bei den Gewinnspannen.
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09.10.2013, 09:58
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
Weil genau dieses zunehmende jugendliche "Muss-nur-eine-Saison-halten-soll-billig-sein-Verhalten" mit zu diesen Verhältnissen führt. Früher haben wir uns, sicher nicht immer fachlich fundiert, mit solchen Themen auseinandergesetzt. Ich erinnere an Atomenergie, Umweltschutz - das waren in Mittelschichtfamilien auch Themen für Jugendliche. Ich finde sehr wohl, dass man als Konsument verantwortlich ist und sich Gedanken zu machen hat.
Das geht aber zu weit vom Thema der TE weg.
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09.10.2013, 10:03
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
Ich weiß nicht, wann ich mir zum letzten Mal ein Kleidungsstück gekauft habe, einfch auch weil ich finde, dass in den meisten Geschäften die Qualität eine Zumutung ist, in den Geschäften, die eventuell noch auf Qualität achten, kann ich mir ein Kleidungsstück nicht leisten. Die kleidung, die ich jetzt tragen ist: Jeans, mind. 6 Jahre alt, Strickjacke, mind. 8 Jahre alt. Ich habe Kleidung für gut, also für die Arbeit und Kleidung für zu Hause, also schone ich die Kleidung, die ich fürs Büro habe.
Leider ist aber der Trend, dass es vielen Menschen geht wie mir, wenig Geld, also muss man sehen, wo man bleibt. Und viele möchten gerne öfter mal was Neues, auch wenn sie nicht viel Geld haben, also haben die Billigläden Zulauf. Und das Publikum, das dort einkauft, dem ist es egal unter welchen Umständen die Kleidungsstücke produziert werden bzw. worden sind, die wollen einfach: viel und billig. Der Rest ist egal.
Schlimm finde ich, dass eben auch Kinderkleidung sehr teuer ist, und da kann man nicht einfach mal sagen: dann kauf ich nichts, denn die Kinder werden größer und brauchen schln deshalb etwas Neues.da ich meinen Blog nicht mehr erwähnen darf, das sei Werbung, ich weiß zwar nicht, wieso das Werbung sein sollte, aber gut. Also, ich habe einen Strickblogcarpe diem
Alles wird gut
Lieber groß gemustert, als keinkarriert
BVB 
Cuba oder Kuba
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09.10.2013, 10:09Inaktiver User
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
Orchida,wenn Du Qualität willst,dass musst Du Dich halt umsehen und verschiedene Mäntel in verschiedensten Geschäften angucken/anprobieren.Selbst in Läden die weite/witzige Kleidung verkaufen(für ein Heidengeld notabene) ist die Verarbeitung dem Preis nicht immer angemessen.
Auch wenn man weiss dass beinahe alle in Fernost nähen lassen,kann man sich dennoch umgucken wo Qualität und Preis stimmen.
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09.10.2013, 10:14Inaktiver User
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
So ähnlich halte ich das auch.
Leider halten die Sachen dennoch nicht ewig, bzw. spielt eben auch die (geplante?) Obsoleszenz mit rein.
Jeans sind meinem Empfinden nach heute z.B. wesentlich schneller durchgeschubbert als in meinen Jugendjahren. Und wenn die Löcher da sind, muss etwas Neues her, unabhängig davon, ob man etwas von Trends hält oder nicht.
Ich finde den Mangel an Alternativen eben auch problematisch. Woher bekommt man als durchschnittlich verdienender Mensch neue Kleidung von vernünftiger Qualität?
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09.10.2013, 10:19Inaktiver User
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
Die jugendliche Mango Käuferin ist definitiv nicht dafür verantwortlich, dass die Hersteller im obersten Preissegment unter skalvereiähnlichen Bedingungen in Bangladesch fertigen lassen. Da muss sich die zahlungskräftige Kundschaft schon an die eigene Nase fassen. .
Das stimmt leider. Das Thema Umweltschutz gilt heutzutage eher als uncool.Früher haben wir uns, sicher nicht immer fachlich fundiert, mit solchen Themen auseinandergesetzt. Ich erinnere an Atomenergie, Umweltschutz - das waren in Mittelschichtfamilien auch Themen für Jugendliche.
Meine Gedanken verraten mir leider nicht, unter welchen Bedingungen das Leder für meine teuren Schuhe gegerbt worden ist. Und einen gedanklichen Detektor für Giftstoffen habe ich auch nicht.Ich finde sehr wohl, dass man als Konsument verantwortlich ist und sich Gedanken zu machen hat.
Was ich als Konsument bräuchte, wären konkrete Informationen. Solange ich den Produktionsprozess nicht lückenlos nachvollziehen kann, ist mein Handlungsspielraum leider sehr begrenzt.
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09.10.2013, 10:20Inaktiver User
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard
Da helfen nur ausgedehnte Einkaufstouren um das zu finden was man will.Halt auch mal wo reingehen wo man denkt es sei zu teuer
oder sich im WSV/SSV schon mal um nächste Saison kümmern
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09.10.2013, 10:20Inaktiver User
AW: Schrott von der Stange = heutiger Qualitätsstandard


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