Ich bin fassungslos.... nein, ich bin stinksauer!
Meine Nachbarin, über achtzig, hatte einen Unfall. Zwei Wochen Krankenhaus, nach der Entlassung Überweisung zu einem Facharzt, der sich um die weitere, vermutlich sehr langwierige Behandlung kümmern soll. Dieser Arzt gilt als fachlich gut, ist aber berüchtigt wegen langer Wartezeiten. Eine echte Alternative hat man nicht. In unserem Ort gibt es nur den einen Arzt dieser Fachrichtung. Um in Nachbarorte zu kommen, fehlt es am ÖPNV. Ältere Menschen oder solche, die krankheitsbedingt nicht autofahren können, tun sich da schwer.
Meine Nachbarin hat für ihre Behandlung eine Reihe von Terminen bekommen, meist am Morgen zwischen 8 und 9 Uhr. Das passt gut, weil ich sie auf dem Weg zur Arbeit dort absetzen kann. Zurück fährt sie mit dem Taxi oder einer der anderen Nachbarn holt sie. Jedesmal klagt sie, dass sie so lange dort warten muss. Der traurige Rekord waren mal knapp drei Stunden!
Heute morgen das gleiche Spiel: Um 8 Uhr hab ich sie dort abgeliefert, habe sie noch persönlich ins Wartezimmer gebracht und an der Rezeption gebeten, mich anzurufen, wenn sie fertig ist. Es sollte ein kleiner Eingriff mit lokaler Betäubung gemacht werden, vor dem sie ziemlichen Bammel hatte.
Weil bis jetzt kein Anruf kam, hab ich dort angerufen. Es hätte ja sein können, dass sie irgendwas verwechselt und doch ein Taxi gerufen hat. Die Auskunft der Mitarbeiterin: Frau X kommt jetzt bald dran. Nach dreieinhalb Stunden!!!
Wie kann man sich da wehren?
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Thema: Wartezeit beim Facharzt
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08.10.2013, 11:43Inaktiver User
Wartezeit beim Facharzt
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08.10.2013, 11:59Inaktiver User
AW: Wartezeit beim Facharzt
Gar nicht, fürchte ich. Ich habe grade mal aus Interesse ein paar Urteile nachgelesen. Da der Dame ja kein Verdienstausfall oder sonstiger monetärer Schaden entsteht, kann sie nicht klagen. Arzt wechseln ist ja nach deiner Beschreibung der lokalen Gegebenheiten keine Option

Vielleicht könnte man noch mal mit der Sprechstundenhilfe sprechen, dass es für die alte Dame schwierig ist, immer so lange da zu sitzen?
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08.10.2013, 12:03Inaktiver User
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08.10.2013, 12:07
AW: Wartezeit beim Facharzt
Die werden sich nicht ändern, sie haben es ja auch nicht nötig.
Es gibt gut organisierte Praxen, da warte ich mit Termin kaum mal länger als eine Viertelstunde und die, die es einfach nicht geregelt kriegen (wollen); manche Kräfte geraten dabei offenbar an die Grenzen ihrer geistigen Fähigkeiten (ich hab da schon die absurdesten Sachen erlebt).
Vielleicht (VIELLEICHT!) hilft ein Gespräch mit dem doc selbst
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08.10.2013, 12:09Inaktiver User
AW: Wartezeit beim Facharzt
Jede Beschwerde wird nichts nützen.
Man kann sich - wenn man AOK-Versicherter ist - bei der Kasse beschweren und auf das Faltblatt "Perspektiven" berufen, das die AOK herausgegeben hat und auch online zu finden sein dürfte.
Dort wird genau für solche Fälle angeboten, die Kasse um Hilfe zu bitten, die sich dann um "zeitnahe" Termine kümmern würde.
Ein Versuch meinerseits, diese Leistung in Anspruch zu nehmen, war allerdings vergeblich. "Wir kennen das Problem, aber da können wir nichts machen".
Man kann die Bezirksärztekammer informieren und sich dort beschweren, die aber auch nichts tut, es sei denn, der Arzt fällt durch wirklich überlange Wartezeiten HÄUFIG auf. Es wäre dann sinnvoll, wenn sich möglichst viele Patienten auf die Hinterbeine stellen und sich beschweren.
Man kann die Kassenärztliche Vereinigung informieren und sich beschweren, doch die wird mit Verweis auf die jeweilige Situation in den Praxen ebenfalls nichts tun.
Der Arzt selbst wird behaupten, seine Prioritäten setzen zu müssen, um die Praxis finanzieren zu können. Patienten, die nur ein paar Groschen im Quartal bringen, müssen eben hintanstehen, während der Privatzahler gebauchpinselt wird.
Tatsächlich ist es so, dass einzelne Fachärzte wirklich um ihre Leistungen besch!ssen werden...so bekommt ein Augenarzt für eine Standardkonsultation 600 EBM-Punkte, das entspricht rund 20 Euro. Im QUARTAL!!
Dafür reißt sich keiner den Hintern auf.
Wenn allerdings SeniorInnen, die schlecht sitzen und warten können, absichtlich gepiesackt werden, wenn der Mensch gar nichts mehr zählt und nur noch die Kohle im Vordergrund steht, dann habe ich dafür ebenfalls null Verständnis.
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08.10.2013, 12:32Inaktiver User
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08.10.2013, 13:11Inaktiver User
AW: Wartezeit beim Facharzt
Wobei bei solch frühen Terminen, offensichtlich direkt zur Praxisöffnung, zieht z.B. das Argument des Verschleppens eher nicht. Also wenn man bspw. erst um 10 dran wäre und vorher es Bummler, länger dauernde Behandlungen und Notfälle gab. Da wäre es noch halbwegs nachzuvollziehen, dass man dann 2-3 Stunden länger sitzt. Aber gleich morgens als Erster? Da kann ja dann nur eine völlig verkorkste Terminplanung (5 Leute für morgens um 8 bestellt), GKV- oder Krankenschikane dahinterstecken. Wobei ich mal freundlich ersteres unterstelle. Vermutlich sind die gewohnt, dass von 5 Bestellten nur 2 kommen und einer davon noch unpünktlich. Kommen aber alle 5 zur selben Zeit, sieht es natürlich schlecht aus mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
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08.10.2013, 13:21
AW: Wartezeit beim Facharzt
Tja, ich habe bei meiner Frauenärztin auch schon häufig morgens 8 Uhr einen Termin gehabt. Ich dachte: Da kann ja keiner vorher dran sein, denn sie öffnen ja erst 8 Uhr...
Und was machen die? Sie bestellen gleich mehrere Patienten für 8 Uhr! Also dasselbe Spiel wie immer, ewig warten.
Das Personal in der Praxis, auch so eine Sache. Ich rufe an, weil ich mir meinen jährlichen Routinetermin holen will. Ich. "Ich brauch einen Termin". Sprechstundenhilfe aufgebracht: "Jaaaa, aber so schnell geht das nicht!!! Wir haben früüüühestens im Dezember!!!!" Ja verdammt, habe ich denn was anderes erwartet? Ich habe mit keinem Sterbenswörtchen verlangt, sofort einen Termin zu bekommen. Dezember ist völlig ok...
Aber es gibt auch Praxen mit sehr gutem Zeitmanagement. Bei meiner Hausärztin wartet man höchstens 15 - 20 Minuten, ganz selten mal eine halbe Stunde. Auch bei meinem Zahnarzt komme ich immer termingerecht dran. Da bin ich echt begeistert - wusste gar nicht, dass es sowas noch gibt.
Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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08.10.2013, 13:31Inaktiver User
AW: Wartezeit beim Facharzt
So hab ich mir das schon gedacht. Die rechnen damit, dass von 5 nur 2 kommen und davon einer noch zu spät. So passt dann der Plan erstmal ;). Aber wehe es kommen 3 und dann pünktlich.
Bei meinem Zahnarzt ist es aber auch so, dass da vor Öffnung für die GKV Heinis wie mich noch Privatsprechstunde ist. Also auch als erster GKVler kann ich da durchaus noch 15-30min sitzen.
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08.10.2013, 13:36Inaktiver User
AW: Wartezeit beim Facharzt
Was mich fassungslos macht, ist vor allem die Tatsache, dass es andere Ärzte ja auch auf die Reihe kriegen. Z.B. mein Hausarzt. Termine im eigentlichen Sinne gibt es dort nicht - außer für größere Sachen wie Gesundheits-Check-ups, längere Gespräche, kleine OPs. Aber die liegen dann außerhalb der normalen Öffnungszeiten.
Zu den normalen Praxiszeiten kommen durchaus Notfälle: Man geht ja nicht nur zum Blutdruckmessen und zur Zeckenimpfung hin - sondern auch, weil man sich morgens mies fühlt, Grippe hat, Brechdurchfall in der Nacht.... Bewährtes Verfahren: Ich rufe morgens kurz nach halb acht, wenn die aufmachen, an. Und bekomme dann eine Auskunft, wie lange in etwa ich warten müsste. Dann wird vereinbart, dass ich so um zehn da bin. Ich kann mir zuhause Zeit lassen. Und warte maximal 15 Minuten. Dass es mal lange dauert, weil, wie neulich geschehen, ein Patient just in der Praxis zusammenklappt und der Arzt erst wieder Zeit hat, wenn der Rettungswagen Richtung Krankenhaus unterwegs ist, kann passieren. Dafür hat man ja auch vollstes Verständnis.
Aber was ich nicht verstehe: Wenn es in einer - dieser! - Praxis drei Ärtze gibt, warum stehen dann zur Praxisöffnung am Morgen zehn Leute auf der Matte? Alle mit Termin, alle gleichzeitig? Gut, bei dreien davon muss vielleicht der Verband gewechselt werden, einer kriegt eine Bestrahlung und einer will nur die Krankmeldung verlängert haben. Bleiben immer noch fünf. Und das sind einfach zwe mehr als drei Ärzte auf einmal verkraften können.
Und das ist dort so üblich und beileibe kein Einzelfall. Und es trifft nicht nur Senioren, die, so hat hier jemand geschrieben, viel Zeit haben. Es trifft durchaus auch Berufstätige. Und die Art der Praxis bringt es mit sich, dass viele Patienten nicht fahrfähig sind, so dass da oft auch noch Angehörige, Nachbarn usw. die Leidtragenden sind, die mit ihrer Zeit ja auch haushalten müssen.
Ja, es ist ein Unfallarzt. Ja, da kommen vielleicht überdurchschnittlich viele Notfälle. Aber das weiß ich doch. Und plane einfach entsprechend "luftiger".
Meine Frauenärztin vergibt an der Rezeption Piepser, wenn absehbar ist, dass sich der Termin verschiebt. Dann kann ich noch gemütlich in der Nachbarschaft in die Bücherei, ins Café oder einkaufen - und werde angefunkt, wenn es soweit ist.
Am besten klappt es übrigens beim Zahnarzt: Eine sehr gefragte weil sehr gute Praxis. Termine gibt es in der Regel innerhalb der nächsten beiden Wochen. Wartezeit maximal fünf Minuten. Und wenn ich selber zum Notfall werde, weil z.B. ein großes Stück vom Backenzahn abgebrochen ist, heißt es: Kommen Sie doch gleich vorbei. Ein bisschen Wartezeit müssen sie aber einrechnen. Und dann warte ich - maximal ein halbe Stunde. Geht doch!


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