Es geht um folgendes: dass die elektronische Gesundheitskarte bereits einen gläsernen Patienten aus uns macht, ist nichts Neues und Apotheken Daten von Patienten verkaufen, auch nicht.
Nun ist es ja so, dass einige, und sogar viele Arztpraxen, bereits seit einigen Jahren mit Kliniken und weiteren Partner untereinander vernetzt sind.
Offiziell heißt es sicherlich, dass nichts ohne die Zustimmung des Patienten weitergegeben werden darf. Die Realtität sieht anders aus.
Mein Ex-Partner arbeitet in einer großen Arztpraxis, die komplett vernetzt ist, und zwar großräumig im ganzen Bundesland. Und ja, ich war auch mal Patientin bei ihm.
Mir stellt sich nun die Frage, ob er meine Patientendaten abrufen kann, wann er mag. Solche eigenen Praxisnetze (nicht zu verwechseln mit der elektronischen Gesundheitskarte) haben doch gar keine für den Patienten durchsichtigen Regelungen.
Mein Ex hat mir nämlich gesagt, dass er die Patientenakte einsehen kann, wenn er mag und dazu auch keine eGK vom Patienten braucht, da er vernetzt ist.
Ich habe wirklich keine Lust, dass er sehen kann, wann ich wo und weshalb beim Frauenarzt oder in der Klinik war, zumal er wirklich von Natur aus furchtbar neugierig ist und sich schon damals privat als Schnüffler heraus gestellt hat. Hat z. B. leidenschaftlich gerne meine Dokumente in den Schubladen durchwühlt und gelesen, wollte sich in mein Handy einhacken, usw.
Ist jemand hier zufällig Arzthelferin und hat Erfahrungen mit diesem Thema?
Es klingt vielleicht paranoid, aber wenn jeder meine Krankengeschichte lesen kann, der dazu befugt ist, dann kann ja rein theoretisch die Arzthelferin beim Augenarzt lesen, dass ich mir z. B. vor 2 Wochen eine vaginale Pilzinfektion eingefangen habe?!
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22.09.2013, 13:15
Patientendaten - was passiert wirklich damit?
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22.09.2013, 14:59
AW: Patientendaten - was passiert wirklich damit?
Ich gehe davon aus, dass er kann.
Der Sinn ist ja gerade, dass der Arzt nachsehen kann, bei welchem Kollegen der dusselige Patient sonst noch so aufgeschlagen hat, damit der keine Doppelmedikation bekommt. Deshalb müsste das eigentlich "einfach so" gehen.
Ich habe keine KK-Karte. Ich bekomme Rechnungen und reiche die ein. Diagnosen lass ich mir schriftlich geben und trage sie selbst vom Facharzt zum Hausarzt. Was da noch zusätzlich hinter meinem Rücken elektronisch wandert, weiß ich allerdings nicht.
Bin gespannt, ob sich jemand dazu äußert, der sich auskennt.
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22.09.2013, 20:44
AW: Patientendaten - was passiert wirklich damit?
Normalerweise unterschreibt der Patient in jeder Klinik u. beim Facharzt eine Einverständniserklärung, dass z. B. der Hausarzt Berichte erhält. Aber im Klinikalltag sucht keiner diese Einverständniserklärung, bevor er einen Befund rausgibt. Man müsste also bei jedem Arztbesuch ganz konkret sagen, dass man mit der Weitergabe der Daten an wen auch immer nicht einverstanden ist. Das wird dann extra vermerkt, auffällig auf die Krankenakte geschrieben oder im elektronischen System hinterlegt. In dem Fall werden auch keine Daten rausgegeben, es sei denn aus Schusseligkeit.
Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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22.09.2013, 21:27Inaktiver User
AW: Patientendaten - was passiert wirklich damit?
Hallo Waldschabe,
ich vermute auch, dass Dein Ex alles sehen kann, was er will.
Ich habe jahrelang im Krankenhaus gearbeitet und in den letzten Jahren wurde ein Tochterunternehmen (MVZ: Medizinisches Versorgungszentrum) aufgebaut. Nach und nach, mit Zunahme der ambulanten Patienten, konnten wir - als im Krankenhaus angestellte Mitarbeiter - auch alle Patientendaten der Ambulanzpraxen sehen.
Nur bei den Psychologischen Praxen war es so, dass wir nur die abgerechneten Ziffern und die Diagnoseschlüsseldaten sehen konnen. Aber bei allen anderen Fachrichtungen konnten wir auch die Einträge, teilweise persönliche Formulierungen der MfA und der Ärzte sehen.
Dies war auch darin begründet, dass viele ehemals stationäre Patienten, dann ambulante wurden und/oder umgekehrt. So haben alle Behandler immer gleich Zugriff zu allen Daten, was ja medizinisch/organisatorisch gesehen richtig gut ist. Sitzt der Patient beim Onkologen, kann der Arzt gleich sehen, was chirurgisch alles gemacht wurde, z. B., Medikamentenverordnungen können abgeglichen werden etc.
Vor Jahren war ich selbst mal bei einer ambulant tätigen Ärztin als Patientin, meine Kinder dann auch. Ihre Praxis war auf dem Krankenhausgelände, irgendwann zog sie weg. Als ich dann selbst im Krankenhaus arbeitete und dann auch das MVZ gegründet war, stand auf einmal meine ganze Familie und ich mit in der Patientendatei, bei einem anderen Arzt, bei dem wir nie waren.
Meine Anfrage, bei der Systemadministration, warum das so sei, wurde ausweichend beantwortet mit dem Hinweis, der Arzt habe alle Patienten übernommen... Das einzige was mir blieb, ich habe meine ganze Familie und mich mit einer Schutz-PIN gesperrt und ab sofort haben wir keinen Arzt vom MVZ mehr in Anspruch genommen. Das die Schutz-PIN vom Sys-Ad aufgehoben werden kann, ist mir klar, aber meine ehemaligen Kollegen/Chef etc. können in den Akten nicht mehr lesen.
Da die MVZ (allgemein gemeint) mittlerweile weit verzweigt sind, immer noch eine Praxis zum Unternehmen kommt, sind sie auch untereinander vernetzt. In Fortbildungsveranstaltungen wurde das immer mal wieder thematisiert, auch wenn es offiziell nicht zugegeben wird, ist es doch so, dass fast überall Datenschutzlücken sind. Gerade Menschen, die neugierig sind, können ihre Neugier dort befriedigen. Man kann nach Exen, Freunden, Schulkollegen, nach jedem suchen, der einem einfällt... und an viele Daten kommen.
Die bleibt nur übrig, die Ärzte zu wechseln und vorher auf den Internetseiten genau zu recherchieren, zu welchem Unternehmen die einzelnen Praxen gehören (im Impressum nachsehen). Eine richtige Sicherheit kannst Du nicht bekommen, denn es kann auch sein, dass diese Praxis sich mal einem/dieser großen bundesweit tätigen Arztpraxis anschließt.
Das Denken und Handeln der anderen Menschen (Deines Ex) kannst Du nicht beeinflussen. Du kannst nur mit emotionalem Abstand versuchen, ihn nicht mehr wichtig zu nehmen....
Edit: Marylin´s Eintrag kann ich auch nur bestätigen. Einverständniserklärungen werden vom Patienten unterschrieben, oder eben nicht - im täglichen Berufsleben am Anmeldetresen spielt es eigentlich keine Rolle. Wenn jemand Langeweile hat und im PC nach Daten sucht, macht er es eben...
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24.09.2013, 15:52
AW: Patientendaten - was passiert wirklich damit?
Großes Sorry! Ich habe keine Benachrichtigung über die neuen Posts von Euch erhalten... Umso erstaunter war ich über die sehr für mich aufschlussreichen Antworten. So läuft das also hinter den Kulissen!
Naja, so in etwa dachte ich es mir... aber wenn man bedenkt, was für eine Debatte wegen der eGK in puncto Datenschutz und Passbilder entstanden ist, wundert es mich nun schon, was bereits mehr oder weniger stillschweigend hinter meinem Rücken passiert.
Besonders der Beitrag von HPumpernickel (danke noch mal, dass Du mir das so verständlich erklären konntest!) hat mich etwas schockiert muss ich sagen.
Das heißt also das mein Ex feuchtfröhlich auch ohne meine Versichertenkarte dieses Quartal erhalten zu haben, nach Lust und Laune gucken kann "was ich denn so treibe"?! Ich fühle mich grade etwas "nackig" und ausgeliefert bei dem Gedanken... Man sollte wahrscheinlich nicht umsonst nichts mit dem Arzt anfangen
, denn es besteht nun mal ein für den Patienten unangenehmes Machtgefälle.
Die einzige Möglichkeit wäre wohl jede Praxis oder Klinik, die ich jemals aufgesucht habe, um die Löschung meiner Befunde zu bitten. Ob dies tatsächlich geschieht, wage ich zu bezweifeln, weshalb ich mir dahingehend nun auch keine Mühe machen werde. Er wird mit seiner kindlichen Neugierde wohl ohnehin schon mal in die eine oder andere Akte reingesehen haben. Wie diese Software aufgebaut ist, kann ich mir gar nicht vorstellen, aber scheint ja so ähnlich wie Google zu funktionieren? Namen des Patienten eingeben und alle im Ärztenetz verfügbaren (persönlichen) Memos, Befunde, Bilder abrufen...
Ich bin dahingehend einfach besorgt, da er mit uns immernoch nicht abgeschlossen hat und ich eigentlich nicht will, dass er noch so eine Art von Macht über mich hat.
Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, dass ich ein offenes Buch bin für meinen Ex und auch andere. Ich weiß nicht, warum ich da so spießig bin, aber ich finde irgendwie, dass das ein sensibles Thema ist.
Aber ist ja jetzt auch egal - ist schon geschehen.
Das nächste Mal überlege ich mir gut, ob ich eine Einladung zum Kaffeetrinken von einem Arzt annehme, nicht, dass das dann auch noch irgendwo virtuell vermerkt wird.
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24.09.2013, 18:14Inaktiver User
AW: Patientendaten - was passiert wirklich damit?
Dies ist aber nicht in allen Krankenhäusern und MVZ so. Und ein solches Vorgehen ist auch eindeutig gegen den Datenschutz.ch vermute auch, dass Dein Ex alles sehen kann, was er will.
Ich habe jahrelang im Krankenhaus gearbeitet und in den letzten Jahren wurde ein Tochterunternehmen (MVZ: Medizinisches Versorgungszentrum) aufgebaut. Nach und nach, mit Zunahme der ambulanten Patienten, konnten wir - als im Krankenhaus angestellte Mitarbeiter - auch alle Patientendaten der Ambulanzpraxen sehen.
Ich arbeite auch in einem Krankenhaus, aber hier ist über viele Rechte der Zugriff zu den Patientendaten für "Nicht an der Behandlung Beteiligte" massiv eingeschränkt. Ich kann zwar noch sehen, ob der Patient in KH war, nicht aber mit welcher Diagnose oder gar Arztbriefe oder Befunde, wenn ich nicht als Mitbehandler zugeordnet wurde. Natürlich ist dies für Notfallbehandlung ein echtes Problem, aber wir haben eine 24h-Hotline, die Patientendaten freischaltet, wenn diese Anforderung aus der Notaufnahme kommt.
Die Patienten unserer MVZ' dürfen nicht von den Klinikmitarbeitern eingesehen werden, dafür gibt es sogar getrennte EDV-Systeme.
In Konzernen kann auch nicht jeder Mitarbeiter die Daten von anderen Betrieben einsehen...
Im übrigen wird in unserer Klinik-EDV jeder! Zugriff auf Patientendaten protokolliert. Sollte es Hinweise auf Datenschutzverstöße geben, dann wird dem nachgegangen - nach den ersten Abmahnungen scheint das Bewußtsein für die Daten etwas gewachsen zu sein. Wer will schon seinen Arbeitsplatz verlieren....
Ja, dies bedeutet, dass Patientendaten aus dem einen System ausgeleitet und dann (nur mit Einverständnis des Patienten) in das andere System übergeleitet werden. (Teilweise mit Drucken und Scannen, da Klinik und MVZ in unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlichen Mitarbeitern arbeiten und diese gar keine Zugriffe auf die Passwörter des anderen Systems haben.) Und ja, es ist ein verdammter Mehraufwand, der bei einzelnen Patienten auch dazu führen kann, dass der Behandler nicht alle Daten zur Verfügung hat.
Aber auch ich persönlich bin der Meinung, dass der Datenschutz vorgeht.
Liebe Waldschabe,
wenn Du tatsächlich glaubst, dass Dein Ex Deine Daten sehen kann, dann würde ich dies auch als Datenschutzverletzung anzeigen, mindestens aber beim Datenschutzbeauftragten des Landes.
Unsere MVZ sind Praxisgemeinschaften mit eigenständigen Abrechnung je KV-Nummer. Die Patientenakten (auch elektronisch) sind streng nach Arzt getrennt. Auch wenn es nur eine Anmeldung gibt, die Datenstämme der Patienten werden nicht gemeinsam geführt, sondern sauber getrennt. Ein MVZ-Arzt sieht nicht die Patientendaten des anderen MVZ-Arztes. Nur die Arzthelferin darf in beiden System arbeiten und hat Zugriff auf alle Patientendaten für die Abrechnung.
Mein Hausarzt hat eine Gemeinschaftspraxis mit einem anderen Hausarzt. Hier gibt es nur eine gemeinsame Akte, darüber wurde ich informiert und habe dem zugestimmt.
Glassklarer Verstoß gegen den Datenschutz und wäre von mir angezeigt worden.Vor Jahren war ich selbst mal bei einer ambulant tätigen Ärztin als Patientin, meine Kinder dann auch. Ihre Praxis war auf dem Krankenhausgelände, irgendwann zog sie weg. Als ich dann selbst im Krankenhaus arbeitete und dann auch das MVZ gegründet war, stand auf einmal meine ganze Familie und ich mit in der Patientendatei, bei einem anderen Arzt, bei dem wir nie waren.
Meine Anfrage, bei der Systemadministration, warum das so sei, wurde ausweichend beantwortet mit dem Hinweis, der Arzt habe alle Patienten übernommen...
Wenn ein Kassenarztsitz samts Patientendaten "verkauft" wird, dann hat der Nachfolger die Aufbewahrungspflicht für die Patientenakten. Einsicht in diese Patientenakten (egal ob Papier oder elektronisch) darf der Nachfolger nur nehmen, wenn der Patient ihm dies ausdrücklich schriftlich! erlaubt. Allerdings ist der Ansprechpartner hier nicht der Systemadmin, sondern der Arzt, denn dieser ist für die Einhaltung des Datenschutzes seiner Patienten zuständig.


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