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  1. Moderation Avatar von lunete
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Irgendwo habe ich abgespeichert, dass es im Russischen keine Artikel gibt (ich hatte mal ein Gespräch mit einer Russisch-Muttersprachlerin über Artikel im Französischen). Weiß nicht, ob nur bestimmte oder nur unbestimmte oder gar keine, aber möglicherweise ist das die Wurzel des vorliegenden Missverständnisses, damals gung es, glaube ich, um die Kombination von Artikel mit Präpositionen (zu + dem = zum...)
    Es liegt schon nahe, dass die südslawischen Sprachen diesbezüglich Ähnlichkeiten zum Russischen haben.

    Zum Thema "Verlust" von Komplexität oder Komplexität in der Sprache vielleicht noch eine Anmerkung:

    Das Verschwinden einer Funktion geht in der Regel mit der Aufwertung einer anderen Funktion einher.
    Oben wurde das Kasussystem genannt. Sprachen mit einem ausdifferenzierten und markierten, also sichbaren, Kasussystem (Deutsch: sichtbar am Artikel und am Substantiv - das Haus, des Hauses, dem Haus, das Haus, Latein: sichtbar am Substantiv - domus, domūs, domui, domum, domus, domo) haben meist eine wesentlich weniger strikt geregelte Wortstellung im Satz als Sprachen ohne gut sichtbares Kasussystem (Englisch). Das Ergebnis ist das gleiche: eindeutige Kommunikation.
    Englisch ist eine SVO-Sprache, Subjekt-Verb-Objekt müssen im Satz immer in genau dieser Reihenfolge vorkommen, ansonsten ist (wegen der fehlenden Kasusmarkierungen) nicht klar, was gemeint ist. The bear ate the man. The man ate the bear. Ein großer Unterschied.
    Im Deutschen ist die Satzstellung dagegen frei: Der Bär fraß den Mann. Den Mann fraß der Bär.

  2. Avatar von Prilblume
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen
    Irgendwo habe ich abgespeichert, dass es im Russischen keine Artikel gibt (ich hatte mal ein Gespräch mit einer Russisch-Muttersprachlerin über Artikel im Französischen). Weiß nicht, ob nur bestimmte oder nur unbestimmte oder gar keine, aber möglicherweise ist das die Wurzel des vorliegenden Missverständnisses, damals gung es, glaube ich, um die Kombination von Artikel mit Präpositionen (zu + dem = zum...)
    Es liegt schon nahe, dass die südslawischen Sprachen diesbezüglich Ähnlichkeiten zum Russischen haben.

    Zum Thema "Verlust" von Komplexität oder Komplexität in der Sprache vielleicht noch eine Anmerkung:

    Das Verschwinden einer Funktion geht in der Regel mit der Aufwertung einer anderen Funktion einher.
    Oben wurde das Kasussystem genannt. Sprachen mit einem ausdifferenzierten und markierten, also sichbaren, Kasussystem (Deutsch: sichtbar am Artikel und am Substantiv - das Haus, des Hauses, dem Haus, das Haus, Latein: sichtbar am Substantiv - domus, domūs, domui, domum, domus, domo) haben meist eine wesentlich weniger strikt geregelte Wortstellung im Satz als Sprachen ohne gut sichtbares Kasussystem (Englisch). Das Ergebnis ist das gleiche: eindeutige Kommunikation.
    Englisch ist eine SVO-Sprache, Subjekt-Verb-Objekt müssen im Satz immer in genau dieser Reihenfolge vorkommen, ansonsten ist (wegen der fehlenden Kasusmarkierungen) nicht klar, was gemeint ist. The bear ate the man. The man ate the bear. Ein großer Unterschied.
    Im Deutschen ist die Satzstellung dagegen frei: Der Bär fraß den Mann. Den Mann fraß der Bär.
    Kenne ich auch so.
    Gab es da nicht den Gegensatz "analytisch syntagmatisch" vs "synthetisch paradigmatisch"?
    Was man alles vergisst …
    Ich finde ja, das Deutsche hat underlying eine OV-Struktur, sehr verbvalent.
    Das Internet schweigt.


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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und daraus schließt du, dass es in den slawischen Sprachen keine Präpositionen gibt?
    ja, da arbeiten in Bezug auf Ortsangaben einige mit Lokativ.

    Bei denen mit ausländischem Akzent fallen mir ja nicht jene fünf Male auf, wo sie eine Präposition ähnlich wie im Deutschen verwenden (*es spielt Nigeria gegen Kamerun"), sondern jenen Fall, wo sie es eben, entgegen deutschsprachiger Sitte, nicht tun.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  4. Registriert seit
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Zitat Zitat von Prilblume Beitrag anzeigen
    "analytisch syntagmatisch" , "synthetisch paradigmatisch"?

    Ich finde ja, das Deutsche hat underlying eine OV-Struktur, sehr verbvalent.
    Kannst Du das bitte für Nicht-Sprachwissenschaftler aufdröseln?

  5. Avatar von pelzpfote
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Zitat Zitat von Mmedusa Beitrag anzeigen
    Kannst Du das bitte für Nicht-Sprachwissenschaftler aufdröseln?
    Was? Du verstehst das nicht? Wie ungebildet. Achtung! Ironie!

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen

    Aber übersiehe auch Folgendes nicht.
    Die Art, wie dich jemand behandelt,
    sagt aus, was für ein Mensch er/sie ist,
    und nicht, was für ein Mensch du bist.

    Quelle unbekannt

  6. Moderation Avatar von lunete
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Die komplizierten Wörter kriege ich am Sonntagmorgen nicht aufgedröselt, insbesondere, da mir noch ob der Altmännerfantasien des Adelsexperten Seelbert-Eggemann (oder so ähnlich) die kalten Schauer den Rücken rauf und runter treiben.
    Gewohnt souverän und mit delikater Indiskretion hat er eben im Radiointerview berichtet wie er Kronprinzessin Viktoria Lübecker Marzipan geschenkt hat, das diese aufgrund ihrer „sweet tongue“, wie man in der gehobenen Gesellschaft sagt, sehr zu schätzen wisse.

    Nun sagt man aber auch zum hochadligen Leckermäulchen „sweet tooth“ und jedwedes Gezüngel dürfte den Freudschem Untiefen des mit aller Macht kultivierten Geists des Doppelnamenträgers entstammen.
    Brrrrr.

  7. Avatar von Prilblume
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Zitat Zitat von Mmedusa Beitrag anzeigen
    Kannst Du das bitte für Nicht-Sprachwissenschaftler aufdröseln?
    Nein, tut mir leid. Ich erinnere mich nur noch vage. Aber ich glaube, es bedeutet ungefähr das, was lunete erklärt hat.
    Das Internet schweigt.

  8. Moderation Avatar von lunete
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Ich bin mir nicht sicher...

    Syntagmatisch vs. paradigmatisch ist das eine Gegensatzpaar, dabei bezeichnet syntagmatisch sozusagen eine horizontale Beziehung (Wörter, die wie z.B. in einem Satz nebeneinander stehen) und paradigmatisch eine senkrechte Beziehung (Wörter, die anders als durch ihre unmittelbare Nähe zueinander auf einander bezogen sind bspw. durch den Reim oder andere Sprachfiguren bzw. allgemein durch Beziehungen der Ähnlichkeit und Unähnlichkeit innerhalb eines Satzes oder einer größeren Texteinheit).
    Man könnte auch sagen: Syntagma = Folge, Paradigma = Muster.
    Das sind Kategorien, die unter anderem in der (formalistischen) Literaturwissenschaft eine Rolle spielen, ebenso in der Sprachwissenschaft, sofern diese sich auf größere Einheiten (Sätze) bezieht.

    Analytisch und synthetisch sind das andere Gegensatzpaar, das eher "echt"-linguistisch ist. Dabei geht es um die Frage, wie Sprachen ihre grammatischen Funktionen umsetzen.
    Analytische Sprachen sind solche, die verschiedenen grammatischen Bedeutungen jeweils in einzelne Wörter verpacken. Ich spreche keine solche Sprache, kann daher kein Beispiel geben. Es gibt in solchen Sprachen bspw. Wörter, die den Plural oder den Besitz usw. ausdrücken und diese Wörter werden dann aneinandergereiht, um auszudrücken, dass etwas einer Gruppe von Individuen gehört. Das sieht dann vielleicht so aus: "Haus Frau Plural Besitz" (wobei "Plural" und "Besitz" eigene Funktionswörter sind) und das bedeutet "das Haus der Frauen".
    Syntetische Sprachen dagegen realisieren solche grammatischen Bedeutungen durch Flexion des Worts selbst, wie oben in der Übersetzung meines hypothetischen Beispiels zu sehen ("der Frauen" als besitzanzeigender Genitiv Plural).
    Das ist jetzt ziemlich schwarzweiß und es gibt Mischformen und verschiedene Ausprägungen beider Spracharten, aber zur Verdeutlichung ist die Vereinfachung vielleicht sinnvoll.

    Ich bin mir nicht sicher, ob mein Beispiel oben mit der Kasusfunktion so richtig gut geeignet ist, um eines oder beide dieser Begriffspaare zu illustrieren.
    Deutsch als flektierende Sprache ist eher eine synthetische Sprache, Englisch mit der nur noch sehr rudimentären Flexion geht in Richtung analytisch.
    Geändert von lunete (08.07.2019 um 10:49 Uhr)

  9. Avatar von Malaita
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen
    Irgendwo habe ich abgespeichert, dass es im Russischen keine Artikel gibt (ich hatte mal ein Gespräch mit einer Russisch-Muttersprachlerin über Artikel im Französischen). Weiß nicht, ob nur bestimmte oder nur unbestimmte oder gar keine,
    Nein, es gibt gar keine Artikel im Russischen. Genus erkennt man an den Endungen der Substantive: weiblich meistens a, männlich meist auf Konsonant, sächlich meist auf o. Danach richtet sich dann auch die Deklination in den 6 Fällen und (nochmal für Bae ) nach Präpositionen.

  10. Avatar von Malaita
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    AW: Das gildet nicht - Verunstaltungen der deutschen Sprache

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    ja, da arbeiten in Bezug auf Ortsangaben einige mit Lokativ.

    Bei denen mit ausländischem Akzent fallen mir ja nicht jene fünf Male auf, wo sie eine Präposition ähnlich wie im Deutschen verwenden (*es spielt Nigeria gegen Kamerun"), sondern jenen Fall, wo sie es eben, entgegen deutschsprachiger Sitte, nicht tun.

    gruss, barbara
    Vielleicht kennen sie ganz einfach die deutsche Formulierung nicht. Außerdem kann man eine Sprache nicht immer 1 zu 1 in die andere Sprache übersetzen. Da gibt es Bedeutungsunterschiede. Im Spanischen zum Beispiel gibts ja auch : ich esse im Tisch (en la mesa), wenn man auf Deutsch auf dem Tisch isst (bzw an).

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