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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Warum denn nicht? Man kann einem kleinen Kind doch auch Ausschnitte aus Mozart-Opern vorspielen und muss es nicht gleich mit der ganzen Zauberflöte traktieren.

    Ich habe sehr lange am Daumen gelutscht und der Struwelpeter war wirklich ein Horror für mich. Meine Mutter hat uns zwar erklärt, dass es verboten ist, Kindern die Finger abzuschneiden - aber das Bild, wie der Schneider in die Stube springt und einem wehrlosen schreienden Kind ohne Betäubung Gliedmaßen amputiert, bin ich ewig nicht losgeworden.

    Als Erwachsener merkt man manchmal gar nicht so recht, wie sehr sich manche Dinge im kindlichen Gehirn festfressen.
    weswegen es den Struwwelpeter längst in entschärfter Form gibt ... z.b den mit den Tierdarstellungen ... und plötzlich dreht es sich nicht mehr um kleine Kinders.


    Da dachte ich allerdings auch ich seh nicht recht .. wie pädagogisch wertvoll ist das denn nun wieder.

    Gruß, B.

  2. Inaktiver User

    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Zitat Zitat von Lavendula Beitrag anzeigen
    Im übrigen käme ich mir als Kind verhohnepipelt vor und es nähme dem Gespräch über Neger, Diskriminierung die Leichtigkeit, die es dank Pippi Langstrupf sonst haben könnte. Arg viel mehr aufblasen kann man es ja nicht.
    Ich halte Astrid Lindgren zwar nicht für eine Rassistin, aber dass das Buch sich besonders gut dafür eignen würde, das Thema Rassisums leicht und unbeschwert zu behandeln, sehe ich nun auch nicht unbedingt.

    In den ersten beiden Bänden kommen (soweit ich mich erinnern kann) überhaupt keine real existierenden Schwarzen vor und der "Negerkönig" ist nur ein Synonym dafür, dass der Vater weit weg ist und dient als Begründung dafür, warum keine Elternfiguren auftauchen. Als Einstieg in eine Rassismus-Debatte taugt das doch überhaupt nicht. Und der dritte Band hat (leider) durchaus einen rassistischen Unterton. Das kann man der Autorin nicht anlasten, sie ist eben auch ein Kind ihrer Zeit. Aber wenn man dem Kind vorgaukelt, da würde ganz subtil eine antirassistische Botschaft transportiert, dann verschaukelt man es tatsächlich.


    Eine wirkliche Entwicklung wäre doch, wenn man in Zukunft sachlicher und ehrlicher mit dem Problem Diskriminierung umgehen könnte, was ja nicht aus der Welt ist, nur weil keine mehr Neger sagt, anstatt das vor-Begrifflichkeiten-Erstarren weitereinzuimpfen.
    Bis vor zwanzig Jahren ist das Gros der Bevölkerung keineswgs vor Begrifflichkeiten erstarrt, sondern hat sich ganz locker und unbeschwert über Neger, Irre, Idioten, Kanacken, Krüppel, Wilde, Hottentotten und dergleichen mehr ausgelassen. Seit man über Diskriminierung redet, beginnt man auch, sich über Begrifflichkeiten Gedanken zu machen. Warum wohl? Weil abwertende Einstellungen nicht zuletzt über eine abwertende Sprache transportiert und weitergegeben werden.

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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen


    Bis vor zwanzig Jahren ist das Gros der Bevölkerung keineswgs vor Begrifflichkeiten erstarrt, sondern hat sich ganz locker und unbeschwert über Neger, Irre, Idioten, Kanacken, Krüppel, Wilde, Hottentotten und dergleichen mehr ausgelassen. Seit man über Diskriminierung redet, beginnt man auch, sich über Begrifflichkeiten Gedanken zu machen. Warum wohl? Weil abwertende Einstellungen nicht zuletzt über eine abwertende Sprache transportiert und weitergegeben werden.
    Und heute schreiben und lesen wir Bücher über die genetische Zweitklassigkeit bestimmter Ethnien... Heute reden wir über Diskriminierung, nein über Begrifflichkeiten, diskrimieren tun wir nach wie vor.
    Life is what happens to you while you're busy making other plans (John Lennon)

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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Wenn man über einen Großteil der Einwohner Neu-Kaledoniens redet, darf man immer noch und ohne zu diskriminieren, Kanaken sagen. Die heißen nämlich wirklich so.

    Há gente que fica na história
    Da história da gente


    Ja zur EU

  5. Inaktiver User

    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Zitat Zitat von Lavendula Beitrag anzeigen
    Und heute schreiben und lesen wir Bücher über die genetische Zweitklassigkeit bestimmter Ethnien... Heute reden wir über Diskriminierung, nein über Begrifflichkeiten, diskrimieren tun wir nach wie vor.
    Ich verstehe nicht, worauf Du mit diesem Satz hinaus willst.

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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich halte Astrid Lindgren zwar nicht für eine Rassistin, aber dass das Buch sich besonders gut dafür eignen würde, das Thema Rassisums leicht und unbeschwert zu behandeln, sehe ich nun auch nicht unbedingt.
    Das zentrale Thema von Pippi Langstrumpf ist das Frauen- und Kinder/ Erziehungsbild in der Gesellschaft. Es stellt Rollenbilder und Klischees in frage, Pippi setzt sich für die Schwächsten der Gesellschaft ein.

    Ich verstehe tatsächlich nicht, warum Pippi Langstrumpf so als harmlose locker-flockige Unterhaltung für Kindergartenkinder gesehen wird. Es ist frech, es stellt die Dinge auf den Kopf und lädt dazu ein, sie neu zu sortieren. Aber es fordert sehr und braucht in meinen augen eine "Begleitung". Ich kann nachvollziehen, wenn man Pippi Langstrumpf oder auch den Teil mit Taka-Tuka nicht mag. Die schwarzen Kinder werden ja wirklich ziemlich einfach gestrickt dargestellt. Nur bewerte ich das in einem Buch, in dem es darum geht, Autoritäten und "Ordnungen" über den Haufen zu werfen, selber zu denken (Um es mit Pippi Langstrumpf zu sagen: Wie leichtgläubig die Leute sein können.. Du darfst Dir doch nicht alles mögliche von den Leuten einreden lassen) tatsächlich nicht als Rassismus. Man nimmt ja nicht erst das Dienstbotentum aufs Korn und hört dann in der Südsee auf zu denken.. Man muss mit den Kindern über diese Klischees reden... ganz genauso wie über das Klischee der klauenden Dienstboten.


    Wenn man in dem ganzen Rassismus sieht, macht es es ja nicht besser, aus dem Neger- einen Südseekönig zu machen. Dann steckt der Rassismus ja viel weniger im Wort Negerkönig, sondern zB darin, dass Pippis weißer starker Vater mal eben sofort König über 120 Takatukaner wird, oder wie die da hofiert werden.

    Von daher kann ich recht unbefangen anhand von Pippi Langstrumpf über Rassismus reden, tatsächlich.
    Geändert von Lavendula (09.01.2013 um 16:12 Uhr)
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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    ich will mit diesem Satz sagen, dass Rassismus und Diskriminierungen doch eher auf dem Vormarsch sind, auch wenn die Begriffe sich geändert haben.. Wobei ja noch zu klären wäre, ob die Begriffe, die heute modern sind, tatsächlich an sich neutraler geworden sind.
    Maximal pigmentiert fand ich den mit Abstand am schlimmsten.
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  8. Moderation

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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Vielleicht sollte man einfach mit kleinen Kindern keine Kinderbuchklassiker lesen - die ganz klar mit der Realität der Kinder nichts zu tun haben. Vielleicht sollte man einfach direkt neue Kinderbücher kaufen, die dann in ihrer Generation auch wieder Klassiker werden.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    .... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/


    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Literatur spiegelt die Werte ihrer Zeit wieder und ist somit ein wertvolles Zeitdokument. Als solches sollte sie erhalten bleiben. Sie wächst nach, so dass man bei Bedenken auf heutige Bücher zurückgreifen kann, die heutige Werte spiegeln sollten.
    Viele der damaligen, als erzieherisch wertvoll erachteten Bücher sind doch nach heutigem Stand alles andere als das. Man kann sie später eher für die erwachsenen Kinder aus der Mottenkiste holen, um zu zeigen, wie es früher mal war.

    Das deutsche Urheberrecht greift erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors nicht mehr. Weder Verlag noch Staat haben Handhabe, daran etwas zu ändern (zum Glück) Letzterer kann lediglich die Verbreitung von Büchern untersagen, wenn sie der Verfassung zuwiderlaufen. Das wäre aber ein langwieriger Prozess und ein Tabadingsdakönig sollte den nicht in Gang setzen.

    Das Verändern von Texten, egal in welche Richtung , ist immer schon eine kritisch zu betrachtende Sache gewesen. Es ist eine Verfälschung, und das kann ich nicht gutheißen. Es ist eine Art der Zensur und welche irren Folgen diese hat, lässt sich nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch bei den lächerlichen Aktionen diverser Staaten sehen. Das Wort so lange umdrehen, bis es ins jeweilige Weltbild passt und man es für dieses gegebenenfalls auch als Waffe einsetzen kann. Unabhängig davon, aus welchem Blickwinkel das Wort mal in die Welt gesetzt wurde. Den Blickwinkel kann ich als aufgeklärter Mensch (dazu kann ich das Kind erziehen, dem ich vorlese) durchaus kritisch betrachten.

    Man stelle sich vor, man würde Mein Kampf für heutige Begriffe verträglich schreiben. Dann hätte man aber reichlich Erklärungsbedarf, was an dem Buch nun so schlimm sein soll ...
    Geändert von Fourthhandaccount (09.01.2013 um 16:30 Uhr)

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    AW: Kinderbuchklassiker jetzt politisch korrekt

    Ich hab mal gegoogelt, wie der Negerkönig und -kinder im Original heißt (negerkung, negerbarna) und dabei das gefunden:

    Bremer Sprachblog » Pippi Langstrumpf, Negerprinzessin

    In der englischen Übersetzung wurden aus der Negerprinzessin eine Cannibal princess.

    Ja, das macht es natürlich viiiiieeeel weniger rassistisch.

    Und warum der Autor des links unbedingt der Nennung der Hautfarbe vermeiden will (die weißen Zähne blitzen nicht mehr in schwarzen Gesichtern, sondern nur noch in Gesichtern, Die ganze Passage mit der Schuhcreme), erschließt sich mir auch nicht- ist das nicht auf seine Art noch mehr rassistisch?


    Das mit dem "eigenen Neger", das ist natürlich provokant.
    Life is what happens to you while you're busy making other plans (John Lennon)

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