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Thema: Ostalgie

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    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Ich sag mal so: nein, nicht mehr als alle i.d.R..

    Es gab so ein allgemeines Geschwurbel, in gewissen Fächern bzw. Situationen, wo gewisse politische Phrasen und Sprechblasen abgesondert wurden, da haben auch die meisten mitgemacht, das wurde z.T. in etwa so empfunden, wie wenn du zu jemandem "Guten Tag" sagst und jeder weiß, dass du ihm eigtl. nicht wirklich einen guten Tag wünschst.

    Aber letztlich war es nötig entsprechende Leistungen zu haben. Vllt. konnte man mit politischer Streberei ein wenig nachhelfen, aber man konnte nicht alles allein dadurch stemmen. Aber auch heute ist nicht immer alles gerecht, nur wird heute vieles mit Geld geregelt.
    Meine Erinnerungen sind da anders. Normalerweise brauchte man, um auf die EOS (Gymnasium) zu kommen, einen Notendurchschnitt von etwa 1,5 Mitte der 10. Klasse. Wer sich allerdings als Offiziersbewerber der NVA meldete, konnte auch mit einer 2,8 auf die EOS. Leistung allein war es nicht (immer).

    Und es war schon ein Unterschied, ob man Medizin studieren wollte oder LKW-Fahrer. Als ersterer mußte man deutlich mehr "gesellschaftliches Engagement" zeigen (also in den meisten Fällen mehr lügen), natürlich auch bessere Noten haben. Im Gegenteil, wer nichts wollte, hatte in diesem Staat mehr Freiheiten (etwas, was zum Beispiel die Blueser als Randgruppe ausnutzten und sich einen kleinen Freiraum schufen).

    Während man in den ersten 25 Jahren der DDR durchaus allein durch 150% Überzeugung Karriere machen konnte (entsprechend viele Holzköpfe saßen dann in den Führungspositionen), hat man nach der Machtübernahme durch Honecker schnell erkannt, daß man vor allem fähige Menschen braucht. Was dazu führte, daß nun Überzeugung und Talent, manchmal sogar nur Talent (vor allem in den Naturwissenschaften und bei den Ingenieuren) reichte.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

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    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von exunhopp Beitrag anzeigen
    Dass Millionen Arbeitsuchende in die alten Bundesländer strömten willst du aber nicht bestreiten ?
    Was sollte man da bestreiten und warum? Das wird doch aber auch so verlangt, was würde da erst für eine Aufregung losgehen, wenn die Ossis so unflexibel wären und nicht dorthin gehen würden, wo es Arbeit gibt?
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

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    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Auch auf die Gefahr hin, dass jetzt ein Riesengeschrei in diesem Strang losgeht - und es ist OT - an manchen Tagen, so wie heute, regt es mich wahnsinnig auf, dass mir als Ursprungsossi ein Ursprungswessi die DDR mit all ihren Facetten erklären will .

    Ich spreche ausdrücklich niemandem hier den Intellekt und das Interesse dafür ab.

    Ich gebe mal ein Beispiel: Bevor ich in ein Altbundesland zog (der Arbeit wegen) war ich in einem Unternehmen beschäftigt, das bundesweit tätig war und sich alle Kollegen 2-3x im Jahr auf Tagungen trafen. Mir ist leider das genaue Thema entfallen, welches bei solch einer Tagung an meinem Nebentisch in der Pause heiß und lautstark diskutiert wurde, jedenfalls ging es um Belange in den neuen Bundesländern.
    Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die sich ungefragt in ein Gespräch mischen, aber ich habe mich in das Gespräch eingebracht und die Kollegin (Hannoveranerin) die am meisten auf die Zustände schimpfte, mal gefragt, wann und wo sie denn schon in Ostdeutschland gewesen war.

    Tja, da habe ich die Gute aber auf dem ganz falschen Fuß erwischt, denn sie war zu dem Zeitpunkt noch nie in den neuen Bundesländern gewesen, aber, und jetzt kommts, sie sagte, sie hätte eine solche Reise bald vor und AUSSERDEM WÜSSTE MAN DOCH, WIE ES DORT ZUGEHT, IN DER ZONE!!!

    Schön war auch mal, als ich ein Seminar in Hamburg hielt, dass nach Ende eine Teilnehmerin freundlich auf mich zu kam und sagte: Man sieht Ihnen gar nicht an, dass Sie aus dem Osten kommen... Ich weiß, sie wollte mich nicht beleidigen, ich habe sie aber dann lachend gefragt, was um Himmelswillen sie sich vorgestellt hat (unter einem Ossi)

    Da werden wilde Geschichten erzählt über Ostdeutsche, wenn eine mittelmäßige Comedyshow keine Ideen mehr hat, kommt ein duseliger Sketch mit sächsischem Dialekt oder, oder,

    Ich will und kann niemandem absprechen, auch über viele Dinge diesbezüglich Bescheid zu wissen. Die Frage ist, woher kommt das Wissen. Sind die Quellen immer wahrheitsgetreu oder kann man es nur wirklich einschätzen, wenn man es selbst erlebt hat?

    Leute, ehrlich, wenn mir jemand die DDR erklären will, kriege ich Plaque. Ich bin als Neuwessi in vielen Dingen, die das Leben in einem Altbundesland tangieren, unsicher und weiß manches schlicht nicht. Zum Beispiel Grundschuldinge, Gymnasium, Bildungswege, - das muss ich mir anlesen und erfragen. Ich würde mir nie anmaßen, einem Altbundesländler sein Leben vor 1989 erklären zu wollen. Dafür weiß ich zu wenig darüber, das wurde uns als DDR Kinder nicht vermittelt.

    Und, um die Sache auf die Spitze zu treiben, zum Abschluss noch ein garstiger Witz, über den immer noch gern im Osten gelacht wird: Wieso wurden früher die Schüler der DDR in 12 Jahren zum Abitur geführt und in der BRD waren es 13 Jahre? Weil da noch 1 Jahr Schauspielunterricht und Selbstdarstellung mit dabei war.

    Mittlerweile denke ich, dass diese 1 Jahr in dieser Gesellschaft gut investierte Zeit ist, mein Kind wächst damit auf, und ich und mein Mann holen gerade den Stoff nach

    Sorry für RIESEN OT, aber das musste ich mir jetzt mal von der Seele schreiben, ich bin dann wieder brav

    Ich nehme an, die Messer werden gewetzt....

    Lieben Gruß, Preciosa
    Preciosa,

    so unterschiedlich sind die Erfahrungen. Ich lebe seit 15 Jahren im Süden Bayerns und mir ist es noch nie passiert, daß mir ein Wessi die DDR erklären wollte oder daß jemand in meiner Gegenwart DDR-Bürger oder Ossis pauschal verunglipmpf hat (und nein, ich sehe nicht aus wie Schwarzenegger). Und auch meine Erfahrungen mit Wessis in den ersten 8 Jahren nach dem Mauerfall im Osten (mein Prof an der Uni, viele Kollegen, manche Freunde) waren durchweg positiv. Ich spüre im Gegenteil heute noch häufig den "Ossi-Bonus", d.h. man interessiert sich für Aspekte aus dem Leben damals und häufig auch für meine Sicht auf die Dinge im Westen, sozusagen für den Blick von außen. In meiner Lebensrealität ist die Wende ein riesengroßes Glück und ich bin dem Schicksal sehr dankbar, daß es so und nicht anders gekommen ist.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  4. Inaktiver User

    AW: Ostalgie

    @exunhopp,


    ich finde, du machst es dir in deiner Verbitterung (so wirkt es auf mich) ein wenig einfach.

    Ich habe, als ich in den Altbundesländern zu Arbeiten anfing, das gleiche Gehalt bekommen wie meine Westkollegen. Wieso eigentlich auch nicht, frage ich dich und mich?
    Ich bin genauso gut qualifiziert und engagiert wie meine Westkolleginnen, ich bin die Einzige mit sächsischem Migrationshintergrund in meinem Team und wir kommen gut miteinander aus.

    Mein Mann arbeitet hier zu gleichen Konditionen wie sein hier geborener und aufgewachsener Kollege. Mein Mann hat einen sehr guten Studienabschluss, kann was, weiß was und kommt ebenfalls gut mit den Kollegen aus.

    Ich frage mich immer, wieso es solche ewigen Quertreiber geben muss, die die Stimmung verpesten und andere mies machen, nur um sich selbst besser zu fühlen. Das führt doch zu nichts.

    Welche Arbeitsplätze sind eigentlich noch sicher, frage ich dich? (Beamte und sonstige Staatsdiener ausgenommen) Es knarzt und kracht in allen Branchen, und daran ist nicht nur der Ossi schuld

    Ich habe niemandem den Job weggenommen, ich habe mich beworben, die haben gesagt, was sie wollen, ich habe gesagt was ich will, wir waren uns einig, hat gepasst.

    Ich komme mit deinen Beiträgen irgendwie nicht so richtig klar. Ich verstehe das so, dass du deine für dich unbefriedigende Lebenssituation sehr gut den Ossi vors Loch schieben kannst und für dich damit der Schuldige gefunden ist und du dich beruhigt und grollend zurücklehnen kannst, weil du ja handlungsunfähig dadurch bist.

    Gruß, Preciosa

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    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Meine Erinnerungen sind da anders...
    Ja, wie ich schon schrieb, jeder hat andere Erinnerungen, zusammen ergeben sie ein Bild.
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

  6. Inaktiver User

    AW: Ostalgie

    @ HansDampf,

    ich habe zuerst einige Jahre in Bayern gelebt und kann von dort ebenfalls nur Positives berichten, beruflich, kollegial und persönlich, direkt in München und auf dem Lande, einschließlich, dass mir meine östliche Berufsausbildung hoch angerechnet wurde, was mich anfangs zwar verwunderte ...

    Eine meiner Freundinnen ist seit vielen Jahren Chefsekretärin an einer Uni und sie erzählt manchmal, wie das so läuft mit den Neueinstellungen an der Uni. Bekommt sie ja hautnah mit bzw. ist einbezogen. Mit Leistung hat das nun letztlich nicht sooooo viel zu tun - jedenfalls nicht bei den Naturwissenschaften


    Nun ja, ich werde mich mal jetzt wieder dem ... das war doch noch etwas ... Arbeiten ... widmen, was heute dank meiner Anwesenheit ziemlich zu kurz kam ...

    Ich denke auch, wir sitzen alle in einem Boot und wir sollten über vieles sprechen und doch nicht vieles untereinander vorwerfen ...

    Ich denke ja, wir bräuchten wieder eine (friedliche und unblutige - die DDR hat's vorgemacht) Revolution. Nur ist es schwierig, weil wir alle Täter und Opfer in demselben System sind, individuell mal mehr mal weniger.

    Allen ein schönes Wochenende und pax vobiscum - was immer dies wirklich sein möge ...
    Geändert von Inaktiver User (19.10.2012 um 15:33 Uhr)

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    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von exunhopp Beitrag anzeigen
    Das ist nicht der springende Punkt.
    Du hast nicht verstanden, was die Wessis damals auch menschlich geleistet haben und welche Anspruchshaltung die Ossis selbstverständlich hatten und heute noch leben.
    Ich verstehe besser, als du glaubst ...

    Das fatale an deiner Argumentation ist: Menschen etwas anzulasten, nur weil sie nach makro-ökonomischen und politischen Vorgaben handeln, die sie (kurzfristig) nicht beeinflussen können - und daher ist es in keinster Weise okay, davon zu sprechen, die sogenannten Ossis hätten den sogenannten Wessis die Arbeitsplätze weggenommen.

    Im Übrigen war es das staatspolitische Ziel Nr. 1 der alten BRD, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu erreichen - das dies auch wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich bringen kann und das genau dies nicht im Grundgesetz stand, kannst du nicht den ehemaligen Bürgern der DDR anlasten.

    Wir wollten sie damals unbedingt haben und sie sind gern gekommen - nun muss die Suppe eben von allen gemeinsam ausgelöffelt werden.

    VanDyck
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
    dann durchfluten sie mich wie Regen ...
    American Beauty
    Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
    Daniel Kahneman

  8. gesperrt

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    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von Sprachlos Beitrag anzeigen
    Was sollte man da bestreiten und warum?
    Weil man auch mal "Danke" sagen müsste und "Ihr habt uns eine Chance gegeben". Das sowas nicht ohne Reibung abgeht ist unbestritten.


    Das wird doch aber auch so verlangt, was würde da erst für eine Aufregung losgehen, wenn die Ossis so unflexibel wären und nicht dorthin gehen würden, wo es Arbeit gibt?

    Vielleicht, weil man auch die Möglichkeit bedenken sollte, dass Ossis sich am Aufbau bzw. Wiederaufbau der neuen Bundesländer selbst beteiligen konnten und nicht bloss warten, was der Westen mit ihnen macht.
    Aber sie waren es wohl nicht anders gewohnt.

  9. Inaktiver User

    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Preciosa,

    so unterschiedlich sind die Erfahrungen. Ich lebe seit 15 Jahren im Süden Bayerns und mir ist es noch nie passiert, daß mir ein Wessi die DDR erklären wollte oder daß jemand in meiner Gegenwart DDR-Bürger oder Ossis pauschal verunglipmpf hat (und nein, ich sehe nicht aus wie Schwarzenegger). Und auch meine Erfahrungen mit Wessis in den ersten 8 Jahren nach dem Mauerfall im Osten (mein Prof an der Uni, viele Kollegen, manche Freunde) waren durchweg positiv. Ich spüre im Gegenteil heute noch häufig den "Ossi-Bonus", d.h. man interessiert sich für Aspekte aus dem Leben damals und häufig auch für meine Sicht auf die Dinge im Westen, sozusagen für den Blick von außen. In meiner Lebensrealität ist die Wende ein riesengroßes Glück und ich bin dem Schicksal sehr dankbar, daß es so und nicht anders gekommen ist.

    Hans
    Wahrscheinlich kommen meine Posts etwas einseitig rüber. Ich hatte irgendwo schon geschrieben, dass ich gerne hier lebe und mich wohlfühle.
    Diese von mir angeführten Beispiele liegen schon ein Weilchen zurück, ca 10 Jahre.

    Ich erlebe es zum großen Teil so wie du, dass mir freundliches Interesse bezüglich meiner Herkunft entgegengebracht wird und sich die Leute wirklich interessieren (wie hier zum größten Teil in diesem Strang)

    Ich habe es mir selbst anfangs schwer gemacht, ich wollte nämlich gar nicht weg aus meiner alten Heimat, wo ich aufgewachsen bin. Das hat jetzt überhaupt gar nichts mit den konträren Gesellschaftssystemen zu tun, sondern ich bin ein außerordentlich bodenständiger Mensch, der zwar gern reist, aber nicht weg will aus gewohntem Umfeld.
    Es fiel mir sehr schwer, meine engen Freunde und die Familie zurück zu lassen und die Beziehungen neu zu definieren. Ich habe mich schwer getan mit dem Einleben, aber im nachhinein habe ich es mir wirklich selbst schwer gemacht.
    Aber ich habe hier wirklich nette Menschen kennnen gelernt, es sind Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte und insgesamt hat das Ganze mein Leben enorm bereichert. So sehe ich das jetzt.

    Lieben Gruß, Preciosa

  10. User Info Menu

    AW: Ostalgie

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich meinte es anders.
    Ich bin nicht überzeugt, dass nach der Wende so gut wie die ganze Industrie im Osten wirklich nicht ausbaufähig gewesen sein soll, da wurde doch nicht selten einfach die Konkurrenz ausgeschaltet.
    Wenn in den vom Westen übernommenen Betrieben auch gleich noch die Teams aus dem Westen aufkreuzten und sich so aufgeführt haben, wie es einige eben machen, ist es für mich mehr als nachvollziehbar, dass den dortigen Leuten das Messer im Sack aufgeht.
    Das ist ein schwieriges Thema. Meiner Meinung nach hatte die Konsumgüterindustrie der alten Bundesrepublik einen Kapazitätsüberschuss von etwa 15%. Der reichte locker aus, um die Konsumwünsche der DDR Bürger zu befriedigen. Man brauchte (wirtschaftlich) die DDR nicht als Produktionsstandort, sondern als Konsumstandort. Die Leute sollten kaufen, nicht arbeiten. Nur daß das natürlich bedeutet, die Menschen zu Almosenempfänger zu degradieren, sie in ihrer Würde zu kränken.

    Hinzu kommt, daß viele Industriearten der DDR damals bereits globalisiert waren, d.h. in 3.Welt-Länder verlagert waren. Ein Teil der DDR Textilindustrie, aber auch die gesamte Schwerindustrie war in Europa ein Fremdkörper. Und der Hauptgrund war das Wegbrechen der Exporte in den Osten Europas - dafür konnte der Westen aber nichts. Nur die Verhinderung der Einführung der D-Mark hätte dies verhindert, das wäre aber in der damaligen Zeit politischer Selbstmord gewesen. Dann wären sehr viel mehr DDR Bürger zur D-Mark gegangen und das hätte die alte Bundesrepublik kaum verkraftet.

    Es lief nicht gut, aber in Summe lief es z.B. im Saarland ähnlich schlecht. Ich denke, das war nicht in erster Linie eine Form von Kolonialisierung, sondern von schmerzhafter Strukturanpassung. Der politische Fehler war, daß man das den Menschen in Ost und West nicht so gesagt hat sondern ihnen ein ganz andere Bild verkaufen wollte. Die Entmündigung der Bürger ist das Problem gewesen.

    Hans
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