Es ist soweit: Der Rot-Rote Senat in Berlin hat nach fünfjähriger Arbeit die Leitanweisung für Lehrer zum Umgang mit dem Islam veröffentlicht. Einige Auszüge:
-Islamische Feiertage: Anerkennung signalisieren
Das heisst das Muslimische Schüler an 11 genannten Feiertagen Schulfrei haben, an diesen Tagen darf kein Unterricht mit Neukenntnissen erfolgen, die restlichen Schüler sind an diesen Tage schulpflichtig.
-Fastenzeit
Es sollten Tests und Klausuren so terminiert werden, dass sie nicht in die Fastenzeit fallen. Die Lehrkräfte sollten sich rechtzeitig über die Terminierung der Fastenzeit informieren.
-Diffamierung von Andersgläubigen
Lehrer und Lehrerinnen an Berliner Schulen klagen, dass muslimische Schüler und Schülerinnen Nichtmuslime z. B. als „Schweinefleischfresser“ beschimpfen würden. Manche trauten sich nun nicht mehr, Salamibrote auf dem Schulhof zu essen. Insbesondere gelte dies in Schulen und Klassen, in denen herkunftsdeutsche Schüler eine kleine Minderheit darstellten. Auch „Du Jude“ ist - so hört man immer wieder von Pädagogen - einer der von den Jugendlichen meist verwendeten „Ausdrücke“ zur Beleidigung und Abwertung anderer.
Zudem werden aggressive Störungen und Respektlosigkeit im Unterricht beklagt, wobei es sich (noch) vorwiegend um ein Jungenphänomen handelt. Dabei benutzen muslimische Schüllerinnen und Schüler mitunter ein islamisches Idiom (Kāfir - „Ungläubiger“, Plural: Kuffār) zur Beschimpfung von Lehrkräften. Bestätigung können solche Abgrenzungen von Nichtmuslimen, Mitschülern wie Lehrern, durch koranische Aussagen finden - etwa in Vers 3:28: „Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen“.
-Sport und Schwimmunterricht
Dieser Unterricht sollten GENERELL Geschlechtergetrennt stattfinden. Dies schliesst das Geschlecht der Lehrkräfte, Haus- oder Schwimmmeister ein. Lange Trainingsanzüge und sportgerechte Kopftücher werden akzeptiert. Im Fall von islamisch begründeter Ablehnung kann auch ein Ausspruch des Propheten Muhammad weiter helfen: ‚Bringt Euren Kindern Schwimmen, Reiten und Bogenschießen bei.’“
-Sexualerziehung
Dieser sollte ebenfalls Geschlechtergetrennt und möglichst ohne "naturalistische" Darstellungen, sondern eher mit stilisierten Grafiken erfolgen.
-Klassenfahrten
Die Lehrer sollten klare Regeln auch für höhere Klassen und Berufsschüler aufstellen. Dazu gehört das generelle Alkoholverbot, die klare Geschlechtertrennung von Schlaf- und Waschbereichen, die "Rücksichtnahme bei der Ernährung" also einheitliche Islamisch-Korrekte Kost. Gegebenenfalls sollten die Lehrkräfte den Sinn von Klassenfahrten auch "islamisch" begründen.
-Geschlechterbild
Dabei empfiehlt es sich, Schülerinnen und Schüler aus eher traditionell eingestellten Elternhäusern nicht moralisch zu überwältigen - d. h. sie von der Höherwertigkeit eines „modernen“ Rollen- und Geschlechterverständnisses überzeugen zu wollen. Vielmehr können Pädagogen darauf rechnen, dass sich in jeder Gruppe oder Klasse Schüler finden werden, die von sich aus entsprechende Positionen beziehen. Allerdings befinden sich viele (insbesondere Mädchen) in einem Zwiespalt zwischen eigenen Überzeugungen („Meine Tochter soll einmal selbst aussuchen können, wen sie heiraten möchte“) und der Loyalität gegenüber ihren Eltern, die vielfach an traditionellen Konzepten festhalten. Hier finden derzeit Veränderungen von einer Generation zur nächsten statt - Pädagogen sollten dabei Denkprozesse anstoßen aber die Jugendlichen nicht in eine Situation bringen, in der sie sich offen gegen tradierte Normen in der Familie stellen müssten.
-Gewalt in der Schule
Vor dem Hintergrund, dass nicht „der Islam“ als ursächlich für eine erhöhte Gewaltbereitschaft ausgemacht werden kann, gibt es keine spezifische Form ihrer Begegnung bei muslimischen Jugendlichen.
-Antisemitismus
In der pädagogischen Arbeit sollten im Dialog zunächst die Perspektiven, Erzählungen und Emotionen der Jugendlichen aufgegriffen und anerkannt und nicht etwa abqualifiziert oder moralisch verurteilt werden.
-Islamismus
Schülerinnen, die eines Morgens mit Kopftuch zum Unterricht erscheinen, junge Muslime, die auf Koran, Scharia oder muslimische Gelehrte als ihre wichtigsten Autoritäten verweisen, Sympathiebekundungen für Osama bin Laden oder die Hervorhebung des Islam als beste aller Religionen, die bald die ganze Welt beherrschen wird - all das sind Verhaltensweisen und Positionen von Jugendlichen muslimischer Herkunft, die in Schule oder Jugendclubs zu beobachten sind. Und nicht zuletzt unter dem Eindruck der aktuellen Debatten um Islam, Islamismus und Integration werfen sie bei Pädagogen eine Reihe von Fragen auf. Darunter steht eine häufig im Vordergrund: Handelt es sich hier um Ausdrucksformen islamistischer (bzw. fundamentalistischer) Ideologie? Eine Antwort auf diese Frage muss erst einmal unbefriedigend ausfallen. Sie lautet in jedem der genannten und in einer Vielzahl anderer Fälle: Kann sein, muss aber nicht.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 381
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29.09.2010, 11:58
Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
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29.09.2010, 13:06Inaktiver User
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
Aha. Und?
Der Volltext umfasst 252 Seiten:
Politische Bildung - Berlin.de
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29.09.2010, 13:08Inaktiver User
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
Hier noch die Pressemeldung dazu: Handreichung "Islam und Schule" geht an die Schulen - bildungsklick.de
Der Strangtitel ist irreführend: Mit dem Islam als "Leitbild" hat die Handreichung nichts zu tun.
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29.09.2010, 13:15
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
Ich dachte bisher, in Schulen geht es um Lerninhalte ...
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29.09.2010, 13:37
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
Ich versteh´s einfsch nicht

Warum muss sich in Deutschland keiner (außer den Deutschen selbst) unserer Kultur, unseren Sitten und - vor allem - unserer Gestzgebung anpassen?
Bekommt der muslimische Angestellte an "seinen" Feiertagen auch frei? Und muss er in der Fastenzeit weniger arbeiten? Sicher nicht. Warum also in den Schulen mit solchem Blödsinn beginnen?
Ich sag´s immer wieder: ICH würde nicht in ein Land gehen, wo mir alles mögliche nicht gefällt. Mir fällt auch keins ein, wo ich mich nicht in gewissen Dingen anpassen müsste.
Letztendlich ist es mir egal, ob jemand ausländischer Herkunft ist oder nicht, aber ein wenig Anpassung in wichtigen Dingen (Schule, Recht und Gestz etc.) mag ich schon verlangen.Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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29.09.2010, 13:41
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
Richtig krass finde ich dass im Hinblick darauf, dass ich mich nicht daran erinnern kann, dass die Schule je Rücksicht auf die christliche Fastenzeit oder Vorweihnachstszeit oder sonst was genommen hätte.
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29.09.2010, 13:44Inaktiver User
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29.09.2010, 14:01Inaktiver User
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
Wo liest Du das?
Vielleicht wäre es ganz hilfreich gewesen, zunächst einen ganz kurzen Blick auf den Text zu werfen.
Dann hättest Du feststellen können, dass hier durchaus differenziert argumentiert und das Fasten während des Ramadan, speziell bei Jugendlichen, recht kritisch betrachtet wird.
(S. 10)
Zitat von Inaktiver User
(S.11)[...] dabei sollte das Fasten jedoch nicht seitens der Schule zur Norm erhoben werden[...]
Aber die Lektüre eines deutschen Textes von 26 Seiten stellt offensichtlich eine fast unüberwindliche Schwierigkeit dar.
Wie Du allerdings (selbst völlig ohne Lektüre) auf den Gedanken kommst, dass in einem Handbuch für Lehrer, dass von der berliner Landesregierung in Auftrag gegeben wurde, für Gesetzesverstöße geworben würde, ist doch eine interessante Frage.
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29.09.2010, 14:02
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen
Ich halte die Leitanweisungen für einen guten Versuch.
Im TV habe ich eine Stellungnahme einer Schweizer Lehrerin gesehen, die in etwa so argumentiert hat: Wenn ein Kind in der Klasse mit Kopftuch auftaucht, bestellt sie die Eltern ein und verlangt, dass das Kind auch seine anderen religiösen Pflichten ausübt, indem sie einen Gebetsraum bereitstellt etc. Bisher haben deshalb noch keine Eltern oder Jugendliche auf Kopftuch bestanden.
Ich glaube nicht, dass man bei einem Jugendlichen mit einem Verbot der religiösen Symbole weiterkommt. Ich würde mir mehr davon versprechen, wenn die Jugendlichen echt ihren Glauben leben (müssen), aber andererseits auch die Möglichkeit haben, in der Neuzeit anzukommen. Ein intellegenter Geist wird hinterfragen trotz familiärer Beeinflussung. Wir haben ja genügend Beispiele von gut integrierten Migranten.Gruß dingsda
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart.
Der bedeutendste Mensch ist immer der, der Dir gegenübersteht.
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29.09.2010, 14:12
AW: Der Islam als Leitbild in Berliner Schulen


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