Für alle, die es nicht kennen: Hamburg Dungeon ist eine Art Gruselkabinett/Geisterbahn für Erwachsene. Da hier vor allem auf reale Begebenheiten eingegangen wird (Die Cholera in Hamburg z.B.) und das dann dazu genutzt wird, ein wohliges Gruseln zu erzeugen, konnte ich noch nie verstehen, was man daran gut findet, mich hat das von jeher abgestoßen.
Besonders fassungslos macht mich jetzt eine Plakatwerbeaktion, ich gebe zwei Beispiele, die ich besonders daneben finde:
"Alle stehen um den Galgen, außer Sieglinde, die baumelt im Winde."
"Alle tanzen um das Feuer, außer Brigitte, die steht in der Mitte."
Ist es für Euch OK, dass zigTausende gefolterte und verbrannte Frauen jetzt als Gruselattraktion herhalten? Darf man dies so vermarkten, nur weil es schon ein paar Hundert Jahre her ist (die letzte Hexe starb übrigens 1836, also nichts mit finsterem Mittelalter oder so).
Und wenn ja, wo zieht man die Grenze?
Gibt es demnächst die neue Attraktion "Gaskammer" und werden dazu dann auch lustige Plakate gedruckt?
Wie denkt Ihr darüber ?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 29
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21.03.2010, 09:52
Die Werbung von Hamburg Dungeon
Islabonita
Moderation im Freundschaftsforum, Umgangsformen, Familiensache, Mietforum und in Rund um die Bewerbung - ansonsten normale Userin
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21.03.2010, 09:59Inaktiver User
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
Man mag es geschmacklos finden.
Dann geht man eben ganz einfach nicht hin.
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21.03.2010, 10:18
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
Hätte ich nur deinen Beitrag gelesen: ich würde dir uneingeschränkt zustimmen.
Bei einem HH-Besuch aber war das Dungeon eines der Highlights - allerdings nicht zuletzt, wegen des damals elfjährigen i-punkt. Wohliges Gruseln? Für uns war es Geschichtsunterricht zum Nach-Erleben. Plakativ zwar, aber so sinnlich, dass manches Wissen erst dadurch zum Begreifen wurde: warum haben die Menschen damals so gehandelt wie sie gehandelt haben, warum haben sie so "getickt". Geschichte nicht aus dem Blickwinkel des aufgeklärten Liberalen des 21. Jahrhunderts, sondern so realistisch wie möglich aus der Zeit heraus.
Viele Museen im angelsächsischen Raum arbeiten so, die "seriöse" Wissenschaft findet das durchaus in Ordnung, sogar wünschenswert, nimmt daran teil.
Die von dir zitierte Werbung: grenzwertig, wenn man sich nicht mit der Thematik befasst hat. Wer sich darauf einlässt, kann gerade darin eine Sensibilisierung für eine Menge heikler Themen finden. Denn so weit, wie manche denken, sind wir vom Mittelalter gar nicht entfernt. Und menschliches Verhalten, seine Psyche ändert sich sowieso nicht.
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21.03.2010, 10:29Inaktiver User
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
Auf der Homepage findet man das hier
und an anderer Stelle Informationen über Gruppenermäßigung für Schulklassen[!]. Also doch keine Geisterbahn für Erwachsene.Folterkammer
Hamburgs Folterknechte finden immer einen Weg, dich zum Sprechen zu bringen – sei es mit dem Haken, dem Kastrator, dem Kieferbrecher oder durch die höllischen Qualen auf der Streckbank. Vielleicht lockern sie deine Zunge auch auf die harte Tour – mit dem Zungenreißer!
Hier noch ein älterer Artikel über das Pendant in London.
Wie gehirnamputiert muss ein erwachsener Mensch sein, der das für ein lohnendes Ziel für den gelungenen Klassen- oder Familienausflug hält? Die Frage treibt mich gerade viel mehr um, als die Werbeplakate.
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21.03.2010, 10:32Inaktiver User
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
@Ila: Jetzt habe ich geschrieben, bevor ich Dein Posting gesehen habe.
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21.03.2010, 10:36Inaktiver User
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21.03.2010, 10:37
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
Pendant?

Dann muss sich das Programm fundamental geändert haben! An "realistisch nachgestellte Folterszenen" kann ich mich nicht erinnern - und ich bin ziemlich empfindlich, was diese Dinge angeht! Mir ist schon Tatort zu brutal!
Im Dungeon (wie auch in britischen/irisc hen/us-amerikanischen) Museums-Spektakeln ging/geht es nicht um die voyeuristisch-heimliche Lust am Grauen (wie nicht nur im "Tatort"), sondern darum, was passiert, dass und wenn diese institutionalisiert wird.
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21.03.2010, 10:42
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
Vielleicht mal was aktuelles für die U-Bahn-Opfer???
Alle üben im Kreis Körpertritte, nur Hans nicht, der liegt in der Mitte.
Find ich total daneben, mit dem Leid anderer Geld zu machen.Stumpfsinn, Stumpfsinn, du mein Vergnügen,
Stumpfsinn, Stumpfsinn, du meine Lust.
Gäb's keinen Stumpfsinn, gäb's kein Vergnügen,
gäb's keinen Stumpfsinn, gäb's keine Lust.
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21.03.2010, 10:51Inaktiver User
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
Eines muss ich klar sagen: Ich kenne weder das Londoner noch das Hamburger Dungeon aus eigener Anschauung. Ich bezog mich nur auf die Website / den Artikel.
Aber mein spontaner Eindruck war, dass dort auf dem Niveau von trashigen Low-Budget Horrorfilmen plakativ mit Folter-Darstellungen geworben wird. Wenn ein Museum den Anspruch erhebt, Totalitarismus und institutionalisierte Gewalt pädagogisch wertvoll aufzuarbeiten und dafür mit rotzigen Sprüchen, billiger Grusel-Optik und eigenartigen Gespenster-Lauten wirbt - wie geht das zusammen? Dazu Angebote wie Geburtstagsfeiern oder Speed-Dating?
Es leben weiß Gott genug Flüchtlinge und sehr alte Menschen in Deutschland, die Gewalt und Folter am eigenen Leib erfahren haben. Ich habe Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass diese Menschen ein Angebot nach dem Motto "Speeddating in der Folterkammer" als sensibel und der Sache angemessen betrachten könnten.
Wie gesagt: Das sind Eindrücke, die ich nach Betrachten der Homepage habe.
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21.03.2010, 10:57
AW: Die Werbung von Hamburg Dungeon
Auch als Nicht-Gewaltgeschädigte finde ich die Werbung...nun, wie schon im ersten posting gesagt
Wäre schade, wenn sich auch das Programm in Richtung trash verschoben hätte; das war es vor einigen Jahren definitiv nicht. wobei der Begriff "pädagogisch wertvoll" noch nicht definiert ist.


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