Ich hab auch einen ähnlichen Lebenslauf hinter mir, ich hab ursprünglich Schriftsetzer gelernt, als Journalistin bei einer Tageszeitung gearbeitet, nebenbei noch als Fotografin, bin dann ausgestiegen, weil ich es als alleinerziehende Witwe mit den bei der Zeitung üblichen Arbeitszeiten nicht mehr auf die Reihe bekam. Zur Elektronik kam ich wie die Jungfer zum Kind, ich bin damals mit Kind im Kinderwagen die Personalabteilungen der umliegenden Betriebe abgeklappert bis mich jemand wohl aus Mitleid eingestellt hat. Ich hab dann noch mal eine Berufsausbildung gemacht, berufsbegleitend nach Feierabend natürlich. Später bin ich umgezogen in eine grössere Wohnung, leider war dann der Arbeitsweg so weit, dass ich das mit den Öffnungszeiten der Kindereinrichtungen nicht mehr vereinbaren konnte. Der Kindergarten öffnete um sechs, wenn ich gerannt bin, hätte ich um sieben in meinem Job auf der Matte stehen können, nein, das war auf keinen Fall möglich. Also suchte ich mir was neues, ich war unter anderem Verkäuferin im Supermarkt, in der Bäckerei und im Baumarkt, Beiköchin, Hilfserzieherin und Putzfrau. Dann fand ich wieder was für länger, wieder in der Elektronik. ich hab die Firma vom Urschleim mit aufgebaut, Leute angelernt, 5 Jahre ausschliesslich in Nachtschicht gearbeitet, 10 Jahre war ich Abteilungsleiterin. Dann kam ein neuer Chef, vorher war ich die geschätzte Mitarbeiterin mit dem Pfund Erfahrung, hinterher nur noch doof und auf der Abschussliste.
Dann war ich arbeitslos und hab mich ca. 250mal beworben. Als das alles nicht zum Erfolg führte bin ich als Zimmermädchen nach Österreich gegangen, als Elektriker in die Schweiz und als Schaltschrankbauer für Windkraftanlagen durch halb Europa. Dann hab ich einen Lehrgang für Flugzeugelektronik gemacht und in Ulm, Laupheim und Hamburg für die Luftfahrt gearbeitet.
Und heute bin ich halt nur noch doof. Lieg dem Steuerzahler auf der Tasche und will noch nicht mal Schnee schippen. Fast die Hälfte meines zweidreissigjährigen Arbeitslebens darf ich in meinem Lebenslauf nicht erwähnen, dass ich nebenbei noch drei Kinder erzogen habe sowieso nicht. Mein Arbeitsberater im Arbeitsamt hat mir sogar geraten, meine in der DDR erworbene Facharbeiterbriefe und mein POS-Abschlusszeugnis nicht mehr in meiner Bewerbungsmappe aufzuführen. Ja wenn ich einen dreissig Jahre alten IHK-Abschluss hätte und ein in Bayern abgelegtes Abitur, das wär doch ganz was anderes.
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11.03.2010, 21:16Inaktiver User
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
Geändert von Inaktiver User (11.03.2010 um 21:33 Uhr)
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11.03.2010, 21:30
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:

LG zb (ich kann das ganze Dilemma mitfühlen)Nur wer sich ändert, bleibt sich treu! (Wolf Biermann)
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11.03.2010, 21:45
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
O.k., lass mal überlegen - wie wäre es mit Zeichnungsnummern vergeben und eintragen, Stücklisten schreiben oder...
.... ah, ich weiß, eingescannte Dokumente mit den Originalen vergleichen, Seite für Seite langweiliges Zeug und das dann in Mengen, die meterweise Regale mit ollen Akten füllen.
Wäre das was?

Na ja, auch beim Knacki kommt aber Kost und Logie dazu und dann auch noch die "Animation". Unterkunft und Betreuung im Knast ist deutlich teuerer, als das was ein ALG II - Empfänger bekommt. So gesehen ist der Knacki ein Spitzenverdiener. Wenn auch unfreiwillig.
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Was aber in meinen Augen die entscheidenden zwei Punkte sind:
Einmal geht es nicht unbedingt darum, wieviel Geld jetzt für eine Person ausgegeben wird, wenn sie eine Arbeitsgelegenheit ausführt, sondern WIE es passiert:
So wie heute, als 1-Euro-Job plus ALG II ist es einfach blöd. Gäbe es dasselbe Geld für einen richtigen Job, also die Gesamtsumme auf einer Gehaltsabrechnung mit regulären Abgaben usw. und der Unabhängigkeit von der Arge, wäre es einfach fairer, die Menschen würden sich freier fühlen und würden besser akzeptiert.
Der zweite Punkt ist, dass wir alle in einer Gesellschaft leben, bei der die Arbeit einfach immer knapper werden muss. Weil die Produktivität steigt und immer mehr mit immer weniger Arbeitseinsatz produziert werden kann. Momentan ist es so, dass ein Teil der Bevölkerung schuftet, als gäbe es Arbeitskräftemangel und der Rest in die Röhre guckt. Besser wäre es, die anfallende Arbeit gleichmäßig auf alle zu verteilen. Dann hätten alle 25-Stunden-Jobs, die ihr Auskommen sichern würden und kaum jemand hätte gar nichts zu tun.
Ich finde es nicht o.k., wenn manche die ganze Arbeit an sich raffen und 60 Stunden schuften und dafür auch noch anerkannt werden wollen und das dicke Geld nachhause schleppen und anderen gar keine Chance lassen, überhaupt ihren Lebensunterhalt zu sichern. So etwas finde ich einfach asozial, aber leider wird das in unserer Gesellschaft so nicht gesehen. Wer mehr als 35 Stunden arbeitet, tut das auf Kosten derjenigen, die keinen Job finden können, obwohl sie dringend einen brauchen.
Es ist einfach abartig, wie diese Leute auch noch stolz auf sich sind! Das ist doch fast genauso als wenn jemand stolz darauf ist, bei einem Wettfressen 25 Bratwürste in 5 Minuten wegzuputzen, während daneben Leute hungern müssen und sich von 6 Pellkartoffeln am Tag ernähren.
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11.03.2010, 22:01Inaktiver User
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
ebay, du sprichst mir sowas von aus der Seele, darf ich dir nen Orden umhängen?
Ich hab in meinem Leben schon so viel Überstunden gemacht, das reicht für einen weiteren Job. Und das nicht etwa weil ich so arbeitsgeil war sondern weil ich es musste.
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11.03.2010, 22:06Inaktiver User
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
Hab ich auch schon gemacht. Ein ganzes Diaarchiv Film für Film in den Kopierer geschmissen, mit Edding beschriftet und von Hand in die Kartei eingetragen.
Oder tagelang in der Dunkelkammer gesessen und Filme retuschiert.
Bleib mir bloss wech damit.
Eh ich sowas wieder mache geh ich lieber Steine klopfen.
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11.03.2010, 22:22
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
Danke schön

Das glaube ich dir gern.
Ich hab in meinem Leben schon so viel Überstunden gemacht, das reicht für einen weiteren Job. Und das nicht etwa weil ich so arbeitsgeil war sondern weil ich es musste.
Das ist auch so ein Punkt, der mich irgendwann mal in meiner "Ausbildungskarriere" fassungslos gemacht hat: Da wurde doch tatsächlich überlegt, dass es kostengünstiger wäre, die MA mit Überstunden zu überhäufen, anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie man zusätzliches Personal beschafft. Dass mir damals vor Staunen nicht der Mund offen stehen geblieben ist, hat wirklich noch gefehlt. Ich fand das so menschenverachtend.
Wohl auch, weil ich selbst so ein freizeitorientierter und freiheitsliebender Mensch bin und immer war, der immer von einem Job geträumt habe, der nicht mehr Wochenstunden als unbedingt nötig hat.
Denn ich gehöre zu den Leuten, die sich über jedes Fitzelchen Freizeit freuen und die auch problemlos mit allen möglichen Interessen füllen kann. Da wird nicht trübselig auf dem Sofa gehockt und nach einer Beschäftigung gesucht.
Aber wir Menschen sind alle verschieden und ich verstehe, dass manche ohne Aufgabe unglücklich sind. Trotzdem denke ich, dass jeder auch mit 25 Stunden auskommen könnte, wenn diese 25 Stunden die Regel für alle wäre.
25 Stunden für alle, das wären 5 Stunden am Tag. Da bliebe genug Zeit für Kinder, Küche, Partner, Hobby und Ehrenamt. Und wenn dann auch jeder einen Job ausüben könnte, würde das Geld dann i.d.R. auch ausreichen. Bei einem halbwegs fairen Lohn. Denn bei 105 Stunden im Monat käme man schon bei 7 Euro/Stunde über den Hartz IV-Satz eines Alleinstehenden inkl. Wohnkosten.
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11.03.2010, 22:29
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
Steine klopfen? Ach nee, das ist auch langweilig!
Ich hatte auch schon mal so einen Job. Hörbücher über Kopfhörer haben mir geholfen. Mein Chef hat gedacht, ich hörte Musik, aber im Grunde war es egal. Mein Kopf war beschäftigt, ich habe den Scheixx erledigt, Chef war zufrieden und ich? Na ja! Es gab Geld dafür und wenig Stress. Was solls?
Ach ja, ich hatte auch solche Hörsprachkurse dabei. Meinem Englisch hatte es gut getan. Man muss sich zu helfen wissen.
Das Material hatte ich übrigens aus der Bücherei. Da ging ich immer in der Mittagspause hin - Nachschub holen.
Bei stupiden Arbeiten höre ich immer noch gern Hörbücher. Auch bei längeren Autofahrten. Es hilft über einiges hinweg.
Aber ich glaube, das Steinklopfen würde stören. Dann versteht man ja gar nichts mehr bei dem Krach.
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11.03.2010, 22:55
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
*Kreisch
Jetzt muss ich mal ablassen... auch wenns OT ist
Ich hab heute einer jungen Dame 25, die zur Zeit eine Schule besucht einen easy Job angeboten.
2,5 Tage in Prag, Flug, Hotel, Verpflegung frei und 275 Euro. Ich schreibe ihr, melde dich bitte SCHNELL
Antwort: hört sich gut an würde das gerne machen.Bist du morgen abend zuhause dann würde ich mal durchrufen!
Liebe Grüße
Ja, ihr habt ja Recht....so wird das nix, ich hätte doch keinen Augenblick gezögert und sofort angerufen
Geändert von forever_young (11.03.2010 um 23:01 Uhr)
. Ich mag dich nicht weil du bist wer du bist, sondern dafür wer ich bin,
wenn ich mit dir zusammen bin.
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11.03.2010, 23:08Inaktiver User
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11.03.2010, 23:27
AW: Hartz IV-Empfänger sollen Schneeschippen :wie?:
Es ist ein Job, für den stehen die Studenten Schlange und ich konnte ihn nur anbieten, weil meine Tochter sowas schon oft gemacht hat und ich eigentlich für sie angefragt wurde.
Wäre für sie eine Superchance gewesen weil sie einen Fuß in der Tür gehabt hätte.
Ich bin so sauer, das kann sich kein Mensch vorstellen
. Ich mag dich nicht weil du bist wer du bist, sondern dafür wer ich bin,
wenn ich mit dir zusammen bin.



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