Thema geschlossen
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 30

  1. Registriert seit
    05.07.2018
    Beiträge
    8

    Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Hallo,

    ich habe hier noch nie mitgeschrieben, aber schon viel mitgelesen. Jetzt benötige ich Feedback von Personen, die weder mich noch meinen Mann kennen, um die ganze Sache von einer unpersönlicheren Perspektive aus betrachten zu können.

    Kurz zu mir (39) und meinem Mann (50): wir sind seit 4 1/2 Jahren zusammen und seit zwei Jahren verheiratet. Wir verdienen beide gut und sicher, er deutlich mehr als ich, wobei mir mein Job deutlich mehr Sinn und Freude bereitet und ich mir nicht vorstellen kann, lange (überhaupt?) auszusetzen. Sein Kinderwunsch ist deutlich stärker als meiner, schon bei unserem Kennenlernen hatte ich ihm gesagt, dass bei mir die Tendenz in dieser Hinsicht deutlich gegen "nein" geht, allerdings wollte er mich trotzdem haben.

    Seit drei Jahren befinden wir uns aufgrund seines extrem schlechten Spermiogramms in der Kinderwunschhölle, außer zwei Fehlgeburten kam bisher nichts dabei herum. Ich hatte mich damals aus Liebe zu ihm dazu entschlossen, wenigstens zu versuchen, ihm seinen Wunsch zu erfüllen und dachte, dass ich das Kind dann schon lieben würde, wenn es einmal da ist. Ich bin ja schließlich kein Eisklotz, mit fremden Kindern kann ich sehr gut und geduldig umgehen, ich liebe den Duft von Babys, nehme ich auf den Arm und küsse sie (während mein Verstand daneben steht und sich fragt: bist du bescheuert, was tust du hier!) und vielleicht richten es ja dann doch die Hormone und lassen mich die Fremdbestimmung wenigstens ertragen. Andere sagen immer wieder, was für einen wunderbare Mutter ich wohl wäre und wie schade es wäre, wenn ich keine Kinder hätte. Ich hätte so viel zu geben.

    Nach einer längeren Pause und aufgrund meiner mittlerweile deutlich schlechteren Eizellen entschlossen wir uns zu einer Eizellenspende im Ausland. Mittlerweile hatte ich im Job ein neues Aufgabengebiet übernommen, was mir sehr viel Spaß aber auch Stress bereitet und für das ich immer noch in Weiterbildungen stecke. Auf dem Weg zur Klinik in der am nächsten Tag der Embryonentransfer stattfinden sollte, überkamen mich auf einmal extreme Heulattacken (nein, normalerweise bin ich überhaupt nicht nah am Wasser gebaut) und eine starke Aversion gegen das, was dort stattfinden sollte. Ich hatte aufeinmal das Gefühl, mein Leben sei nun zuende. Ich sagte ihm, dass ich es nicht könne, er war natürlich absolut entsetzt und sprachlos. Ich habe ihn also alleine in die Klinik geschickt mit dem Auftrag, das Ganze abzusagen und die Embryonen einzufrieren. Auf dem Heimweg sagte er mir, er wisse nicht, was er nun denken und fühlen solle und dass das, was ich getan hätte, schlimmer sei als fremdgehen. Ich saß neben ihm und habe nur geweint. Das Ganze war vor ca. drei Wochen.

    In den Tagen darauf hatten wir uns wieder zusammen gerissen, teils ging er dann doch recht liebevoll mit mir um. Vor einigen Tagen dann setzte nach Absetzen der Medikament eine starke Blutung mit Krämpfen ein. Die Blutung besteht immer noch, die Krämpfe sind weg aber ich hatte nun so starke Heulattacken bekommen, dass ich für einige Tage krankgeschrieben wurde. Ihm war nichtmal bekannt, dass durch starke Hormonschwankungen Depressionen hervorgerufen werden können und sein Verständnis ist gelinge gesagt eher mäßig ausgeprägt. Leider ist er ein Mann, der seine Konflikte mit sich selbst ausmacht und anderen Menschen keinen Einblick gewährt. Gleichzeitig habe ich ihm gesagt, dass nun das Ende meiner Leidensfähigkeit erreicht ist, ich keine weitere Behandlung mehr ertrage und dass ich mich selbst schützen muss. Weiter bezweifle ich, dass ich eine so gute und aufopferungsvolle Mutter sein könne, wie es die Gesellschaft fordert und wie es ein Kind verdient hat. Ja, ich liebe meine Freiheit, Fremdbestimmung lässt mich zum Tiger im Käfig werden, der alles angreift, was sich ihm nähert. Ich trainiere viel und liebe meinen Körper wie er ist und die Vorstellung, irgendwie "bewohnt" zu werden ist mindestens befremdlich ebenso wie die ständige Einmischung Fremder. Eine Schwangere und Mutter scheint nicht mehr sich selbst zu gehören sondern der Gesellschaft, dies ist für mich eine geradezu unerträgliche Vorstellung. Ich würde selbstverständlich zurückstecken müssen, da er viel mehr verdient als ich und ich als Beamtin natürlich deutlich besser eine Auszeit nehmen / Teilzeit arbeiten kann als er.

    Nun weiß ich nicht, was ich tun soll. Soll ich warten, bis sich die Hormone beruhigt haben, soll ich es ihm zuliebe dennoch tun, habe ich ein Recht auf Verständis von seiner Seite oder bin ich tatsächlich die Verräterin, die ihn seines Traumes beraubt? Ich muss dazu sagen, dass er das einzige Kind seiner Eltern ist und dies auf für sie die letzte Chance auf ein Enkelkind ist.

    Es tut mir leid wegen des langen Textes, aber ich wollte für die Beurteilung der Lage zumindest die wesentlichen Informationen liefern.

    Vielen Dank für´s Lesen,

    Wings

  2. Avatar von brighid
    Registriert seit
    16.12.2007
    Beiträge
    61.126

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    die meisten kinderwunschkliniken haben entweder eigene psychologen oder können adressen vermitteln, die sich mit dieser thematik, verletzungen, ängsten und ......................................... gut auskennen.

    ich möchte dir raten: begebt euch in professionelle hände und nimm das forum hier vielleicht als back-up- wenn überhaupt.

    ich glaube, es ist zeit, dass ihr, mit moderations-hilfe, miteinander redet und mehr über den andern lernt und wahrnehmt.

    ich bin mir sicher, nach deiner schilderung, dass er davon (es nach aussen tragen) nicht begeistert sein wird- aber dann fange es für dich an. vielleicht kommt er ja dann doch irgendwann mit.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  3. Registriert seit
    05.07.2018
    Beiträge
    8

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Hallo Brighid,

    du hast natürlich Recht, dass es wahrscheinlich gut wäre, wenn wir professionelle Beratung in Anspruch nehmen würden. Vielleicht tatsächlich erst einmal ich und dann wir beide. Es würde natürlich nur dann Sinn machen, wenn er auch dahinter steht und nicht nur mir zuliebe mitkommt.

    Leider ist er ein Mann, der nicht viel redet. Nicht mit mir und auch mit sonst niemandem, er hat z.B. keine Freunde, denen er soetwas anvertrauen könnte. Er ist ja immer der starke und erfolgreiche Macher, der sich nach außen keine Schwäche erlauben kann und auch bei anderen Personen keine duldet.
    Ich würde gerne mit ihm reden, aber er blockt immer wieder ab.
    Sprüche wie "nicht jetzt - bitte keine Problemgespräche - können wir später darüber reden - nicht noch mehr Druck, ich habe eh schon so viel Druck..." sind leider Alltag.
    Auf der anderen Seite ist er mir gegenüber manchmal eine regelrechte Mimose die sich alles zu Herzen nimmt und Anmerkungen meinerseits sofort als Vorwurf auffasst. Sogar Blicke werden als Vorwurf interpretiert...

  4. Moderation Avatar von Margali62
    Registriert seit
    22.12.2004
    Beiträge
    12.059

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Alfred, ich möchte gerne mit dir morgen Abend reden, bitte nimm dir nichts vor. Es ist wichtig.


    Zitat Ja, ich liebe meine Freiheit, Fremdbestimmung lässt mich zum Tiger im Käfig werden, der alles angreift, was sich ihm nähert. Ich trainiere viel und liebe meinen Körper wie er ist und die Vorstellung, irgendwie "bewohnt" zu werden ist mindestens befremdlich ebenso wie die ständige Einmischung Fremder. Das MUSS er wissen, dass du so denkst. Da läuft doch grundsätzlich was aus dem Ruder.
    Moderatorin im Forum

    Trennung und Scheidung,
    Kredite, Schulden und Privatinsolvenz,
    Über das Kennenlernen
    Reine Familiensache

  5. Moderation Avatar von Margali62
    Registriert seit
    22.12.2004
    Beiträge
    12.059

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Wäre eine Adoption für euch eine Option?
    Moderatorin im Forum

    Trennung und Scheidung,
    Kredite, Schulden und Privatinsolvenz,
    Über das Kennenlernen
    Reine Familiensache


  6. Registriert seit
    05.07.2018
    Beiträge
    8

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Nein, mit dem Gedanken an eine Adoption kann ich mich nicht anfreunden. Irgendwie möchte ich dann doch, dass das Kind wenigstens mit einem von uns beiden blutsverwandt ist, außerdem sind wir sowieso schon zu alt.
    Es wäre ihm auch sehr schwer zu vermitteln, ein fremdes Kind zu sich zu holen, wenn doch noch Kryo-Embryonen bester Qualität und mit seinen Genen auf Eis liegen und sich das "dumme Weibchen" nur dem Einsetzen verweigert!

  7. Moderation Avatar von maryquitecontrary
    Registriert seit
    03.04.2003
    Beiträge
    6.405

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Abgesehen von dieser Fragestellung, wie sprecht ihr sonst miteinander, wie gut kennt ihr euch, wie geht ihr mit Unterschieden und Konflikten um?
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"


  8. Registriert seit
    05.07.2018
    Beiträge
    8

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Ich glaube, dass wir insgesamt zu wenig miteinander sprechen, weil wie oben schon erwähnt, gerne abblockt und ich ihn nicht noch zusätzlich nerven will.

    Manchmal weiß ich nicht, wie gut ich ihn überhaupt kenne. Ich habe mal zu ihm gesagt, dass er für mich manchmal eine Blackbox ist mit Teflon-Oberfläche, dass ich nicht wüsste, was in ihm vorgeht und er es mir leider nicht mitteilen möchte.
    Ich teile mich mit und manchmal denke ich, dass er damit überfordert ist, wenn ich starke Emotionen zeige, gerade, wenn sie nicht nur positiv sind.

    Wenn wir Konflikte haben, versuchen wir, diese auf rationale Weise zu lösen, was meist auch ganz gut funktioniert. Er ist sehr lösungsorientiert, vor einem emotionalen Ansatz scheint er sich regelrecht zu fürchten (er ist Naturwissenschaftler). Auf der anderen Seite haben mir Leute erzählt, die ihn schon seit Schulzeiten kennen, dass er eigentlich ein sehr sensibler und auch gefühlvoller Kerl ist, der anscheinend nun eine Wand aufgebaut hat, damit er dem Bild des harten Mannes entspricht. Auch sei ich die erste Frau, die ihm überhaupt die Stirn bietet, die Damen davor hätten sich entweder komplett angepasst oder hätten sich nie tiefer auf ihn eingelassen, da er nunmal ein schwieriger Mensch sei.

    Manchmal lässt sich der gefühlvolle Mann auch bei mir blicken, wenn er z.B. aufeinmal extrem kuschelbedürftig und anhänglich wird.

  9. Avatar von Wolkenschaf3
    Registriert seit
    21.04.2015
    Beiträge
    5.544

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Ich habe ein Kind aus einer künstlichen Befruchtung, aber eine Eizellspände hätte ich mir nie vorstellen können, weil es gefühlt nicht 100% mein Kind gewesen wäre. Es wäre mir deutliche schwerer gefallen, Schwangerschaft, berufliche Nachteile etc. auf mich zu nehmen. Und ich hätte es mir auch schwierig vorgestellt zu wissen das das Kind genetisch nicht meins ist aber seins schon.Bist du der sicher das es am Verlust der Freiheit liegt oder kommst du mit der Eizellspende nicht klar.

  10. Moderation
    Registriert seit
    09.09.2003
    Beiträge
    6.409

    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Liebe Wings
    ihr seid seit viereinhalb Jahren zusammen und seit drei Jahren in der "Kinderwunschhölle". Und das, obwohl du eigentlich gar keinen tief sitzenden Kinderwunsch hast. Ich finde, dein Mann bürdet dir sehr viel Verantwortung auf, wenn du quasi auf den letzten Drücker noch seinen Kinderwunsch erfüllen sollst. Als ihr zusammen kamt, war er Mitte vierzig - ich frage mich, wo dieser starke Kinderwunsch in den zwanzig Jahren davor war, zumal er sich ja offenbar mit den Nebenwirkungen einer Schwangerschaft (ja, auch da können die Hormone Achterbahn fahren!) nie auseinander gesetzt hat? Ist er sich überhaupt bewusst, dass kleine Kinder explodierende Bündel aus Irrationalität sind?

    Du bist nicht zu alt, um Kinder zu bekommen, und ich glaube durchaus, dass sich die tiefe Liebe zu einem Kind auch dann entwickeln kann, wenn kein dringlicher Kinderwunsch vorhanden war. Aber hier liegt so viel schief. Komm erstmal runter. Zeitlich seid ihr doch jetzt eigentlich aus dem Schneider. Sag ihm, dass es dir nicht gut geht und dass du erstens Zeit brauchst und zweitens mit ihm sprechen möchtest, sobald du wieder Boden unter den Füßen hast. Rein rational kann man sehr gut über Hormone sprechen.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

Thema geschlossen
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •