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  1. Avatar von Aen
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    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Hi Wings,

    ich hoffe, ich trete Dir nicht zu nahe, wenn ich Dir kurz da lasse, was mich ehrlich irritiert.

    Du beschreibst Dich, nach allem, was Du über Dich zu wissen scheinst, als jemand mit einem ausgeprägten Frühwarnsystem für jede Art von Fremdbestimmung - und Abwehrreaktionen, wo sie für Dich bedrohlich zu werden beginnt. Dass das ein Hauptwesenszug von Dir ist, kann Deinem Mann in den Jahren eures Zusammenseins (auch im Umgang mit Freunden und Familie usw.) kaum verborgen geblieben sein. Jedenfalls dann nicht, wenn Du das Bild, das Du hier in knappen Strichen von Dir zeichnest, auch lebst.

    Wie konnte Dein Mann unter diesen Vorzeichen auf die Idee kommen, eine Eizellenspende wie überhaupt eine mit erheblichem Aufwand unter Fremdeinwirkung auf den Weg gebrachte Schwangerschaft "ginge" für Dich ... für euch? Wie kommt dieses grandiose Missverständnis zustande und weshalb überdauerte es "vier ICSIs und eine abgebrochene Eizellenspende"?

    Gruß,
    Aen
    Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow

  2. Avatar von brighid
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    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    ich war jetzt ein paar stunden offline.

    wie willst du denn überhaupt eine ehe, eine beziehung, ein kind aufziehen wenn er nicht reden kann?


    ich glaube deine zweifel beziehen sich eher auf sein konflikt-verhalten als auf die eigentliche kinderfrage.

    wenn er nicht reden will- hast du zwei möglichkeiten: lasse dich auf SEINE wünsche ein und bleibe dann letztendlich emotional gesehen eine alleinerziehende- verheiratete mutter. oder sage ihm: so nicht!
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  3. Registriert seit
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    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    @jubidu
    ich habe durchaus die Tendenz, sehr viel für die Personen, die mir wichtig sind, zu tun. Dies sind nur sehr wenige Menschen, aber wenn ich jemanden liebe, dann von ganzem Herzen und bin so auch bereit, so viel wie mir möglich ist, zu tun, um diese Menschen glücklich zu sehen. Möglicherweise wäre ich bei einem Kind so ähnlich und würde mir dann ein beständiges schlechtes Gewissen machen, wenn ich damit anfangen würde, mich aus Selbstschutz abzugrenzen.

    Ich schrieb in einem anderen Post, dass ich gerade das Aufgabengebiet in meinem Job gewechselt hatte. Ich habe mir auch hier wieder ein Stück Freiheit zurück geholt, das ich die letzten drei Jahre aufgegeben hatte zugunsten beziehungs- und evtl. familienfreundlicheren Arbeitszeiten und Bedingungen. Der Preis den ich dafür bezahlt hatte, war Langeweile und das Gefühl, auf den Abstellgleis zu landen. Zum Glück war diese Entscheidung reversibel, jetzt bin ich beruflich wieder glücklich und meine Lebenszufriedenheit ist deutlich gestiegen. Selbstverständlich bin ich nun nicht versessen darauf, dies wieder aufzugeben und sei es nur für eine Weile. Teilzeit arbeiten ginge zwar recht gut, allerdings würde ich dann zwangsläufig in eine Teil-Abhängigkeit von meinem Mann hineinrutschen, die ich hassen würde.

    Ich hätte auch hier von Anfang an auf mich selbst hören sollen und nicht dem Drängen anderer Personen (hier: frische Beziehung) nachgeben sollen. Meine beste Freundin sagt schon seit Jahren zu mir, sie erkenne mich nicht wieder, ich sei noch nie so angepasst gewesen, das sei doch überhaupt nicht meine Art. Recht hat sie!

    Und ja, auch mein Mann hätte die Aufgabe, mal in sich zu gehen und sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Vielleicht tut er es ja sogar, aber er teilt sich mir leider nicht mit. Es ist allgemein so, dass er sich kaum für Dinge entschuldigt, die er getan hat, ich merke es allerhöchstens in einer Verhaltensänderung Tage später oder in besonderer Zuwendung, aber ein "es tut mir leid" kommt ihm wohl nur unter großen Schmerzen über die Lippen.

    @Aen

    Wie er auf die Idee kommen konnte, dass diese Behandlungen für mich ein Weg wären? Ich glaube, ich habe mir selbst und damit ihm in dieser Hinsicht etwas vorgemacht in der ersten Beziehungseuphorie, später wurde es zum Selbstläufer. Und weil ich grundsätzlich auch daran glaube, dass man sich nicht einfach hinstellt und sagt "schade, geht nicht" und sich in eine Ecke verkriecht, sondern Wege findet, doch noch zum Ziel zu kommen. Ich habe das Ganze erstmal als Herausforderung begriffen und war darauf versessen, es so leicht wie möglich aussehen zu lassen: ja klar, kein Problem, ich gehe immer alleine zum Arzt, stehe sofort nach der Narkose auf, einen Tag nach den Fehlgeburten wieder im Büro etc...nun, hier hatte ich wohl ohne es selbst zu merken Grenzen überschritten, die mir erst viel später auf die Füße gefallen sind.

    @Brighid

    Die Frage bezieht sich auch mit auf sein Konfliktverhalten. Ich darf z.B. ja nicht einmal ansprechen, was wir tun würden, wenn das Kind trotz aller Diagnostik krank oder behindert wäre oder dies im Laufe der Kindheit werden würde. Da heißt es nur "das ergibt sich dann schon, das ist doch soooo selten". Nun, warum kenne ich dann gleich mehrere solche Fälle? Er hat noch nie einen anderen Menschen gepflegt, ich kenne mich damit besser aus (kranke Oma mit im Haus, in den Schulferien im Krankenhaus gearbeitet) und weiß, welche Belastungen da auf einen zukommen. Es geht nicht darum, solche worst-case-Szenarien auszubreiten, sondern darum, dies überhaupt andenken zu dürfen. Ich weiß auch, wer in einem solchen Fall die Hauptlast zu tragen hätte.

    Ich glaube, das Reden und Konfliktverhalten hat er nie gelernt: er ist im Prinzip ohne Vater aufgewachsen, seine Mutter war immer Vollzeit berufstätig, um einen gewissen Lebensstandard halten zu können. Der Vater war nämlich nicht nur körperlich abwesend sondern auch finanziell. Die Beziehungen davor haben ihn nie zum Reden gezwungen, da bin ich wohl die erste, die in dieser Hinsicht Forderungen stellt. Er hatte wohl lt. Aussage seiner alten Freunde, immer den Traum, mal ein besserer Vater zu werden und auch wohl die Vorstellung, dass eine Mutter besser die ersten Jahre maximal Teilzeit arbeitet um so mehr Zeit für das Kind zu haben. Ich weiß durch meine AuPair Tätigkeit, dass mir der geistige Input, den Kinder zu bieten haben, nicht reicht. Ich war jedesmal froh, wenn ich abends trotz großer Müdigkeit noch in den Sprachkurs ging, einfach, um mal über erwachsene Themen sprechen zu können und mich normal unterhalten zu können.

  4. Avatar von Aen
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    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Zitat Zitat von Wings Beitrag anzeigen

    @Aen

    Wie er auf die Idee kommen konnte, dass diese Behandlungen für mich ein Weg wären? Ich glaube, ich habe mir selbst und damit ihm in dieser Hinsicht etwas vorgemacht in der ersten Beziehungseuphorie, später wurde es zum Selbstläufer.
    Das finde ich eine wichtige Erkenntnis. Weil dann schlagartig klar wird, dass es sich nicht lohnt, beseelt bei der Schuldfrage (Wer hat wen "besser" nicht sehen und verstehen wollen?) rumzupuzzeln. Ihr habt da offenbar beide einen Film an die Wand geworfen, der alles Mögliche darstellen mag, nur nicht euch.

    Was bleibt, wenn ihr nun ohne dieses verbindende Missverständnis weiterkommen müsst, wird sich zeigen. Sowieso.


    Ich glaube, das Reden und Konfliktverhalten hat er nie gelernt:
    Du denn? Falls Du hier spontan ein beherztes Ja setzen möchtest ...

    er ist im Prinzip ohne Vater aufgewachsen, seine Mutter war immer Vollzeit berufstätig, um einen gewissen Lebensstandard halten zu können. Der Vater war nämlich nicht nur körperlich abwesend sondern auch finanziell. Die Beziehungen davor haben ihn nie zum Reden gezwungen, da bin ich wohl die erste, die in dieser Hinsicht Forderungen stellt. Er hatte wohl lt. Aussage seiner alten Freunde, immer den Traum, mal ein besserer Vater zu werden und auch wohl die Vorstellung, dass eine Mutter besser die ersten Jahre maximal Teilzeit arbeitet um so mehr Zeit für das Kind zu haben. Ich weiß durch meine AuPair Tätigkeit, dass mir der geistige Input, den Kinder zu bieten haben, nicht reicht. Ich war jedesmal froh, wenn ich abends trotz großer Müdigkeit noch in den Sprachkurs ging, einfach, um mal über erwachsene Themen sprechen zu können und mich normal unterhalten zu können.
    Warum zum Schinder weiß er das dann noch nicht über Dich?!

    Gruß,
    Aen
    Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow


  5. Registriert seit
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    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    Hallo Wings,

    schwierige Situation, in der du dich befindest. Es ist ja schon viel diskutiert und geschrieben wurden, ich will dir nur noch mal dalassen, was mich als Außenstehende total irritiert hat beim Lesen deines Posts, das waren 2 Sachen:

    - du schreibst im Eingangsposting, dass du bereits, als Ihr Euch kennengelernt hast, eher zu einem "nein" in der Kinderfrage tendiert hast, er dich aber trotzdem wollte. In dem Satz direkt danach schreibst du, dass du seit 3 Jahren in der Kinderwunschhölle bist. Ui. Was ist denn dazwischen passiert? Zwischen einem "Nein" zum Kinderwunsch (ok, es war kein 100% nein, aber ein relativ klares) und 3 Jahren Kiwu-Behandlung mit 4 ICSI liegt für mich eine so große Kluft, dass ich es tatsächlich mehrfach lesen musste, um es zu verstehen. Woher kam dieser abrupte Umschwung bei dir? Habt Ihr das gemeinsam entschieden? Es ging ja relativ schnell dann in die Kiwu, oder? Hast du dich breitschlagen lassen? Wie hast du überhaupt 4 ICSI durchgehalten, wenn du kein Kind wolltest? Das ist für mich sehr schwer verständlich, ich habe auch einige ICSIs hinter mir, das ist ja nun wirklich kein Spaziergang. Wie viel von deiner Verzweiflung hast du nach außen kommuniziert? Wusste dein Partner, wie ambivalent du dazu stehst und wollte das trotzdem durchziehen? Lauter Fragen

    - das nächste, was ich schwierig nachzuvollziehen finde, ist dann dein aus meiner Sicht ebenso abrupter Wechsel in die andere Richtung: Du hast 4 ICSI "mitgemacht", Ihr habt Euch für eine EZ-Spende entschieden, und in allerletzter Sekunde entscheidest du dich dagegen. Versteh mich nicht falsch, das ist dein absolut gutes Recht!! Für mich wäre das übrigens wohl auch die Grenze gewesen, ich kann dich da also durchaus verstehen. Nichtsdestotrotz wäre ich an Stelle deines Mannes wohl auch etwas, gelinde gesagt, irritiert gewesen. Je nachdem, wie die Kommunikation vorher abgelaufen ist, kann ich sogar die Aussage verstehen, das wäre schlimmer als Fremdgehen. Ich sage es mal bewusst überspitzt - du hast mit Deinen Taten und offenbar auch mit Worten eindeutig kommuniziert, dass du ein Kind möchtest und bereit bist dafür große Opfer zu bringen. Und er hat das, vielleicht auch etwas bequem, nicht hinterfragt. Woher kam bei dir dieser erneute abrupte Umschwung bzw. diese Kluft zwischen deinen Wünschen und dem, was du gemacht hast?

    Alles Gute wünsche ich!
    C.


  6. Registriert seit
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    AW: Vier ICSIs, eine abgebrochene Eizellenspende und nun starke Zweifel und Konflikte

    @ Aen

    Dass mir der geistige Input durch Kinder nicht reicht, weiß er, ich habe ihm von meinen Erfahrungen erzählt. Allerdings glaubt er, dass man sich ja im Zweifelsfall selbst fortbilden könne, wenn einem langweilig wäre. Selbstverständlich fallen mir jede Menge Dinge (und eines besonders) ein, was ich noch lernen wollte, allerdings glaube ich, dass das nur bei einem sogen. "Anfängerbaby" möglich wäre. Je nach Persönlichkeit des Kindes ist man doch so ausgelaugt, dass man nur noch versucht, den Tag zu überstehen, für ernsthafte Konzentration bleibt da nicht mehr viel übrig. Er glaubt aber sowieso, dass Babys (fast) nur schlafen. Zumindest sein kleiner Prinz oder Prinzessin
    Außerdem glaubt er, dass die Hormone es dann schon richten und ich dann meine Prioritäten gerne neu ordne. Naja, mir fehlt in dieser Hinsicht der Glaube...

    @Convallaria

    Ja, wir hatten 1,5 Jahre nach dem Kennenlernen mit den Behandlungen angefangen. Wie ich in einem vorherigen Post schrieb, war es wohl auch die anfängliche Beziehungseuphorie und der Gedanke "wenn überhaupt ein Kind, dann mit ihm". Die negativen Aspekte hatte ich verdrängt, er war ja auch so optimistisch und hat mich mitgerissen. Und wie es manchmal so ist, verselbständigen sich die Dinge dann. Wir sind beides keine Menschen, die schnell aufgeben und ich gerate manchmal in diese "das muss doch klappen, vielleicht habe ich mich nur noch nicht genug angestrengt"-Schiene. Außerdem: warum soll ausgerechnet mir das nicht gelingen, was doch anscheinend jeder Tussi spielend gelingt. Selbstverständlich ist es Quatsch, aber ich hatte diese Gedankengänge.
    Körperliche Probleme hatte ich die ersten vier Mal (Antagonistenprotokoll) nicht, auch die Narkosen hatte ich problemlos vertragen. Viel von dem, was in mir vorging, hatte ich nicht nach außen getragen, denn ich hatte das Gefühl, er versteht das sowieso nicht. Mir wurde von ihm auch signalisiert, mich nicht so anzustellen bzw. mir nicht so viele Gedanken zu machen, man könne doch jetzt eh nichts machen. Wie stark meine Ambivalenz war, hat er wohl nicht mitbekommen bzw. er wollte es nicht wissen.
    Der Hammer kam erst bei der Eizellenspende und der Downregulierung durch die Depotspritze.

    Die plötzliche Entscheidung dagegen war keine wirklich bewusste Entscheidung. Da hat wohl meine Seele entschieden, dass das meine Grenze ist. Wenn man ohne darüber nachzudenken auf dem Weg in´s Hotel aufeinmal Heulkrämpfe bekommt und merkt, dass man das, was da passieren soll, so überhaupt nicht ertragen kann, sollte man darauf hören. Sonst könnte es zur Katastrophe kommen.
    Selbstverständlich gestehe ich ihm seine Enttäuschung zu und dass er denkt, ich hätte ihn getäuscht (zumindest in diesem Fall). Ich habe mich wohl eher selbst getäuscht in der Annahme, wie weit ich gehen könnte und es erst gemerkt, als es fast zu spät war. Er musste aber sehen, dass es mir sehr schlecht ging und in dieser Situation noch verbal "draufzuschlagen" und mich damit noch schuldiger fühlen zu lassen, war keine Glanzleistung. Später kam heraus, dass er mir Trennungsgedanken unterstellt hatte und da wäre ein Baby nunmal ein echtes Hindernis. Wir hatten uns kurz zuvor heftig gestritten, da er mir seit Jahren versprochen hatte, nicht mehr ganz so viel zu arbeiten und mehr Zeit mit mir zu verbringen, was er aber bis heute nicht umgesetzt hat. Teilweise ist eher das Gegenteil passiert und immer gab es dafür "Begründungen". Warum sollte dies mit einem Baby anders laufen, da muss "Mann" ja noch mehr Geld verdienen. Das ist, gelinde gesagt, Schwachsinn, da wir mehr als genug Geld haben und ich z.B. die Luxuswohnung nicht brauche und es ihm auch mehrmal gesagt habe.

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