Liebe …,
du weißt, dass es mich gab. Damals. Du hast mehr als einmal von mir erfahren. Du weißt, dass es in den Jahren vor mir andere Frauen in anderen Städten gab. Du hast um deinen Mann gekämpft. Mit allen Mitteln. Mit zahlreichen Drohungen, mit harten Diskussionen, mit Liebesentzug, vorübergehend mit dem teilweisen Einstellen der haushaltlichen Tätigkeiten für ihn, mit einer gemeinsamen Therapie. Du bist nicht einmal davor zurück geschreckt, eure Kinder in deinem Sinn mit deinem Mann reden zu lassen.
Was hat es dir gebracht? Nichts! Er hat sich nicht geändert. Er hat sich auch niemals von mir getrennt. Das weißt du natürlich nicht. Er hat so viele Freiheiten und ist so oft von zu Hause weg. Er kann machen, was er will und alles vor dir geheim halten. In Zeiten wo das Handy regiert, kann ein Mann seiner Frau sogar dann ein gutes Gefühl geben, wenn neben ihm eine andere im Bett liegt. Es gibt vielleicht nicht viele Männer, die so abgebrüht sind, dass sie am Abend ihre Frau ansäuseln, bevor sie Sex mit einer anderen haben. Dein Mann hat es getan. Mehrfach. Bevor oder nachdem wir Sex hatten. Du hattest das gute Gefühl, er liebt dich und liegt allein in seinem Hotelbett. Er hatte das gute Gefühl, seine Ruhe zu haben und dass du ihm keinen Stress machen wirst, weil er nach Hause kommt. Du wurdest schön dumm gehalten und ich habe mich immer wieder erschrocken, wie kalt und berechnend der Mann sein kann, in den ich mich verliebt hatte und den ich so anders kannte.
Dein Mann ist mit dir zum Therapeuten gegangen und mit mir ins Bett. Er hat mit dir Pläne gemacht und mir Liebeserklärungen. Er muss dir mit reumütigem Gesicht viele schöne Dinge gesagt haben. Das hat er mit mir ebenso gemacht. Aber eine Verhaltensänderung hat es bei ihm nicht gegeben. Du hast bestimmt gehofft, er ist dir nach all den Jahren des Streunens wieder treu. Ich weiß, du hast dir extrem viel Mühe um ihn gegeben. In jeder Hinsicht. Nicht nur im Bett. Er hat es mir erzählt wie du dich um ihn und eure Ehe bemühst.
Ich hatte gehofft, dein Mann lernt hinzu, hört in sich hinein und bringt sein Liebesleben endlich auf die Reihe. Dein Mann hat öfter beklagt, was ihm bei dir fehlt. Allein über dein Aussehen hat er kein böses Wort verloren. Man könnte meinen, du und ich zusammen wären die perfekte Frau für ihn. Ich glaube das aber nicht. Er ist rastlos und was ihm eigentlich fehlt, das fehlt nicht bei dir oder bei mir. Es fehlt in ihm drin. Er wird es immer suchen und als Spiegel für sich selbst immer wieder andere Frauen und den Sex mit ihnen benutzen.
Ich habe deinem Mann gesagt, er soll nachdenken und sein Leben endlich auf die Reihe bekommen. Nichts hat dein Mann auf die Reihe bekommen. Ich habe vor 20 Monaten die Entscheidung getroffen, sein Gependel zwischen dir und mir nicht mehr mitzumachen. Sein Gejaule war groß und ein wenig habe ich gehofft, er hält endlich inne, denkt nach und bewegt etwas in seinem Leben. Er hat zunächst beschlossen, nun, da es mich nicht mehr gibt, es noch einmal mit dir zu versuchen.
Wir hatten keinen Kontakt mehr. Ich wollte keinen Kontakt mehr. Nicht so wie bisher. Niemals wieder.
Es hat funktioniert. Bis an Ostern. Dein Mann hat sich wieder bei mir gemeldet und wollte mich unbedingt wiedersehen. Ich dachte, er hat eine Entscheidung getroffen.
Nein, das hatte er nicht. Ich hatte im gefehlt. In angetrunkenem Zustand hat er mir gestanden, dass er sich in der Zeit ohne mich mit anderen getröstet hat. Er hat sogar von euerem gemeinsamen Vermögen in Damen des horizontalen Gewerbes investiert.
Du weißt davon natürlich nichts. Du schwebst wahrscheinlich auf deiner Insel der Glückseligen und meinst, deine Ehe gerettet zu haben. Dein Mann verbringt die meisten Nächte der Woche ohne dich. Bist du froh darum? Hast du dir eine Scheinwelt aufgebaut? Denkst du dir deine Ehe schön? Merkst du wirklich nicht, wie weit weg dein Mann von dir ist?
Du musst keine Angst mehr haben! Ich werde dir deinen Mann nie wieder streitig machen! Ich habe ihm an Pfingsten wieder den Laufpass gegeben. Dieses Mal endgültig! Was er mit dir macht, zeigt mir, was er mit mir machen würde. Nein danke. Darauf möchte ich gerne verzichten!
Außerdem hat sich eine neue Liebe auf leisen Sohlen in mein Leben geschlichen. Ein Mann, den ich schon länger kannte. Ein Freund, der mehr als das wurde. Im Moment suchen wir eine gemeinsame Wohnung und ich fühle mich glücklich, geliebt und geborgen.
Dein Mann jongliert nur mit den Frauen in seinem Leben. Er weiß mit den Worten Liebe und Mitgefühl nichts anzufangen. Er kennt nur ein Wort. Das ist das kleine Wort ICH. Er schubst die Frauen in seinem Leben um sein Ich herum.
Du lässt dich immer noch schubsen und fällst auf die Ammenmärchen herein, die er dir erzählt. Oder du wirst einfach zu gut von ihm bezahlt, als dass du den Posten als offizielle Ehefrau aufgeben möchtest. Manche leben halt lieber im goldenen Käfig als fliegen zu lernen und glücklich zu sein. Glücklich bist du nämlich nicht. Die Mutter einer Klassenkameradin deiner Tochter ist eine Freundin von mir. Sie kennt dich von den Elternabenden. Sie hat mir von dir erzählt. Pass auf dich auf.
Auf deinen Mann kannst du nicht aufpassen. Er ist zügellos und lebt zügellos und du wirst es nicht schaffen, ihn an die Leine zu legen. Mit allem, was du ihm schon hast durchgehen lassen, weiß er, dass er immer wieder davon kommt. Er hat das sogar rühmlich bei mir erwähnt. Wie sehr du ihn liebst und dass du ihm jeden Fehltritt verzeihst. Das Lächeln in seinem Gesicht bei diesen Worten war das eines stolzen Katers, der soeben ein Schälchen Sahne ausgeschleckt hat. Ich fand es widerwärtig.
Mit tut die Vergangenheit immer noch ein bisschen weh. Es gab Zeiten, da habe ich deinen Mann sehr geliebt. Bis ich sein zweites Gesicht gesehen habe. Er hat es mir durch den Umgang mit dir gezeigt. Es war trotz all seinem Charme das Gesicht eines Dämons. Jetzt ist dein Mann Geschichte und meine neue Liebe liegt wie ein heilendes Pflaster über den alten Wunden. Ein Alptraum ist vorüber und die Sonne scheint wieder.
Ich wünsche dir für dein weiteres Leben alles Gute. Pass auf dich auf!
M.
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Ergebnis 1 bis 10 von 179
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21.09.2008, 10:39
Abschiedsbrief an eine Betrogene
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21.09.2008, 10:55Inaktiver User
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
ich nehme mal an, du wolltest dich erleichtern, und schickst den brief NICHT ab?
Zitat von Mistral6908
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21.09.2008, 11:02
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Wer weiß. Der Mistral ist ein kalter, unangenehmer Wind...
Zitat von Inaktiver User
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21.09.2008, 11:30
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Sehr interessant .. nun würd mich jetzt mal der Brief der Betrogenen an die Geliebte interessieren.
So dumm wie du sie einschätzst sind Ehefrauen in der Regel nicht .. du hast einen Ausschnitt aus seinem Leben gesehen. Vielleicht kennt die Ehefrau ja auch die Schattenseiten dieses Mannes.
Und sie liebt ihn trotzdem .. keine Ahnung. Es hat aber lange gedauert bis du erkannt hast .. das sein Problem nicht seine Ehe oder seine Frau ist .. sondern das es ein Problem ist das er mit sich hat.
Manchmal würden rechtzeitige Gespräche zwischen allen Beteiligten helfen.
Meine Meinung ...
Ich mag auch gerade die Bücher ... die alle drei Seiten zeigen.
Da gibt es mehrere in Romanform.
Anna Dilon hat eines geschrieben und dann gibt es nochmal eines aus England Ich, Er und Sie.
Immer aus dem Blickwinkel aller Beteiligten geschrieben. Sehr interessant.
Das Glück ... ist ein Mosaik bestehend aus lauter unscheinbaren,
kleinen Freuden.
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21.09.2008, 11:31
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Nein, ich schicke den Brief gewiss nicht an seine Frau ab! Ich habe ihn hier abgeschickt. Das langt. Ich habe ihn sowieso mehr für mich geschrieben und als Warnung an andere Geliebte und Betrogene.
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21.09.2008, 11:33
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Zitat von Mistral6908
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21.09.2008, 11:38
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Warum nicht .. weil er eigentlich nicht gut gemeint ist gegenüber seiner Frau .. sondern einfach nur als Entlastung für deine eigene Enttäuschung dient.
Nix für ungut.
Normalerweise kannst den gerne abschicken .. er würde nicht mal was ändern. Ich denke die Frau würd nicht mal aus allen Wolken fallen.Das Glück ... ist ein Mosaik bestehend aus lauter unscheinbaren,
kleinen Freuden.
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21.09.2008, 11:52
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Sie ist vielleicht nicht dumm und wird nur dumm gehalten. Oder sie ist blind und will blind sein. Was weiß ich. Es ist ihr Leben.
Zitat von Brenda
Ich möchte keinen Mann wie ihren. Der das Blaue vom Himmel herunter lügt um fein da zu stehen. Der vom Bett aus, das er mit einer anderen teilt, das Handy als Taktstock für seine Frau benutzt.
Der seine Frau braucht, damit sie ihm den Rücken frei hält, während er am Tag berufliche Erfolge feiert und sich nachts mit anderen Frauen vergnügt.
Der seiner Frau einen Neuanfang um den anderen verspricht, während er an seinem Leben nichts ändert, außer mit seinen Heimlichtuereien und Ruhigstellmethoden immer perfider zu werden.
Der lobend erwähnt, wie sich seine Frau um ihn und die Ehe bemüht, was ihm eine gewisse Stressfreiheit garantiert, während er die Abende und ganze Nächte regelmäßig gewissenlos mit anderen Frauen verbringt.
Der weiß, welcher Frau er was erzählen muss, damit sie ihm gefügig bleibt und er sich bequem mit maximalem Nutzen und Spaß für sich selbst durch sein Lügenleben schlängeln kann.
Der ein Mehrfaches dessen, was er für die Geburtstagsgeschenke für seine Frau ausgibt, in Geschenke für seine Geliebte oder in bezahlte Liebesdienerinnen investiert.
Der sich lächelnd damit brüstet, wo er Liebesbriefe, Geschenke von seiner Geliebten und am Wochenende sein 2. Handy vor seiner Frau versteckt, wo sie keine Chance hat, etwas zu finden.
Der seiner Frau regelmäßig Kurzreisen mit der Geliebten als Firmentagung oder andere Businesstermine verkauft und seine Sekretärinnen einweiht, damit seine Frau keine Chance hat, die Wahrheit zu erfahren.
Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Am Anfang verzeiht man als Geliebte einem Mann so etwas. Aber nur am Anfang. Wenn man merkt, er will gar nichts an seinem Leben ändern, weil es so am schönsten für ihn ist, sinkt sein Stern sehr schnell. Es kommt der Tag, wo man so einen Mann anschaut und nur noch Widerwillen und Verachtung für diesen Menschen spürt. Wo man nicht mehr auf seinen Charme und seine Ausreden mit Dackelblick und Tränchen in den Augen reinfällt. Wo man ihn als das sieht, was er ist. Ein elendiger Wurm und Parasit.
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21.09.2008, 12:00
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Tut aber trotzdem aua .... auch nur benutzt worden zu sein.
Ja das sind Männer die ihre Umwelt manipulieren. Richtig erkannt Mistral. Aber das liegt an ihm .. und seinem Charakter.
Es kommt trotzdem sehr viel Enttäuschung rüber .. aus deinen Zeilen.
Ich kann es nicht als Warnung oder als Mitgefühl für die Betrogene lesen.
Tut mir leid.
Sei froh das du dieses Muster erkannt hast .. aber du wurdest auch benutzt .. das war die Taktik von ihm dich zu halten. Dir eine Wichtigkeit zu geben ... wichtiger als seine Frau.
Weisst du wie er sich daheim verhalten hat .. was er über dich erzählt hat.
Da wiederholt sich das Ganze in umgekehrter Form.. sie erzählen .. wie nervig die Geliebte ist .. das sie klammert und haben dann sogar noch das Mitgefühl der Frau.
Also werden beide Seiten benutzt .... bis jemand aussteigt. Er wird niemals aussteigen .. solange er mit seinem Charme noch Frauen rumkriegen kann.
Und das funktioniert ... lange .. lange.Das Glück ... ist ein Mosaik bestehend aus lauter unscheinbaren,
kleinen Freuden.
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21.09.2008, 12:01
AW: Abschiedsbrief an eine Betrogene
Du bist irgendwie seltsam drauf und ich habe nie daran gedacht, ihr den Brief zu schicken. Sowieso, selbst wenn sie ihn hier lesen sollte, obwohl sie es mit dem Internet nicht so hat, wird sie nicht glauben, dass ausgerechnet ihr Mann so einer ist. Bei ihr tut er sehr lieb und brav. Ich habe es öfter miterlebt als mir lieb war. Er hat zwei Gesichter.
Zitat von Brenda
Es ist nicht meine Pflicht, der Frau die Wahrheit zu sagen. Eine Wahrheit, die sie seit Jahren sowieso nicht sehen will. Sie weiß genug, um sich, wenn sie klug genug ist, denken zu können, dass ihr Mann ein falscher Fuffzger ist.
So ist das Leben. Die einen lassen sich für dumm verkaufen und träumen ihr Leben, die anderen sehen genau hin, ziehen Konsequenzen und leben ihre Träume.


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