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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Von wem hast du das erfahren ? Von ihm selbst oder von einer anderen Person ?

    Wie steht er zu seiner Tat ? Das wäre für mich mal der erste Ansatz.....

    Gruß Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Puh - schwierig.

    Ich wüsste konkret nicht, was ich machen würde. Vermutlich Schluss machen.

    Das Problem für mich wäre hier auch das fehlende Vertrauen, dass er nichts von sich aus erzählt hat. Damit könnten seine Erklärungen auf deine Fragen auch gelogen sein.

    Selbst wenn er ehrlich antwortet - er hat etwas gravierendes getan. Damit kann ich vermutlich gar nicht umgehen.

    Die Frage ist jetzt: was wäre dein nächster Schritt?

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Zitat Zitat von tinamare Beitrag anzeigen
    Es ist alles kompliziert und wie meistens im Leben nicht schwarz und weiß.
    Nachdem ich jetzt einfach mal davon ausgehe, dass Du über die Hintergründe Bescheid weißt, würde mich eher Deine eigene Einschätzung interessieren.

    Und Du hättest keine Befürchtungen wegen der Anonymität?
    Denn würdest Du die Geschichte verfälscht wiedergeben, dann würde Dir die Einschätzung hier nicht sehr viel nützen.

    Schwierig bzw. heikel, finde ich.

    PS
    Warum postest Du unter "Um den Partner kämpfen"?

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Hallo zusammen,

    erst mal ganz vielen Dank für eure schnellen Antworten (diese „Reinversetzen“ war das, was mich in der BriCom schon immer angesprochen hat). Davon ermutigt werde ich jetzt einfach mal ein bisschen erzählen …

    Ich bin 42, alleinerziehend und habe zwei Kinder. Er ist ein Jahr älter und in derselben Situation, nur mit drei Kindern. Wir kennen uns seit gut einem Jahr, leben aber ungefähr 100 km auseinander. Am Anfang haben wir uns relativ selten gesehen (Arbeit und Kinder-Rhythmus machen etwas Organisationstalent notwendig), inzwischen aber eigentlich jedes Wochenende und auch Urlaube. Im Grunde hatte ich auch vorher ein gutes Leben … nur mit mir und den Männern, das war etwas schwierig. Nichts wirklich Schlimmes, aber immer so lauwarme Geschichten, die niemanden wirklich glücklich machen. Der Vater meiner Kinder, mit dem ich mehrere Jahre verheiratet war, bildet da ehrlicherweise auch keine Ausnahme.

    Als ich schon fast geglaubt hatte, dass es meinen Traummann halt einfach nicht gibt, viel er sozusagen vom Himmel. Plötzlich war alles perfekt. Romantik, Schmetterlinge im Bauch, offen und konstruktiv Streiten, toller Sex, er geht super mit meinen Kindern um und ist für seine ein ganz toller Vater …. alles was ich jahrelang an Männern vermisst hatte, war wie so ein Leuchtturm mit einem Mal aufgetaucht.

    Man blättert sich ja nicht gleich am Anfang einer Beziehung die komplette Lebensgeschichte auf den Tisch, aber mit der Zeit kamen mir ein paar Sachen merkwürdig vor: Er ist eigentlich sehr offen und kommunikativ und macht um sich und sein Leben keine Geheimnisse. Über die Familie in der er aufgewachsen ist, wollte er aber erkennbar nicht reden. Er hat Musik studiert und arbeitet stundenweise als Musiktherapeut mit Kindern (bei der Gelegenheit haben wir uns auch kennengelernt). Er kann super mit Kindern umgehen und wäre sicher ein toller Lehrer. Die Tatsache, dass er das nicht ist, sondern sein Geld mit etwas komplett Anderem verdient, kam mir auch immer sonderbarer vor. Noch komischer fand ich seine Reaktion, als ich ihn mal drauf angesprochen habe. Er wurde sehr kurz angebunden und hat mir klar signalisiert, dass er da nicht drüber reden will. Bei den meisten Männern hätte ich mir da nichts bei gedacht, viele sind nun mal so, für ihn war es aber untypisch. Wenn man ihn was fragt, kriegt man normalerweise auch eine klare Antwort.

    Vor zwei Monaten hat er dann relativ unvermittelt den Entschluss gefasst, mir die Geschichte zu erzählen. „Wenn das mit uns was Dauerhaftes werden soll, musst du auch das wissen“, so ungefähr hat er es ausgedrückt. Die nächsten zwei Stunden waren wir uns dann an meinem Küchentisch gegenübergesessen und er hat mir eine unglaublich traurige Geschichte erzählt: Er ist mit zwei Geschwistern in einer eher gutsituierten, ganz normalen Familie aufgewachsen. Seine zwei Jahre ältere Schwester, mit der er sehr eng war, ist mit Anfang zwanzig nach Frankfurt gezogen, und dort irgendwie in die Drogenszene abgeglitten. Irgendwann hat sie sich nicht mehr gemeldet und war verschwunden. Das blieb fast ein Jahr so. Was das mit einer Familie macht, kann sich sicher jeder vorstellen. Dann wurde sie (oder das was von ihr noch übrig war) tot in einem Abbruchhaus gefunden. Die Polizei fand heraus, dass sie gleich nach ihrem Verschwinden ermordet worden war. Anscheinend hatte sie ihre Drogensucht mit Kurierfahrten nach Holland finanziert und ihr Dealer meinte, von ihr beschissen worden zu sein und hatte sie erschossen. Der Typ wurde dann auch schnell gefasst und zu ein paar Jahren Gefängnis wegen Totschlag verurteilt.

    Die Familie meines Freundes zerbröselte in dieser Zeit unter der Last von Trauer und Verzweiflung. Seine Eltern trennten sich und sein jüngerer Bruder wurde depressiv. Er selbst studierte in der Zeit und lebte äußerlich normal weiter, als „leere Hülle“ (so hat er es ausgedrückt). Mit den Jahren wuchs in ihm aber immer mehr der Gedanke, dass es für ihn aber kein sinnvolles Weiterleben geben kann, wen der Mörder seiner Schwester frei herumläuft. Je näher der Entlassungstermin aus der Haft rückte, desto übermächtiger wurde dieses Gefühl. Schließlich hat er sich dann wirklich eine Pistole besorgt. Am Tag als der Dealer aus dem Knast entlassen wurde, ging der mit Kumpels feiern. Als er dann nachts in seine Wohnung kam, war mein Freund schon da. „Ich hab ihm gesagt, wer ich bin, damit er weiß, warum er jetzt gleich sterben wird. Dann hab ich ihm in den Kopf geschossen. Das war’s.“ So hat er es wörtlich erzählt. Anschließen ist er sofort zur Polizei gegangen und hat sich gestellt. Er saß dann sechs Jahre im Gefängnis.

    Ich hab das jetzt so wiedergegeben, wie er es mir erzählt hat. Überprüft habe ich es nicht (ich wüsste auch ehrlich gesagt überhaupt nicht, wie …). Für mich ist es komplett nachvollziehbar und glaubhaft.

    Ein paar Gedanken zu meiner Sicht seither:
    Ich finde den Gedanken, einen Menschen umzubringen, schrecklich. Trotzdem kann ich es in dem Fall nachvollziehen und verurteile ihn auch nicht dafür.
    Wenn er es mir nicht erzählt hätte, hätte ich es nie erfahren. Er hat mich auch nie angelogen, nichts entschuldigt oder beschönigt. Ich kann ihm da echt nichts vorwerfen.
    Auch sein Verhalten seither ist absolut o.k. Wenn ich ihn was dazu frage, redet er mit mir. Auch wenn es ihm teilweise erkennbar schwerfällt und nahegeht.
    Ein Gespräch über seine Knasterfahrungen steht noch an. Wie man sich klischeehaft den Ex-Knacki vorstellt, wirkt er ganz und gar nicht. Aber sicher geht so eine Zeit an niemandem spurlos vorüber.
    Was mich genau bedrückt, kann ich gerade noch gar nicht klar benennen. Aber es ist da. Ich hoffe auf die Zeit, denn die Liebe weglaufen zu lassen, wenn sie schon mal neben einem steht … ist ziemlich doof.

    So, jetzt kann ich grad nicht mehr. Danke schon mal für eure Antworten.

    Liebe Grüße
    Tinamare
    Geändert von tinamare (19.01.2021 um 21:51 Uhr)

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Er kam mit dem Tod seiner Schwester nicht zurecht und hat Selbstjustiz geübt. Dafür hat er gebüßt.

    Nur du alleine kannst jetzt entscheiden, ob du damit klarkommst, dass er einen Menschen getötet hat.

    Lass das erstmal sacken. Sowas zu erfahren schockt erstmal. Warte mal noch etwas ab, wie du in paar Wochen darüber denkst.

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Zitat Zitat von tinamare Beitrag anzeigen
    „Ich hab ihm gesagt, wer ich bin, damit er weiß, warum er jetzt gleich sterben wird. Dann hab ich ihm in den Kopf geschossen. Das war’s.“
    Puh, heftige Geschichte.

    Musst du für dich entscheiden, wie du damit klarkommst.

    Ich könnte es nicht. Mord mit Vorsatz.

    ************************************************** ******************

    „Nimm Dein Leben ein bisschen in die Hand. Wenn Du es gut behandelst, dann beisst es auch nicht! “
    [Geschenkt von Gustave]

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    hm.

    Das wäre für mich das Aus.

    Kaltblütiger Mord also. Keinerlei Reflexion seither.

    Was, wenn jetzt die Verwandtschaft seines Opfers bei ihm vor der Türe stünde mit derselben atavistischen Begründung? Vendetta?

    Ich höre in einem Ehrenamt sehr viele krude Räuberpistolen. Die Story hier erinnert mich in Zügen an die, die ich im Ehrenamt höre.

    Ich kann dir nichts raten, nur soviel: verschaffe dir Einblick in die Akten. Die hat er ja. Die Polizeiberichte (angefangen von der "Schwesterstory" + seine Verhandlungsakten, die seines Anwaltes, die Urteilsbegründung und die Stellungnahmen der Bewährungsauflagen etc.)

    Die Schwesterstory könnte - rein theoretisch - auch ganz anders gewesen sein: Er hat einen Dealerkonkurrenten abgeknallt um einen Konkurrenten auszuschalten etc.

    Glaub nicht alles, was du glauben willst.

    Meiner Erfahrung nach: je rührseliger eine Story, desto erlogener.

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Zitat Zitat von Magnoona Beitrag anzeigen
    Er kam mit dem Tod seiner Schwester nicht zurecht und hat Selbstjustiz geübt. Dafür hat er gebüßt.
    So sehe ich das auch. Auch wenn ich so eine Tat niemals gutheißen würde, aber ich kann sie verstehen.
    Viele Dinge fallen mir einfach so zu,.......Augen zum Beispiel.

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    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Zitat Zitat von Rotweinliebhaberin Beitrag anzeigen

    Ich könnte es nicht. Mord mit Vorsatz.


    Ich auch nicht. Ich verstehe nicht, wie er auf die Idee der Rache kam. Seine Schwester hat sich in einem Milieu bewegt von dem man lieber meilenweit Abstand nimmt. Therapie/Entzug wäre bei ihr eher angesagt gewesen anstatt als Kurier zu arbeiten. Findet er Selbstjustiz denn weiterhin ok? Hat die Familie des anderen ihn nun auch auf der Abschussliste? Ist somit deine Sicherheit gefährdet? Also für mir wäre das alles zu durchgeknallt. Vor solch einem Milieu würde ich meine Kinder bewahren wollen. Ich denke weiterhin, dass er paar psychische Probleme mit sich rumschleppt, die unberechenbar sein können, auch wenn er aktuell sehr nett ist.
    Geändert von noprincess (18.01.2021 um 13:42 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: (Ziemlich) dunkler Fleck in der Vergangenheit

    Für mich wäre da der Ofen aus. Irgendwas im Affekt könnte ich vielleicht noch wegstecken, aber da kann hier ja keine Rede von sein (wenn die Geschichte stimmt).

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