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    Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Liebe alle,

    ich nutze mal die Anonymität hier um in einer für mich sehr ernsthaften Sache um Rat zu fragen:

    Seit etwa 5 Jahre bin ich mit meinem Partner zusammen, wobei wir eine Wochenendbeziehung führen und uns während der Woche nur ein- oder zweimal sehen.

    Körperlich ist alles wunderbar zwischen uns, ich kann seine Zärtlichkeiten genießen und auf sexueller Ebene klappt es phantastisch. Obwohl ich keine Schönheit bin, nimmt er mich wie ich bin und gibt mir das Gefühl, attraktiv und begehrenswert zu sein.

    Es gibt allerdings zwei Punkte, die mich extrem belasten.

    Zum einen hat er psychische Probleme, die er sich jedoch nicht eingesteht. Er ist sehr schnell von alltäglichen Dingen überfordert, wird dann sehr hektisch und ruppig und gibt anderen (mir und seiner kleinen Tochter) die Schuld daran, wenn ihm etwas misslingt. Generell ist er ein unglaublich negativer Mensch, vermutet hinter jedem Geschehnis und jeder Äußerung schlimmstes, schimpft sehr viel vor sich hin und kann wegen Kleinigkeiten, der sprichwörtlichen Fliege an der Wand, spontane und heftige Stimmungswechsel erleiden. In dieser Situation zieht er sich dann völlig zurück, spricht kaum noch, wenn, dann sehr unfreundlich. Hilfe von mir nimmt er nicht an.

    Was genau für Probleme er hat, kann ich nur mutmaßen. Da er selbst bei sich keine Probleme sieht, weigert er sich natürlich, psychologische Betreuung anzunehmen. Ein befreundeter Psychiater vermutet ADHS, ein befreundeter Psychologe Borderline. Ich selbst glaube an eine Angststörung.

    Zum anderen hatte ich, als ich ihn kennengelernt hatte, Hoffnungen mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Da war ich Mitte 30, wollte Haus, Garten, Kinder, Familie. Er schien das auch zu wollen, wenn wir uns denn länger kennen würden. Da ich die Hauptverdienerin bin und bleiben werde, war meine Vorstellung, dass wir in die Nähe meines Wohnortes und meiner Arbeitsstätte ziehen würden. Nichts davon hat geklappt. Letztes Jahr hat er mir abschließend gesagt, dass er kein weiteres Kind mehr möchte. Aus seiner Wohnung will er ebenfalls nicht ausziehen. Er habe die Sorge, dass er dann eine für ihn nicht alleine finanzierbare Immobile hätte und dadurch von mir abhängig sei.

    Warum trenne ich mich nicht einfach?

    Seine Tochter, die zu 100% bei ihm lebt, ist für mich wie mein eigenes Kind geworden und sie hängt unglaublich an mir. Im Trennungsfall würde er keinen Kontakt zu ihr mehr zulassen, da bin ich ziemlich sicher. Ich weiß nicht, wie man ein Kind verlässt…

    Und wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich auch irgendwie für ihn verantwortlich. Er ist in gewisser Weise auch wie ein großes Kind und ich weiß nicht, wie er ohne mich mit seiner Tochter klarkommt.

    Jetzt bin ich einfach zerrissen zwischen meinem Verantwortungsgefühl für die beiden und der für mich unerträglichen Belastung durch diese Lebenssituation.

    Die Wohnsituation an den Wochenenden in seiner engen Wohnung ohne Rückzugsmöglichkeiten für mich belastet mich extrem. Ich brauche ein großzügiges Zuhause in dem ich mich nicht eingeengt fühlen muss. Die ständige negative Stimmung macht mich selbst regelrecht depressiv. Ich bin eigentlich ein Mensch der so gerne lacht und sich über so viele Kleinigkeiten freuen kann.

    Auf der anderen Seite mache ich mir Vorwürfe, dass ich vielleicht zu hohe Ansprüche stelle und das alles einfach zu nahe an mich heranlasse. Aber ich schaffe es einfach nicht, einfach nur die Ohren auf Durchzug zu stellen, wenn er seine Spinnphasen hat und ihn dann einfach zu ignorieren.

    Danke für´s Lesen
    Justitia

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    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Ein befreundeter Psychiater vermutet ADHS, ein befreundeter Psychologe Borderline. Ich selbst glaube an eine Angststörung.
    was Ihr mutmaßt, ist völlig ohne Belang.

    Du befindest Dich allerdings inzwischen in einer Co-Abhängigkeit. Du schiebst es auf seine Tochter. Dabei schreibst Du sehr deutlich, wie sehr Dich diese Beziehung runterreißt.
    Ich empfehle Dir in der nächsten psychiatrischen Ambulanz nachzufragen, ob es in Deinem Ort eine Angehörigenselbsthilfegruppe gibt. Da gehe hin und erzähle denen Deine Geschichte. Das ist hilfreicher als alle Forumsbekundungen. Denn jene haben Ahnung und können Dir alles sagen, was Du wissen musst. Wir nicht.

    Ich will Dir auch gerne erklären, weshalb ich das rate:
    Meine Frau wurde vor 15 Jahren psychisch krank. Es dauerte allerdings auch mehr als ein halbes Jahr, bis sie bereit war, eine Psychiaterin aufzusuchen. Sie wurde für 4 Wochen in die Gemeindenahe Psychiatrie eingewiesen. Ich durfte sie abends nur für eine halbe Stunde besuchen und fühlte mich schlecht bis schuldig.
    Bis ich den Anschlag in der Klinik von der Angehörigengruppe fand und dorthin ging. Das hat mir geholfen mit meiner Frau und der Situation umgehen zu können - und mich dabei nicht nur besser, sondern als hilfreich zu sehen.
    Geändert von Opelius (07.04.2020 um 13:03 Uhr)
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Zitat Zitat von justitia79 Beitrag anzeigen
    Ein befreundeter Psychiater vermutet ADHS, ein befreundeter Psychologe Borderline. Ich selbst glaube an eine Angststörung.
    Liebe justitia,

    ich halte es ebenso bedenklich wie auch gewissermaßen respektlos, die vermeintlichen
    psychischen Probleme Deines Partners im Freundeskreis zu diskutieren. Zudem situatives überfordert
    sein und eine negative Grundeinstellung kein Hinweis auf die Störung(en) sind, die Du ihm gerne
    andichten möchtest.


    Seine Tochter, die zu 100% bei ihm lebt, ist für mich wie mein eigenes Kind geworden …

    Und wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich auch irgendwie für ihn verantwortlich. Er ist in gewisser Weise auch wie ein großes Kind und ich weiß nicht, wie er ohne mich mit seiner Tochter klarkommt.
    Das Mädchen ist aber nun mal nicht Dein eigenes Kind. Sie darf keineswegs der Grund sein,
    warum Du in dieser Beziehung bleibst.

    Ein großes Problem sehe ich auch darin, dass Du dem Mann offenbar nichts zutraust. Ich kann
    mir gar nicht vorstellen, dass ihm das nicht auffällt ...??

    Es scheint letztlich keine Beziehung auf Augenhöhe zu sein. Und vor allem keine, die Dich
    glücklich macht.

  4. Inaktiver User

    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Zitat Zitat von justitia79 Beitrag anzeigen
    Körperlich ist alles wunderbar zwischen uns, ich kann seine Zärtlichkeiten genießen und auf sexueller Ebene klappt es phantastisch. Obwohl ich keine Schönheit bin, nimmt er mich wie ich bin und gibt mir das Gefühl, attraktiv und begehrenswert zu sein.
    Ach, andere sind auch nicht super hübsch, haben aber eine durchaus liebevolle Beziehung.

    Zitat Zitat von justitia79 Beitrag anzeigen

    Zum anderen hatte ich, als ich ihn kennengelernt hatte, Hoffnungen mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Da war ich Mitte 30, wollte Haus, Garten, Kinder, Familie. Er schien das auch zu wollen, wenn wir uns denn länger kennen würden. Da ich die Hauptverdienerin bin und bleiben werde, war meine Vorstellung, dass wir in die Nähe meines Wohnortes und meiner Arbeitsstätte ziehen würden. Nichts davon hat geklappt. Letztes Jahr hat er mir abschließend gesagt, dass er kein weiteres Kind mehr möchte. Aus seiner Wohnung will er ebenfalls nicht ausziehen. Er habe die Sorge, dass er dann eine für ihn nicht alleine finanzierbare Immobile hätte und dadurch von mir abhängig sei.

    Warum trenne ich mich nicht einfach?

    Seine Tochter, die zu 100% bei ihm lebt, ist für mich wie mein eigenes Kind geworden und sie hängt unglaublich an mir. Im Trennungsfall würde er keinen Kontakt zu ihr mehr zulassen, da bin ich ziemlich sicher. Ich weiß nicht, wie man ein Kind verlässt…
    Ich könnte mir schon vorstellen, dass du trotz allem recht sicher an ihn und seine Tochter gebunden bist. Wie wäre es mal absolut Klartext mit ihm zu reden? Wenn er abblockt oder ausrastet dann ist eben erst mal Gesprächspause angesagt, notfalls fährst du sofort heim und bietest einen Tag später wieder das Gespräch an, sagst aber klar, dass du jetzt Lösungen willst, also wenn du das willst.
    Kann schon sein, dass er richtig psychische Probleme hat. Das halte ich auch nicht für ausgeschlossen. Aber wenn du damit leben kannst? Das ist bei dir.
    Ich bin seit 1,5 Jahren Single, hatte aber noch nicht sehr viele Dates, werde wohl auch umziehen sodass es sich erübrigt hier weiterzusuchen. Nur kann ich gleich sagen, dass die sicher gebundenen guten Partner eher in Beziehungen sind und nicht so einfach auf dem freien Markt verfügbar. Ist ja auch klar, bei denen gibt es weniger Gründe sich zu trennen. Bei einer Trennung kanns eben auch sein, dass du alleine bleibst.
    Versuche doch erstmal Klartext mit ihm zu reden bzgl. Euch, therapeutischer Hilfe und seine negativen Art mit seinen Ausrastern und lasse nicht so einfach locker, nur weil er meint, wenn er bisschen stresst, ist alles vom Tisch. Trotzdem musst du natürlich wissen, ob du ihn noch willst und mit seinen Macken leben könntest oder ob letztendlich allein für dich schöner wäre.

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    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Hallo Justitia,

    eine schwierige Situation für dich- da stimme ich dir zu.

    Dass du bei diesem Verhalten mit anderen Menschen redest,, die dir eine Antwort geben können und sozusagen noch "vom Fach" sind, halte ich sogar für gut und richtig, denn irgendeine Antwort, möchtest du doch haben.
    Letztlich ist dir klar, dass das vor allem mal nicht mehr gesunde Bahnen hat- ganz egal, welches Etikett du oder andere vergeben.

    Also Co- abhängige...........nun bekommst du hier im Forum deine eigene Diagnose sehe ich dich auch nicht.
    Ich kann dagegen gut nachvollziehen, wie bei einer Wochenendbeziehung und seltenerem Sehen, die Themen und Probleme nicht so deutlich hervortreten und doch auch deine Wünsche für die Zukunft, die Realität etwas vernebeln.

    Immerhin- inzwischen bist du an dem Punkt, das es für dich nicht mehr als Partnerschaft weitergeht!

    Deine Gedanken zu der Tochter und dem Vater dazu- sind in meinen Augen sehr berechtigt, denn du wirst mit Sicherheit ein ausgleichender Teil sein.
    Andersrum- bist du ja nicht soo oft da- also klappt es auch ohne dich, stimmts?

    Wie ist es mit Restfamilie vom Vater- mit der mütterlichen Seite? Gibt es da Menschen, die einwirken, helfen könnten?

    Letztlich musst du- wenn du gehst- ihn und seine Tochter gehen lassen- komplett loslassen.
    Das wird für die Kleine sicher hart werden- nur kann man dir die Verantwortung dafür übertragen?
    Ich denke nicht.

    Ich finde den Blick auf Freunde, Familie und Bekannte- vielleicht Kindergarten oder Schule- wichtig- wo könnte von dort Unterstützung zu erwarten sein?
    Vielleicht kannst du Türen öffnen, die bisher noch gar nicht da waren?

    Ansonsten wünsche ich dir für diesen Weg viel Kraft
    Geändert von kenzia (07.04.2020 um 16:58 Uhr)

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    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Zitat Zitat von justitia79 Beitrag anzeigen
    Die Wohnsituation an den Wochenenden in seiner engen Wohnung ohne Rückzugsmöglichkeiten für mich belastet mich extrem.
    (hervorgehoben von mir)

    Sein Verhalten, das Du schilderst, klingt für mich erstmal nach einer grundlegenden
    Unzufriedenheit. Mit seinem Leben? Seiner Einkommens- und/oder Wohnsituation vielleicht?

    Es wird für ihn auch nicht sonderlich schön sein, mit Kind in einer engen Wohnung zu leben,
    an den Wochenende dann zu dritt. Da fühlt man sich doch schnell mal eingeengt, auch ganz
    ohne psychische Probleme. Seine launigen Reaktionen könnten durchaus ein Hinweis auf
    eine gewisse Verdrossenheit und Desillusionierung sein.

  7. Inaktiver User

    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    (hervorgehoben von mir)

    Sein Verhalten, das Du schilderst, klingt für mich erstmal nach einer grundlegenden
    Unzufriedenheit. Mit seinem Leben? Seiner Einkommens- und/oder Wohnsituation vielleicht?
    Für mich schwang allerdings auch eine Art mit Veränderungen und Entwicklungen zu blockieren sowie wenig partnerschaftlich, konstruktive Weise zusammen Konflikte lösen zu wollen. Aber das weiß die TE sicherlich selbst am Besten. Ich glaube jetzt in der Krise kommt alles nochmals stärker zum Vorschein, was es an Problemen bereits gibt.

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    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Danke, kenzia

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    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Für mich schwang allerdings auch eine Art mit Veränderungen und Entwicklungen zu blockieren sowie wenig partnerschaftlich, konstruktive Weise zusammen Konflikte lösen zu wollen. Aber das weiß die TE sicherlich selbst am Besten. Ich glaube jetzt in der Krise kommt alles nochmals stärker zum Vorschein, was es an Problemen bereits gibt.
    Ich denke auch, dass er insgeheim mit seiner Lebenssituation unzufrieden ist - ich wäre es an seiner Stelle ja auch. Ich sehe ja auch, dass er ständig am Limit oder darüber hinaus ist. Aber er lehnt ja jede Veränderung ab...

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    AW: Partner mit psychischen Problemen verlassen?

    Zitat Zitat von justitia79 Beitrag anzeigen
    Aber er lehnt ja jede Veränderung ab...
    Dann verändere Du was! Er hat ja bisher auch kein to do etwas zu verändern.

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