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  1. Avatar von Catfox
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    verwirrt Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Hallo liebe BriCom!

    Schon länger lese ich immer wieder still mit und bin beeindruckt, wie viel Empathie, kluge Ratschläge und Unterstützung hier oft den Fragenden entgegen gebracht werden!
    Vielleicht könnt Ihr auch mir in meinen Gedanken weiterhelfen, oft bringt ja das Niederschreiben und der Austausch schon etwas an Klarheit...
    Befinde mich schon länger in einer ( immer mal wieder) schwierigen Beziehung. Weiß gar nicht genau, wo ich anfangen/wie weit ich zurückgehen soll, um alles bestmöglich zu beschreiben?

    Mein Partner und ich sind seit nun fast vier Jahren ein Paar. Ich bin 35, er wird dieses Jahr 40. Als wir uns kennenlernten, war ich seit drei Jahren getrennt/geschieden und er kam recht frisch aus einer ebenfalls fünfzehnjährigen Beziehung.
    Nach einem wundervollen Beginn (wie frisch verliebte Teenies) sind wir nach einem dreiviertel Jahr in meiner Wohnung zusammengezogen und leben seither gemeinsam dort.
    Nach etwa anderthalb Jahren hatten wir eine erste schwere Krise (Depressionen und Drogenprobleme seinerseits) mit einigen für mich sehr schmerzhaften Vertrauensbrüchen, welche wir aber irgendwie gemeistert haben.
    Seitdem ist das Vertrauen trotzdem spürbar angeknackst, ich weiß dass dies vor allem meine persönliche Geschichte ist, mit der ich zu kämpfen habe.
    Es lief trotz einiger immer wieder auftretender Kommunikationsschwierigkeiten eigentlich wieder besser, hatte das Gefühl, wir bewegen uns in dieselbe Richtung.

    Bis zu diesem Sommer:
    Nach einem Männerurlaub in einem Club in der Türkei ( dieses führte schon im Vorfeld bei uns zu Diskussionen) kam er wie ausgewechselt wieder und zweifelte an der Beziehung.
    Schließlich zog ich die Konsequenz aus seiner sechswöchigen Distanz/Egotrip, welche in einem gecancelten gemeinsamen Sommerurlaub gipfelte.
    Ich fragte ihn, ob er de Beziehung mit mir denn überhaupt noch möchte, so wie er sich in den letzen Wochen verhielte? Er druckste rum, ja, weiß nicht, ach, bin so durcheinander, kann es dir nicht sagen, bla bla bla... Kein nein, kein ja.
    Ich sagte, er könne sich wieder melden, wenn er wieder klarer im Kopf sei und wisse was er will.
    So zog auf meinen Wunsch hin aus und es herrschte 2 Wochen Funkstille (meinerseits).
    Nach einer (von ihm initiierten) Aussprache zog er schließlich wieder ein und es fühlte sich nach Versöhnung und nun größerer Klarheit/Sicherheit an.
    Ich fuhr schließlich trotzdem allein in den Urlaub (er wollte immer noch nicht), er reiste mir dann allerdings nach einigen Tagen spontan hinterher. Auch dies wertete ich als Zeichen pro Beziehung.

    Auch wenn wir uns den Herbst hinüber gut verstanden, warte ich seitdem eigentlich vergeblich auf ein klares Zeichen/klare Aussage seinerseits von ihm. Ich brauche für mein Gefühl "mehr" , ein klares "JA", ich will mit dir zusammensein. Kein "wir leben mal so unseren Alltag mehr oder weniger vor uns hin und wir gucken wohin uns das führt"...
    Da kommt allerdings nichts von ihm.

    Im Gegenteil: seit der Weihnachtszeit und spätestens seit dem Jahreswechsel ist es wieder richtig verfahren zwischen uns. Müdigkeit, trübe Stimmung, schlechte Laune, Gereiztheit, Empfindlichkeit machen jede (Alltags) Kommunikation zum (gefühlten) Drahtseilakt.
    "Du weisst doch, Weihnachten und Silvester gehts mir halt schlecht." "Ist für mich eine schwierige Zeit. Das war schon immer so", ist alles was er an Begründung rauslässt.

    Seit Januar schlafen wir getrennt. Dies hat zwar offizielle pragmatische Gründe, die ihm aber mehr als gelegen kommen, wie es sich anfühlt. Seitdem gibt es auch keinen Sex oder sonstige Zärtlichkeit mehr zwischen uns.
    Die Distanz wächst täglich und wir entfremden uns immer mehr. Die Frage nach dem Warum? Was ist denn eigentlich los mit dir? steht riesengroß und unübersehbar im Raum, doch ich traue mich aktuell nicht, sie zu stellen bzw. die Konsequenz zu tragen/zu ziehen.

    Ich kann tatsächlich nur vermuten, was unser grundsätzliches Problem ist?
    Kommunikativer, selbstreflektierter unsicherer Mensch mit Trennungsangst und großem (körperlichen) Nähebedürfnis und dem Wunsch nach fester Bindung/Heirat und Familie (ich) trifft auf kommunikativ ungeübten, sehr emotionalen, unsicheren Menschen mit Angst vor Verantwortung und (falschen) Entscheidungen (er).

    Das ist nun sehr platt ausgedrückt, beschreibt aber trotzdem glaub ich unser grundsätzliches Dilemma bzw. die Themen um die es grundsätzlich glaube ich geht.
    Ich will klare Kante, ein Bekenntnis (Ja, ich will dich und diese Beziehung mit all dem Schönen und all den Problemen) und er zweifelt (wir streiten uns ständig, wir passen nicht zusammen, Beziehung ist doch kein Kompromiss), will oder kann sich nicht festlegen, beendet die (für ihn unglückliche?) Beziehung aber auch nicht und will am liebsten gar nicht drüber sprechen.

    Ich weiß aktuell nicht was ich tun soll.
    Möchte eigentlich einen letzten Versuch wagen, ihn einfach so sein zu lassen wie er ist und versuchen, mich meinerseits zu distanzieren. Einfach um die immer gleiche Dynamik zu verändern. Dies gelingt mir auch nur schwer... und manchmal denke ich, wozu das alles.

    Schwanke zwischen Mitleid für ihn ( ein großer unglücklicher verunsicherter Junge, der in den Arm will) und Wut ( was für ein griesgrämiger undankbarer Idiot, feiges A*****).
    Und über allem steht doch eine große Zuneigung, die Erinnerung an das was mal war und doch so leicht wieder sein könnte? Er ist ein so toller Mensch!

    Traue mir und meiner Wahrnehmung, meinen Empfindungen, oft selbst nicht über den Weg...
    Vielleicht hat ja eine*r von Euch einen interessanten Ansatzpunkt? Irgendwas, was Bewegung in die Sache bringt/es besser aushalten lässt/mich klarer sehen lässt?

    Liebstem Dank schonmal vorab ...und liebste Grüße,
    Catfox

  2. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Ich würde nachdem was du schilderst, nicht kämpfen wollen. Ich hätte spätestens nach den Drogenproblemen die
    Reißleine gezogen.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.

  3. Avatar von brighid
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    du hast schon 3 jahre deine wunden mehr oder weniger geleckt, er geht aus einer beziehung raus, (15 jahre- das ist kein pappenstiel) und rein in die nächste.

    kein jahr später hockt ihr schon im alltagsmodus aufeinander.

    das wäre mir zu viel zu schnell.


    kämpfen ja aber aus der distanz. manchmal ist man/frau sich emotional näher wenn man/frau räumlich getrennt ist.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  4. Avatar von Catfox
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    @Kleinfeld: Ja....vielleicht. Das wäre wahrscheinlich auch meine erste Reaktion als Außenstehende*r gewesen und es war auch mein erster Impuls.
    Damals habe ich mir die Entscheidung auch nicht leicht gemacht...Ich war nach seiner Offenbarung entsetzt und schockiert, das ist einfach eine Welt, mit der ich nichts zu tun hatte und eigentlich auch nichts zu tun haben möchte.

    Dennoch hat mich seine Offenheit angerührt, er hat es mir von sich aus erzählt und ich bin der Meinung, das Vertrauen, dass er damit in mich gesetzt hat, darf man nicht so einfach abschmettern... Ich finde, jeder hat das Recht Fehler zu machen und es gibt wenig, was man nicht (theoretisch) als Paar und im Vertrauen aufeinander lösen kann, so schwer der Weg vielleicht auch sein mag. Dies ist natürlich eine Haltung, welche auch aus meiner persönlichen Geschichte resultiert: ich hätte mir in meiner Ehe gewünscht, dass man nicht sofort aufgibt, sondern gemeinsam kämpft.

    Natürlich kann es im Falle von Drogen auch ein Kampf gegen Windmühlen sein? Seitdem ist dieses Thema allerdings zwischen uns abgehakt, theoretisch jedenfalls, ich will in diesem Punkt auch vertrauen, ich muss es...Dennoch blitzen ab und an Zweifel auf, ich mustere ihn oder seine Sachen...Allerdings gab es bislang nicht wieder konkreten Anlass für echtes Misstrauen diesbezüglich.

  5. Avatar von overknee
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Ich glaube, Ihr habt die kritischen 4 Jahre nicht überstanden. Anders als der Mythos vom verflixten 7. Jahr entscheiden sich die meisten Partnerschaften im vierten Jahr. Der Lack ist ab und nun muss sich zeigen, ob der Alltag es aushält.
    Es gab schon einige auf und abs, er war weg, kam wieder, nach kurzer Zeit der gleiche Trott.
    Was soll man da noch ändern können? Worum kämpfen? Ich bin immer sehr dafür, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, sondern ins Gespräch zu kommen.
    Aber das hier ist so verkorkst, seine Vergangenheit so belastet, ich glaube, Du tust Dir keinen Gefallen, wenn Du es noch weiter rauszögerst.

  6. Avatar von overknee
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Ich glaube, Ihr habt die kritischen 4 Jahre nicht überstanden. Anders als der Mythos vom verflixten 7. Jahr entscheiden sich die meisten Partnerschaften im vierten Jahr. Der Lack ist ab und nun muss sich zeigen, ob der Alltag es aushält.
    Es gab schon einige auf und abs, er war weg, kam wieder, nach kurzer Zeit der gleiche Trott.
    Was soll man da noch ändern können? Worum kämpfen? Ich bin immer sehr dafür, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, sondern ins Gespräch zu kommen.
    Aber das hier ist so verkorkst, seine Vergangenheit so belastet, ich glaube, Du tust Dir keinen Gefallen, wenn Du es noch weiter rauszögerst.

  7. Avatar von Catfox
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    du hast schon 3 jahre deine wunden mehr oder weniger geleckt, er geht aus einer beziehung raus, (15 jahre- das ist kein pappenstiel) und rein in die nächste.

    kein jahr später hockt ihr schon im alltagsmodus aufeinander.

    das wäre mir zu viel zu schnell.
    Hallo brighid

    ja, das war auch schnell, das fanden wir damals auch. Es ging mehr von ihm aus und es hat sich für mich einfach schön angefühlt!Richtig und stimmig. Natürlich waren wir verknallt. Wer zweifelt dann schon direkt?
    Wir haben aber auch über diese Thematik gesprochen und auch viel speziell über unsere Exbeziehungen.
    Wir wussten auch beide, was es heisst einen gemeinsamen Alltag als Paar zu haben.
    Kann schon sein, dass es im Nachhinein klüger gewesen wäre zu warten?

  8. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Zitat Zitat von Catfox Beitrag anzeigen
    ..Dennoch blitzen ab und an Zweifel auf, ich mustere ihn oder seine Sachen...Allerdings gab es bislang nicht wieder konkreten Anlass für echtes Misstrauen diesbezüglich.
    Das wirst du auch immer tun, glaub mir.
    Ich finde es auch etwas anderes, wenn das ein junger Mensch mit, was weiß ich Anfang zwanzig macht, als jemand mit Mitte 30.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.

  9. Avatar von Catfox
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Was soll man da noch ändern können? Worum kämpfen?
    Hallo overknee

    ich weiß auch nicht? Vielleicht muss ich an mir selbst arbeiten? An meiner dominanten Sicht der Dinge? Ihn weniger unter Druck setzen, ihn mehr sein lassen wie er ist? Ihn wirklich akzeptieren? Mehr für mich selber sorgen (emotional)?
    Das ist ja etwas, wo ich das Gefühl habe, da liegt meine Baustelle...
    Und wenn es gelingt, auf diese Art eine immer gleiche verfahrene Kommunikation zu drehen, vielleicht ändert sich dann was?
    Das sind die Hoffnungen, die mich nicht loslassen lassen...

  10. Avatar von Catfox
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    AW: Bleiben oder Gehen? Kämpfen oder loslassen?

    Zitat Zitat von Kleinfeld Beitrag anzeigen
    Das wirst du auch immer tun, glaub mir.
    Sprichst du aus Erfahrung?

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