Liebe TE,
ich kann nur von meiner Sicht sprechen, weil ich einmal in einer ähnlichen Situation war.
Man redet sich anfänglich den Mund fusselig und versucht dem Partner zu erklären, dass einem manche Dinge wichtig sind, dass man sich wünscht, dass der andere mit anfasst, dass man zusammen Lösungen findet. Man versucht den anderen erst im Guten, dann im Streit zu überzeugen, dass einem etwas fehlt und nicht gefällt. Gerade Dinge wie der Haushalt, der eben nicht nur an einem hängen bleiben sollte, wenn beide voll arbeiten gehen oder von dem, der sowieso die meiste Zeit zu Hause ist, erledigt werden sollte und man dann dafür mehr Zeit füreinander hat. Und ich mag es auch nicht schlampig gemacht. Wenn dein Mann nach seiner VZ-Stelle sich noch um den Haushalt und die Kinder gekümmert hat, ist es verlorene Zeit für euch. Auch ewig langes schlafen würde mich persönlich stören, der Tag ist weg, die Zeit ist weg. Dein Mann muss sicher jeden Morgen bei Zeiten raus und lange arbeiten, den Rhythmus hat er drinnen, da kann er nichts für. Und anstatt eine noch ewig schlafende Ehefrau, hat er sich vielleicht ein gemeinsames Frühstück, gemeinsame Hausarbeit und dann den Tag in Familie oder als Paar gewünscht, abschalten, Zeit miteinander verbringen. Auch da wurde kein Kompromiss gefunden, ebenso wenig wie beim Geld ausgeben. Es gab Streit, aber er hat sich ja wieder beruhigt und du hast weiter gemacht, weil es für dich die bequemste Lösung war.
Und dann passiert folgendes, man gibt einfach auf, weil man endlich realisiert, dass man dem anderen nicht wichtig genug ist, dass der andere egoistisch ist, sich nicht für Lösungen oder ein Entgegenkommen interessiert. Man fragt sich, ist das wirklich Liebe? Heißt denn Liebe nicht auch Kompromisse zu schließen, Dinge die einem Partner wichtig sind auch ernst zu nehmen, dem anderen eine Freude machen und für gemeinsame Freiräume auch im Alltag zu sorgen…. Und dann entliebt man sich, langsam und schleichend. So egal wie man sich gefühlt hat, so egal wird die Beziehung. Es spielt keine Rolle mehr, man macht in seinem Trott weiter nur der andere ist nicht mehr wichtig. Die Liebe ist einfach weg. Und egal wie sehr der andere sich jetzt auch dreht und wendet und einem zu verstehen gibt, dass er sich jetzt wirklich ändern wird – es ist einem völlig egal. Der Bogen wurde weit über das Maß hinaus gespannt und jetzt ist die Sehne gerissen. Man will einfach nicht mehr, nicht mehr mit diesem Menschen. Das ist auch kein aggressiver Prozess sondern ein resignierender, schleichender Prozess. Die Negativseite überwiegt. Und man hat auch nicht den Willen oder überhaupt Lust dazu, zu versuchen was zu kitten, die Liebe wiederzufinden.
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Ergebnis 91 bis 93 von 93
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30.07.2015, 13:47
AW: Nach 29 gemeinsamen Jahren - er liebt mich nicht mehr
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30.07.2015, 15:24Inaktiver User
AW: Nach 29 gemeinsamen Jahren - er liebt mich nicht mehr
Liebe Birlo!
Ich hoffe Du liest noch mit und machst nicht vollkommen "dicht", auch wenn Du Dich falsch verstanden fühlst oder denkst Du bist zu hart herangenommen worden. Hier sind viele gute Beiträge geschrieben worden, aus denen Du viel für Dich mitnehmen kannst. Gerade die Beiträge, die Dich am meisten triggern, solltest Du Dir nochmal genauer anschauen. Vielleicht findest Du doch was darin, was Dir irgendwann weiterhilft.
In Deiner Therapie oder in der Paartherapie werden Dir sicherlich auch noch Dinge um die Ohren fliegen, wo Deine erste Reaktion vielleicht auch sein wird, dass Du "dicht" machst oder die Sitzung verlässt. Da ist nachzuvollziehen. Wichtig ist aber dann, dass Du darüber nachdenkst und dann darüber reflektierst und Dich weiter mit Deinem Mann bzw. den Therapeuten auseinandersetzt.
Hast Du schon einmal darüber nachgedacht wann der Zeitpunkt gewesen sein könnte, wo Ihr begonnen habt Euch zu verlieren? Gibt es noch mehr Verletzungen seitens Deines Mannes, als die hier schon geschilderten? Wenn die Ehe gerettet werden soll, muss wirklich alles auf den Tisch gebracht werden, damit die alten Verletzungen letztendlich auch verziehen werden können.
Wie hast Du bei Euren Freunden reagiert, wenn er Dich schlecht gemacht hat? Hast Du das nur noch geschluckt?
Ich denke im Laufe der Zeit habt Ihr einiges unter den Teppich gekehrt. Ihr müsst das alles hervorholen und nach und nach klären. Ihr müsst lernen konstruktiv zu streiten.
Es nutzt auch nichts, wenn Du jetzt "alles" machst, um ihm zu gefallen. Du darfst Dich natürlich nicht verbiegen. Vielleicht schaffst Du es die Geldausgaben auf ein gesundes Maß runterzuschrauben. Über den Haushalt müsst Ihr verhandeln. Auf Dauer wirst Du ja nicht alles alleine machen wollen und können, da Du ja auch halbtags arbeiten gehst. Ihr müsst da eine Lösung für Euch finden, die dem Arbeitspensum beider angepasst ist und auch den Neigungen von Euch entspricht. Mein Mann bügelt zum Beispiel gerne und ich hasse es wie die Pest, also macht er es. Vielleicht kann die Putzfrau auch noch 2 Stunden mehr kommen. Wie auch immer Ihr das persönlich aushandelt. Am Ende sollten beide Seiten zufrieden sein.
Auch wenn hier spekuliert wird, dass eine andere Frau im Spiel sein könnte, wünsche ich Dir von Herzen, dass es noch nicht zum Betrug gekommen ist. So würde Dir der zusätzliche Schmerz erspart bleiben.
Ihr habt einen sehr langen und steinigen Weg vor Euch. Wenn Du die Liebe Deines Mannes zurückgewinnen willst, dann musst Du sehr viel Geduld aufbringen.
Falls sich im Laufe der Paartherapie herausstellt, dass der Faden bei Euch doch schon komplett gerissen ist, wird diese Euch aber helfen eine Trennung ohne Rosenkrieg hinzubekommen. Denn Du darfst nicht vergessen, dass Ihr weiter Eltern bleibt und weiter miteinander umgehen müsst.
Alles Gute wünscht Dir
Walli
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05.08.2015, 10:23
AW: Nach 29 gemeinsamen Jahren - er liebt mich nicht mehr
So etwas ist immer ein Schock. Ich finde, dass hier einige, die Themenstellerin schon sehr hart angegangen sind. Bei einem Konflikt gilt: es gehören immer 2 dazu. Der Mann, der sich nicht klar und deutlich äußert und die Frau, die die indirekten Äußerungen des Mannes nicht versteht bzw nicht darauf eingeht. Was Haushalt betrifft: macht einen Plan, wer was wann macht und besprecht das miteinander. Du übernimmst den Großteil, da du weniger arbeitest. Was Geld ausgeben betrifft: hast du kein eigenes Konto? Ich arbeite halbtags und verdiene deutlich weniger als mein Mann. Ich habe ein eigenes Konto, von dem ich meine Dinge wie Klamotten, Fitnessstudio, Handy etc und auch öfter mal Einkäufe für uns bezahle. Dann haben wir ein gemeinsames Konto, auf das ich auch Zugriff habe, es aber nur in seltensten Fällen benutze. Schlage das deinem Mann vor. Was länger schlafen betrifft: ich finde, da muss man tolerant sein. Mein Mann schläft auch länger am WE und ich finde es voll okay. Vielleicht gibt er dir dann noch eine Chance.


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