Liebe Community,
mit meinem Mann bin ich seit über 12 Jahren liiert und fast im (verflixten) siebten Jahr verheiratet; wir haben ein Kind im Grundschulalter. Unsere Ehe lief durchwachsen; d.h. es neben schönen Zeiten auch die eine oder andere Krise.
Zu Beginn diesen Jahres war dann aber irgendwie der Wurm drin: Mein Mann fing mal wieder eine Diät an, aber dieses Mal mit sichtbaren Erfolg. Er achtete mehr auf seinen Körper und trainierte fast täglich. Einige Wochen später (Ende März) - ich hatte gerade eine heftige Lungenentzündung hinter mir - saß er extrem zurückgezogen beim Abendessen. Ich hatte ein richtig fieses Gefühl, das sich dann auch bestätigt hat: Nach meiner Frage, was denn mit ihm los sei, rückte er damit raus, dass er sich verliebt habe. Unter mir tat sich ein schwarzes Loch auf. Ich wollte verstehen und musste ihm sprichwörtlich die Würmer aus der Nase ziehen. Bei besagter Kollegin handelt es sich um eine verheiratete Frau mit zwei Kindern, die in ihrer Ehe nicht so glücklich sei. Sie haben sich während seiner Dienstreise anzügliche WhatsApp-Nachrichten geschickt. Als er dann wieder ins Büro kam, hat sie ihm angeblich ihre Verliebtheit zu ihm gestanden. Es kam zur Knutscherei. Über drei Wochen lief das wohl, bis mein Mann damit nicht mehr klargekommen ist. Er öffnete sich seiner Mutter, sprach davon, dass unser Kind und ich die wichtigsten Menschen in seinem Leben seien. Einen Tag später brachte er bei mir das Geständnis.
Ich bin so dermaßen enttäuscht gewesen. Es ist eine Kollegin, die er ob ihrer Unfähigkeit / Naivität / sprichwörtlichen Doofheit immer mit blöden Sprüchen runtergemacht hat. Und jetzt sprach er davon, dass die Knutscherei "geil" gewesen sei; der Reiz des Verbotenen. So richtig ordinär sprach er, was ich bis dato von ihm in der Form nicht kannte. Ich bin ausgerastet. Wurde ruhig und warf ihn nicht raus, sondern wollte verstehen. Ich fragte ihn, was er macht, wenn sie ihre Familie verlässt. Er wusste es nicht. Ich setzte ihm die Pistole auf die Brust: Sie oder wir. Er entschied sich an jenem Abend für uns und wollte am nächsten Tag mit ihr reden. Ob die Geschichte beendet wurde, weiß ich nicht. Er hat nie versucht, mir gegenteiliges zu beweisen. Ich versuchte einfach, ihm zu vertrauen.
Ab dem Geständnis lief unsere Ehe wochenlang richtig gut. Wir hatten tolle und intensive Gespräche, grandiosen Sex, unternahmen Dinge miteinander. Trotzdem war irgendwie immer noch der Wurm drin. Mein Mann sprach davon, keine Verantwortung mehr haben zu wollen. Er fragte sich, ob das alles im Leben gewesen sein soll. Er begann, seine wirklich geliebten Hobbies zu vernachlässigen. Ebenso seine Freundschaften, die ihm immer viel bedeutet haben. Alles war nur noch doof. Auch wenn er mit unserem Kind spielte, schien er nur halb dabei zu sein. Er vergrub sich in seine Arbeit. Was uns betrifft, so habe ich mich immer mehr versucht, mich ihm und seiner Liebe zu versichern. Forderte Nähe und bekam sie auch.
Dann ging es abwärts: innerhalb von anderthalb Wochen kamen erst Aussagen wie "ich weiß nicht, ob das alles im Leben gewesen sein soll", über "ich stelle die Ehe auf einen Prüfstand", "ich will keine parallelen Leben führen", "ja ich liebe Dich, aber da sind Zweifel" bis hin zu "mein Kopf will über ein Jahrzehnt nicht wegwerfen, mein Herz zweifelt". Er wurde bedrückter, morgens - wenn er arbeiten fahren musste. Abends kam es immer zur großen Nähe. Weintrinken, Gespräche, Sex. Ich spürte seine Ambivalenzen, verlor 8 kg (bin eh schon untergewichtig, was es noch schlimmer macht) und war mit den Nerven am Ende. An Schlaf war nicht zu denken. Er hielt mich nachts eng umarmt und streichelte mich in den Schlaf. Als ich es nicht mehr aushielt, schlug ich ihm vor, dass er sich paar Tage bei seinen Eltern einquartieren und sortieren soll.
Er packte also eine Tasche, heulte Rotz und Wasser und bedankte sich dafür. Er sagte "ich sage Dir Auf Wiedersehen, und nicht tschüss, hörst Du!?". Mein Gefühl sagte mir etwas anderes, was sich dann nach vier Tagen bewahrheitete: Er sprach die Trennung aus und begründete sie damit, dass er mich nicht mehr liebe. Ich sei ihm aber der wichtigste Mensch auf der Welt und möchte die gemeinsame Zeit nicht wegwerfen. Die Liebe sei weg, da wir beide bei Streit recht unnachgiebig sind und es manchmal heftig zur Sache ging. Aber nie wurde ein Streit mit in eine Nacht getragen; wir konnten danach immer gut über den Streitpunkt sprechen. Ich war starr vor Schock.
Ich bin nun seit knapp über zwei Monaten von meinem Mann getrennt. Er lebt seitdem bei seinen Eltern aus dem Koffer. Den TU und KU habe ich direkt zu Begin eingefordert; mein Mann hat seitdem nichts an organisatorischen Dingen gemacht. Er ist noch nicht beim Anwalt gewesen, er sucht nur halbherzig nach Wohnungen und er hat noch keinerlei Vorstellung davon, wie es bzgl. Umgangsregelung etc. aussehen soll. Er sagte mir letzte Woche, er hätte dafür nicht die Kraft. Ihm ginge es nicht gut. Unser Kind ist z.Zt. zwei Tage in der Woche bei ihm und seiner Mutter, was ihn aber schon stresst. Zu Beginn der Trennung wollte mein Mann die Ehe-Fassada aufrecht erhalten bzw. auf Freundschaft umschalten. Das habe ich aber nicht mitgemacht; meine Kommunikation mit ihm betrifft bisher nur Absprachen über das Kind. Außerdem bin ich mittendrin mal so richtig in der Wutphase gewesen, in der ich ihm meinen Frust mehrfach vor den Latz geknallt habe. Langsam scheint mein Mann auch zu merken, dass sich sein soziales Umfeld von ihm abwendet; er klammert extrem an unseren (jetzt meinen) Nachbarn, die er erst über Wochen ignoriert hat.
Gibt es eine andere Frau? Ich habe keine Bestätigung, nur Indizien: Er hat sich nach seiner Knutscherei nicht eindeutig zu mir und unserem Kind bekannt. Er hat auch keine vertrauensbildenden Maßnahmen durchgeführt, sondern verschwand wie eh und jeh mit dem Handy auf's Klo. Er verkaufte geliebten Hobbykram, schaffte sich ein neues Parfum und neue Klamotten an, schickte mir eigenartige Posing-Selfies...
Die Trennung an sich war ziemlich daneben, da er sich einen Zeitpunkt ausgeguckt hat, an dem ich wegen anderer Dinge schon am Boden lag: es kam ein schwerer Krankheitsfall in der Familie auf, unser Kind kommt in die Schule und hat ein leichtes Handicap und ich stehe kurz vor Abschluss meiner Promotion.
Ich komme gut alleine mit unserem Kind klar. Habe eine gute Stelle, gute berufliche Aussichten. Nachbarn, Freunde und Familie, die sich sorgen und kümmern. Aber mir fehlt dieser Mann, der auch mein bester Freund gewesen ist. Ich möchte unsere Ehe nicht aufgeben, auch wenn er es wahrscheinlich schon getan hat. Was soll ich tun?
PS: Ich vermute bei ihm einen Burnout. Er ist in einer leitenden Position, aber er stößt seit zwei Jahren an die "gläserne Decke"; er hatte Ende des vergangenen Jahres auch Ambitionen, ein Nebengewerbe aufzumachen. Er vergräbt sich intensiv in seine Arbeit; auch an Wochenenden und Abends. Auch noch nach der Trennung.
Vielen Dank und schöne Grüße
Unbro
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 252
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08.07.2015, 21:49
Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
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08.07.2015, 21:56Inaktiver User
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08.07.2015, 22:17
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
Das klingt mir aber auch eher nicht nach einer Beziehungskrise oder einer anderen Frau, sondern einem psychischen Problem in Richtung Depression vielleicht sogar mit mansischen Episoden. Da ist psychologischer Rat drigend angeraten. Dich kann vielleicht die Community hier unterstützen, aber Dein Mann braucht professionelle Hilfe.
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08.07.2015, 22:39
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
Erst mal, willkommen in der Bri - ich wünschte es wäre unter besseren Voraussetzungen.

Ich würde die Aussage "er liebt mich nicht mehr" ernst nehmen.
Mein Rat, sorge Dich um Dich und das Kind, und überlasse die Entscheidung über dein Leben nicht den Mann.
Ferndiagnosen liegen mir fern: Sollte der Mann aber tatsächlich Probleme haben, liegt es an ihm sich Hilfe zu holen.Geändert von mckenzie (08.07.2015 um 22:46 Uhr) Grund: Wort vergessen
Los lassen ist einer der besten Geschenke die man sich geben kann.
Mckenzie
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08.07.2015, 22:43
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
Sorry, geschätzte Moderation, mMn hat der Mann eine gewöhnliche Midlifecrysis, nicht mehr und nicht weniger. Außerdem istber aller Wahrscheinlichkeit nach schwer verknallt in die Kollegin. Diese aber "lässt ihn nicht ran". Wenn jeder Mann, der sich so verhalten würde, eine Therapie machen würde, dann hätten mMn die Ärzte keine Kapazitäten mehr für wirklich Kranke gehabt.
Der TE empfehle ich die Scheidung durchzuziehen, die Finanzen ordentlich zu regeln und im Mann nur den Vater ihres Kindes zu sehen. Das würde ihr viele Nerven ersparen.
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08.07.2015, 22:45
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
PS : ich bin mir 100% sicher, dass es eine andere Frau gibt, zumindest in seinem Kopf und in seinem Herzen.
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08.07.2015, 22:49
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
Danke für die nette Begrüßung :)
@Mutabor, ja - kämpfen heißt manchmal auch, nichts zu tun. Also gegen sich selbst bzw. die eigenen Impulse zu kämpfen. Es ist schwer, aber es gelingt mir doch ganz gut (quasi Kontaktsperre). Schwieriger wird es, wenn wir uns bei der Kindsübergabe sehen. Das Kind hängt total an ihm, aber sogar das ist meinen Mann im Moment fast zu viel.
@T-Rose, Deine Vermutung klingt für mich nachvollziehbar. Nicht zuletzt deswegen, da die Schwester meines Mannes auch an einer langjährigen diagnostizierten Depression leidet. Leider möchte mein Mann seine Krise mit sich selbst ausmachen. Er projeziert sämtliche Probleme in die Beziehung zu mir und redet unsere gemeinsame Zeit einmal komplett schlecht. Er hätte sich nicht eingestanden, mich schon seit Jahren nicht mehr geliebt zu haben. Er wollte sich schon nach Bekanntwerden der Affäre trennen. Wir hätten keinerlei Gemeinsamkeiten, mich würde nur meine Promotion interessieren, er will einfach nicht mehr und er will nur noch eine Trennung in Frieden. Aber genau darum - um den Orgarkram bei der Trennung - hat er sich bislang noch nicht gekümmert.
@maerz32: Das glaube ich auch. Wenn es nicht die Kollegin ist, dann ist es wohl eine andere. Ich warte nur jeden Tag darauf, dass ich davon erfahre. Weil einfach Frau und Kind sitzen lassen ohne Fallback-Strategie (aka Frau), neee....
Total toll, das :( .
Das Schlimme ist: er weiß, dass und wie sehr ich ihn geliebt habe. Dass ich unsere Ehe, die Familie nicht einfach so aufgeben möchte. Ich die Chance sehe, dass wir gemeinsam diese Krise meistern können.
Er kann / will aber nicht mehr.
PS: Wir sind beide Mitte 30Geändert von Unbro (08.07.2015 um 22:57 Uhr)
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08.07.2015, 22:51
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
doppelt
Geändert von missani (09.07.2015 um 09:20 Uhr)
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08.07.2015, 22:54
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
Geändert von missani (08.07.2015 um 23:01 Uhr)
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08.07.2015, 22:58
AW: Mein Mann liebt mich nicht mehr und verlässt Familie
Ich weiss, das willst Du jetzt nicht hören, aber es kann auch leicht sein, dass der Mann ein einfacher Egoist ist, und einfach sein Ding machen will - ohne jede Verantwortung.
Wer ein Kind in die Welt setzt hat Verantwortung, so auch dein Mann.
Ich glaube noch nicht einmal an eine Midlife Krise, ich denke er hat gerade andere Interessen, und die beziehen sich nicht auf dein Kind und Dich ein.
Man sollte nicht immer für alles nach einer Entschuldigung suchen.
Ich verstehe natürlich, dass Du deine Ehe erhalten willst - das geht aber nur wenn zwei das selbe wollen.Los lassen ist einer der besten Geschenke die man sich geben kann.
Mckenzie


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