Hallo liebe Forumsschreiberinnen und -schreiber!
Ich wäre euch sehr dankbar für ein paar Einschätzungen und Ideen. Es geht um folgendes:
Ich mache mir große Sorgen um meine beste Freundin. Sie lernte vor fast 7 Jahren einen Mann kennen, für beide war es die große Liebe. Da meine Freundin zuvor eine sehr schwere Zeit gehabt hatte, war es für sie beinahe wie eine Art "Wiedergutmachung" des Schicksals, wenn man es so nennen kann. Sie ist ein eher ernster, sehr reflektierter und teilweise schwermütiger Typ, der sich über alles sehr viele Gedanken macht, so eben auch über ihre Bestimmung, Schicksal etc.
Das ist aber auch einer der Gründe, weshalb ich sie so gernhabe und ihre Meinung schätze.
Jedenfalls zogen die beiden nach einem Jahr sehr harmonischer Fernbeziehung zusammen. Nach einem weiteren Jahr in der gemeinsamen Wohnung, welches nicht immer leicht war (beide haben einen sehr anspruchsvollen und zeitintensiven Beruf) und einigen kleineren Auseinandersetzungen kam es dann doch sehr plötzlich zum totalen Zerwürfnis. Für meine Freundin war die Situation nahezu unerträglich, sie war psychisch im Keller, stand völlig neben sich. Für den Ex-Freund ebenfalls, beide waren unglücklich, konnten aber nicht über das Scheitern der Beziehung hinwegsehen, waren wechselnd verletzt und wütend auf den anderen, konnten das Geschehene nicht verzeihen, es gab keine wirkliche Möglichkeit zur Versöhnung. Letztendlich zog meine Freundin in eine eigene Wohnung, es bestand jedoch noch fast ein weiteres Jahr sporadischer Kontakt. Jedoch kam es erneut zu einer schlimmen Eskalation, weil beide noch aneinander hingen, aber nicht über ihren Schatten springen konnten. Es endete im kompletten Kontaktabbruch vor 4 Jahren.
Nach einer weiteren, sehr unglücklichen Beziehung (der Mann alkoholkrank, arbeitsscheu und aggressiv), aus der sie sich jedoch vor über einem Jahr "befreien" konnte, erzählt sie mir jetzt immer öfter, dass sie glaubt, sie habe ihre Chance auf ein glückliches Zusammenleben mit ihrer großen Liebe aus Unreife und verletzter Eitelkeit leichtfertig "verspielt" und werde daher vom Schicksal nun "bestraft". Mittleweile ist sie jobbedingt in eine andere Stadt gezogen und dort wohl emotional sehr isoliert. Obwohl sie dort Leute kennt und sich mit diesen trifft, ist sie schnell gelangweilt und angeödet. Sie ist aktiv und versucht wirklich, sich selbst da rauszuziehen, aber immer wieder erzählt sie von ihren quälenden Schuldgefühlen, der innerlichen Einsamkeit und Ödnis.
Mittlerweile ist sie sogar seit einem halben Jahr bei einem Therapeuten, wegen Depressionen und Angstzuständen, doch es hilft ihr nicht weiter.
Sie lebt nur noch in der Vergangeheit. Ständig hätte sie die Bilder von damals, aus ihrer Beziehung vor Augen wie einen Film und grübelt dann stundenlang darüber, wie sie die Trennung hätte verhindern können.
Meine Freundin schottet sich immer mehr ab, sie sei ständig müde, zu müde für Unternehmungen oder um überhaupt mit anderen in Kontakt zu treten. Männer, die sie kennenlernt, misst sie ausschließlich an ihrem Ex. Sie scheint völlig blockiert. Ihrer Familie und Freunden gegenüber gibt sie die starke Erfolgsfrau. Daher hakt auch niemand wirklich nach.
Ich weiß nicht, was ich ihr raten soll. Sie kommt da nicht mehr raus. Ich würde ihr so gerne helfen, weiß aber nicht, was richtig ist. Leider lebe ich im Ausland und kann nicht bei ihr sein, sie ablenken.
Mich würde interessieren, ob ihr so etwas schon erlebt habt und wie ihr euch verhalten habt.
Soll ich ihr raten, Kontakt zum Ex aufzunehmen? Würde ihr das irgendwie helfen können oder macht es die Situation u.U. noch schlimmer?
Ich danke allen, die sich bis zum Ende durchgelesen haben und hoffe auf eure Antworten!
Antworten
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10.01.2014, 20:23
Freundin verstrickt sich immer mehr in der Vergangenheit- wie kann ich ihr helfen?
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10.01.2014, 20:37
AW: Freundin verstrickt sich immer mehr in der Vergangenheit- wie kann ich ihr helfen
Ich bin keine Fachfrau, nur "Küchenpsychologin" und selbst erfahren mit Therapien und Depressionen. Dies vorab.
Deine Freundin wertet sich ab.
Sie torpediert sich selbst.
Und hat eine Art von Fixierung auf den Mann.
Dass sie depressiv ist, ist offensichtlich anhand deiner Schilderungen.
Medikamente und Therapie helfen selten so hoppla-hopp, es braucht alles seine Zeit.
Sie könnte mal über eine psychosomatische Reha nachdenken. Eine Auszeit, in der sie sich selbst besser verstehen lernt und Lösungswege aufgezeigt bekommt. Dauert 4-6 Wochen, müßte sie mit ihrem Facharzt besprechen. Der Arbeitgeber erfährt nur von "Reha" nicht aber wofür, da müßte sie keine Angst haben.
Der Therapeut müßte gegenarbeiten gegen ihre zerstörerischen Gedanken, sollte er, wenn er das nicht schafft ist er vielleicht nicht der richtige.
Wie oft geht sie denn hin?
Sie wird ihre belastenden Erfahrungen bearbeiten, die dazu gehörige Trauerarbeit durchleben müssen.
Erst dann kann sie die Vergangenheit als das sehen, was sie war: Nämlich durchaus nicht perfekt und sie hat, was sie getan hat, richtig gemacht, denn das war das, was sie damals nach bestem Wissen und Gewissen entschieden hat. Sie ist ja keine Dumme, du sprichst von Erfolg auf beruflicher Ebene.
Ich finde es ganz normal, dass man in einer Krise denken kann "Früher war alles besser! Hätte ich nur...blabla...". Aber dabei lügt man sich an. Es war NICHT besser, denn sonst hätte man es ja nicht geschmissen.
Schicksal...Bestimmung...
Nun ja.
Meine Richtung ist das nicht, aber ich verstehe, dass man nach einer Hilfe sucht. Eigentlich sind ja die meisten Menschen irgendwie "auf der Suche".
Ich sage dir noch per PN, was ich weiter darüber denke. Das ist doch recht persönlich.
Du kannst aus dem Ausland eigentlich nur helfen, in besonders traurigen Stunden ansprechbar zu sein.
Aufbauen, aufbauen, aufbauen! Sie erinnern, was sie alles schon geschafft hat im Leben.
Mehr fällt mir jetzt im Moment nicht ein, vielleicht später.
Wie gesagt, ich bin keine Fachfrau, ich habe nur eigene Erfahrungen gemacht und sehe auch im Umfeld so einiges.
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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11.01.2014, 10:26
AW: Freundin verstrickt sich immer mehr in der Vergangenheit- wie kann ich ihr helfen
Danke dir, liebe Karla, für deine Einschätzung und Ratschläge!
Ich bin auch der Meinung, dass meine Freundin eine Reha oder stationäre Therapie machen sollte. Der Therapeut ist in der Tat anscheinend entweder ein Idiot, oder aber sie macht ihm was vor. Wahrscheinlich beides.
Ich muss dazu sagen, dass meine Freundin ist ein sehr "stolzer" Mensch, der sich sehr an seiner erfolgreichen und "blankpolierten" Fassade festhält.
Sie kann sich überhaupt nicht öffnen, nur wenigen Personen, denen sie sehr vertraut.
Ich denke, sie schämt sich, zuzugeben, dass sie ein Problem hat, dass das Leben für sie nicht so gelaufen ist, wie sie das wollte, dass sie gescheitert ist mit dieser Beziehung.
Sie wünscht sich Hilfe, schafft es aber einfach nicht, es zuzugeben. Die Scham sitzt tief, liegt wohl mit an den Eltern, denen Leistung immer sehr wichtig war, die aber auf emotionaler Ebene nie oder nur oberflächlich agiert haben. Darum macht sie dicht,ist auch im Moment sehr "faky", künstlich, um das zu überspielen.
Ich habe selbst in meinen Zwanzigern einige Therapeuten wegen Magersucht augesucht und muss sagen, dass der Patient da mitmachen und sich drauf einlassen muss, sonst bringt es nichts.
Das alles durchblickt meine Freundin auch, sie kann es rational begreifen, weiß um ihre Blockade, aber kann nicht aus ihrer Haut. Daher ist sie ja auch kaum in der Lage, Freunden gegenüber auf ihre Situation hinzuweisen. Ich kenne sie sehr gut und finde daher die richtigen Worte und frage gezielt nach, aber auch bei mir blockt sie teilweise ab, mit einem künstlichen Lachen.
Der Trennungsgrund war, ich glaube, das habe ich vielleicht nicht genau genug erklärt, dass sie herausfand, dass er sich auf einer Singlebörse rumtrieb. Auch er konnte nämlich Probleme nicht ansprechen und machte seinem Unmut über Schwierigkeiten in der Bezieung so Luft ( diese waren aber eigentlich leicht behebbar, wenn mal gesprochen worden wäre).
Als sie das herausfand, war sie total verletzt, konnte das aber wieder nicht verbalisieren, sondern reagierte mit großem Zorn und Aggress, was ihn, der sich anfangs sehr um Wiedergutmachung bemühte, immer weiter wegstieß.
Ihr war es peinlich zuzugeben, dass sein Verhalten sie gekränkt hat. Verlassen wollte sie ihn nicht, aber sie konnte nicht anders auf ihn reagieren als mit Wut darüber, dass er in ihren Augen die Beziehung zerstört hätte.
Das mit der Reha jedenfalls haben wir schon thematisiert. Der Gedanke, sich dort mal "auszuruhen", gefällt ihr zwar, aber dass sie dort mitarbeitet bezweifle ich, sie auch, da sie den Therapeuten auch dort was vormachen würde. Sie hat vor Jahren (noch vor der Sache mit dem Ex) schon mal einen Versuch unternommen (bei depressiver Episode) und ist nach 3 Tagen abgereist, weil sie sich nicht "so krank" darstellen wollte.
Daher überlege ich die ganze Zeit, ob ich sie vielleicht doch motivieren soll, den Ex zu kontaktieren. Vielleicht geht es ihm entweder ähnlich und es gibt tatsächlich ein "Happy End" oder aber, sie begreift bei erneutem Kontakt, dass es früher mit ihm doch nicht so toll war und kann Abstand gewinnen. Sie dreht und wendet diesen Gedanken, kann sich aber nicht recht entscheiden, ist auch hier völlig geblockt.
Hmm schwierig. Ich antworte dir auch noch auf deine PN, liebe Karla! Einen schönen Samstag allen!
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11.01.2014, 12:31
AW: Freundin verstrickt sich immer mehr in der Vergangenheit- wie kann ich ihr helfen
Ich würde davon abraten, ihr zu sagen "Tu doch dies-und-jenes" in Sachen Ex. Das muss sie schon selbst entscheiden. Und mit Entscheidungen wichtigerer Natur ist ein Depressiver überfordert! Und im Zweifel trifft er die Falsche!
Höchstens ihr zeigen, wo und wie sie Hilfe bekommen kann.
Du kannst nicht mit ihr umgehen wie es ein Therapeut tun könnte, damit bist DU überfordert! Du kannst ihr eigentlich "nur" zeigen, dass du sie liebhast, egal wie sie ist, egal was sie "leistet", dass du sie als Mensch so annimmst, wie sie zu dir kommt, egal wann, egal wo, egal wie.
Was hat diese Frau für ein Glück, so eine liebe besorgte Freundin zu haben!
PS Ein Therapeut der nicht rafft wie der Patient tickt...*hüstel* Das kann ich mir NICHT vorstellen.Geändert von Karla48 (11.01.2014 um 12:34 Uhr)
The original Karla
est. 2006













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