Seit gestern liegt mein Leben in Scherben vor mir und ich kann es noch nicht mal ansatzweise begreifen.
Zur Vorgeschichte: Mein Freund ist fast 28, ich 35. Wir sind seit 3 ½ Jahren zusammen. Seit letzten Herbst ist er mit seinem Medizinstudium fertig und arbeitet seither recht viel, während ich die letzten Jahre schon immer viel gearbeitet habe.
Vor 4 Monaten sind wir in eine größere Wohnung gezogen, seit 1 ½ Jahren versuchen wir ein Kind zu bekommen und vor 5 Wochen hat er mir einen Heiratsantrag gemacht ( 100 % von ihm aus, null Druck von meiner Seite aus).
Unsere Beziehung ist sehr harmonisch, nicht weil wir beide so harmoniesüchtig sind, sondern weil wir uns sehr gut verstehen ( wir waren von der Beziehung gute Freunde), gerne diskutieren. Temperament völlig verscheiden, aber in der entscheidenden Dingen zu 99% derselben Meinung.
Das Drama fing damit an daß mein Freund seit ein paar Wochen immer mal wieder Magenschmerzen hatte, letztes WE war es dann richtig schlimm: wir zur Apotheke Tabletten holen, Cola und Brezen kaufen. Hat alles mittelprächtig geholfen. Diese Woche wollte er sich noch einen Termin für eine Magenspieglung geben lassen. Gestern Abend kommt er heim, Magen immer noch nicht besser und da frage ich ihn ob ihm vielleicht was auf den Magen geschlagen ist: da brach dann alles raus: er findet daß unsere Beziehung nicht mehr so richtig gut läuft, er fühlt sich oft nicht genügend geliebt von mir und wir würden zu wenig Zeit zusammen verbringen.
Er weiß auch nicht ob seinerseits noch genug Liebe da ist und wie die wieder zurückkommen soll.
Am Sonntag waren wir noch Hochzeitslocations anschauen und er sagt mir wie sehr er mich liebt und dann so etwas?
Ich verstehe die Welt nicht mehr! Ihm geht es wohl schon länger so aber er dachte es wird wieder alles irgendwie gut. Er kommt so spät mit all den Sachen daher, daß ich das Gefühl habe nichts mehr retten zu können, daß alles zu spät ist. Auf die Frage wie es weitergehen soll kann er nur mit den Schultern zucken.
Gestern um die Zeit war mein Leben noch in Ordnung, heute weiß ich nicht wie ich den Tag überleben soll!
Freunde, denen ich es erzählt habe ( wir hatten Verabredungen diese Woche) können sich auch keinen Reim drauf machen.
Ich kann verstehen daß er vielleicht in seinem Alter etwas kalte Füße vor den ganzen Plänen bekommt. Wobei wir quasi von der ersten Woche unserer Beziehung über Heiraten und Kinder gesprochen hatten: für ihn war immer klar daß nicht eine Frau möchte die nie Kinder haben will oder ihre Karriere wichtiger ist. Momentan bin ich wohl eher die typische Karrierefrau ( auch wenn ich das nicht so sehe), aber daß ich so spät dran bin mit Heiraten oder Kindern liegt nicht an der Wichtigkeit meines Jobs sondern viel mehr daran daß der richtige Partner da war. Und mit richtig meine ich nicht Beruf, Geld etc, sondern daß es sich für mich richtig anfühlt.
Wenn Kinder dann nur mit ihm.
Wir zwei gegen den Rest der Welt- so war das bis gestern noch. Kann ich mich so getäuscht haben?
Ich bin zu allem bereit- nur habe ich das Gefühl daß er uns auf einmal abgeschrieben hat.
Was soll ich nur tun?
Antworten
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Thema: Leben in Scherben
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05.04.2011, 12:41
Leben in Scherben
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05.04.2011, 13:03
AW: Leben in Scherben
Liebe Helene,
ich hab dir eine PN geschickt bzgl. unterschiedlicher Liebessprachen. Evtl. hilft euch das ja weiter!Eine erfolgreiche Beziehung besteht nicht darin, den richtigen Partner zu finden, sondern darin, füreinander die richtigen Partner zu sein!
Beziehung bedeutet Entwicklung zu zweit, denn was beide angeht, können auch nur beide lösen!
Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollten und das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.
Wenn wir anderen mit einer Fackel den Weg erleuchten, bleibt es nicht aus, das wir dabei unseren eigenen Weg auch erleuchten.
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05.04.2011, 13:53
AW: Leben in Scherben
Ich habe diese PN auch bekommen, habe mir das Buch aber leider erst etwas später gekauft. Los, renn SOFORT zum Buchladen und bestelle Dir das Buch. Dann weißt Du 100%ig was Dir Dein Freund sagen will. Wenn Du das Buch gelesen hast siehst Du alles mit anderen Augen, GARANTIERT.
Sternschnuppe, sollte man das Buch nicht bekannter machen ? Hier im Forum haben doch alle mehr oder weniger die gleichen Probleme.
V.
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05.04.2011, 14:11
AW: Leben in Scherben
helene

was du tun sollst? ... mh ich würde sagen ihn in seinen zweifeln ernst nehmen und ihm die möglichkeit geben für sich selbst rauszufinden was er will, indem du dich zurückziehst und auch dich konzentrierst
sag ganz sachlich was du denkst und fühlst und wie du dir eure zukunft vorgestellt hast und dann gib ihm zeit sich zu finden und ganz ehrlich sei froh das er VOR der Hochzeit damit rausrückt und nicht erst danach!
hätte mein ex-mann seine zweifel vor unserer Heirat ernst genommen, wäre uns die gerade erfolgte Scheidung erspart geblieben und mir die vorangehende trennung mit dem gefühl die letzten jahre um etwas betrogen worden sein, auch
alles gute für dich - wie immer es auch weitergeht
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05.04.2011, 15:31Inaktiver User
AW: Leben in Scherben
Bitte, was ist der genaue Buchtitel? Ich würde das Buch, denke ich, gerne lesen.
Danke und Gruß
DuD
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05.04.2011, 21:28
AW: Leben in Scherben
Liebe Helene!

Es tut mir richtig weh, deinen verzweifelten, ratlosen Beitrag zu lesen.
Also. Er sagt, dass er im Moment nicht weiß, wie es weitergehen soll, ja? Hast du ihn gefragt, ob es irgendwie mit den anstehenden, ernsten Entscheidungen (Hochzeit) zu tun haben könnte? Kann er das überhaupt selbst einschätzen?
Ich glaube, dass es in so langen Beziehungen Momente gibt, in denen man zweifelt. Vielleicht manchmal ausgelöst durch Wendepunkte wie Hochzeit, Familienplanung, etc... Es ist dann wichtig, wie man damit umgeht. Dass dein Freund das so lange für sich behalten hat, macht es so schwierig.
Aber ich sehe es im Moment auch nicht so, dass jetzt plötzlich alles für euch vorbei ist. Er hat dir jetzt an diesem Punkt gesagt, dass er zweifelt.
Ich denke, du solltest (wie Jasmintee schreibt) ihm erstmal etwas Zeit und Abstand geben. Ihm zeigen, dass du ihn mit seinen Bedenken ernstnimmst. Wenn er dazu bereit ist, wäre es gut, wenn ihr offen darüber sprechen könnt, wie es weitergeht. Was fehlt ihm vielleicht? Woran könnte man arbeiten? Wäre eine Paartherapie eine Option? Ist es einfach der Alltag, der in die Beziehung eingekehrt ist, der ihm zu schaffen macht?
Aus deiner Beschreibung von ihm denke ich, dass er die Beziehung nicht leichtfertig wegwirft.
Versuch erstmal, viel mit Freunden zu reden, damit du den Schmerz etwas rauslassen kannst.
Und dann abwarten... Erstmal kannst du nicht viel anderes machen.
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05.04.2011, 21:40
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05.04.2011, 22:35Inaktiver User
AW: Leben in Scherben
Helene,
einen richtigen Trost habe ich für dich nicht
.
Ich sehe es mal aus der (möglichen) Sicht deines Freundes. Er ist einige Jahre jünger als du, ist erst seit kurzem im Beruf. Kann es vielleicht sein, dass er sich jetzt erstmal auf den Beruf konzentrieren will ? Das Leben genießen ? Und sich nicht gleich "einschränken" lassen will durch ein kleines Kind und Familie ? Auch wenn er sich das "irgendwie und irgendwann" wünscht ? Diese Gründe hätten mit dir als Mensch und Person garnichts zu tun......
Ich denke, du kannst nur abwarten. Ihm Zeit geben, sich über sein Leben klar zu werden. Ewig brauchst du nicht auf seine "Entscheidung" warten, dein Herz wird dir sagen, was zu tun ist.
Gruß, Elli
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06.04.2011, 13:49Inaktiver User
AW: Leben in Scherben
Ja- es klingt auf den ersten Blick sehr widersprüchlich, aber irgendwie.....ist es das dann doch nicht .....in meinen Augen....
Ich vermute mal, daß der Abschluss von Studium und das Eintreten in die richtige Arbeitswelt bei Deinem Freund durchaus Ängste gebracht hat.
Und wie holt man sich dann Sicherheit??.....am besten mit was Bindendem, was wirklich Stabilität und Sicherheit beinhaltet.-- also.....ist ein Heiratsantrag da nicht so abwegig.
Nun- dann läuft alles....die Ängste werden mit jedem Tag weniger, denn man erlebt, daß man alles schaffen kann- oder sie begleiten einen noch......auf jeden Fall wird dann die vermeintliche Frage zur Sicherheit (Heiratsantrag) dann plötzlich zur zusätzlichen Belastung, denn damit kommen ja auch neue Fragen/Unsicherheiten auf.
Ich glaube nicht, daß Dein Freund da nun wirklich die Segel streichen will!
Es ist schlicht zuviel, was da gerade auf ihn einströmt und ich vermute, er braucht nur Zeit und die Option, daß er Freiheit hat-- dann wird schon alles gut werden.
Ich würde an Deiner Stelle das alles nicht so persönlich nehmen- ich weiss, wird kaum gehen
, aber ich denke, daß es nicht um Dich geht oder um die Liebe zu Dir- sondern nur um ihn, da viel vor ihm liegt und er das gerade noch nicht überblicken kann.
Lass ihm doch Zeit....schiebt doch diese Hochzeitssache einfach mal nach Datum X hinaus......"irgendwann"....damit gibst Du ihm Luft.
Wenn er ein so "Zarter" ist, daß ihm sowas auf den Magen schlägt und er es sogar benennen kann- das können gar nicht soviele Männer-- und damit schonmal sehr gut, daß er redet und auch formuliert......ich vermute, es muss ihm wirklich nicht gut gehen, wenn er diesen Weg nun so nimmt.
Gib nicht alle Träume auf-- wenn es so lange gut lief, dann wird das auch wiederkommen- Gefühle können andere sehr nach hinten schieben und je nach Charakter ist auch nicht für jeden der Eintritt ins Berufsleben einfach und problemlos.
kenzia
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07.04.2011, 08:45
AW: Leben in Scherben
Hallo, vielen Dank für eure zahlreichen Antworten und entschuldigt bitte daß ich mich erst jetzt melde, aber ich konnte am Dienstag nur noch weinend aus der Arbeit und habe mich im Hotelzimmer verkrochen. Begreifen wie das Leben von einer auf die andere Sekunde so aus den Fugen geraten kann ist mir nach wie vor unbegreiflich. Ich nehme seine Ängste voll und ganz ernst und die Hochzeit ist mir so was von schnuppe: der Antrag war voll und ganz sein Einfall, ich habe weder gedrängelt noch sonst was. Ich liebe ihn einfach so sehr, daß der Antrag noch die kleine Schokoflocke oben drauf war ( und er hat bei sämtlichen Freunden und Kollegen ganz freudestrahlend davon berichtet und wie sehr er sich freut).Daß die Arbeit einiges verändern wird, das habe ich befürchtet, da er sich in der Klinik auch noch mit dem großen Namen seinen Vaters rumschlagen muß. Dass einzige was ich ihm vorwerfe ist daß er so lange damit gewartet hat bis er mit der Sprache rausrückt was ihm fehlt / nicht passt. Es ist ja nicht so daß dem Montag zahlreiche Diskussionen und Streits vorausgegangen wären, sondern wirklich aus heiterem Himmel. Das zieht mir immer noch den Boden unter den Füßen weg. Wir haben vorgestern telefoniert und uns gestern getroffen: wir mußten beide viel weinen, haben viel geredet und haben noch viel mehr zu reden. Seine ganzen Vorwürfe nimmt er selbst nicht ernst, nach wie vor bleibt daß er denkt seine Gefühle sind nicht mehr so stark wie vor 3 1/2 Jahren und er nicht weiß ob er sich noch austoben will. Dazu muß man sagen daß er trotz seinen fast 28 Jahren mehrere längere Beziehungen hatte die nach dem selben Muster geendet haben ( ohne Hochzeitsantrag). Wir haben sehr viel zusammen und getrennt voneinander unternommen und sind nicht Couchpotatoes. Ich habe ihm eine Pause vorgeschlagen, das fand er gut. Um dann weiterzusehen wie und ob wir das wieder hinbekommen. Eventuell machen wir noch eine Therapie. Gestern war ich ganz ruhig im Hotelbett gelegen, bin dann aber die ganze Nacht dauernd schweißgebadet mit Herzrasen und Magenkrämpfen aufgewacht und habe seither einfach nur noch Angst: wie verliert man den anderen nicht ganz? wie kann man sich trotzdem nah bleiben ohne den anderen zu bedrängen. Ich habe das Gefühl ich kann sowieso nur alles falsch machen. Wir beide haben immer sehr viel Nähe gebraucht, er oft mehr als ich: bei Besuchen durfte ich nicht woanders sitzen als neben ihm, weil er mich spüren muß. Freunde sagen daß sie selten bis nie so eine Innigkeit bei Paaren erlebt haben und ich habe einfach so schreckliche Angst daß dies alles verlorengeht und auf einmal nicht mehr zählt. Danke euch für's Zuhören, Helene2


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