Hallo an Alle,
ich habe bereits vor Wochen schon einmal unter dem Beitrag "Ich fühle nichts mehr..." gepostet.
Kurze Zusammenfassung: Seit 15 Jahren verheiratet, 2 Töchter 13+11, seit Jahren von mir aus keinen Wunsch nach Sex und das Gefühl, ihn nicht mehr zu lieben.
Dank einigen hier im Forum (Ypnowomen) habe ich einige Feedbacks bzgl. meiner Kommunikation mit meinem Mann bekommen. Und da die Situation zwischenzeitlich für mich unerträglich wird, habe ich den offenen Austausch mit meinem Mann gesucht.
Ich habe ihm offen gesagt, dass ich nichts mehr empfinde. Das ich unsere Ehe als Zweckgemeinschaft empfinde und der Gedanke an Sex unerträglich geworden ist.
Wohlgemerkt war kein Vorwurf dabei und ich habe im ganz klar gesagt, dass es hier nicht um Schuldzuweisung sondern um die Beschreibung meines Ist-Zustandes geht. Im Gegensatz zu früher habe ich diesmal aber nicht locker gelassen (Ypnowomen-Konsequenz). Ich habe ihm gesagt, dass wir Hilfe brauchen, ich selbst nicht mehr klar denken kann und jegliche Objektivität verloren gegangen ist.
Immer wieder wollte mein Mann alles abtun und sich aus dem Gespräch ziehen, weil er meine Probleme nicht versteht. Nach langem Hin und Her habe ich ihm gesagt, wenn er nicht bereit ist, mit mir einmal zu einem Paartherapeuten zu gehen, werde ich ausziehen.
So und das hat er getan, mir zu liebe, denn er ist zufrieden mit seinem Leben und liebt mich abgöttisch. Egal, ich bin dankbar, dass er mitgegangen ist.
Vor dem Therapeuten saßen dann also ein Mann, der sehr zu zufrieden ist und eine Frau, die zunehmend unglücklicher wird. Auf die Frage nach unserem Sexleben meinte mein Mann, das wird sich auch wieder ändern (nach 6 Jahren). Die Fragen des Therapeuten konnte er nicht beantworten weil er eigentlich nicht dort sein sollte, er hat keine Probleme.
Der Therapeut meinte zu mir, ob ich wüsste, was meine Hauptaufgabe sei: Das es mir gutgeht.....
Nach einigen Tagen Kopfzerbrechen und weiteren Gesprächen mit meinem Mann, habe ich meinem Mann vorgeschlagen, unser Ehe zunächst als freundschaftliche Verbindung weiterzuleben und jeden seinen Weg gehen zu lassen, mit gemeinsamen Aufgaben die Familie betreffend. Das würde uns einen Druck nehmen und wir würden dass, was wir sowieso schon leben, einfach ausgesprochen weiterleben und das ganz ohne Erwartungen.
Er wurde so wütend, weil er das Problem nur auf meiner Seite sieht, wo er doch so zufrieden ist.
Ich stehe irgendwie im Vakuum und komme mir vor wie eine Furie, die nicht zu schätzen weiss, was sie in ihrem Leben hat (Haus, Kinder, Job, Mann) und zuviel möchte.
Hinzu kommt, dass ich meinem Mann keine konkreten Vorwürfe, wie z.B. Alkohol, Gewalt, Fremdgehen machen kann.
Was mir fehlt ist Ernst genommen zu werden aber auf einer Ebene, die den organisatorischen Ablauf übersteigt.
Mir fehlt der Austausch, in dem über Gefühle gesprochen wird und in dem ich meine Gefühle aber er auch seine Gefühle nennt. Dieses diffuse Zufriedensein ist für mich so wenig greifbar.
Er nennt dies alles Psychoscheiss und ist nicht bereit, sich selbst mal in Frage zu stellen und mal genau hinzuschauen, ob es ihm wirklich in allen Dingen gutgeht. Ich bin jetzt die Böse, weil ich dies anders empfinde und er mir doch alles bietet.
Ein kleines Beispiel: Vor einiger Zeit hat sich unsere Tochter leicht selbst am Arm verletzt, weil sie in der Schule darüber gesprochen hatten. Im Nachhinein hat sich alles als "Probieren" herausgestellt und spielt wirklich keine Rolle mehr.
Zu dem Zeitpunkt aber war ich sehr geschockt und wusste nicht, wie ich dem begegnen sollte.
Ich bin dann mit meinem Mann spazieren gegangen und habe es ihm gesagt und meine Angst und Sorgen mitgeteilt. Er meinte nur, dass ich maßlos übertreibe und er diesen Psychoquatsch nicht ertragen könnte.
Ich habe mich so allein gefühlt.
Ist schon lange dieses Gefühl bei mir: "Ich schaffe es auch allein."
Es ist schwer zu beschreiben. Mein Mann ist kein schlechter Mensch, aber ich fühle mich von ihm gut versorgt aber nicht gesehen.
Ich weiss sehr genau, dass das bei mir anders war. Ich habe ihn in allem unterstützt und durch mich konnte er eine neue Ausbildung hier machen. Habe ich immer so gesehen, dass er es für uns getan hat und war von meiner Seite aus selbstverständlich. Mir war es wichtig, auf Geburtstage zu achten, zu wissen, was er gerne hätte, von seiner Seite aus war dies nie wichtig.
Meine Arbeit hier zu Hause und auch die Kindererziehung war selbstverständlich und wenn ich abends mal genervt war, wies er mich auf seine Mutter hin, die 4 Kinder großgezogen hat.
Im Lauf der Jahre ist bei mir das Gefühl immer geringer geworden und jetzt ist es gar nicht mehr da.
Meine persönliche Veränderung in den letzten 2 Jahren besteht darin, dass ich einen Job angenommen habe, der mir sehr viel Spaß macht mit einem tollen kollegialen Umfeld. Ich unternehme wieder mehr mit Freundinnen und spüre mich selbst wieder mehr.
Ich habe eine Affäre angefangen (nein, ich bin nicht stolz darauf), die in mir wieder alle Gefühle positiv wie negativ zum Vorschein gebracht hat.
Ich will diese Affäre nicht in den Vordergrund stellen, weil es für mich die normale Konsequenz aus meiner Unzufriedenheit ist und ich auch sehe, dass es nicht die Lösung meiner Probleme ist. Allerdings wird dadurch so viel in mir aufgewirbelt. denke jedoch nicht über ein Leben mit ihm nach.
Dann komme ich nach Hause und fühle mich antriebslos und müde. Mir fehtl die Kraft für meine "Hausarbeit" und dies nervt meinen Mann noch zusätzlich.
Meine Erklärungsversuche, dass dies mit meiner Unzufriedenheit zusammen hängen könnte, versteht er nicht.
Wenn ich mir einen Vorwurf mache, dann ist es der, nicht immer konsequent meine Bedürfnisse artikuliert zu haben.
Und jetzt will ich es plötzlich nicht mehr....
Andererseits fände ich es fair, uns eine Chance zu geben, mein Mann jedoch hat gar kein Problem.
Wie sollen wir überhaupt ein gemeinsames Ziel formulieren?
Ich freue mich auf Eure Antworten
Grüße
midway
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 1623
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30.10.2008, 15:43
Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Geändert von midway (30.10.2008 um 15:57 Uhr)
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30.10.2008, 16:07
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Hallo midway,
weißt Du, was ich glaube? Dass Dein Mann ein noch viel größeres Problem hat als Du, und das ist mangelnde Konfliktfähigkeit... Es gibt Menschen, die wollen von Problemen gar nichts hören und verdrängen die, weil sie sich sonst damit auseinandersetzen müssten, und das wäre unangenehm...
Zwei Beispiele:
Wenn ich mich mit meiner Mutter streite und mein Vater kriegt das mit, kommt von ihm immer nur, dass wir damit aufhören sollen, er hat den ganzen Tag Stress in der Arbeit, abends will er seine Ruhe. Das war aber schon immer so, auch als meine Schwester und ich noch kleiner waren. Er hat nie Position bezogen und auch nichts geschlichtet mit dem Ergebnis, dass unsere Mutter mit uns machen konnte, was sie wollte. Schuld waren auch immer meine Schwester und ich, damit er keinen Stress mit meiner Mutter kriegt, was halt das größere Übel gewesen wäre...
Eine Freundin von mir hat eine Menge Probleme und kommt meiner Meinung nach mit sich selbst nicht klar. Ihr einziges Thema, wenn wir telefonieren, ist, dass alle einen Mann haben (was gar nicht stimmt), nur sie nicht. Ich hab ihr mal vorgeschlagen, mal mit einem Psychologen zu reden und mal zu schauen, dass sie lernt, auch alleine klarzukommen, weil sie sich mit ihrer krampfhaften Suche nach einem Mann eh nur im Weg steht. Und ich bekam zur Antwort, dass sie das nie und nimmer macht, weil sie genau weiß, dass dann Dinge hochkämen, mit denen sie sich gar nicht mehr beschäftigen will...
Und ich denke, Dein Mann ist ähnlich. Er verdrängt alles, um sich nicht damit beschäftigen zu müssen und auch nichts ändern zu müssen. Das kann meiner Meinung nach nicht sein, dass man damit zufrieden und glücklich ist, wenn der Partner neben einem es nicht mehr ist, das merkt man doch...
Ich könnte mir vorstellen, dass das einzige, was ihn zum Aufwachen bringt, eine vorübergehende Trennung ist. Dass Du Dir eine Wohnung suchst und auf Abstand gehst. Damit er aufwacht und sieht, dass er dabei ist, Dich zu verlieren... Alles andere wird, glaub ich, nicht viel bringen, das zeigt ja auch diese glatte Verweigerungshaltung beim Therapeuten...
Und dass er die Verletzung Eurer Tochter als Psychokram abtut, finde ich erschreckend, da geht die Verdrängung doch eindeutig zu weit...
Dass man da irgendwann mal keine Lust mehr auf die Beziehung hat, kann ich sehr gut verstehen...
Nur wer riskiert, zu weit zu gehen, kann sehen, wie weit er gehen kann... (keine Ahnung, wer das gesagt hat, aber ich finde den Spruch toll!)
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30.10.2008, 16:09
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
WEnn Deine Gefühle definitiv erloschen sind, mußt Du Deinen Weg gehen. Denn sie zurück zu zaubern - das wird nicht gehen.
Schon gar nicht an der Seite eines Mannes, der alles als Psychokacke darstellt, die jetzt schön bei Dir dampft, von der er aber offensichtliche in einer Art Unerschütterlichkeit (und ohne ein Zutun seinerseits) annimmt, dass sie eben bald nicht mehr dampft...
Du kommst nicht weiter. Hast es seit geraumer Zeit versucht.
Warum gehst Du dann nicht einfach? Was hält Dich? Die bequeme Versorgung?
Du schreibst selbst, Du hast das Gefühl es auch alleine zu schaffen. Dann mach es.
Halte es aus, dass man (wahrscheinlich nicht nur Dein Mann) gegen Dich sein wird. Für Dich ist aber niemand, wirklich niemand unglücklich. Niemand muß Deine Gefühle verstehen.
Es gibt genügend Heuchler in Ehen, die keine sind. Gefühle können sich ändern und dann sollte man auch ehrlich sein und seine Konsequenzen ziehen. Das hat Größe.
Hier wird so oft geschrieben, man solle kämpfen. Aber wenn Deine Gefühle erloschen sind, hat kämpfen keinen Sinn.
Und Aussenstehenden würde ich dann sagen, sie sollen doch bitte auch einmal so lange kämpfen, bis sie selbst endlich Gefühle für den Briefträger entwickeln..... Das würde sicher jeder als absurd abtun. Aber immerhin nett, wenn sie glauben, Du könntest das dann so einfach bei Deinem Mann....
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... habe deine Zwecke im Ganzen vor Auge und lasse dich im Einzelnen durch die Umstände bestimmen...
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30.10.2008, 16:13
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Hallo an euch Beide,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich habe gerade keine Zeit mehr, werde später antworten.
Nur kurz: Ganz erhlich, ich gehe nicht, weil ich ihm nicht wehtun will.
Ich glaube, ich wäre stark genug, dies zu schaffen auch mit Kindern.
Aber mein Mann hat mit solcher Inbrunst unser Haus renoviert, ich bringe es nicht fertig, ihm dies alles wegzunehmen.
Dies zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Meine Eltern haben mich erdrückt vor Liebe und wenn jemand "nett" zu mir ist, fällt es mir extrem schwer, diesen zu verletzen und meine Gefühle überhaupt zu erkennen.
Bis nacher
midway
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30.10.2008, 16:25
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Midway, lies mal das Buch "Das brave Tochter-Syndrom" oder "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überallhin". In beiden Büchern werden Dir die Augen ausfallen vor lauter Staunen... Du wirst sehen, die Autorinnen schreiben DEINE Geschichte...
Es ist DEIN Leben, wach auf!!! Es kann Dir egal sein, was andere denken oder fühlen, wichtig ist, wie es DIR geht... Hat Dir Dein Therapeut doch auch schon gesagt!
Wenn Du Deine sieben Sachen zusammenpackst und in ein neues Leben startest, wird das für Dich wie ein Befreiungsschlag sein, das prophezeie ich Dir... Dir wird es besser gehen! Und Du wirst froh sein, es getan zu haben...
Wenn Du bleibst, wird Dir immer was fehlen... Du wirst immer unglücklich sein, damit andere es nicht sind. Ist das Dein Lebensziel - Dein Leben leben, um andere glücklich zu machen? Doch wohl nicht...
Ich kann Dich schon verstehen, aber überleg mal, ob es das wirklich wert ist... Ich sag's nochmal: Es ist DEIN Leben!!!!Nur wer riskiert, zu weit zu gehen, kann sehen, wie weit er gehen kann... (keine Ahnung, wer das gesagt hat, aber ich finde den Spruch toll!)
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30.10.2008, 18:11
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Zitat von crocus53
Hallo Crocus,
ich habe immer noch keine Zeit, auf alles einzugehen. Gehe gleich weg und komme spät wieder heim, vielleicht dann.
Nur kurz zu Deinem o.g. Beitrag. Da habe ich echt herzhaft gelacht. Der Unterschied liegt ja wohl darin, dass ich in unseren Briefträger noch nie verknallt war (und es sehr wahrscheinlich auch nie sein werde- Du weisst nicht, wie der aussieht
)
Da können Gefühle ja auch nicht verschüttet sein.
Allerdings gibt es einen Bofrost-Mann, der könnte sich ruhig ein bisschen in mich verknallen..........
Grüße midway
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30.10.2008, 18:22
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Midway,
du hast eine Midlife-Krise. Dafür kann dein Mann nichts.
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30.10.2008, 18:34
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Hallo Bruno,
sprichst Du aus Erfahrung?
Hilft mir nicht wirklich weiter, wenn ich nur so einen Satz um die Ohren gehauen bekomme.
Ich weiss selbst, dass ich eine Krise habe - nenne sie wie Du willst. Nur ist die Krise nicht auf ein paar Monaten begrenzt, sie kommt nur in Bewegung. Nein, die habe ich seit Jahren.....
Scheinst mich gut zu kennen....
midway
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30.10.2008, 19:46
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Aber Dein Mann, der Dich permanent ignorieren darf mit "seiner Liebe" - der absolut nüschte tun will - dem willst Du Dich unterordnen (was anderes ist es doch nicht - Du machst Dich klein)? Genau das ist es, was ich noch verletzender finde.Dies zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Meine Eltern haben mich erdrückt vor Liebe und wenn jemand "nett" zu mir ist, fällt es mir extrem schwer, diesen zu verletzen und meine Gefühle überhaupt zu erkennen.
Dieses kurze Leben von maximal 100 Jahren in der Zeitgeschichte ist nicht dazu da, es am Menschen zu verschwenden, für die man nichts empfindet. Wenn Du ehrlich wärst, wäre es doch besser, Deinen Mann frei zu geben, damit er auf die Frau treffen kann, die ihn von ganzem Herzen liebt.
Wenn er selbst keinen Anspruch darauf erhebt, sondern sich mit Deiner Gefühllosigkeit zufrieden gibt - bitte sehr, sein Problem.
Du bist für Dich verantwortlich. Und wenn Du glücklich bist, wirst Du vielleicht auch eines Tages wieder einem Menschen begegnen, dem Du ehrliche Gefühle entgegenbringen kannst.
Ein renoviertes Haus wird Deine Gefühle nicht polieren.....
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30.10.2008, 22:44Inaktiver User
AW: Unsere Ehe: Ich bin unglücklich...Ihm geht es gut
Dass heißt, ich habe das gleiche. Eine Midlife-Krise. Aber in meinem Alter!!!???
Zitat von bruno1


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