@Karla
Vielen Dank für Deine ehrliche Antwort. Du hast mit vielem recht und auch ich habe mir schon gesagt "scheiße, jetzt bist Du in die Opferrolle hineingeraten, in der Du nie stecken wolltest".
Ich habe ganz klar die Entscheidung mit getragen, hierher zu ziehen und habe mich hier eigentlich auch sehr wohl gefühlt. Dass ich hier noch keine Freundin gefunden hatte, fand ich nicht so schlimm, denn ich kann sehr gut auch alleine sein. Es wäre halt manchmal einfach schön gewesen.
Und wie weiter oben beschrieben, habe ich mir schon ein gewisses soziales Umfeld geschaffen, wenn es auch "nur" andere Mütter sind, mit denen ich mich treffe, damit mein Sohn mit anderen Kindern spielen kann.
Mir war klar, dass mein Mann viel unterwegs ist, das war er vorher auch schon, aber wie Du schon festgestellt hast, war es hier anfangs eine anstrengende Zeit, in der ich vieles alleine managen musste und in der ich mir mehr Unterstützung gewünscht hätte. Er war manchmal 3 Nächte weg und da ich nachts oft aufstehen musste und unser Sohn in der Phase dazu noch tagsüber einige Trotzanfälle hinter sich brachte, war ich oft genervt und kaputt. Ich kenne einige Frauen, die ihren Männern, sobald sie abends zur Tür rein kommen, das Kind in den Arm drücken. Das hab ich nie gemacht (vielleicht hätte ich es besser...). Aber ich habe ihn öfter gesagt, dass wir uns mit dem Ins-Bett-bringen abwechseln müssen, erstens weil es mich entlastet und zweitens weil sich der Kleine sonst nur an mich gewöhnt (was im Endeffekt auch so war). Ich glaube NICHT, dass das zuviel verlangt war. Er hat mir auch immer schön recht gegeben und gesagt, dass sich das ändern muss.
Passiert ist nichts. Und das ist, was mich im Nachhinein so ärgert und wo ich dann eben wenn Du so willst herumjammere, dass ich hier alleine mit Kind gehockt bin, ihm den alltäglichen Stress vom Leib gehalten habe, während er sich eben das Außen geholt hat, was er wohl vermisst hat - was ich im übrigen auch vermisst habe. Ich lgaube, da ist es mein gutes Recht, verletzt zu sein.
@Ypnowoman2. Vielen Dank für Deine Antwort. Wir haben hier ja Familie - seine, von der wir uns ja wie oben beschrieben etwas Unterstützung erhofft hatten. Klar darf man das nicht einkalkulieren, aber ich habe schon gedacht, dass sie ihren Enkel öfter mal nehmen, zumal sie, als wir noch in München gewohnt haben, immer rumjammerten, sie sähen ihn so wenig.
Wenn ich nicht ab und zu mal hinfahren würde (es sind 6 km!!!), hätten sie ihn hier auch nicht öfter zu Gesicht bekommen, denn sie warten nur, bis wir sie besuchen kommen, von selber kommt nix - außer Gejammer, wenn man sich mal 1 Woche nicht meldet. Dieses Thema habe ich jetzt komplett an meinen Mann abgegeben, weil es mir im Moment ehrlich gesagt "sch...egal" ist, ob sie ihn sehen oder nicht. Wenn sie sich nicht melden, ich tu's nicht und wenn mein Mann nicht mit dem Kleinen hinfährt, ich mach's auch nicht. Ich war lang genug die "brave" Schwiegertochter.
Ich bin gerade am Suchen nach professioneller Hilfe. Bis jetzt habe ich nur eine Eheberatung bei der Diakonie gefunden, konnte mich aber noch nicht durchringen, anzurufen. Die Reaktion von meinem Mann, als ich von Paarberatung sprach, war keine bzw. Augenverdrehen....
Unser Sohn ist - mal abgesehen von seinen schlechten Schlafgewohnheiten und den entwicklungsbedingten Trotzanfällen - ein absoluter Goldschatz, den man wirklich überall mit hinnehmen kann. Aber ich schaue bei ihm schon auf einen relativ geregelten Tagesablauf und versuche, dass er möglichst pünktlich ins Bett kommt, denn sonst müssen wir es nachts ausbaden.
Du hast recht, es muss nicht das Ende sein und ich hatte Phasen, da dachte ich, wir kriegen das so hin. Aber im Moment habe ich zuviele negative Gefühle und flippe bei jeder Gelegenheit aus. Das ist nicht gut, aber es brodelt einfach in mir. Er sagt, er liebt mich, aber kann man jemanden lieben, den man hintergeht und anlügt?
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Ergebnis 11 bis 15 von 15
Thema: Wie wieder vertrauen?
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20.10.2008, 14:19
AW: Wie wieder vertrauen?
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20.10.2008, 14:47
AW: Wie wieder vertrauen?
Ja, kann man.Er sagt, er liebt mich, aber kann man jemanden lieben, den man hintergeht und anlügt?
Und wenn er die Augen verdreht, pfeiff drauf und nehme ihn mit zu Paarberatung. Ich habe damals Hilfe bei der Familienberatungsstelle im Landratsamt gefunden - vielleicht auch für euch eine Möglichkeit?
Die Schwiegereltern... hast du schon daran gedacht dass sie sich nicht aufdrängen möchten? Es wäre eine Erklärung warum sie immer warten dass ihr anruft - würde meine Mutter auch nicht tun (tut sie jetzt noch, nach 19 Jahren nicht
aber ich weiß eben warum sie das nicht tut und nehme es ihr nicht übel).
Aber noch ein Gedanke zu deinem Mann: wenn er die Augen verdreht stellt er sich vielleicht Vorwürfe und Psychoblabla vor... so ist es nicht. Frage ihn ob er sich vielleicht eine entspanntere Athmosphäre zu Hause auch wünscht - wenn ja, ist der Weg frei. Wenn nein... DU wünschst es dir, und er kommt mit. Punkt. Bei meinem Mann war damals die zweite Variante effektiver
Ich habe den K(r)ampf mit den deutschen Artikel(n) aufgegeben!
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20.10.2008, 15:15
AW: Wie wieder vertrauen?
Habe gerade mal beim Landratsamt auf der Seite geschaut und nichts gefunden. Ich rufe aber mal bei der Diakonie an, die haben eine Eheberatungsstelle.
Was mich zur Zeit so wütend macht, ist das Gefühl, nicht respektiert zu werden. Ich habe vor ca. 1 Jahr schon mal in seinem Handy 2 SMS gefunden, für die er dann irgendeine Erklärung hatte, die ich glauben konnte (oder vielleicht eher glauben wollte). Die Mails die ich vor 2 Monaten gefunden habe, betreffen die gleichen Frauen. D.h. er hat mir ins Gesicht gelogen und den Kontakt einfach weiter aufrecht erhalten. Also scheint er mich ja für ziemlich dämlich zu halten oder?
Wegen den Schwiegereltern - nein, das ist nicht die Erklärung. Meine Eltern sind so. Meine Schwiegereltern sind der Meinung, sie haben zuviel zu tun und mein Schwiegerpapa ist so ein Oberpatriarch, der am liebsten immer alle um sich scharen würde (3 Söhne + 2 Enkel). Wenn man aber sagt, ihr könnt doch auch mal raus zu uns kommen, heißt es, ach ich muss doch in den Garten etc... Wie auch immer, wir sind immer brav hingegangen und ich bin meinem Mann zuliebe mit ihnen zusammen in Urlaub gefahren. Das ist alles gegessen. Mach ich nicht mehr.
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20.10.2008, 16:36Inaktiver User
AW: Wie wieder vertrauen?
Yanni,
mir fällt auf, dass Du eigentlich an diversen Baustellen kämpfst, und längst nicht alle haben mit dem Vertrauensbruch Deines Mannes zu tun, wie hier im thread schon ganz richtig beschrieben wurde.
Du fragst, ob Vertrauen wieder hergestellt werden kann - ja, es kann, allerdings wird das nichts werden, wenn Dein Mann nicht gemeinsam mit Dir diesbezüglich an einem Strang zieht. Da kommt sowohl für Euch als Paar als auch als Individuen Arbeit auf Euch zu, und die lässt sich nicht mal eben so im Schweinsgalopp erledigen.
Du darfst traurig, ärgerlich, zornig, enttäuscht sein.
Du darfst Dir Raum für diese Empfindungen nehmen, und von Deinem Partner erwarten, Dich diesbezüglich wahrzunehmen und sich mit Dir auseinander zu setzen.
Du darfst die Fragen stellen, die Du stellen möchtest, und Antworten auf Deine Fragen erwarten.
Und selbstverständlich darfst Du wütend sein und an ihm zweifeln, wenn Du mit lapidaren Erklärungen, Augenverdrehen o.ä. abgespeist wirst - auch wenn solche Reaktionen auf Angst und Unsicherheit basieren und somit nachvollziehbar sein können, torpedieren sie doch jeden Vertrauensvorschuss, den Du möglicherweise zu geben bereit bist.
Es kann entsprechend sehr wichtig sein, Vereinbarungen zu treffen hinsichtlich Transparenz, Ehrlichkeit und Offenheit, bis Du Dich wieder sicherer fühlst. Ohne die Bereitschaft zu offener und ehrliche Kommunikation wird es schwierig bis unmöglich, wieder vertrauensvoll zueinander zu finden.
Du wirst auf der anderen Seite Vertrauensvorschüsse geben und Risiken eingehen müssen.
Du wirst Dir gemeinsam mit Deinem Partner anschauen müssen, wie sich Eure Beziehung entwickelte, und dafür Mitverantwortung übernehmen.
Du wirst vielleicht aushalten müssen, dass auch Dein Partner verletzt ist.
Es wird wichtig sein, sich von Schuldfragen zu emanzipieren, und stattdessen individuell Verantwortung zu übernehmen - für Euer jeweiliges Wohl als Individuen, als Paar und als Familie.
All das gehört zum Prozess des Aufarbeitens und die Beziehung auf eine neue, solidere Basis stellens.
Ich kann Dir nur ans Herz legen, Dir zumindest für die Phase jetzt therapeutische Unterstützung zu suchen. Das muss keine langwierige Massnahme werden - vielleicht helfen Dir bereits wenige Stunden in Form einer Krisenintervention, um für Dich selbst wieder klarer zu sehen, stabiler zu werden, und heraus zu arbeiten, wohin die Reise gehen soll.
Es muss nicht notwendigerweise eine Paartherapie sein, auch wenn dies insbesondere hinsichtlich der Kommunikation zwischen Euch sehr wertvoll sein könnte. Auch wenn nur Du Dir Unterstützung suchst, wirkt das in Deine Beziehungen hinein und verändert sie sekundär.
Wenn Du zwischenzeitlich Phasen grosser Verzweiflung durchlebst, hilft Dir vielleicht eine kleine Übung. Es geht darum, Dir das HIER UND JETZT zu vergegenwärtigen. Insbesondere in Krisen neigen wir dazu, immer wieder das Belastende durchzuspielen, uns also entweder in der Vergangenheit aufzuhalten, oder angstvoll auf die Zukunft zu schauen.
Wir leben aber JETZT, in diesem Moment. Es ist daher sinnvoll, Grübeleien zu unterbrechen, wenn sie zu schmerzhaft sind, und ganz bewusst wahrzunehmen, was jetzt, hier, in diesem Moment stattfindet, was wir mit unseren Sinnen erfassen können. Hier, jetzt haben wir auch jederzeit die Möglichkeit, Veränderungen vorzunehmen, die unser Wohlbefinden erhöhen. Was ist wirklich Sache? ist eine Frage, die uns daran erinnert, JETZT gut für uns zu sorgen, um Kraft zu tanken für das, was z.B. in Sachen Auseinandersetzung, Aufarbeitung, Neuorientierung auf uns wartet.
Ich wünsche Dir und Deinem Mann von Herzen, dass Ihr den für Euch richtigen Weg findet!
Grüssle
Seawasp
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20.10.2008, 20:00
AW: Wie wieder vertrauen?
Seawasp,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Sie macht Mut, auch wenn da noch viel Arbeit auf uns wartet. Mein derzeitiges Problem hast Du genau beschrieben - ich lebe momentan eher in der Vergangenheit und hadere damit, was passiert ist und das wirkt sich extrem auf die momentane Situation aus.
Ich bin an einem Punkt, an dem ich mir therapeutische Unterstützung holen muss und das werde ich als erstes in Angriff nehmen. Dann sehen wir weiter.
Lg,
Yanni


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