Also, aus persönlicher Erfahrung kann ich dir nur sagen, Ihr seit am totalen Anfang und habt noch einen langen Weg vor euch. Vorausgesetzt Ihr wollt ihn wirklich gemeinsam schaffen.
Das heißt aber, dass dein Mann sich ebenfalls auseinandersetzen muss damit und dass heißt, dass er auch all deine Stimmungsschwankungen ertragen muss.
Von Wut, Trauer, Enttäuschung, die ganze Bandbreite.
Habt ihr denn überhaupt schon darüber gesprochen, wie es dazu kommen konnte. Ich meine, hat dein Mann Gründe genannt, warum er sich von dir entfernt hat? Ihr beide müßt fair miteinander sprechen, den anderen ausreden lassen.Leßt euch mal das über Zwiegespräche durch:
http://www.aufwind-flensburg.de/paare_1.html
Halt es auch deinem Mann unter die Nase.
Das er Paartherapie ablehnt, aus Scham, ist natürlich der Hohn. Mach ihm klar, das ein Paartherapeut nicht da ist um moralisch zu werten. Im Gegenteil, er ergreift nie Partei, er hilft einem nur(sowohl dir als auch deinem Mann) manche Sachen zu erkennen. Vielleicht hilft es ihm, wenn ihr einen männlichen Therapeuten nehmt, aber ich kann euch nur dazu raten, vorausgesetzt er meint es ernst mit dem Neuanfang...
Wieso kann er nicht dazu stehen, was er getan hat.
Ich sag dir eins. Ich wußte am Anfang(von 9 Monaten) auch nicht, wie ich es schaffen soll, aber mein Mann hat mir sehr dabei geholfen!
Das wichtigste für mich war, er willigte sofort zur Paartherapie ein. Das war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er es versuchen will, auch wenn er bis dahin nicht wußte, ob es uns gelingen würde. Am Anfang konnte er es schwer ertragen über das Geschehene zu sprechen. Ich fragte und fragte und wollte alles wissen, aber er wollte mir mit Details nicht wehtun, denn er wußte genau, das es mir mehr schaden würde als helfen. Anfangs wurde er auch schnell ungeduldig, wenn ich immer und immer wieder davon anfing. Mit der Zeit aber(durch die Therapie) erkannte er, dass er dies aushalten musste und brachte sehr viel Geduld für meine emotionalen Ausbrüche auf. Noch besser war, das er mich dabei in den Arm nahm und mich ganz fest hielt ohne was zu sagen.
Irgendwann einigten wir uns drauf, dass er mich bremste, wenn er merkte, dass ich mich reinsteigerte und nicht mehr rauskam. Er hielt mich dann fest und sagte ganz ruhig sowas wie: Jetzt ist es genug. Ich bin ja bei dir. Bitte hör jetzt auf.
Der nächste Schritt war dann, dass wir begriffen, es konnte nicht ungeschehen gemacht werden, was passiert war. Das musste vorallem ich begreifen. Wir beschlossen den Versuch, das Vergangene hinter uns zu lassen und nach vorne zu schauen. Es ist nicht einfach und es funktioniert auch nicht einfach so, weil man es jetzt beschließt. Zuerst mußte ich mich ziemlich dafür unter Kontrolle halten. Aber irgendwann merkte ich, dass es auch mir gut tat, einfach mal ganz lange nicht mehr davon zu reden. Er wurde entspannter, ich wurde dadurch auch lockerer und dass brachte uns ernorm vorwärts. Es gab plötzlich wieder andere Themen über die man sich unterhielt. Ich fragte ihn z.B. nach der Arbeit oder seinem Sport (was ich wahrscheinlich davor seit Ewigkeiten nicht getan hatte).
Ich kann bis jetzt nicht aufhören, doch immermal wieder "wieso" zu fragen, und dann gibt er mir eine Antwort, an der ich merke, wie sehr er sich darüber Gedanken gemacht hat und ich bin schneller wieder beruhigt.
FAkt ist, ihr müßt beide dran arbeiten. Es kann nicht sein, dass nur du vergiebst und dann geht es so weiter wie vorher. Versucht euch zu fragen, ob ihr überhaupt wollt, dass es so weiter geht wie vorher! Denn irgendwas ist doch falsch gelaufen, oder? Auf jeden Fall muss dein Mann dazu stehen. Das heißt ja nicht, dass er zum Bäcker gehen soll und dort beim Brötchen kaufen erzählen soll: übrigens, ich bin fremd gegangen!
Nein, aber er muss sich damit auseinandersetzen. Denn er hatte ja seine Gründe dies zu tun. Und diese Gründe müssen bearbeitet werden von euch beiden.
Viel Glück dabei und bleib in diesem Forum, dass kann wirklich sehr hilfreich sein!
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 24
Thema: Wie verzeihen und vergessen?
-
11.09.2008, 22:52
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Claudi
"Fürchte Dich nicht vor Veränderungen, fürchte Dich vor dem Stillstand!"
-
11.09.2008, 23:15Inaktiver User
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Seawasp hat völlig recht,wenn sie sagt er müsse über seinen Schatten springen. Er hatte "die Eier" für seine Affaire,dann soll er sie nun nutzen und einsetzen,wenn Du es ihm wert bist !
Zitat von Inaktiver User
Ich behaupte aber es geht auch ohne Streit. Warum denn ? Es ist schliesslich eine Ursachenforschung ohne den Zeigefinger ,wer Schuld hat.Das ist unerheblich und ohne Bedeutung.
Einzig die Ursachen gilt es zu erforschen und neutral und selbstkritisch zu erläutern.
Ich sehe wenig Chancen für ein entspanntes Miteinander und Weiterleben,wenn er nicht bereit ist,Deine Gefühle anzunehmen und damit entsprechend sensibel umzugehen.
-
11.09.2008, 23:45
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Ich selbst habe das auch vor einem Jahr erlebt.Nur das ich betrogen habe.Zwei Monate lief das Ganze.
Ehrlich gesagt waren mir die immer gleichen Fragen meines Freundes auch zu viel.Warum??Manchmal hat das garnichts mit dem Partner und der Beziehung zu tun.Rückblickend kann ich das für mich so bewerten.
ES ist passiert......und menschlich!!Gebracht hat es mir nichts,außer nachträglich Stress und dafür war es viel zu unbedeutend.
-
12.09.2008, 11:24Inaktiver User
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Hallo Josie28,
Seawasp hat vollkommen Recht.
Mit meinen Worten:
Wie kann dein Mann nur so egoistisch sein und nach dem Bullshit, den er verzapft hat, dich emotional weiterhin mit den Zweifeln "sitzen lassen". Zeugt so etwas von Liebe?
Es tut mir leid für dich - aber lass so etwas nicht mehr mit dir machen.
-
12.09.2008, 12:50Inaktiver User
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Ach weißt du wenn einer mal mit der Fremdgeherei angefangen dann bleibt sowas für gewöhnlich nicht bei dem einen Mal.Und je länger du brauchst dich zu trennen umso mehr verlierst du deinen Selbstwert und die Achtung vor dir selber.
Zitat von Josi28
-
12.09.2008, 13:02
AW: Wie verzeihen und vergessen?
>Ehrlich gesagt waren mir die immer gleichen Fragen meines
>Freundes auch zu viel.
kann ich aus deiner warte verstehen. man kommt sich vermutlich vor wie am pranger . . .
nicht zuletzt um diese ewige diskussion warum es dazu kam etc. pp. habe ich josie eine raeumliche trennung vorgeschlagen.ann-christine
lebe lieber ungewoehnlich
-
12.09.2008, 13:22Inaktiver User
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Pranger ist Blödsinn - das ist nicht damit gemeint, wenn es darum geht, Raum und Zeit zu geben für Fragen. "Pranger" setzt voraus, dass es um die Frage geht, wer Schuld hat, und darum, Busse zu tun.
Zitat von Annchristine
Genau darum geht es aber nicht, sondern darum, (neues) Verständnis füreinander zu entwickeln. Und dazu gehört eben auch anzuschauen, was in der Vergangenheit passiert ist. Das geht nicht ohne Schilderungen und Nachfragen ab. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo, seine eigene Art, sich den Dingen anzunähern.
Abstand kann anfangs hilfreich sein. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem es ohne klärende, konstruktive Gespräche jenseits der Schuldfrage nicht mehr geht, wenn man die Beziehung auf neuer Basis fortsetzen möchte.
Alternativ und da, wo dies nicht möglich oder gewünscht ist, bleibt nur die Trennung.
Grüssle
Seawasp
-
12.09.2008, 18:44
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Und Frauen können nicht rückwärts einparken.Ach weißt du wenn einer mal mit der Fremdgeherei angefangen dann bleibt sowas für gewöhnlich nicht bei dem einen Mal.
Prijon
-
12.09.2008, 19:16
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Hallo,
ich kann zum Thema nichts beitragen
, hupf nur kurz hierein, um zora68 ein paar Blumen zu ueberreichen
Sehr schoen geschrieben! Zum ersten Mal kann ich mir vorstellen, dass es moeglich ist, zu verzeihen.
Gruesse,
sanguin
-
12.09.2008, 19:24
AW: Wie verzeihen und vergessen?
Finde ich auch, das war einer der hilfreichsten Posts die ich gelesen habe
zora68
Grüsse Gamby


Zitieren
