Liebe Frauengemeinde,
ich hoffe, ich bin mit meinem Thema bei "Treue und Lügen..." richtig!
Ich lebe seit einiger Zeit als Zweitbeziehung eines Mannes, der mit einer Lebensgefährtin zusammen wohnt. Diese Beziehung/das Verhältnis halte ich in meinem privaten Umfeld geheim, ich gelte als Single. Ich wage es nicht, michin RL mit jemandem darüber zu unterhalten.
Sehr gerne würde ich mich hier mit Frauen austauschen, die sich auch in einer solchen Lebensituation wie ich befinden.
Als ich den Mann kennenlernte, wusste ich lange nicht, dass er gebunden ist. Ich war bereits in ihn verliebt, als ich es erfuhr.
Bei mir ist es so, dass ich in meinen Gefühlen stark schwanke. Ich bin froh, einen Mann gefunden zu haben, für den ich starke Gefühle empfinde und der diese zu erwidern scheint. Aber dann macht es mir sehr zu schaffen, dass ich nicht die Nr. 1 für ihn bin. Dann sehe ich mein Leben in der Sackgasse, ohne Entwicklungsmöglichkeit. So würde ich z.B. gerne mit einem Partner zusammenleben, in Urlaub fahren, in der Gesellschaft als Paar auftreten, etwas gemeinsam aufbauen. Aber am wichtigsten wäre es mir aber, als Partnerin aufzutreten, ihn also offiziell an meiner Seite zu wissen.
Heute ist wieder so ein Tag, an dem es mir sehr schlecht geht und an dem das Gefühl überwiegt, so nicht leben zu können. Ich weiß, dass ich dieses Gefühl auch wieder einige Zeit verdrängen kann. Deswegen gebe ich heute dem Bedürfnis nicht nach, sofort Schluss zu machen.
Kann man in einer solchen Beziehung leben, ohne sich selbst zu verraten? Ist es möglich, sein Selbstwertgefühl dabei nicht zu beschädigen? Verkaufte ich mich unter Wert? Kann mich ein Mann, dem ich als Zweitbeziehung zur Verfügung stehe, überhaupt achten?
Dieser Mann gibt mir gefühlsmäßig sehr viel, aber verblasst das nicht alles vor der Tatsache, nur die Nr. 2 zu sein? Kann irgendetwas diese ernüchternde Tatsache aufwiegen?
Wie kommt Ihr als Zweitbeziehung mit der Situation klar?
Liebe Grüße
Ehawee
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12.07.2008, 21:08
Abwägen zwischen Glück und Leid
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13.07.2008, 08:02
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
Hallo Ehawee,
meine Geschichte ist deiner ähnlich, wenn auch nicht ganz gleich. Ich bin auch eine Zweitbeziehung
, mit seiner Ehefrau läuft aber nichts mehr. Er bleibt aber wegen der zwei Kinder. Ich glaub ihm aufs Wort, dass er mit ihr wirklich nicht mehr glücklich ist - was ich aber inzwischen nicht mehr glaube, ist, dass er sich in absehbarer Zeit trennen wird. Das ganze läuft schon seit über 2 Jahren, ich bin da ganz naiv reingeschlittert. Soweit zu meiner Geschichte.
Zu deiner Frage, ob man in so einer Beziehung leben kann, ohne sich zu verraten... Ja, ich denke, es gibt Frauen, die das durchaus schaffen. Ich gehöre nicht dazu. Meine Bilanz nach 2 über Jahren: Angeknackstes Selbstbewusstsein, Panikattacken, Heulkrämpfe, Therapien, im Moment nehm ich Antidepressiva.
Ja, ich weiß wie sich das liest - ich weiß, dass er nicht gut ist für mich, ich hab auch schon x-mal versucht, mich zu trennen. Es ist eine Art Abhängigkeit... Ich habe mich verändert, leider...
Soviel zu meiner Geschichte - ich kann nur jedem raten: Lasst die Finger davon! Vor allem Menschen, die in dieser Hinsicht so sensibel sind wie ich, werden das ganze nicht unbeschadet überstehen...
Ich wünsche dir alles Liebe!
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13.07.2008, 08:51Inaktiver User
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
Hallo Ehawee,
also, ich lebe nicht in so einer Situation, aber ich sag jetzt trotzdem was dazu:
meiner Meinung nach kann man in so einer Situation nur leben und auch glücklich werden, wenn man genau das haben will! Das ist etwas für Menschen, die auch nicht so viel Nähe zum Partner brauchen oder wollen, viel Freiräume und Zeit für sich und andere Interessen.
Wenn, wie hier beschrieben, der Wunsch da ist, die "no. 1" zu sein - dann leidet man, oder muß Klarheit schaffen.
Was mich stören würde: wenn ich erst so spät davon erfahren hätte, dass er bereits gebunden ist. Egal wie schön seine Geschichte dazu ist (vermutlich: "ich hatte Angst, dass ich dich dann verliere....") ist das kein Hinweis auf einen guten Charakter und könnte bedeuten, dass dir da noch viel Ungemach droht....
Wünsch dir trotzdem alles Gute!
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13.07.2008, 09:02
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
Alles, was lalunax gesagt hat, kann ich nur untersteichen!!!
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13.07.2008, 09:45
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
@ all
Zitat von Inaktiver User
Ich wurde von einer Userin darauf hingewiesen, mich mit meinem Beitrag dem Strang "Solo für die 2. Geige" anzuschließen. Dort steht mein Beitrag nun also auch und wurde schon etwas weitergeführt.
@ lalunax
Ich habe erst so spät davon erfahren, dass er vergeben ist, weil wir uns beruflich kennenlernten (wir arbeiten nicht in der gleichen Firma, es ging um ein großes Projekt, in dem viele unterschiedliche Anbieter eingebunden waren, nun besteht kein beruflicher Kontakt mehr) und der Kontakt über sehr lange Zeit nur geschäftlich lief. Wir haben monatelang kaum Privates gesprochen und das Thema Partnerschaft war überhaupt kein Thema. Ich hätte vielleicht fragen sollen, nachdem ich gemerkt habe, ich beginne Interesse zu entwickeln
Tja, das mit nicht so viel Nähe und räumlichem Abstand kommt mir sehr entgegen. Zumindest habe ich mich bisher so wahrgenommen, da ich auch nie etwas anderes kennen gelernt habe. Ich hatte immer nur Fernbeziehungen. Ich brauche auch sehr viel Zeit für mich, da ich beruflich sehr stark eingebunden bin und auch privat mehrmals wöchentlich etwas vorhabe. Man könnte aber auch sagen, ich habe mir mein Leben im Laufe der Jahre so eingerichtet, weil ohnehin nie ein Partner ständig da war....
@ My2Cents
Danke für Deine offenen Worte! Ich denke auch, dass man dies kaum unbeschadet überstehen kann. Ich hatte bereits eine mehrjährige Beziehung, in der ich auch nur die Nr. 2 war und zwar noch sehr viel deutlicher als aktuell. Damals habe ich mir vorgenommen, mir das nie mehr anzutun. Leider habe ich mich nun verliebt, ohne zu wissen, dass diese Mann vergeben ist....Ich steckte dann gefühlsmäßig schon wieder so weit drin, dass ich entgegen meines Verstandes nicht geflüchtet bin.
Mein Selbstbewusstsein leidet mal mehr, mal weniger. Ich sage mir im Moment, dass ich offenbar nicht gut genug bin (in jeglicher Hinsicht) um einem Mann als einzige Frau auszureichen. Denn in meinen Beziehungen mit ungebundenen Männern wurde ich mehrfach betrogen, also auch da war ich zumindest nicht die einzige Frau für den jeweiligen Mann.
Das Ganze steht im krassen Gegensatz zu meiner Wirkung, die mir Freunde, Bekannte und Kollegen bescheinigen. Danach wirke ich wie eine sehr starke Frau, die weiß, was sie will. Ich glaube nicht, dass jemand auch nur auf die Idee kommen würde, dass ich mich mit dem 2. Platz zufriedengebe.
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13.07.2008, 11:05Inaktiver User
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
Ehawee,
ich kann dich verstehen, aber wiederum auch nicht - deine private/berufliche Situation passt zwar ganz gut zu diesem Arrangement, andererseits fühlst du dich abgewertet dadurch, dass du nicht die "Hauptfrau" bist? Woran hängst du denn deine Gefühle auf? Gerade wenn du eine erfolgreiche Frau bist, musst du dir dein Selbstwertgefühl doch nicht über eine Rangliste definieren?
Kann es sein, dass dich da einfach die Konventionen im Griff haben? Überlege mal, wie es wäre, wenn er "dir allein gehören" würde. Hättest du so viel Zeit, soviel Energie? Willst du dich voll auf ihn einlassen, in jeder Beziehung? Ist es das, was du wirklich willst, mit allen Konsequenzen?
Wenn du darauf "ja" sagst, würde ich um ihn kämpfen.
Wenn du mit ihm so, wie es ist, eine gute Zeit hast, wenn ihr euch etwas geben könnt, wenn es von deiner beruflichen Zeiteinteilung aber gar nicht für mehr reichen würde - dann bist du vielleicht glücklich, ohne es zu bemerken oder zu schätzen zu können? Oder machst dich unglücklich, weil nicht sein kann, was nicht sein darf: als "Zweitfrau" eine glückliche Beziehung zu einem gebundenen Mann zu haben. Dann findet das Problem doch eigentlich nur in deiner Vorstellung statt?
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13.07.2008, 11:42
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
Hallo lalunax,
Zitat von Inaktiver User
hm, ich definiere Erfolg nicht nur über den Beruf. Sondern für mich bedeutet Erfolg, sein Leben insgesamt erfolgreich zu führen. Also auch mit sich selbst im Reinen zu sein. Ich denke auch, dass Zweifel im Privatleben nicht durch einen Beruf aufgewogen werden können.
Ich bin ganz ehrlich: gehe ich von meinem jetzigen Gefühl aus, so sollte im Moment alles genau so bleiben, wie es ist, was die Rahmenbedingungen angeht, also die Häufigkeit der Treffen z.B. Aber ich hätte gerne, dass ich die einzige Beziehung bin und dass er offiziell als mein Partner auftritt. Zwar möchte ich grds. mit einem Mann zusammenleben, aber das muss nicht unbedingt täglich und in der selben Wohnung sein. Mein Ego schreit so furchbar auf, dass ich nicht die Nr. 1 bin, dass immer ich diejenige bin, die überall als Single auftritt.
Ich habe noch nie mit einem Mann zusammengelebt, bestenfalls mal ein WE gemeinsam verbracht. Wenn ich nun von jetzt auf gleich mit einem Mann zusammenleben wollte, würde ich mich überfordert fühlen.
Ja, ich sage mir, dass es nicht reicht, Zweitfrau zu sein. Dass sich alles letztlich immer auf die eine Tatsache zuspitzt, dass er mit einer anderen Frau zusammenlebt. Dass ich Teil eines Betrugs bin (denn sie weiß nichts davon, wurde also nicht gefragt, ob sie so leben möchte). Und dass ich mich unter Wert verkaufe, denn Wert definiere ich dadurch, dass ich einem Mann genüge.
Ich habe Zeiten, so wie jetzt, wo alles Gute, alle schönen Momente, jede Nähe davor verblasst, dass ich die Frau im Verborgenen bin und sie als die Lebensgefährtin an seiner Seite auftaucht. Er erwähnt sie kaum. So kann ich oft verdrängen. Sobald ihr Name aber fällt, krampft sich mein Magen zusammen.
Ist es alles nur ein Problem meines Selbstbewusstseins? Oder wie Du sagst, der Konventionen? Ich bin nicht in der Vorstellung aufgewachsen, Haremsdame zu sein. Aber wenn ich den Kontakt beende, bin ich nach wie vor Single und noch dazu stelle ich mir selbst ein Bein, indem ich auf viele verzichten würde.
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13.07.2008, 12:43
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
ich bin ihn sehr ähnlicher position und kann mittlerweile nur noch damit leben, da ich ihn gebeten habe, absolut GAR NICHTS über seine familie mehr zu erzählen. keine frau, keine kinder, keine namen nennen. nichts. sonst würde bei mir jedes mal alles hochkommen... ich verdränge alles von mir weg. ob mir das irgendwann mal zu schaden kommen wird, kann sein, aber momentan lässt es sich nicht anders leben und bisher funktioniert das ganz gut...
Zitat von Ehawee
für mich gibt es seine familie nicht.
Lg
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13.07.2008, 13:03
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
Hallo raramente,
darf ich fragen, weshalb Du in dieser Art Verbindung lebst, wenn Dich die Tatsache, das er Familie hat, stark belastet, sobald er sie erwähnt?
Wünschst Du Dir, dass er sich trennt?
Ich denke, ich käme fast noch besser damit klar, wenn eine Ehe, Kinder und finanzielle Gründe dahinter stünden. In meinem Fall ist es eben "nur" eine Freundin/Lebensgefährtin. Beide verdienen ihr eigenes Geld, soweit ich weiß, gibt es keinerlei finanzielle Verpflichtungen. Sie wohnen z.B. in Miete, haben sich also nichts Gemeinsames angeschafft, was als Grund zumindest vorgeschoben werden könnte.
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13.07.2008, 13:32
AW: Abwägen zwischen Glück und Leid
Liebe Ehawee,
ich war mal Geliebte und habe das so lange gelebt, wie es mir möglich war. Irgendwann war es zu Ende, es hatte sich quasi zu Ende gelebt.
Auch da war von Anfang an klar, er würde sich nicht von seiner Ehefrau plus Kind trennen. Im Laufe der Zeit lernte ich ihn besser kennen und stellte fest, dass er sich grundsätzlich nicht auf eine exklusive Beziehung mit nur einer Frau einlassen kann und will das auch nicht ändern.
Die Gründe darin lagen in ihm und nicht in seiner Beziehung und er kommt mit diesem Lebensstil zurecht.
Du wünscht dir er hätte handfeste Gründe um sich nicht zu trennen, auch dies wären nur Ausflüchte eine Entscheidung nicht zu treffen und du würdest das spüren, das würde es nicht leichter machen.
Er kann auch in seiner Lebenssituation viele Gründe anführen: ich kann das meiner Freundin nicht antun etc.
Wenn du ihn momentan nicht missen willst lebe es genauso wie es ist und versuche die innere Balance zu halten.
Mir war wichtig, die Zeit die ich hatte mit ihm zu leben und dann raus ins Leben. Dazu gehörte, dass ich nicht treu war, mich mit anderen Männern traf und das Leben einer Singlefrau führte, die einen Geliebten hat und auf der Suche nach einer richtigen Beziehung ist.
Das war nicht immer einfach, aber es ging immer unter der Prämisse es muß mir überwiegend, nicht immer, damit gut geht. Ich muß das Gefühl haben ich bekomme mehr als das es mir weh tut und das war meistens so, ich mußte zum Teil auch dafür sorgen.
Ich muß mich nicht immer seinen Zeitplänen etc. beugen, ich habe auch Wünsche die ich äußere, das solltest du auch tun, damit er dich achtet.
Ich habe mit ihm einiges gelernt an Beziehungsfähigkeit, in genau diesem begrenzten Rahmen.
Es hatte viel gutes für mich, ich bin allerdings froh ihn nicht ganz zu haben, denn er würde mit mir genau das machen, was er mit seiner Ehefrau macht.
Schau ihn dir genau unter diesem Aspekt an und versuche ihn da realistisch zu sehen. Und lebe dein Leben weiter.
Ich kenne auch das Gefühl nicht als Nr. 1 zu genügen, da hat es mir geholfen ihm den angemessenen Platz in meinem Leben zu geben, als Teilzeitgeliebten. Und wir haben uns geliebt, trotz dieser Situation.
Mir hat es geholfen die Situation und seine und meine Begrenztheiten zu erkennen und dem Rechnung zu tragen.
Ich würde ihn als einen der wichtigen Männer in meinem Leben bezeichnen und bin froh das genauso gelebt zu haben wie es war.
Ich denke nicht mit Bitterkeit zurück, ganz im Gegenteil. Manchmal gibt es Lieben, die eben nicht konventionell gelebt werden können und nicht weil Kinder/Häuser da sind oder nicht, sondern weil es in einer bestimmten Lebenssituation so ist wie es ist.
Lieben Gruß
Angie


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