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    Stirnrunzeln Des Denkens müde

    Hallo zusammen!

    Wer hier öfter mitliest, wird sicherlich schon ein paar Postings von mir gelesen haben. Ich habe vor zwei Monaten meinen persönlichen Münchhausen in die Wüste geschickt, werde aber weiterhin von schlechten Träumen geplagt - und vor allem von Gedanken. Und deshalb schreibe ich nun dieses Posting. Habe das Gefühl, dass es mir vielleicht hilft, ein paar Dinge ad acta zu legen. Ich führe zwar auch Tagebuch, aber irgendwie ist es nochmal etwas anderes, etwas hier niederzuschreiben. Deshalb schreibe ich es mir hier nun von der Seele.

    Gute 2 1/2 Jahre habe ich mit Mr. Münchhausen zugebracht. Es waren Jahre, in denen es ein paar Phasen gab, in denen ich mich wirklich glücklich gefühlt habe. Ich war sehr verliebt, bin auf Wolke sieben dahin geglitten. Dann gab es Phasen, in denen ich unheimlich gelitten habe. Er hat gelogen, betrogen - ich weiß bis heute nicht, wie sehr er mich wirklich belogen hat. Aber ich habe mich schlecht gefühlt...

    Wir hatten gleichwohl eine Verbindung zueinander, die mir sehr viel bedeutet hat. Ich habe ihm vertraut, habe nie daran geglaubt, dass er mich belügt - irgendwann musste ich allerdings das Resultat erkennen: Er wollte keine "echte" Beziehung mit mir, wir sind über Stagnation nicht hinausgekommen und ich konnte so in dieser Beziehung nicht mehr bleiben. Ich habe ihn verlassen, komplett den Kontakt abgebrochen. Das erscheint mir nun, zwei Monate danach, als die definitiv richtige Entscheidung. Sie hat mich befreit. Befreit vom Warten, vom Hoffen, vom unerwidert so stark lieben. Aber sie hat mir natürlich auch etwas genommen: Die Freude, wenn ich mit ihm zusammen war. Die Vertrautheit. Ihn. Die Zukunft mit ihm. Die ich, das muss ich nochmal ehrlich zugegeben, mir immer erhofft hatte.

    Es ist nicht leicht, damit zurecht zu kommen, dass Liebe nicht so erwidert wird, wie man sich das wünscht. Ich habe in der Zeit direkt nach der Trennung eine Riesenwut auf ihn gehabt und ich habe sie zum Teil auch jetzt noch. Ich habe ihn verteufelt, dämonisiert, habe ihm die Pest an den Hals gewünscht - ich vermute, dass hat es nach all den Verletzungen, die ich in dieser Beziehung erlitten habe, einfach leichter gemacht. Ich musste mich so nicht so sehr mit den Gefühlen des Verlustes auseinandersetzen, weil ich genug negative Gefühle hatte, die diesen Verlust einfach überdeckt haben. Ich habe mir nach der Trennung kaum Zeit genommen zu trauern, ich habe direkt viele neue Dinge angepackt und viele Veränderungen in meinem Leben herbeigeführt, die allesamt positiv waren. Insofern bin ich froh, dass ich nach dieser Trennung überhaupt so schnell aufstehen und weitermachen konnte...

    Aber dennoch ist es jetzt so langsam so, dass meine Verteufelungen ihren Dienst nicht mehr in Gänze tun und ich den Verlust in den vergangen Tagen doch sehr gut spüren kann. Es macht mir noch etwas aus. So gern ich das Gegenteil behaupten würde, so gern ich sagen würde, ich sei darüber hinweg. Ich bin es (noch) nicht. Ich bin auf einem guten Weg, aber ich bin noch nicht vollständig wieder heile. Es ist viel kaputt gegangen in mir in dieser Zeit, es ist viel heile geworden - aber nach dieser Zeit bin ich noch nicht wieder heil. Vielleicht ist das auch einfach nach zwei Monaten zuviel verlangt, wahrscheinlich kann man eine so intensive Geschichte nicht einfach so abhaken.

    Ich versuche zurzeit für mich eine klare Linie zu finden, einen Weg zu leben, wie ich das möchte. Ich gerate dabei immer wieder an Stolpersteine, immer wieder schwanke ich und weiß dann doch nicht so genau, wohin die Reise denn nun gehen soll. Mal wünsche ich mir, dass ich ihn nie wieder sehen muss, mal wünsche ich mir, dass er einen Schritt auf mich zugeht. Definitiv aber, bin ich in Gedanken noch immer oft mit ihm beschäftigt. Nicht mehr so sehr wie damals. Damals habe ich NUR an ihn gedacht und zwar IMMER. So ist es nicht mehr. Aber trotzdem: Ich denke noch viel zu oft an ihn und wäre froh, dass so langsam mal abstellen zu können. Ich möchte einfach nicht mehr darüber nachdenken. Ich möchte akzeptieren, dass es ist, wie es ist. Nicht mehr damit hadern. Ich möchte weitermachen können, ohne, dass ein Song von damals mir noch das Herz schwer machen kann...

    Ich bin sehr stolz auf mich, weil ich mittlerweile Begegnungen mit ihm, die sich im Augenblick zuweilen nicht vermeiden lassen, gelassen sehen kann. Mein Herz klopft nicht mehr wie wild, ich denke, ich bin ganz souverän. Ich kann und möchte ihn nicht direkt anschauen, das vermeide ich. Einfach, weil ich nicht sicher bin, ob ich einem Blick in seine Augen standhalten kann. Aber ich kann professionell mit ihm umgehen bei der Arbeit und kann eine Koexistenz im gleichen Raum mittlerweile mit Gleichmut hinnehmen. Ich bemühe mich, einfach nicht so sehr darauf zu achten, was er tut, sondern mich in solchen Momenten auf mich selbst zu konzentrieren, dem nachzufühlen, wie ich mich fühle... Das funktioniert. Trotzdem sind Begegnungen nicht angenehm und ich bin jedes Mal erleichtert, wenn sie vorbei gehen.

    Ich muss gestehen, dass ich mich manchmal ein bisschen dafür schäme, wie oft er noch in meinem Kopf ist. Dass ich mich ein wenig schäme, dass ich noch immer so sehr mit dieser Geschichte hadere. Freunde und Familie sagen mir Dinge wie "Sei froh" - im Prinzip bin ich es auch, ich bin erleichtert, dass es so nicht mehr ist, wie es war. Aber trotzdem gibt es doch noch den Teil von mir, der Trauer trägt, der noch nicht froh ist über alles...

    Ich möchte mit alldem abschließen, ich möchte meinen Frieden finden, meine Abschied. Wieso fällt mir das so schwer? Die Verletzungen, die er mir zugefügt hat, würden reichen, ihn auf ewig auf den Mond zu schießen - aber ein Teil von mir trauert trotzdem und ist einfach noch nicht darüber hinweg... Und ein Teil von mir wünscht ihm in Wahrheit auch überhaupt nichts schlechtes. Ein Teil von mir mag ihn sogar trotz allem.

    Ich wünschte, ich könnte aktiv Abschied nehmen. Ich versuche es, ich weiß aber nicht wie. Vielleicht muss ich es der Zeit überlassen - auch, wenn mir das sehr, sehr schwer fällt.

    Patrizia

  2. Inaktiver User

    AW: Des Denkens müde

    Geändert von Inaktiver User (28.06.2008 um 12:41 Uhr)

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    AW: Des Denkens müde

    Ja, felicca, Du hast Recht. Es sind erst zwei Monate seit der Trennung. Aber davor hab ich auch schon lange genug über alles nachgedacht, gelitten, gehofft, geheult... So langsam macht es mich einfach müde. Aber, natürlich, es braucht jetzt eine gewisse Zeit zum Heilen.

    Vielleicht bin ich einfach nicht gut darin, meinen Gefühlen den Raum zu lassen, den sie brauchen... Ich bemühe mich... Aber es fällt so schwer, weil es mich selbst schon ärgert und ich mich frage, wieviel Lebenszeit ist eigentlich noch damit zubringen will, ständig wegen dieses Mannes auf halb acht zu hängen. Was reicht, das reicht eben irgendwann!

    Patrizia

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    AW: Des Denkens müde

    Hallo TE,


    Man sagt, die Hälfte der Dauer einer sehr emotionalen Beziehung braucht man mindestens zum Verarbeiten.

    Du hast also noch über 1 Jahr vor dir.
    Ich würde meinen, dass du stolz darauf sein kannst, solche tiefen Gefühle für jemand gehabt zu haben.

    Viele leben ihre "Beziehung" nur oberflächlich, zweckbestimmt, sogar lieblos, machen sich keine Gedanken darum, welchen Schatz sie da haben.

    DU hast sie gelebt und nicht verloren, sondern diese Zeit aktiv mitgestaltet, diese Zeit nicht "verplempert". Ich hoffe, dass "er" das insgeheim (irgendwann) auch so empfindet.

    Bleib wie du bist und genieße den schönen Sommer!

    VG, NbN

  5. Inaktiver User

    AW: Des Denkens müde

    Hallo Patrizia,

    ich finde du hast sehr anschaulich dein Gefühlsleben seit deiner Trennung beschrieben und meine Trennung liegt ja genauso lange zurück und ich kann bei fast jedem Wort, was du schreibst zustimmen.
    Du siehst ihn ab und zu in der Arbeit, ich habe ihm zwischendurch, wenn ich es gar nicht aushielt eine freundschaftliche sehr kurze email geschrieben, er immer sehr kurz geantwortet aber deutliche Distanz signalisiert, teilweise gar nicht geantwortet.
    Es hat mir dann wieder für 14 Tage weitergeholfen. Aber dieses Gefühl, daß ich mehr möchte als er, blieb immer, versetzte mir bei jedem Kontakt einen Stich und demütigt mich nach wievor.

    Auch ich hatte früher IMMER an ihn gedacht und jetzt denke ich weniger aber immer noch sehr viel an ihn.
    Und ja, ich kann ihm nicht wirklich böse sein. Ich könnte immer noch "Schatz" zu ihm sagen und tue es in Gedanken. Zu einem anderen Zeitpunkt kommt die Wut, die Verletzung hoch, ich schwöre mir, nie mehr ein Wort mit ihm reden zu wollen. Ein ständiges Wechselbad.
    Dann bereue ich wieder alles, würde die Uhr am liebsteb zurück drehen, frage mich wie ich DAS nur tun konnte, warum bin ich nicht geblieben. Grauenhaft.

    Ich denke, es ist Liebe, mit eben mal "Abhaken" ist da eben nichts. Die Zeit wird die Lösung zeigen.
    Es ist nachwievor sehr quälend.
    Aber du schlägst dich doch sehr tapfer.


    Hast du denn das Gefühl, er würde noch was von dir wollen ? Wird er grenzüberschreitend , wenn ihr Kontakt habt ?
    Manchmal kann man auch selbst nich loslassen, weil man spürt, daß der andere nicht wirklich losläßt.

  6. gesperrt

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    AW: Des Denkens müde

    2 Monate ist doch nix. Vergib ihm - und vergiss ihn. Je früher du ihm vergibst - desto früher klappt es.

  7. User Info Menu

    AW: Des Denkens müde

    @himmelrot: Nein, er wahrt Distanz, wenn wir uns begegnen. Wir reden, was wir reden müssen, mehr nicht. Er stellt sich sogar im Raucherraum extra in eine andere Ecke des Raumes... Fast schon witzig.

    Ja, Lorenz, vielleicht hast Du recht. Ich muss vergeben, um damit abschließen zu können...

    Patrizia

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    AW: Des Denkens müde

    Vielleicht MUSS ich nichtmal vergeben. Aber ich möchte es. Weil ich nicht den Rest meines Lebens mit einem tiefen Groll in mir, mit einem wunden Punkt, einer Bitterkeit verbringen will. Deshalb möchte ich vergeben und vergessen können. Um wirklich frei zu sein.

    Aber auch vergeben braucht ein bisschen Zeit. Ich muss loslassen, um zu vergeben. Und das geht mit der Zeit ganz sicher...

    Patrizia

  9. Inaktiver User

    AW: Des Denkens müde

    Er geht dir aus dem Weg, dann scheint er ja ein schlechtes Gewissen zu haben.


    Verzeihen und Loslassen gehört wohl zusammen.
    Mir hilft es auch, wenn ich in ein versöhnliche Stimmung komme, dann ist der um Vergeltung schreiende Schmerz nicht so im Vordergrund. Verletzung bindet einen dummerweise an den anderen. Es ist eine Form von negativer Aufmerksamkeit.

  10. Inaktiver User

    AW: Des Denkens müde

    Ich denke auch, daß meiner sexsüchtig ist. Da könnte wohl kommen, wer wollte, keine Frau könnte mit ihm glücklich werden, da er zu wirklicher Nähe gar nicht fähig ist.
    Diese Gedanken helfen auch.

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