Hallo,
mein Freund hat eine Verhaltensweise die mich stört und verletzt (bitte nicht fragen was, denn darum geht es nicht, sondern ums Lügen), also erklärte ich ihm dies. Er war bereit dies für mich aufzugeben, sagte aber, da er dieses Verhalten schon jahrelang praktiziert, kann er nicht versprechen dass er quasi jetzt von 100 auf 0 damit aufhören kann ohne ab und an mal "rückfällig" zu werden. Auf lange Zeit gesehen schon, aber im Anfangsstadium braucht er eventuell mehrere Anläufe. Ich sagte dann soll er aber nicht lügen wenn ich mal nachfrage, sondern mir lieber die Wahrheit sagen. Er sagte, ja, hätte er sowieso machen wollen, da er keine Geheimnisse zwischen uns haben möchte.
Wir hatten dann vorgestern ein Gespräch indem das Thema dann um die Verhaltensweise ging und ich noch einmal allgemein detailliert erklärte, warum und weshalb mich das stört - auch weil ich wollte, dass er es nachvollziehen kann. Umgekehrt würde ihn so ein Verhalten an mir auch nicht glücklich machen, also verstand er es sehr gut.
Später dann ließ mich eine bestimmte Äußerung aufhorchen, und ich fragte, "also heisst das, dass du bis jetzt doch noch nicht ganz ohne ausgekommen bist?" Er sagte, "nein, so meinte ich das nicht." und dann kam ich gleich mit anderen Gedanken um die Ecke und das Gespräch lief weiter.
Tja, gestern nachdem wir das Thema dann durch hatten, fragte er mich ob ich mich durchs Reden nun besser fühle, ich bejahte dies und fragte ihn ob es denn bei ihm irgendwas gäbe das er klären oder bereden möchte? Er sagte dann zögerlich ja...und gestand dass er eben doch ein paar Mal "rückfällig" geworden war und aus Angst vor meiner Reaktion nichts gesagt hatte, und weil er extreme Angst hatte mich zu verlieren. Ich gebe zu, ich bin ein recht impulsiver Typ und habe in der Vergangenheit öfters schon mal überzogen reagiert, wo sich im Nachhinein durch ein vernünftiges ruhiges Gespräch das Ganze viel besser hätte klären lassen.
Ich bin jetzt so enttäuscht und am Boden zerstört - weniger wegen dem "Rückfall", sondern weil er mir ins Gesicht gelogen hat.![]()
Zumal ich vorher sagte dass er lieber die Wahrheit sagen soll und ich jetzt überhaupt nicht mehr weiss, ob ich jemals wieder irgendetwas glauben kann.
Ausserdem fragte ich ihn im Gespräch explizit, und trotzdem verneinte er es. Wenn er da schon lügt, bei was noch? Was hat er noch verschwiegen? Einmal Lügner, immer Lügner? Das sind die Gedanken, die mir immer wieder rumgehen werden. Klar, er hat dann "von sich aus" später gestanden, aber auch nur weil ich nochmal nachfragte.
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Ich weiss absolut nicht mehr weiter. :( Ich habe das Gefühl dass dies alles zerstört hat, und ich ihm nicht mehr vertrauen kann und in Zukunft alles in Frage stellen werde, was er mir erzählt. Woher soll ich auch wissen, dass es nicht wieder eine Lüge ist! Das ist doch keine Grundlage. :( Ja, er hatte Angst mich zu verlieren und ist deshalb nicht gleich damit rausgerückt - aber ironischerweise läuft nun die Gefahr, dass die Lüge alles zerstört und nicht die Verhaltensweise an sich.
Was würdet ihr tun? Könntet ihr jemals wieder vertrauen? Kann ich ihm glauben? Kann man jemandem wieder glauben wenn er einmal gelogen hat?(Ich weiss, ihr kennt ihn und meine Beziehung nicht - aber wie seht ihr das aus objektiver Sicht?)
Danke.![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 42
Thema: Lüge verzeihen oder nicht?
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17.06.2008, 23:42
Lüge verzeihen oder nicht?
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18.06.2008, 01:02
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
Die Frage ist, welche Angst größer ist..
zu lügen oder Angst vor Deiner Reaktion, wenn er das gesteckte Ziel nicht erreicht.
In beiden Fällen ist der Druck auf ihn so groß, daß er im Grunde gar keine Chance hat.
Er ist der arme Sünder, der von Dir massiv unter Druck gesetzt wird. Egal, was er macht.
Was erwartest Du da... ?
Meine Meinung ...... paul
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18.06.2008, 05:09Inaktiver User
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
Zitat von paulhh
das ist doch einfach banane.
welche rolle spielst du hier eigentlich, paulh?
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18.06.2008, 07:33
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
Was ist daran "Banane"?
Ich lese das Posting der TE als Beschreibung einer (wie auch immer gearteten) Suchtproblematik - und dann funktioniert das so einfach nicht.
Prijon
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18.06.2008, 07:35Inaktiver User
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
Was ist denn Eure Grundlage?Das ist doch keine Grundlage.
Eine Beziehung, in der Ihr so miteinander kommuniziert, dass es möglich ist, auch zu unbequemen Wahrheiten stehen zu können?
Eine Beziehung auf Augenhöhe?
Für mich klingt Dein Beitrag nicht danach.
Dein Freund hat sich bemüht, Deinen Ansprüchen gerecht zu werden, es ist ihm nicht gelungen, und er hatte Angst, Dir ehrlich zu sagen, dass es ihm nicht gelungen ist.
Wir können andere nicht verändern, und wir sind nicht die Erziehungsberechtigten unserer Partner.
Solches Verhalten:
begünstigt keine Ehrlichkeit, und es spricht auch nicht von einer Beziehung auf Augenhöhe.Er sagte dann zögerlich ja...und gestand dass er eben doch ein paar Mal "rückfällig" geworden war und aus Angst vor meiner Reaktion nichts gesagt hatte, und weil er extreme Angst hatte mich zu verlieren. Ich gebe zu, ich bin ein recht impulsiver Typ und habe in der Vergangenheit öfters schon mal überzogen reagiert, wo sich im Nachhinein durch ein vernünftiges ruhiges Gespräch das Ganze viel besser hätte klären lassen.
Du fragst, ob Du Deinem Freund vertrauen kannst - ich halte das für eine rhetorische Frage. Wenn Du sein Verhalten abfragen musst, zeigt das deutlich, DASS Du ihm nicht vertraust.
Also nochmal die Frage:
Was ist eigentlich die Grundlage Eurer Beziehung?
Wertschätzung? Liebe? Respekt? Akzeptanz? Gute Kommunikation? Klare Grenzen? Eigenverantwortung?
Es schaut momentan nicht danach auch.
Grüssle
Seawasp
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18.06.2008, 07:54
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
dann stellt sich mir jedoch die frage, wie man als paar mit solch einer situation auf augenhöhe umgeht. wie kann man solch eine verstrickung vermeiden, sofern da solch ein massives miss- oder suchtverhalten des einen partners dahiner steht?
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18.06.2008, 08:03Inaktiver User
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
Ist ein Süchtiger kein Mensch, dem man mit Respekt begegnen kann?
Zitat von Chrissiebabe234
Muss ich ihm die Verantwortung für seine Sucht abnehmen?
Ich kann für mich Verantwortung übernehmen, indem ich Grenzen ziehe und klar sage: Damit komme ich zurecht, dies hier aber kann ich nicht mittragen. Nicht als Strafaktion, oder Eziehungsmassnahme, sondern als etwas, das ich für mich tue.
Weder ist der Süchtige mir Rechenschaft schuldig, noch kann ich ihn dazu bringen, seine Sucht hinter sich zu lassen. Die Motivation dazu muss aus ihm selbst kommen. Mir muss bewusst sein, dass es wenig tragfähig ist, und rein gar nichts mit Augenhöhe zu tun hat, wenn ein Mensch eine Sucht aufgibt, damit ich bei ihm bleibe.
Grüssle
Seawasp
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18.06.2008, 09:16
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
Zitat von Inaktiver User
*Aggressionsmodus aus*
Das will ich Dir gern erklären. Bei mir ging es nicht um Sucht, sondern daß immer höheres Einkommen eingefordert wurde.
Kein Wochenende, kein Urlaub für mich, 2-3 Nächte pro Woche durcharbeiten.
Der Steuerberater bat SIE zu einem Gespräch, erklärte IHR, daß mehr Einkommen unter den Bedingungen nicht möglich sei.
(Waren ja auch damals nur DM 6000 pro Monat).
Ich wurde vor meinen Kindern u. vor IHRER Familie lächerlich gemacht.
Warum ich mir das gefallen ließ ? Weil mein Selbstbewußtsein zu Selbsthaß umgeschlagen war.
Ich ihr dann keinen Einblick in die Lage mehr gewährte.
Lügst Du, wirst Du geschlagen, schaffst Du das Ziel nicht, auch.
Bitte hierauf nicht weiter eingehen, ist ja schon lange erledigt.
LG paul
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18.06.2008, 09:43Inaktiver User
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
Zitat von regurgitator
Hallo,
die Sucht (hier das Lügen) ist die eine Seite - und diese Verhaltensweise die dich stört und verletzt die Andere. Darüber willst du nichts sagen und das ist auch okay. Beides hatte dein Freund aber wohl von Anfang an, du hast ihn so kennen gelernt oder?
Ich gebe den Anderen hier Recht - Sucht ist Sucht und ohne die Einsicht des Süchtigen wird sich nichts ändern. Das bedeutet aber nicht, dass du als Partner das so hinnehmen mußt.
Wir wissen nicht, wie schlimm die andere Sache ist, die dich veletzt und stört - für mich wäre diese Sucht allein schon ein Grund mit diesem Mann keine Beziehung einzugehen.
Für mich stellt sich nur die Frage, wie DU damit umgehen willst - ob du darauf hoffen kannst, dass dein Freund sich Hilfe sucht und ggf. eine Therapie machen will oder eben nicht.
Dharma
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18.06.2008, 10:34
AW: Lüge verzeihen oder nicht?
theoretisch schon, praktisch schwierig, da er durch seine sucht andere verprellt und verletzt.
Zitat von Inaktiver User
schon klar - aber - wohin mit der wut und der verletzung, deren auslöser er ist?
Zitat von Inaktiver User


Zumal ich vorher sagte dass er lieber die Wahrheit sagen soll und ich jetzt überhaupt nicht mehr weiss, ob ich jemals wieder irgendetwas glauben kann.
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