Guten Abend, liebe Mitmenschen!
Ich bin Katharina, 41 Jahre alt, habe eine 10-jährige Ehe mit unschönem Ende hinter mir (2005) und lebe seit zwei Jahren mit einem Mann in Lebensgemeinschaft.
Seit längerem stellt sich mir folgende Frage:
W E N N mein Lebenspartner mich belügen sollte, jetzt oder in der Zukunft, und zwar in einer Art, die ich für Untreue halte (also sexuell geprägten Kontakt zu einer anderen Frau unterhält) oder sich mir gegenüber im Zusammenhang mit einer anderen Frau unloyal verhält (sich geringschätzig über mich äußert bzw. Geheimnisse mit dieser Frau teilt), wie werde ich mich in dem Fall verhalten?
Werde ich die Beziehung beenden, da ich aus Respekt vor mir selbst und in Erwartung von schlimmen Gedanken, die mein Leben dann beeinträchtigen, mir sage: Das tu ich mir nicht an und Nichts kann so wichtig sein, dass ich beschließe, so etwas zu aktzeptieren?
Oder werde ich es als "menschlich" anerkennen, vorausgesetzt, er möchte die Situation authentisch ändern?
Ist es so, dass wir alle zum Lügen neigen und quasi niemand davor gefeit ist, um des Ausgleichs von persönlichen Defiziten willen den anderen zu verletzen? Auf Deutsch, dass so etwas einfach passieren kann? Oder ist es so, dass man moralische Werte als Massstab setzen kann und sein Ego im Rahmen halten KANN (wenn man denn will)?
Und - wie erkenne ich, ob ein Mensch (mein Lebenspartner) trotz Schwächen, die ich ja auch bei mir erkenne, die gleichen Wertvorstellungen diesbezüglich hat? Worte? Darüber erkenne ich es nicht.
Vielen Dank für Eure Meinungen?
Liebe Grüße, Katharina
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Thema: Philosophische Frage
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05.06.2008, 19:28Inaktiver User
Philosophische Frage
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05.06.2008, 19:53Inaktiver User
AW: Philosophische Frage
Hallo Katharina,
ganz schön theoretisch, dein posting, oder ?????
Aus eigener Erfahrung weiss ich, das es wenig Sinn hat, sich zu im Detail zu überlegen, was im Wenn-Fall zu tun ist, zumal ja (mindestens) zwei Personen beteiligt sind.... Wenn es denn soweit ist, stellt sich vieles anders dar, bei einem selbst und auch beim anderen.
Meine Überlegungen am "grünen Tisch" waren ziemlich schnell dahin....
JA, es kann einfach passieren, dass man lügt, ist doch zutiefst menschlich, auch wenn man das vehement für sich selbst ausgeschliesst !
Schwachsinn finde ich das Argument wer-einmal-betrügt-macht-das-immer-wieder. Das stimmt eben einfach nicht, es hängt immer von den konkreten Umständen und eben auch von den Beteiligten ab.
Was jetzt nichts mit Rechtfertigung zu tun hat.... ich höre schon wieder den Aufschrei hier !
Wie du erkennst, ob dein Partner die gleichen Wertvorstellungen hat ???? Na klar durch reden, aber in erster Linie im Verhalten im gemeinsamen Leben mit dir, wo auch sonst...
Gruss, Elli
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05.06.2008, 20:12
AW: Philosophische Frage
Genau darüber würde ich mich mit ihm unterhalten. Das du nicht belogen werden willst. Das eine Lüge für dich das Schlimmste wäre, bzw. ein Verrat an dir.
Zitat von Inaktiver User
Kannst du solche Themen in aller Ruhe und Ausführlichkeit mit ihm bereden?Wer bei mir Streit sät, kann die Ernte gleich mitnehmen.
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05.06.2008, 20:26Inaktiver User
AW: Philosophische Frage
Liebe Elli,
vielen Dank für Deine Antwort!
Ja, mein Posting und meine ganzen Gedanken sind theoretisch. Es ist ein Versuch von mir. Hintergrund ist, dass ich früher auch jeden Tag fröhlich gelebt habe, obwohl ich eigentlich wusste, dass ich morgen tot sein kann. Heute hab ich zwar keine Angst vor dem Tod, der morgen womöglich eintreten kann, aber der Gedanke, mich vor einem (neuerlichen) Hintergehen nicht schützen zu können, macht mich befangen. Und das würde ich gern ändern.
So hab ich mir eine (neue) Strategie ausgedacht: Wie reagiere ich, wenn...
Mein Freund und ich reden sehr viel. Er sagt auch, dass er ähnliche Wertvorstellungen hat wie ich. Aber weiß ich, ob es stimmt? Fakt ist, dass mein Exmann auch Dinge gesagt hat, die definitv nicht stimmten. Und ich habe sie geglaubt. Bevor Du nun sagst, ja, aber... Ich weiß, dass ich meinen Freund nicht dafür verantwortlich machen kann, was mein Exmann verbockt hat. Allerdings hat auch mein Freund mich bereits angelogen. Es ist letztendlich nicht so gravierend gewesen, aber die Tatsache, dass ich es geglaubt habe, erstmal jedenfalls, macht mich doch schon sehr unsicher.
Weiß ich, ob es stimmt, wenn er sagt, er hat daraus gelernt? Weiß ich, ob es stimmt, wenn er sagt, er macht es nicht wieder? Nein, ich weiß es nicht. Und ich glaube, wenn mir einer etwas sagt. Und dann geht das Kopfkino los.
Jetzt frage ich mich natürlich: Liegt es an mir, dass ich hypersensibel bin, was sowas angeht, und löse ich vielleicht sein Lügen mit aus (durch meine Hypersensiblität)? Sollte ich das Ganze etwas lockerer angehen, da sonst alles passt bei uns? Oder steh ich irgendwann wieder vor der Tatsache, dass ich wohl die ersten Anzeichen von Nichtvertrauenswürdigkeit oder verschiedenen Wertvorstellungen nicht "richtig" gedeutet habe.
Hm. Ich komm nicht voran.
Viele Grüße, Katharina
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05.06.2008, 20:54Inaktiver User
AW: Philosophische Frage
Hallo, Sittsam,
auch Dir danke für Deine Antwort. Das habe ich bereits mit ihm besprochen. Sehr deutlich und oft. Umso mehr irritiert mich, dass er mich dennoch belogen hat. Er hat es danach so begründet, dass er mich nicht aufregen wollte und befürchtet hat, "Theater" zu bekommen. Ach Mensch. Und ich hab es geglaubt.
Nun frage ich mich: Macht er es wieder? Und werd ich es vielleicht nicht gewahr? Und - wo ist seine Grenze? Er hat mich ja nicht betrogen oder so etwas. Aber - würde er es tun? Hat er wirklich gelernt daraus? Woran erkenne ich das? Wo ist die Grenze zwischen (seiner) persönlichen Freiheit und kann ich noch richtig unterscheiden? Oder schränke ich ihn zu sehr ein aufgrund meiner Vorgeschichte?
Fragen über Fragen.
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05.06.2008, 20:59Inaktiver User
AW: Philosophische Frage
Hallo Katharina,
genau DAS ist für mich die Liebe: dass ich vertrauen kann, obwohl auch ich schon einige Enttäuschungen hinter mir habe.
Was MIR viel hilft ist zu wissen, dass ich auch alleine leben kann in jeder Hinsicht, dass ich nicht abhängig bin von einem Mann und schon garnicht von seinem Geld oder so. Ist natürlich auch wieder theoretisch, gell
, Liebeskummer habe ich auch, wenn eine Liebe in die Brüche geht....
Das kann ich mir durchaus vorstellen, dass sich dein Freund irgendwie "unter Druck" gesetzt fühlt, wenn du derart hohe Maßstäbe, zumindest verbal, anlegst.
Wissen wirst du nie, was ein Mensch mal macht, da kann er noch so vorbildlich daherreden !
. Ich kenne dich nicht, aber aus eigener Erfahrung sollte man da nichtmal für sich selbst die Hand ins Feuer legen. Ich behaupte mal ganz frech: (verbale) Tugend ist bei vielen nur Mangel an (tatsächlicher) Gelegenheit...
Wobei das SO sicher auch nicht stimmt, das ist klar....
Das ist eben Vertrauen: das Vertrauen in die Liebe und dass es gut gehen wird. Das kann dir nur dein Herz beantworten. Das ist ein sehr grosses Risiko, ich weiss, aber was ich dadurch gewinnen kann, das ist es mir in jedem Fall wert !
Gruss, Elli
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05.06.2008, 21:16Inaktiver User
AW: Philosophische Frage
Ach, Elli, was sind das für schöne Worte! Die haben mir wirklich gefallen!
Ja, ich weiß auch, dass ich alleine leben kann. Ich bin weder "persönlich" noch finanziell von ihm abhängig. Wir genießen beide unseren größeren "Wohlstand" zu zweit sehr, und damit meine ich nicht nur Materielles.
Vielleicht ist es kindlich, aber während meiner Ehe habe ich nie in Betracht gezogen, dass er mich mal betrügen könnte. Wobei es da nicht nur Betrug war, sondern einfach menschliches und finanzielles Ausnehmen. Da ich mir so viel Berechnung nicht vorstellen konnte, habe ich es gar nicht in Betracht gezogen. Diese (war es naiv?) Unbefangenheit wünsche ich mir manchmal zurück.
Natürlich kann man selbst für sich auch nicht die Hand ins Feuer legen. Auch ich habe mich in der Beziehung schon mal heftigst verliebt. Allerdings kann ich nüscht für mich behalten und bin als erstes zu meinem Mann gedackelt und habe ihm von meinem "Fehlgefühl" berichtet.
Und jetzt denk ich oft: Was wäre, wenn ich wieder so hehr und selbstkritisch (is manchmal zerstörerisch) herumlaufe, um irgendwann festzustellen, ich war die einzige mit diesen Moralvorstellungen?
Ich würd so gern vertrauen. Es mindert meine Lebensqualität so sehr, dass ich es nicht kann. Aber wie soll ich es anfangen, wenn meine Befürchtungen so groß sind?
Ich möchte endlich von der Stelle kommen und versuche eben, auf intellektelle Weise eine Lösung zu finden, um wieder mehr Freiheit für mich zu erlangen.
Grüße, Katharina
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05.06.2008, 21:35
AW: Philosophische Frage
Hallo Katharina,
ich vermute, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen deinen Moralvorstellungen (so nennst du es selber) und der Angst davor, belogen zu werden.
Richtungweisend ist deine Feststellung
Ich vermute mal, dass du diese Gefahr, „Theater“ zu machen, latent darstellst. Du stellst einerseits sehr hohe moralische Ansprüche (ich vermute mal absolute, auch sexuelle Treue), die vermutlich kaum einzuhalten sind und signalisierst gleichzeitig, wenn es doch passieren sollte, dann ist was los!umso mehr irritiert mich, dass er mich dennoch belogen hat. Er hat es danach so begründet, dass er mich nicht aufregen wollte und befürchtet hat, "Theater" zu bekommen.
Das dürfte manchen Partner überfordern, und da der dich nicht verlieren will, nur, weil ihm mal was unterlaufen ist, sieht er sich gezwungen, die Wahrheit zu verschweigen oder zu verändern. Und davor hast du Angst, panische Angst. Aber sie ist Teil deines Systems.
Du verlangst nichts weniger als Perfektion. Dein passender Partner muss vermutlich erst noch geschaffen werden. Ändern an der vertrackten Situation kannst nur du selber etwas. Reden mit deinem Partner ist diesmal nicht das geeignete Mittel, weil es ja wieder nur darum ginge, noch höheren moralischen Druck auf ihn auszuüben. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er lügen muss, noch weiter. Eine Endlosspirale.Toro
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05.06.2008, 21:36Inaktiver User
AW: Philosophische Frage
Hallo Katharina,
ich kenne dich nicht, ich weiss auch nicht, wie gross dein Leidensdruck ist, aber wenn du aus deinen Gedanken nicht raus kommst, willst du dann nichtmal therapeutische Hilfe suchen ?
Das ist die Lebenserfahrung: zu erkennen, dass andere nicht so denken und handeln wie man selbst. So wie du schreibst, dass du dir soviel Berechnung nicht vorstellen konntest. Aber es sind nicht alle so "schlecht " !
Überprüfe mal deine eigenen Moralvorstellungen. Vielleicht sind sie wirklich zu hoch ? Sobald du darunter leidest, könnte das doch sein, oder ?
Gruss, Elli
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05.06.2008, 21:47Inaktiver User
AW: Philosophische Frage
Liebe katharina,
was, wenn du rein rational eine Lösung findest und doch tief drinnen ein ungutes Gefühl vor sich hingrummelt?
Die Lösung dennoch nicht stimmig ist - Verstand und Gefühl sich nicht einig sind.
Vertrauen ist keine rationale Sache und somit wirst du es über die Verstandesebene nicht erlangen.
Du bist in einem Alter, in dem das Lebensbuch schon viele beschriebene Seiten hat, Kindheit, Jugend, Beziehungen, Ehe.
Werte, Prägungen, Verhaltensmuster begleiten dich schon fast ein halbes Leben - genauso wie deinen Partner.
Welche Erwartungen hast du an deinen Partner?
Vertrauen fängt zu allererst bei dir selbst an.
Wie ist es um dein Selbstvertrauen bestellt, wie weit vertraust du dir selbst, bist dir selbst sicher.
Dein Partner kann deine Verletzungen nicht heilen - er kann dich tragen und trösten, heil werden kannst du nur aus dir selbst heraus.
Du hast in die neue Beziehung eine große Hypothek mitgenommen, die Verletzungen, den Betrug aus deiner alten Beziehung. Auch wenn ihr miteinander reden könnt, so kann dich dein Partner nicht retten. Wenn du aus den alten Verletzungen heraus das "Gras wachsen hörst", wie soll sich dein Partner bewegen können, er selbst sein - wenn er bereits aus Sorge dich zu verletzen, dir nicht die Wahrheit sagen konnte und dich belogen hat.
Es ist ein Teufelskreis aus dem du herausfinden musst - ggf. mit professioneller Begleitung.
Sonst läufst du Gefahr dich in deiner Angst vor Verletzung und Betrug zu verlieren.
Alles Gute, Sariana


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