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    Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Hallo,

    bewegt durch einige Texte, aber auch durch reale Gespräche mit "Betroffenen" und durch mein eigenes Erleben, würde ich hier gerne einige Fragen stellen, die mich immer mal wieder beschäftigen.

    Vielleicht ist es schwer darauf zu antworten, weil es eben zum Teil sehr hypotetisch ist.
    Aber vielleicht seit ihr selbst ja schonmal 'von aussen' Zeuge einer solchen Situation geworden.

    Also...

    Ihr hattet eine Affäre (sei es emotional, sei es sexuell), einen Seitensprung oder ähnliches.
    Ob aufgedeckt oder weiterhin verheimlicht. Ob selbst beendet oder verlassen worden...
    Wie ging eure Hauptbeziehung weiter?
    Hat diese es verkraftet, ist sie daran gewachsen oder daran zugrunde gegangen?
    Und, was noch viel interessanter ist, wie ging es euch innerlich?
    Selbst wenn sich die Hauptbeziehung wieder stabilisiert hat (oder auch nicht), habt ihr -manchmal- gedanklich eure Affäre nachgehangen?
    Wenn ja, wie habt ihr euch dabei gefühlt? Was habt ihr gefühlt?
    Erfüllung? Wehmut? Schlechtes Gewissen dem aktuellen Partner gegenüber?

    Und dann, noch viel später (okay, nun kommt der theoretische Teil), quasi am Ende des Lebens, möglicherweise auf dem Sterbebett.
    Wie mag es da wohl aussehen, wenn man 'Klar Schiff' machen möchte.
    Den/die fürsorglichen, geliebten Gatten(Gattin an seiner Seite.
    Und doch noch irgendwie in Gedanken an die ehemalige, längst beendete Affäre?
    Schlechtes Gewissen der/dem Gattin/Gatten gegenüber, weil da immer noch jemand anderes irgendwie im Kopf herumspukt?

    Wie ich auf solch ein Szenario komme?
    Nun, ich habe es quasi selbst erlebt. Nicht ich in Person. Sondern am Sterbebett meines Vaters. Der mir, seiner Tochter, von der grossen Liebe seines Lebens erzählte. Und diese war nicht seiner Ehefrau (meine Mutter), die er dennoch auf eine Art liebte.
    Von der Aussenbeziehung haben damals wir Kinder und meine Mutter gewusst und es gab auch eine kurzzeitige Trennung. Dann ist mein Vater in die Famile zurückgekehrt. Ich nehme an aus Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein , aber auch aus einer Art Liebe.
    Im Grunde aber war er wohl dauerhaft innerlich irgendwie zerissen.
    Mich persönlich hat das ein wenig geschockt oder mir die Augen geöffnet.
    Komische Situation. So 'ungeklärt' aus dem Leben zu gehen.
    Aber was wäre seine Alternative gewesen?

    Mich würden eure Gedanken und -irgendwie gearteten- Erlebnisse dazu sehr interessieren.

  2. Inaktiver User

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Was er hätte machen können? Sich trennen zum Beispiel! Statt nur ein Second Life zu leben! Wir haben nur ein Leben.

  3. Moderation

    User Info Menu

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Was er hätte machen können? Sich trennen zum Beispiel! Statt nur ein Second Life zu leben! Wir haben nur ein Leben.
    Und die eine Liebe für die andere Liebe verlassen? Schwierig. Insbesondere mit Familie.

    Manchmal müssen wir mit der Ambivalenz leben. Es gibt mehr als einen Weg, wir treffen unsere Entscheidungen, und alle anderen Wege bleiben unbegangen.

    Ich bin bisher im Leben ein paar Männern begegnet, mit denen ich mir ein Zusammenleben hätte vorstellen können. Mit denen ich glücklich hätte werden können - auch glücklich, auf eine andere Weise glücklich. Denn mit meinem LG bin ich glücklich (nicht Montagmorgens bei Regen, wenn er vergessen hat, den Mülleimer rauszustellen - aber doch ausreichend oft).

    Ich halte es da mit Granny Weatherwax:

    "Do you ever wonder what life would have been like if you'd said yes?" said Ridcully.

    "No."

    "I suppose we'd have settled down, had children, grandchildren, that sort of thing . . ."

    Granny shrugged. It was the sort of thing romantic idiots said. But there was something in the air tonight. . .
    "What about the fire?" she said.

    "What fire?"

    "Swept through our house just after we were married. Killed us both."

    "What fire? I don't know anything about any fire?"

    Granny turned around.

    "Of course not! It didn't happen. But the point is, it might have happened. You can't say 'if this didn't happen then that would have happened' because you don't know everything that might have happened. You might think something'd be good, but for all you know it could have turned out horrible. You can't say 'If only I'd . . . ' because you could be wishing for anything. The point is, you'll never know. You've gone past. So there's no use thinking about it.
    So I don't."


    (Aus: Lords and Ladies, Terry Pratchett)
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Und die eine Liebe für die andere Liebe verlassen? Schwierig. Insbesondere mit Familie.
    Eben!

    Wir haben nur ein Leben - richtig.
    Aber das heißt nicht, dass "Liebe über alles geht".
    Zumal er mit einer Trennung ja nicht nur die Familie zerstört hätte, sondern auch überhaupt nicht klar ist, wie sich "die große Liebe" im Alltag bewährt hätte. Siehe Granny.

    Und "wir haben nur ein Leben" sollte auch nicht zum Verbrämen von Egoismus gebraucht werden, wie es öfter mal der Fall ist.

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Lichtblick2017 Beitrag anzeigen
    Von der Aussenbeziehung haben damals wir Kinder und meine Mutter gewusst und es gab auch eine kurzzeitige Trennung. Dann ist mein Vater in die Famile zurückgekehrt. Ich nehme an aus Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein , aber auch aus einer Art Liebe.
    Familie bedeutet doch auch etwas - und hat deinem Vater sicher viel gegeben, jenseits von "Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein".
    Ich würde eher davon ausgehen, dass er gemerkt hat, dass es ihm in der Familie besser geht als getrennt - trotz großer Liebe.
    Und vielleicht hat er auch schon gespürt, dass sich die Liebe insbesondere deshalb so groß anfühlt, wenn/weil sie nicht umfassend gelebt werden kann.

  6. Inaktiver User

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen
    Und "wir haben nur ein Leben" sollte auch nicht zum Verbrämen von Egoismus gebraucht werden, wie es öfter mal der Fall ist.
    Dann sollte man aber auch zu seiner Entscheidung stehen, es abschließen und gut.
    Nicht "auf dem Sterbebett" oder sonstwann anderen die Bürde auflegen: "Seht her, was ich FÜR EUCH geopfert habe."
    Das ist einfach nur unfair.

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dann sollte man aber auch zu seiner Entscheidung stehen, es abschließen und gut.
    Nicht "auf dem Sterbebett" oder sonstwann anderen die Bürde auflegen: "Seht her, was ich FÜR EUCH geopfert habe."
    Das ist einfach nur unfair.
    Hat er das so gesagt, Lichtblick?

    Warum habt ihr, warum hat deine Mutter die Zweitbeziehung akzeptiert?
    Ging sie weiter, nachdem dein Vater zur Familie zurückgekehrt ist?

  8. Inaktiver User

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen
    Hat er das so gesagt, Lichtblick?
    Ob das dem Wortlaut nach so geäußert wurde oder nicht - was sonst soll solch eine Beichte aussagen?

    Ich für mich übrigens würde niemals jemanden halten wollen, der aus Pflichtgefühl oder "Verantwortungsbewusstsein" bleibt, obwohl er lieber ginge.
    Einsamer kann man wohl kaum sein als in so einer Beziehung - das gilt m. M. nach ebenso für den, der bleibt als auch für den, der nicht "verlassen" wird.

  9. gesperrt

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen
    Eben!

    Wir haben nur ein Leben - richtig.
    Aber das heißt nicht, dass "Liebe über alles geht".
    Zumal er mit einer Trennung ja nicht nur die Familie zerstört hätte, sondern auch überhaupt nicht klar ist, wie sich "die große Liebe" im Alltag bewährt hätte. Siehe Granny.

    Und "wir haben nur ein Leben" sollte auch nicht zum Verbrämen von Egoismus gebraucht werden, wie es öfter mal der Fall ist.
    Eigentlich ist das Familienargument eher was für die Personen, die nebenher etwas anderes laufen haben.

    Hier finde ich das Beispiel noch zu schwammig, irgendwie haben alle Beteiligten davon gewusst, es gab Trennungen, aber irgendwie wurde es doch erst auf dem Sterbebett verkündet,... keine Ahnung.

    Aber oft ist der eigentliche Egoismus, das Leben in mehreren Welten und von allen das Beste mitnehmen. Das es ist treue Familie daheim noch gibt, liegt meistens an der Unfähigkeit der Ehefrauen zu gehen (ob aus finanziellen Gründen oder aus emotionalen).

  10. User Info Menu

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich für mich übrigens würde niemals jemanden halten wollen, der aus Pflichtgefühl oder "Verantwortungsbewusstsein" bleibt, obwohl er lieber ginge.
    Wenn er lieber ginge, würde er doch gehen.

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