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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Ganz nüchtern betrachtet arrangieren wir uns doch in den meisten Bereichen unseres Lebens: Der Job ist nicht der Knaller, aber sicher und die Kohle stimmt. Die Liebe / Ehe in der wir leben funktioniert. Kinder wachsen gut auf, Freunde, Nachbarn, Haus. Alles gut. Mit dem Partner kommen wir klar, lieben ihn. Und dennoch kann es da tief im Herzen einen Menschen geben den wir die Liebe unseres Lebens nennen. Mit dem wir nur eine kurze Zeit hatten, vielleicht eine heimliche Zeit. Der in uns aber ein Gefühl "produziert" hat, das wir bis dahin nicht kannten.

    Darüber auf dem Sterbebett zu sprechen, finde ich völlig richtig. Befreiend für den Sterbenden, dem diese letzten Momente gehören. Es mag Dich, liebe Lichtblick zurecht (!) sehr verwirren, aber dein Vater hatte das solange in seinem Herzen und konnte es nie rauslassen. Das war für ihn eine Achterbahn der Gefühle. Nimm es ihm nicht übel, er ist mit seinem Frieden gegangen.
    Weißt Du wer die Frau ist? Hast Du darüber nachgedacht es ihr irgendwann mitzuteilen?

    Ich denke eigentlich auch: Wir haben nur ein Leben. Aber wir haben uns oft so eingerichtet dass wir zufrieden sind, es uns gut geht. Die wenigsten brechen da raus und haben den Mut ihrem Herzen zu folgen.

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von marathonmann Beitrag anzeigen
    Du hast ja selbst geschrieben, dass Dein Vater erst auf dem Sterbebett irgendwie den Mut hatte über seine Daueraffäre zu reden. Erst jetzt noch was regeln, was zu Ende bringen.
    .
    Was hat er denn geregelt? Was zu Ende gebracht?

    Abgesehen davon, das die "auf dem Sterbebett" Nummer eh sehr theatralisch ist, finde ich persönlich ein derartiges "last minute" Geständnis unangebracht. Gelinde ausgedrückt.

    Ungefragt einem anderen Menschen etwas aufdrücken und dieser muss dann damit umgehen- ob er will oder nicht. Das ist für mich in erster Linie eine übergriffige Handlung- aus dem Motiv heraus, sein Gewissen zu erleichtern, ohne sich mit den Folgen auseinander setzen zu müssen.

    Da ist kein Mut. Das ist feige.

    Jahrelang schien er ja offenbar kein Bedürfniss nach einer Gewissenserleichterung zu haben. Und dann, wenn darüber zukünftig kein Gespräch mehr möglich ist, wird es an der falschen Stelle der falschen Person aufgedrückt.

    Aber Hauptsache ER hat sich erleichtert, egal auf wessen Kosten und kommt nun nach der Beichte in den Himmel.

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    .....
    Meiner Erfahrung nach ist das eine Erkenntnis, die verständlicherweise selten bei den Betrogenen ankommt: Sie haben mit den Gefühlen in der Affaire erstmal rein gar nichts zu tun. Da geht es nicht um sie, nicht um Konkurrenz, nicht um Betrug, nicht um Geheimnisse, sondern um zwei Menschen, die sich voneinander angezogen fühlen. Der betrogene Partner ist allerhöchstens eine Nebenfigur in dieser Geschichte. Die Beziehung ist nach einer beendeten, nicht aufgeflogenen Affaire genauso gut oder genauso schlecht, wie sie es davor war.

    Was ist mit dem schlechten Gewissen? Ich weiß, dass ich meinen Partner manchmal verletzt habe. Aber im Laufe eines Paar-Lebens sammeln sich Verletzungen an, auf beiden Seiten. Manche sehen auf den ersten Blick "unverzeihlich" aus, ebenfalls auf beiden Seiten. Trotzdem lebt man weiter, liebt man weiter. Es ist nur ein Posten auf einer sehr langen Liste mit Rechnungen und Gutschriften. Das Scheidungsrecht hat schon lang anerkannt, dass man niemals in einer Beziehung den Bösen und den Guten hat (oder zumindest nur in seltenen Fällen).
    .....
    .

    Das ist gut geschrieben. Ja, man ist als der „Betrogene“ wirklich nur eine Randfigur. Auf „standby“ geschaltet, ohnmächtig abwartend wie sich diese Affäre entwickelt. Doch genau darin liegt eben das manchmal fast traumatische für die „Betrogenen“. Du kannst dich nicht wehren dagegen, hast kaum Einfluss auf den Partner. Sehr schwer. Deine Erfahrungen habe ich von meiner Frau ähnlich zu hören bekommen. Zu spüren, dass man doch recht einfach ausgetauscht werden kann und das dann noch vom eigentlich wichtigsten Menschen im eigenen Leben, das ist eben eine heftige Erfahrung.

    Wie soll man damit umgehen? Sich fremdverlieben, kann alles vorkommen. Aber den Respekt nicht ganz dem eigentlichen Partner gegenüber verlieren, das ist wichtig. Das gelingt wohl den wenigsten. Für mich war es ein sehr wichtiger Punkt, dass sie es mir fast freiwillig gesagt hat. Es nach meiner ersten Nachfrage gleich klar erklärt hat. Erst viel später habe ich gespürt, sie hatte noch nicht jeden Respekt vor mir verloren. Und es war nicht nur ihr schlechtes Gewissen.

    Diese Verletzungen mit anderen Verletzungen vom Partner gegenrechnen, ist für mich zu einfach. Es ist sehr fundamental, dieses emotionale Entfernen vom anderen, tut einfach nur fürchterlich weh. Zu spüren, dass ein anderer wichtiger ist. Aber lernen kann man viel daraus. Und vieles anders machen, sich nicht nur ausschließlich auf einen Partner verlassen, zum Beispiel. Oder, dass das bequeme Ausruhen in einer Partnerschaft je ein Ende haben kann. Mir diesen Erkenntnissen und einigen gedanklichen Vorbereitungen auf einen Ernstfall, lebt es sich wirklich ruhiger.
    Wenn du laufen willst dann lauf eine Meile. Willst du aber ein neues Leben, dann lauf Marathon.“
    Emil Zátopek

  4. Inaktiver User

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Syriana Beitrag anzeigen
    Da ist kein Mut. Das ist feige.

    Jahrelang schien er ja offenbar kein Bedürfniss nach einer Gewissenserleichterung zu haben. Und dann, wenn darüber zukünftig kein Gespräch mehr möglich ist, wird es an der falschen Stelle der falschen Person aufgedrückt.
    Es war doch schon vorher "reiner Tisch".
    Die Außenbeziehung war doch bekannt, der Frau und den Kindern. Es gab sogar eine Trennung. Und ein "Wiederkommen."
    Hier war also auch die Frau einverstanden .
    Bei beiden, Mann und Frau, wissen wir nicht, ob pragmatische Gründe, die Verantwortung für die Familie im Vordergrund standen (was ich auch respektieren würde, absolut) oder eben auch Gefühle für die Frau.

    Nur - gefühlsmäßig ist er nie hinterhergekommen, hat die andere noch geliebt, sich nach ihr gesehnt.

    Die meisten Menschen kennen diese Erfahrung - das nicht jede Liebe lebbar ist. Und denken an verflossene Lieben zurück.
    Aber oft kann man einfach nicht zurück! Will auch dem anderen Freiheit lassen, weiß nicht, was ist Projektion, was lebbar.
    Diese beiden haben ihre Liebe zumindest eine kurze Zeit gelebt, jedoch ohne lange wirklichen Alltag zu leben.

    Dass er es seiner Tochter erzählt finde ich an sich einen Vertrauensbeweis.
    Er sagt ja nicht, dass er es bereut, zurück gekommen zu sein.
    Ich verstehe, dass es aufwühlt doch an sich finde ich es eher positiv dass er es gesagt hat.
    Und auch das merkt man ja wenn man Erwachsen wird: Eltern sind eben nicht nur Vater und Mutter sondern genau so eben auch Mann und Frau - mit widerstreitenden Gefühlen wie wir selbst.

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es war doch schon vorher "reiner Tisch".
    Die Außenbeziehung war doch bekannt, der Frau und den Kindern. Es gab sogar eine Trennung. Und ein "Wiederkommen."

    Dass er es seiner Tochter erzählt finde ich an sich einen Vertrauensbeweis..
    Reiner Tisch? Findest du?

    Offenbar hat er eben genau diese relevante Information, das er die andere Frau nicht nur liebt, sondern sie die Liebe seines Lebens war und blieb, unerwähnt gelassen.

    Es ist gut möglich; das seine Frau sein "Wiederkomnen" mit diesem Wissen anders aufgenommen- oder gar nicht mehr gewollt hätte.

    Vertrauensbeweis der Tochter gegenüber finde ich das Geständnis nach wie vor nicht. Ich sehe da eher- wertfrei gesagt - egoistische Motive. Denn es ist nicht fair, jemanden möglicherweise mit etwas (sehr) zu belasten, wissend das man selbst sich vom Acker macht und dem anderen, in dem Fall der Tochter, nicht mal die Gelegenheit gibt, über das ungefragt aufgedrückte Wissen sich austauschen zu können. Soo furchtbar erfreulich oder gar romantisch ist dieses Geständnis ja wirklich nicht.

    Wenn er schon nicht den Mumm hatte, seine Liebe zu leben - oder diese dann insgesamt, all die Umstände betrachtend, dann doch nicht so wichtig war, so konnte er im letzten Moment auch schweigen.

    Ansprechpartner für Liebesgeschichten der Eltern sind nicht die Kinder. Es wäre seine Frau gewesen. Wenn er es unbedingt noch loswerden musste.
    ECSTACY
    Find ectasy within yourself.
    It is not out there.
    It is in your innermost flowering.
    The one you are looking for is you!


    "Heute: Das ist Dein Leben."
    Kurt Tucholsky

  6. Inaktiver User

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Syriana Beitrag anzeigen

    Ansprechpartner für Liebesgeschichten der Eltern sind nicht die Kinder. Es wäre seine Frau gewesen. Wenn er es unbedingt noch loswerden musste.
    Das sehe ich nüchtern betrachtet eigentlich auch so.

    Jedoch kann glaub keiner wirklich nachvollziehen wie es ist und was man sagt oder auch nicht, wenn man in einer einmaligen Ausnahmesituation ist und auf dem Sterbebett liegt, schließlich stirbt man ja in der Regel nur einmal. Es war ihm offensichtlich sehr wichtig, dies seiner Tochter zu sagen. Das sollte man einem Sterbenden dann auch zugestehen denk ich diese letzten Worte und das nicht negativ, sondern das Positive darin sehen. Unabhängig erstmal vom Inhalt.

  7. Inaktiver User

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Syriana Beitrag anzeigen
    Ansprechpartner für Liebesgeschichten der Eltern sind nicht die Kinder. Es wäre seine Frau gewesen. Wenn er es unbedingt noch loswerden musste.
    Das kommt vielleicht auf das Verhältnis an, das man zu den Eltern hat.
    Nicht bei ganz jungen Menschen, nicht als junge Erwachsene, aber später, wenn man gereift ist, selbst einen anderen Blick auf das Leben und die Liebe hat, sieht und erlebt, dass das gelebte Leben auch nur ein Weg von vielen ist, die möglich waren - dann kann es so sein.

    Letztlich empfindet da scheinbar jeder anders. Die TE wirkt auf mich nicht bitter in ihren Gefühlen in Bezug auf das, was das "Geständnis" angeht.
    Natürlich ist es schöner zu hören, dass die Mutter/der Vater die große Liebe war. Aber manchmal ist es eben nicht so.
    Wie die Mutter das empfunden hat, ob sie dachte es ist "reine Liebe" weswegen er zurück kam oder es selbst eher pragmatisch sah, das wissen wir übrigens nicht.

    Außerdem denke ich, dass so etwas - das romantische Zurückdenken an diese "große Liebe" auch viel mit dem Charakter eines Menschen zu tun hat. Es gibt Menschen, die neigen sehr dazu, romantische Lieben zu verklären, andere sind pragmatischer, leben im Hier und jetzt.
    Ersteres mag man Weltflucht nenne, ist aber eben zum Teil auch Veranlagung.

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Syriana Beitrag anzeigen
    Reiner Tisch? Findest du?
    ......
    Denn es ist nicht fair, jemanden möglicherweise mit etwas (sehr) zu belasten, wissend das man selbst sich vom Acker macht und dem anderen, in dem Fall der Tochter, nicht mal die Gelegenheit gibt, über das ungefragt aufgedrückte Wissen sich austauschen zu können. Soo furchtbar erfreulich oder gar romantisch ist dieses Geständnis ja wirklich nicht.

    Wenn er schon nicht den Mumm hatte, seine Liebe zu leben - oder diese dann insgesamt, all die Umstände betrachtend, dann doch nicht so wichtig war, so konnte er im letzten Moment auch schweigen.

    ......
    .

    Hart aber herzlich….

    Ja, ich frage mich auch nach der Motivation so etwas noch loszuwerden. Die Liebe des Lebens oder doch nur der Traum des Lebens. Wohl eher das letztere. Denn wenn es Möglichkeiten gegeben hätte diese Liebe wirklich zu erleben, dann wären auch Wege dazu in zwanzig Jahren zu finden. Die Gründe warum nicht, waren dann doch sicher so fundamental, so gewichtig, dass es eben nicht dazu kam.

    Da blieb es zeitlebens eben nur ein schöner Traum, der sicher mit der Zeit immer verklärter wurde. Am Ende macht der Mensch sich selbst was vor und trauert einer vielleicht eingebildeten „Chance“ nach. Einer Chance, die eben wohl nie wirklich existierte. Für den eigenen Seelenfrieden wäre da ein offensiverer, auch ehrlicherer Umgang mit sich selbst besser.

    Die wirkliche Liebe hat er ja mit einer anderen Frau gelebt. Mit seiner. Eine sehr lange Zeit. Diese Beziehung hat vielem getrotzt, bis zum Ende. Das andere war nur ein Traum. Und ein Traum, vor dem ich Angst habe ihn umzusetzen, wo es Gründe gibt warum nicht, kann nicht so was außergewöhnliches sein. Mal ehrlich betrachtet.
    Wenn du laufen willst dann lauf eine Meile. Willst du aber ein neues Leben, dann lauf Marathon.“
    Emil Zátopek

  9. Inaktiver User

    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von marathonmann Beitrag anzeigen
    Das andere war nur ein Traum. Und ein Traum, vor dem ich Angst habe ihn umzusetzen, wo es Gründe gibt warum nicht, kann nicht so was außergewöhnliches sein. Mal ehrlich betrachtet.
    Das weiß ich nicht.
    Es sind für mich irgendwie zwei Paar Schuhe.

    Für ihn war es etwas wichtiges, etwas außergewöhnliches, vielleicht "nur" ein Ventil für seine romantische Ader, die im Alltagspragmatismus nicht lebbar war.
    Eine andere Liebe als die zum Beispiel für seine Kinder die auch von Verantwortung für seine Kinder, für seine Frau, geprägt war.
    Ich würde das nicht so werten.

    Ich persönlich finde das Geständnis erstmal eher "anrührend", wie Vienna beschreibt kann man diese Situation auf dem Sterbebett nicht vorausplanen, wie man da fühlt, was da auf dem Herzen ist.
    Er konnte sich von seiner Tochter verabschieden, ihr wichtiges, als Mensch, sagen.
    Das ist schon mal viel und vielen Menschen nicht gegeben.

    Und - er hat ja nicht ein Leben lang eine Lüge gelebt, in dem er betrogen hat, sondern es gab die Trennung, es gab die Rückkehr. Ich finde das schon einen Unterschied.
    Die Gedanken sind frei, auch in einer Beziehung. Letztlich sind die Handlungen, das sehe ich wie Du, entscheidender.

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    AW: Jahre nach der Affäre, dem Seitensprung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Letztlich empfindet da scheinbar jeder anders. Die TE wirkt auf mich nicht bitter in ihren Gefühlen in Bezug auf das, was das "Geständnis" angeht.
    Mir geht es nicht (nur) um diesen speziellen Fall hier. Generell finde ich es prekär aus persönlichen Entlastungsmotiven heraus einen anderen Menschen mit etwas zu beladen, das auch eine Belastung ist oder sein kann.

    Der Mann hatte jahrelang Zeit, seine Gefühlslage hin- und her zu wälzen. Sich jemandem anzuvertrauen. Nicht ausgerechnet dann, wenn der ungewollt Ausgewählte das anhören muss ohne die Chance einer weiteren Rücksprache dazu. Nein, "anrührend" finde ich das nicht.
    ECSTACY
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