Hallo zusammen,
nachdem ich mich schon eine Weile durch diverse Stränge gelesen habe und es toll und hilfreich finde, wie hier miteinander diskutiert wird, möchte ich jetzt auch (ich versuche es kurz!) mein Problem schildern. Vor allem würde mich eine wirklich realistische Einschätzung der Lage interessieren, denn meine Wahrnehmung ist inzwischen komplett durcheinander bzw. ich traue ihr nicht mehr richtig.
also, ich versuche es kurz zu schildern (ergänzen kann ich immer noch)
wir sind seit 15 Jahren verheiratet, Kinder sind auch da. Keine einfache Beziehung, von Anfang an nicht, aber er war meine große Liebe und niemand war glücklicher als ich, als wir geheiratet haben. Umso weniger verstehe ich , was aus uns geworden ist.
Wir sind sehr gegensätzlich, aber das war nie so ein Riesenproblem. Mein Mann ist gern unter Leuten, geht gern aus, steht gern im Mittelpunkt. Ich weniger, bin eher ruhig und zurückhaltend...
Wir haben schnell Kinder bekommen, ich bin daheim geblieben - mein Mann hat sich selbständig gemacht. Gemeinsam weggehen wurde - wir wohnen ohne Verwandschaft hier - in den ersten Jahren zur Seltenheit, mein Mann ist aber nach wie vor weggegangen. War auch absolut ok für mich, auch wenn ich jetzt im Nachhinein denke, ich hätte eher etwas sagen müssen.
Kurz und gut, nach sieben Jahren Ehe hatte mein Mann eine andere. Ich bin klassisch und durch einen blöden Zufall drüber gestolpert, hatte aber schon monatelang das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Es gab ein paar Monate ein Hin und Her , bis dass mein Mann sich für mich entschieden hat. Ich war damals froh und glücklich und habe sehr sehr viel Schuld an dem Seitensprung bei mir gesucht. Vor lauter kleinen Kindern kam eben einiges zu kurz bei uns.
Wirklich etwas geändert hat sich leider nicht - wieso auch, verarbeitet haben wir die Affäre wohl nicht. Und so schlich sich nach einiger Zeit wieder das in unseren Alltag, was die nächste Krise auslöste. Ich fühlte mich völlig missachtet von ihm, er lebte sein Leben, führte getrennte Schlafzimmer ein, (die ich nicht wollte, aber nicht verhindern konnte..), ging abends weg usw.....also eigentlich ein Leben wie jemand , der keine Familie hat. Trotzdem hatten wir wirklich auch schöne Zeiten - wenn er was mit der Familie gemacht hat, dann war das auch schön - aber ein wirklicher Familienmensch war er wohl nie.
Mein Frust wurde innerlich immer größer, ich habe mir das aber nicht eingestanden, dass mir etwas fehlt. Irgendwann gingen mir die vielen einsamen Abende zu Hause auf die Nerven (die Kinder waren jetzt ja auch schon größer) und ich habe mich viel mit dem Internet beschäftigt. Eine Freundin erzählte mir von einem Chat, bei dem ich dann auch mal herein geschaut habe. Das war faszinierend, ich konnte mich locker und offen unterhalten (was mir im wirklichen Leben manchmal schwer fällt), und ich lernte dort einen Mann kennen, mit dem ich zu Beginn nur herum blödelte. Es war natürlich toll zu hören, dass man sich mit mir gut unterhalten kann etc.. - das war ich nicht gewohnt. Plötzlich bezeichnete mich jemand als witzig und nett und... also, ich kürze es ab - ich traf mich mit diesem Mann und nach ein paarmal Kaffee trinken, landeten wir da, wo wir nicht hätten landen sollen : ich begann eine Affäre. Das tat meiner Ehe zunächst ganz gut, ich wurde locker und selbstbewusst. Blöd daran war, dass ich sehr schnell spürte, dieser Mann will nur Sex - sonst nichts.
Insgesamt haben wir uns neunmal getroffen und schon nach dem dritten Mal, wusste ich, dass ich das beenden muss....AAABER: es war ja auch so schön und mein Mann daheim, nahm mich gar nicht mehr wahr. Und so dachte ich - blöd - wie ein Kind: nur noch ein einziges Mal, nur noch einmal...
Mein Mann wurde - aufgrund der Veränderung , die bei mir passierte, dann irgendwann doch aufmerksam und so kam was kommen musste (ich war so vollkommen naiv, dass man wirklich darüber stolpern musste!!) : die ganze Sache flog auf. Im Grunde war ich froh drum, hatte ich mich doch heillos verstrickt und Gefühle entwickelt, die keineswegs erwidert wurden. Schluss machen wollte ich sowieso, aber die Kraft noch nicht gefunden.
So, das Problem ist: die ganze Affäre ist jetzt drei Jahre her und mein Mann lässt wenig Gelegenheit aus, mir das unter die Nase zu reiben. Ich habe ihn um Verzeihung gebeten, wir haben nächtelang geredet, ich habe gesagt, dass ich sehr bereue, was passiert ist - aber für ihn bin ich nur die Nutte oder Schlampe, die sich mit Typen aus dem Internet einlässt.
Wohlgemerkt, er hat zu Beginn gesagt, dass er mit mir zusammen bleiben will , dass er es mit mir weiter versuchen will, auch aufgrund dessen, dass er weiß, dass er mich auch betrogen hat.
Aber auch nach drei Jahren hören die demütigenden Bemerkungen nicht auf. Zu Beginn dachte ich ja auch, mit der Zeit wird es besser, wenn er merkt, dass er mir wieder vertrauen kann, dann hört er mit den verletzenden Bemerkungen auf. Aber das ist nicht so.
Inzwischen bin ich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter kann. Ich möchte gern mit ihm leben - aber ich möchte nicht ständig erniedrigende Bemnerkungen hören. Er macht es nicht jeden Tag, aber immer mal wieder werden kleine Spitzen eingestreut. Und ich ertrag es einfach nicht mehr...
Meine Frage an euch (oder vielleicht auch an die Männer, die das aus eigener Erfahrung kennen) : hört das noch auf? Kann er die Demütigungen lassen - oder muss ich wirklich gehen?? Ich bin nämlich am Ende. Keiner hört gern, dass man ja in Wirklichkeit eine H..ist
Es tut nur noch weh....
Ich weiß nicht mehr, was ich nach drei Jahren noch tun soll, damit es mal wieder anders wird....manchmal fürchte ich, er kann mich gar nicht mehr lieben...
Es tut mir leid, wenn das jetzt so lang geworden ist...
aber ich würde mich wirklich über Meinungen freuen...
Viele Grüße
Letizia
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15.12.2006, 22:04
Hören die Demütigungen noch auf??
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15.12.2006, 22:17
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Liebe Letizia,
wie wärs, wenn du mal dagegenschießt?
Er ist nicht fehlerlos, ihr habt beide Anteil an dem, wie es heute ist.
Tu was für dich, und wehr dich!
Und sprich mit ihm.
Über dein Empfinden, deine Vorstellungen und Wünsche!
Lass dich nicht weiter in die Ecke drängen!
Liebe Grüße
Kaffeesahne
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15.12.2006, 22:35
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Hallo Letizia,
aus meiner Erfahrung weiß ich, daß es immer ein
unterschiedliches Paar Schuhe ist wer ein Affäre hat.
Während man es Männern nachsieht, sind Frauen dann
Schlampen. Merkwürdiges Gesellschaftsritual.
Deiner Schilderung nach wurdest Du wie ein Möbelstück
behandelt, daß zwischenzeitlich mal abgestaubt wurde.
Es ist völlig klar, daß Dir bei Deiner Affäre Aufmersamkeit
geschenkt wurde, die Du über Jahre vermißt hast.
Selbst wenn nur der Sex im Vordergrund stand,so ist doch
das Gefühl da gewesen "Frau" zu sein, begehrt zu werden.
Was willst Du festhalten in Deiner Beziehung?
Du versuchst etwas schönes zu konservieren
was ziemlich unschön geworden ist.
Alles Positive, was Du Dir mit Deiner Affäre gegönnt hast,
versucht nun Dein Gatte zu zerstören.
Du hattest Dir mit Deiner Affäre ein Stück Persönlichkeit zurückgeholt, das über die Jahre Deiner Ehe verloren gegangen ist.
Lies Dir mal bitte Deinen Text durch und stell Dir vor, Du seist die Freundin dieser Person, die den Text "Letizia" verfaßt hat.
Wolltest Du so leben? Was würdest Du ihr raten.
Gruß
DaddaGeändert von dadda (15.12.2006 um 22:54 Uhr)
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15.12.2006, 22:36
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Auch wenn du Fehler gemacht hast, demütigende Bemerkungen und Erniedrigungen mußt, darfst, solltest du dir nicht gefallen lassen. Deine Kinder bekommen das sehr wohl mit, und du machst immer mehr Zugeständnisse, um ein wenig freundlicher behandelt zu werden. Zieh einen Schlußstrich. Sag deinem Mann, daß es dir immer noch leid tut und du das Ganze bereust, aber es nicht mehr dulden wirst, wie er dich behandelt. Notfalls zieh Konsequenzen und such dir eine eigene Wohnung. Du bist keine Nutte (und selbst wenn, das ist ein anerkannter Beruf mit Gewerkschaft und allem ;-)) und mußt dich nicht als solche bezeichnen lassen, egal von wem.
Lieber Smarties als Smartphones! (von mir)
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15.12.2006, 22:38
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Liebe Kaffeesahne,
danke für deine Antwort.
Ja, ich habe viel mit ihm gesprochen. Ich habe mich auch gewehrt: das endet meist mit einem Riesenkrach, weil wir keinen Schritt voran kommen. Er versteht nicht, wieso mich das so rasend wütend macht ("Das hättest du dir vorher überlegen sollen...") und ich finde wohl nicht die richtigen Worte, etwas rüberzubringen und irgendwann hauen wir uns nur noch gegenseitig die Verletzungen um die Ohren.
Mit ignorieren habe ich es probiert - aber das kann ich nur eine Zeitlang durchhalten, weil es mich so sehr verletzt, dass ich irgendwann rot sehe....
Ich habe ihm gesagt, dass es mich verletzt, aber trotzdem hört er nicht auf...
Oft schon habe ich gedacht, das schreibt er womöglich noch auf meinen Grabstein....
wenn ich nur wüsste, ob und wann es aufhört und was ich unternehmen kann, damit(!) er aufhört.
Grüße
Letizia
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15.12.2006, 22:46Inaktiver User
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Hallo Letizia,
nein, ich glaube nicht, dass das je aufhören wird, wenn Du dem nicht einen Riegel vorschiebst.
Du hast Dich von Deinem Mann jahrelang wie eine Haushälterin behandeln lassen.
Du hast den Haushalt geführt und die Kinder betreut, Dein Mann hat sein Junggesellenleben weitergeführt, ist ausgegangen und wird Dich wohl nicht nur dieses eine Mal betrogen haben.
Er hat überhaupt keinen Grund nun auf dem hohen Ross zu sitzen!
Ihr habt Kinder, die kriegen auf jeden Fall mit, wie Dein Mann Dich behandelt.
Bitte, lass Dir das nicht gefallen!
Er wird damit nicht aufhören, zieh Du einen Schlussstrich, zieh aus!
Wenn Ihr überhaupt noch eine Chance habt, dann nur, wenn Dein Mann merkt, dass er so mit Dir nicht umspringen kann!
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15.12.2006, 22:56Inaktiver User
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
so sehe ich das auch, er wird immer sein Gewissen mit dem was er tut reinwaschen, Hauptsache er kann gut dastehen.
Ich hab auch so ein Held, der nur sieht, wie schlecht es ihm geht. muss ganz ehrlich sagen, nach der ganzen sache, seh ich noch manchmal nach, aber es tut nicht mehr so weh
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15.12.2006, 23:00Inaktiver User
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Ich glaube gar nicht mal, dass er sowas wie ein schlechtes Gewissen hat.
Zitat von Inaktiver User
Er fühlt sich einfach gut dabei, sie runterzumachen!
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15.12.2006, 23:03
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Hallo,
Ja, ich spüre das auch, dass es so nicht mehr gehen kann, habe aber meiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr wirklich getraut. Manchmal hilft der Blick von außen.
Das Problem sind meine großen Schuldgefühle, so dass ich dachte (oder denke), ich muss alles, aber auch alles versuchen, es doch wieder hin zu kriegen.
Und meine Angst natürlich - das gebe ich zu. Ich will so gern den Kindern, die Familie erhalten - aber offenbar geht das wirklich nicht.
Immer denke ich: noch eine Chance gebe ich - und dann noch eine ...usw.
Es gibt ja auch gute Tage dazwischen -nur wenn wir Stress haben, dann ist es so, als lägen keine drei Jahre dazwischen, sondern es ist bei ihm so frisch, wie eh und je. Damals hatte er mir gesagt, dass er weiter mit mir zusammen sein will. Aber er schafft es offenbar nicht, die Sache ruhen zu lassen. Und Hilfe von außen - sprich Therapie - lehnt er ab. Manchmal denke ich, jemand müsste doch mit ihm reden können , ihm mitteilen, dass es so nicht geht, aber wer denn??
Ganz lieben Gruß
Letizia
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15.12.2006, 23:09Inaktiver User
AW: Hören die Demütigungen noch auf??
Letizia, so leid es mir tut,da gibt es niemandem, der ihm das beibringen könnte.
Zitat von Letizia
Dein Mann hat sich in Eurer ganzen Ehe nicht wie ein Ehemann aufgeführt.
Warte nicht auf eine Änderung, es wird keine geben, ich spreche da aus Erfahrung.
Selbstkasteiung bringt gar nichts, Du bist nicht aus einer Ehe ausgebrochen, eine Ehe in dem Sinne hat es nie gegeben.


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