Guten Morgen !
Ja, Helga, genau so meinte ich es.
Oder:
Ich versuche mal, ein paar Beispiele zu finden:
der/die Betrügende war vielleicht o.g. arrogante Mensch - soll Toleranz gegenüber anderen lernen, oder Demut oder ...
der/die Betrogene hat sich vielleicht immer aufgeopfert für andere - soll lernen, auch mal auf sich zu schauen, ...
der/die Geliebte ist vielleicht ein sehr besitzergreifender Mensch -
soll lernen loszulassen, ...
wobei ich glaube, die Rollen sind untereinander austauschbar.
Ich vermute, dass man das Warum oft erst erkennt, wenn die "Geschichte" ausgestanden ist.
Prijon, habt ihr euch nicht auch erst jeder selbst angeschaut, bevor ihr beschlossen habt, es zusammen zu versuchen? Das kann ich nicht beurteilen, aber es würde mich interessieren.
Das alles ist jetzt natürlich nur meine Theorie auf der Suche nach dem Sinn.
Überhaupt bin ich immer noch erstaunt, wie intensiv ein Mensch empfinden kann, dass - wie auch du Helga, schreibst - ein Gefühl dermaßen über den Kopf siegen kann, dass man so handelt.
Das ist das, was - zumindest für mich - vermutlich unverständlich bleiben wird.
Gefühle kann man wohl nicht erklären. Müssen wir akzeptieren lernen, dass sie weit stärker als der Verstand sein können?
Schöne Grüße
Shiva
Antworten
Ergebnis 31 bis 40 von 241
-
26.11.2006, 06:00
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
*Beurteile nie jemanden, in dessen Haut du noch nicht gesteckt hast*
*Auch das Zufälligste
ist nur ein auf entfernterem Wege
herangekommenes Notwendiges*
(Arthur Schopenhauer)
-
26.11.2006, 09:15
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Prijon, habt ihr euch nicht auch erst jeder selbst angeschaut, bevor ihr beschlossen habt, es zusammen zu versuchen? Das kann ich nicht beurteilen, aber es würde mich interessieren.
Ich würde es einen Deut anders ausdrücken:
Am Anfang stand die Grundsatzentscheidung, dass die Affäre nicht automatisch das Ende unserer Ehe sein sollte. Dass wir (ergebnisoffen) "anschauen" wollten. Im Zuge dieses Anschauens haben wir (erst alleine, dann mit Hilfe unserer Therapeuten noch besser) gelernt, dass in diesem Prozess am besten jeder BEI SICH bleibt. Also: Sich erkundet, erfühlt - und das dem Partner dann mitteilt, auf dass der für sich einordnen kann, wie er mit diesem Gegenüber klar kommt.
Das war also eigentlich schon ein sehr gemeinschaftlicher Prozess.
Deshalb würde ich mir grundsätzlich wünschen, dass so etwas
Es ist ja meist erst nur einer, der vom "Blitz getroffen" wird und dann den Steins in Rollen bringt, oft eben ungewollt. Jedenfalls glaubt er/sie, dass es ungewollt ist.
in erster Linie und überhaupt einmal zur Komunikation der beiden Partner untereinander führen würde.
PrijonGeändert von Prijon (26.11.2006 um 09:22 Uhr)
-
26.11.2006, 09:53
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Guten Morgen Prijon,Was ist denn "alles"?
Ich würde von meiner Frau wissen wollen, wenn ein anderer Mann für sie sehr wichtig würde. So wichtig, dass das die (vereinbarte) Exklusivität unserer Beziehung in Frage stellt. Genauso, wie sie das von mir erfahren hat, als mir das passierte.
nein, "alle Welt" hängt sich nicht daran auf, aber für mich ist ist es ein wichtiger Punkt, wieviel von seinen Gedanken man preis gibt. Da wir anscheinend verschiedene Einstellungen haben, interessiert es mich, mich mit Dir über diese Frage zu unterhalten.
Als ich las, Du würdest "alles" wissen wollen, habe ich mich an einen Fall erinnert, der kürzlich in meinem Bekanntenkreis auftrat. Ein Ehepaar, das sich "alles" sagt. Die Frau erzählt desdwegen ihrem Mann zu hause, dass sie ihren Arbeitskollegen sehr attraktiv findet, sich auch ein wenig in ihn verliebt hat und es genießt, mit ihm in der Mittagspause Gespäche zu führen. Nicht mehr und nicht weniger und alles, was sich in ihrem Kopf sonst abspielt, sind kleine Luftschlösser, Träume, die sie NIE realisieren würde. Für sie ist alles harmlos und in der Realität würde sie ihre Träume nie ausleben. Warum erzählt sie das? Ihr Mann ist am Ende, fühlt sich nicht mehr begehrt, unattraktiv und ist gekränkt.
Daher lautete meine Frage an dich, Prijon, würdest Du auch von solchen kleinen "Schwärmereien" wissen wollen?
Indem sie ihrem Mann davon erzählt hat, hat sie doch erst den Keil in ihre Partnerschaft getrieben. Daher ist es gar nicht so einfach zu unterscheiden, wo wird die "Exklusivität der Beziehung" berührt oder wo stelle ich sie selber in Frage, aus Gekränktheit und zerstöre damit völlig unnötig.
-
26.11.2006, 10:16
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Nein Murkami,
der Keil ist ein anderer als der, den Du siehst. Ich weiß das deshalb, weil "unsere" Geschichte genauso begann - ich wusste auch von dem anderen und davon, dass meine Frau etwas für ihn empfand. Und dann passierte auch bei mir das:
Ihr Mann ist am Ende, fühlt sich nicht mehr begehrt, unattraktiv und ist gekränkt.
(mit dem Unterschied, dass ich dann auch noch eine Stärke vorgegauckelt habe, die ich gar nicht hatte)
Der Mann hat ein Problem. Dieses Problem verschwindet nicht dadurch, dass man ihn "dumm hält". Dieses Problem kann nur er selber beseitigen. Es ist nicht Aufgabe seiner Frau, auf sein mangelndes Selbstwertgefühl "Rücksicht zu nehmen". ABER: Dadurch, dass sie sich "ihm zugemutet hat" mit ihren Gefühlen und Gedanken, dadurch ist doch jetzt das Problem auf dem Tisch. Ist doch gut so.
Nicht mehr und nicht weniger und alles, was sich in ihrem Kopf sonst abspielt, sind kleine Luftschlösser, Träume, die sie NIE realisieren würde.
Da würde ich heute kein Pfund Butter mehr drauf verwetten, dass solche Dinge NIE realisiert werden. Vor allem in einer solchen Konsellation nicht - da, wo ein Partner sowieso ein grundsätzliches Problem mit sich selbst hat.
Prijon
Ein Nachsatz:
Wenn dieses Paar - so wie Du schreibst - sich schon immer alles erzählt, dann wundert mich die Geschichte ohnehin. Hätte seine Frau bei einer solchen Offenheit nicht wissen müssen, wie es um ihren Mann bestellt ist? Zwischen "erzählen" und "sich dem anderen zumuten" liegen auch Welten....Geändert von Prijon (26.11.2006 um 10:23 Uhr)
-
26.11.2006, 10:26Inaktiver User
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Zitat von Prijon
-
26.11.2006, 10:29Inaktiver User
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Vielleicht noch einmal so:
Man muss nicht alles erzählen.
Aber alles, was wichtig ist oder wird.
Und man muss alles erzählen können.
D.h. sowohl, dass ich auch mit allen meinen "Nicht-so-Schokoladen-Seiten" zum Partner kommen kann, wie auch, dass ich nichts mache, was so daneben ist, dass ich es wirklich nicht erzählen könnte.
Gruß, Leonie
-
26.11.2006, 11:09
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Hallo Prijon,
Ich sehe es so, dass der Mann erst ein Problem mit sich und seinem Selbstbewusstsein hat, seit er von diesem Arbeitskollegen weiss.Der Mann hat ein Problem. Dieses Problem verschwindet nicht dadurch, dass man ihn "dumm hält".
Aber:
[quote]Zwischen "erzählen" und "sich dem anderen zumuten" liegen auch Welten..../QUOTE]
Das trifft es wohl eher. Daher habe ich ja so auf dem "alles" rumgehackt, man sollte unterscheiden können und dürfen zwischen dem, was ich mitteile und dem, was ich lieber für mich behalte.
So ähnlich wie Du es schreibst, Leonie:
Das gefällt mir ganz gut.Man muss nicht alles erzählen.
Aber alles, was wichtig ist oder wird.
Ja, eben! Deswegen hat es mich ja auch nachdenklich gemacht. Man trifft vorher Vereinbarungen, will sich immer alles erzählen, tut das auch. Und dann kommt auf einmal ein Punkt, wo es gar nicht so gut war, das so zu halten. Man merkt erst, was man angerichtet hat, wenn der andere schon gekränkt ist. Zwischen Theorie und Praxis ist halt immer ein Unterschied.Wenn dieses Paar - so wie Du schreibst - sich schon immer alles erzählt, dann wundert mich die Geschichte ohnehin. Hätte seine Frau bei einer solchen Offenheit nicht wissen müssen, wie es um ihren Mann bestellt ist?Geändert von Murkami (26.11.2006 um 11:15 Uhr)
-
26.11.2006, 11:17
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Schokoladenseiten hin oder her, Alles erzählen können...und nicht müssen....dieses wird aber auch vom "Ohr" des Partners abhängig sein.
Das verlangt gewissermaßen eine halbwegs gleiche Wellenlänge und in meinen Augen fast noch wichtiger, die Kommunikationsfähigkeit, die für jede Partnerschaft erforderlich, aber auch eine individuelle ist.
Sage ich: der Himmel ist blau und die Sonne scheint und habe einen Partner der schon, allein um eine mögliche Diskussion anzuheizen erst einmal nein sagt...dann wird Kommunikation zu einem Stressfaktor, weil sich diese Form der Kommunikation bis ins läppischste Alltagsdetail hineinzieht. Und die Feststellung, daß die Sonne scheint, ist nicht gezwungenermaßen problembehaftet.
Die Gefahr ist, daß wenn Kommunikation Stress bedeutet, und sich weiterer Stress dazugesellt, dann wird die "nicht wichtige" Kommunikation abgeschaltet....dann die schon etwas wichtigere.....dann auch die wirklich wichtige....und dann folgt der Kommunikationsabsturz. Langer Weg dahin...aber wie mir scheint, geläufig in vielen "älteren" Partnerschaften, besonders die, die wie schon gesagt, es nicht schaffen ihre Beziehung neu zu orientieren, neue Ziele zu setzen.
Dann versuch mal ein ungezwungenes Gespräch wieder zu führen....echt nicht einfach.
Also wird wohl zu differenzieren sein, worüber man redet und wie darüber zu reden ist.
Spreche ich über meine Gefühle, möchte ich zumindest sicher gehen, daß mein Partner das versteht. Ich brauche, allein um diese Sicherheit zu erlangen, mehr Worte, muß Worte benutzen, denen mein Partner die gleiche Bedeutung beimißt.
Da wären wir wieder bei der "Wellenlänge".
Und wenn es dann dazu kommt, daß es in einer Partnerschaft um mehr als das Gefühlsleben innerhalb dieser Partnerschaft geht, dann kommt doch sehr schnell das Thema auf: "Wellenlänge in den Moralvorstellungen".
Und in diesem Themenbereich, werden gerne die Ohren zugeklappt, da feht der Empfang....oder der Sender ist so sehr nur auf senden ausgerichtet, daß er die Empfangsbereitschaft übersieht, weil diese nicht auf der Wellenlänge zurückkommt, auf welche sich der Sender geeicht hat.
Ein mir sehr vertrautes Kommunikationsproblem.
Euch ein schönes Wochenende
Liebe Grüße
Fire & IceICH HAB NE LILA KUH....ICH BIN EINE PRINZESSIN !!!
-
26.11.2006, 11:19
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Oh, oooops, sorry, das mit dem Kurz klappt irgendwie nicht.
ICH HAB NE LILA KUH....ICH BIN EINE PRINZESSIN !!!
-
26.11.2006, 12:41
AW: Wie soll es weitergehen...2.Teil - Anhang
Hallo Murkami,
Du meinst, ein normal selbstbewusster Mann könnte von so einer ja eher harmlosen Eröffnung dermaßen in seinem SELBST getroffen werden? Glaub ich nicht...
Zitat von Murkami
Ganz großer Widerspruch. Ich möchte Leonie zitieren:
Zitat von Murkami
Und man muss alles erzählen können.
(ein Satz, den Du interessanterweise ausgeklammert hast, als Du Dich auf sie bezogen hast)
Natürlich entscheidet jeder für sich selbst, was er mitteilt und was nicht.
Mein Ansatz ist der: Beziehungsrelevante Dinge werden mitgeteilt. Der Partner hat ein Recht darauf.
Deinen Ansatz verstehe ich so: DU entscheidest, was Du mitteilen möchtest. Du versteckst Dinge, von denen Du MEINST, sie könnten Deinen Partner verletzen.
Das ist für mich eine Bevormundung. DU entscheidest, was IHN verletzt. DU bestimmst, OB er verletzt sein "darf" oder nicht. In meinen Augen stellst Du Dich damit meterweit über Deinen Partner.
Ich sage: Ich habe ein Recht darauf, verletzt zu sein. Und ein Recht darauf, mit meinen Verletzungen so umzugehen, wie ICH das für richtig halte. Das allerletzte, was ich brauche, ist ein Partner, der mich SCHÜTZT. Ich bin erwachsen und will auch so behandelt werden. Meine Beziehung ist die zweier erwachsener Menschen.
Dass es "nicht gut" war, ist aber doch alleine Deine Interpretation. Ich sage: Es war gut. Es hat etwas offen gelegt, was diesem Paar bisher offensichtlich nicht bewusst war. Und jetzt hat es die Chance, damit umzugehen.
Zitat von Murkami
Ich mag noch ein paar Gedanken schreiben zu dem von mir oft gebrauchten Begriff "Zumutung".
Zumutung ist MUT.
Ich habe den Mut, MICH so zu zeigen, wie ich bin.
Ich habe den Mut, meinen Partner mit mir zu konfrontieren
Ich habe den Mut, seine Reaktionen darauf anzunehmen
Ich baue darauf, dass auch er mutig ist und einen für ihn richtigen Umgang mit dem Thma findet.
Ich habe den Mut, mit ihm zusammen nach Lösungen zu suchen.
Prijon
(geht jetzt mutig Wäsche aufhängen)


Zitieren
